Lyriost – Madentiraden

31.08.2014 um 12:28 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 42

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 42

Betäubt vor Entsetzen sah sie der Konfrontation mit ihm entgegen, während er seinen Blick langsam in ihre Richtung schickte.“

Da fragt man sich, weshalb bei Operationen solch ein kostspieliger anästhesistischer Aufwand betrieben wird, wo anscheinend doch allein das Entsetzen ausreicht, um die Patienten zu betäuben: „Hier, schau mal, mit diesem Skalpell werde ich dir den Bauch aufschneiden.“ Bum, der Patient fiele sicher um, wenn er noch stünde. Also, Entsetzen als das neue, praktische Betäubungsmittel, das nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt? Wird wohl nicht funktionieren, weil der Patient vielleicht „starr“ oder „gelähmt“ wäre vor Entsetzen, aber keineswegs „betäubt“.

Wie schickt man einen Blick langsam? Mit DHL oder besser mit Hermes? Oder einfach so? Normalerweise sind Blicke ja ziemlich fix, jedenfalls fixer als DHL-Express, und man muß sie auch gar nicht schicken, man blickt einfach – und fertig. Aber eventuell leidet der Blickende hier an einer Lidrandentzündung mit Verkleben; da kann es schon mal etwas länger dauern.

Dann aber, als er die Augen mühsam aufgesperrt hat, blickt er richtig schnell und gut und dauerhaft und in Farbe: „Sein stahlblauer Blick saugte sich an ihr fest.“ Warum nicht gleich: Ihr Körper wurde überzogen mit Abertausenden stahlblauen Saugtentakeln seiner Blicke. Das wäre mal innovative Bildsprache. Was wir nicht erfahren, aber gerne wüßten: Wo genau, an welcher Stelle wird der stürmische blaue Blicksauger („ozeanblaue Sturmaugen“) besonders aktiv?

Nun „teilte sich sein Mund ein wenig“, weil er etwas sagen will, aber es kommt nur „Hallo, Chloe“. Dafür extra den Mund teilen? Denkt man, aber der Erfolg ist riesig: „Diese harmlosen Worte flossen wie süßer Honig über seine Lippen“, die geteilten, „und linderten ein wenig die heiße Wut, die schwelend in ihr brodelte ...“ Chloe denkt jetzt wieder mehr an den „feuchten Tau ihres Unterleibs“.

Was mir noch aufgefallen ist: In meiner Vorstellung wollen schwelen und brodeln so gar nicht zueinander passen. Während schwelen etwas Dauerhaftes, aber eher Zurückhaltendes, eher Sanftes ist mit ungewissem Ausgang, muß beim Brodeln, das einen ziemlich rüden Charakter hat, mit einer Eruption gerechnet werden, und es brodelt vor einem Ausbruch meist nicht allzu lange. Schwelendes Brodeln ist daher, wie man solche widersprüchlichen attributiven Aussagen gern nennt, ein „hölzernes Eisen“. Solcherart semantische Schnitzer gibt es in diesem Buch viele.

Bald geht’s weiter mit Seite 43 und „gefräßiger Wut“.

29.08.2014 um 12:02 Uhr

Heimliches Propagandaministerium?

von: Lyriost

Heimliches Propagandaministerium?

Wer die Berichterstattung in den deutschen Medien zum Ukraine-Konflikt aufmerksam und kritisch verfolgt, ist erstaunt darüber, wie von FAZ („Putins Krieg“) bis taz („Russen nehmen Grenzstadt ein“), ZEIT („Russische Invasion“) Focus sowieso („Hier marschieren russische Soldaten über die Grenze“) der Gleichtakt eingehalten wird, und das ganz ohne sichtbaren Taktgeber. Eine sich selbst reproduzierende Lügensymphonie. (Da erscheint ja die Stimme Russlands ausgewogener.) Und das ganz ohne einen Dirigenten im Propagandaministerium. Gibt es vielleicht längst wieder ein geheimes Ministerium dieser Art? Schwingt da ein Verehrer von Onkel Goebbels den Taktstock, der es den Russen mal so richtig zeigen will, oder ist es nur Onkel Sam, der aus der Ferne die Strippen zieht, weil er seine faktische Weltherrschaft nicht nur mit Rating-Agenturen zementieren kann?

Objektivere Berichterstattung:

Nachdenkseiten
Telopolis

Noch etwas Hintergrund

Als die ZEIT sich noch um Ausgewogenheit bemühte ...

Putinversteher

OSZE

MH17

Offener Brief

Die Rolle der USA

Ganser über Propaganda

Mearsheimer & Co.

Waffenstillstand?

Augstein

ARD

Manöver

Hakenkreuze

"Invasion"

Sanktionen

Völkerrecht

27.08.2014 um 10:02 Uhr

Tirade 204 – Scheinsein

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 204 – Scheinsein

Durchscheinendes Sein
man sagt es ist wie es ist
es scheint wie es scheint

es scheine wie es scheine
man sagt es sei wie es sei

26.08.2014 um 12:17 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 41

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 41

Der geschmeidig kraftvolle Wuchs seiner Gliedmaßen verriet eine sportliche Natur, die durch sein lässiges Outfit noch betont wurde.“ Was ist eine sportliche Natur? Ich kenne wohl Sport in der Natur, wie etwa Sackhüpfen am Waldsee oder das Verschwinden zweier Gleichgesinnter in den Büschen, wo man sich mit Betätigungen sportlicher Natur fit hält, aber eine sportliche Natur hinter Wachstumsprozessen der Gliedmaßen ... ich weiß nicht, ob das die richtige Sicht der Dinge sein kann, etwa so: „Seine DNA war sportorientiert.“ Die Autorin meint wahrscheinlich: Seinem Körper war anzusehen, daß er regelmäßig Sport trieb.

Durch das „lässige Outfit“ (eine Zeile weiter: „zwanglos gekleidet“) wird auch nicht die „sportliche Natur“ betont, sondern eventuell der muskulöse Körper.

Außer den „Gliedmaßen“ gibt es noch einen „beeindruckenden Rest“, der Chloes Herz in gröbste Schwingungen versetzt („Ihr Herz hüpfte wie ein außer Kontrolle geratener Pingpong-Ball auf und ab“) angesichts dessen, was er „zu bieten hatte“: „lange Beine“ (gehören zum beeindruckenden Rest, sind, schon wieder, anscheinend also keine Gliedmaßen), „knackiger Hintern“, von „Jeansstoff umspannt“, und „ein weißes Longsleeve“, also langärmliges T-Shirt. Ja, schön, aber was hat das Herz damit zu tun? Eigentlich nichts. (Bei einem knackigen Hintern hüpft das Herz?) Hier scheint das Herz in einem ganz anderen als dem üblichen Sinne vielmehr in die Hose gerutscht zu sein: „Unwillkürlich wünschte sie sich an die Stelle seines Oberteils.“ Man stelle sich das vor.

Begierig fasste er nach ihrer Hand … und diese Geste besaß etwas dermaßen Liebevolles ...“ Also, mal abgesehen davon, daß eine Geste in durchdachter Sprache nichts besitzen kann, aber durchaus etwas haben, finde ich, daß begierig und liebevoll nicht so recht zueinander passen. Gier und Liebe schließen sich zwar nicht völlig aus, aber meistens bleibt bei der Gier die Liebe, zu was oder wem auch immer, auf der Strecke.

Angesichts derartig gieriger Liebevollheit, Liebevolligkeit „wandte sich Chloe ab, um tief durchzuatmen“. Als Außenstehender könnte man meinen, tiefes Atmen wäre dort gesellschaftlich verpönt, so daß man es heimlich tun muß.

Das tiefe Atmen hilft jedoch nicht, denn Chloes „Magen schien sich mehrfach zu überschlagen“, als sie in dem Naturburschen den Herrn aus dem „Herrenhaus“ wiedererkennt.

Wenn sich etwas mehrfach überschlägt, handelt es sich, wie man hört oder liest, meist nicht um einen Magen, sondern um einen Wagen mit Insassen. Folge: Es gibt Blechschäden, und der Inhalt der Blechbüchsen wird ordentlich durcheinandergeschüttelt, kommt jedoch dank der Gurte meist glimpflich davon.

Wie ist das nun beim Magen? Überschlüge sich ein Magen, dazu noch mehrfach, dann würde er aus der Verbindung mit der Speiseröhre und dem Duodenum gerissen, und der nicht angeschnallte, durcheinandergeschüttelte Mageninhalt wüßte nicht mehr, wohin. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die Verbindungen des Magens so beschaffen, daß er sich nicht überschlagen kann, sondern sich schlimmstenfalls gleichzeitig nach oben und nach unten entleert. Die Autorin hat hier wohl Magen und Wagen verwechselt, aber sie schreibt immerhin vorsichtig „schien“. So ein anscheinend irrwitziger Anschein kann ja mal vorkommen.

Frau Hall schreibt über ihre Hauptfigur, daß deren „gesunder Menschenverstand außer Kraft gesetzt“ sei. Zumindest zeitweise. Das gilt auch für die Autorin selbst, wenn sie schreibt: „Diese Erkenntnis schnürte ihr die Luftzufuhr ab, als würde jemand in ihren Thoraxbereich hineingreifen, die Finger zwischen Rippenwirbel und Brustbein schieben und ihre Lungen miteinander verknoten … jeder Atemzug verursachte einen stechenden Schmerz, der den vorherigen übertraf.“ Nicht nur bei Erkenntnissen, sondern auch bei solchen Formulierungsexzessen bleibt manchen die Luft weg. Ich sehe das nüchterner und komme bei Betrachtung dieser wahnwitzigen anatomischen Metaphorik nur zu dem Schluß: Da spinnt jemand, und der „stechende Schmerz“ rührt wahrscheinlich daher, daß die Metaphorikerin die Knochensäge im „Thoraxbereich“ liegengelassen hat.

Hätte sie doch einfach geschrieben: Chloe blieb die Luft weg, dann wäre es gut gewesen. Bei einer solchen Schreibweise könnte sie allerdings nur Fünfzig-Seiten-Bücher schreiben, oder sie müßte sich inhaltlich etwas Besseres einfallen lassen als verknotete Lungen.

Morgen geht’s weiter mit Seite 42 und „ozeanblauen Sturmaugen“.

25.08.2014 um 16:17 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 39

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 39

Angesichts „perlengleich schimmernder Haut“, „meerblauer Augen“ und dem Zauber von „nachtschwarzem Haar und ungewöhnlich leuchtenden Saphiraugen“, olivfarbenem Teint und so weiter und so fort erlegen, und wegen Zeitknappheit, habe ich mich jetzt entschlossen, nicht mehr jede dritte adjektivische Exzentrizität zu kommentieren, sondern mich mehr auf die Highlights des logischen Denkens und die metaphorischen Eskapaden der Autorin zu konzentrieren.

Aber keine Sorge: Auch wenn ich vielleicht hin und wieder eine Seite, wie etwa die nächste, unerwähnt lassen werde und nicht auf jeden unbeabsichtigten Kalauer oder falschen Bezug eingehe: Die besten sprachlichen und gedanklichen Fehltritte kommen noch – und das schon auf Seite 41. Auf der nächsten Seite gibt es nur Banalitäten wie „Die Wände wurden von schreiend bunten Bildern geziert [Hervorhebung von mir]“ (oder mit geschmackvollen Gemälden verschandelt?), und es ist die Rede von „dezent blühenden Kamelien“ (wahrscheinlich mit Fernbedienung stufenlos regulierbar), erwähnt wird die „beeindruckende Rückenansicht von Leannes Verlobtem“ und mit welchen Männern „sie Umgang pflegte“. Außerdem setzen „gegensätzliche Betonungen ... angenehme Kontraste“. Ja, der eine Gegensatz steht meist im Kontrast zum anderen, denn dadurch erst ist der eine wie der andre das, was er eben ist.

Auch gibt es auf der Seite 40, die ich auslassen werde, noch ein unangenehm hohles Gefühl im Bauch (gemeint ist ein Mangelgefühl, das sich als Hohlheit empfinden läßt, nicht ein hohles Gefühl – wie denn auch: Ich kann ein Loch im Bauch fühlen oder im Kopf, aber es gibt kein „hohles Gefühl“, Gefühle sind stets etwas: positiv, auch wenn sie negativ, also unerwünscht, sind –, sondern ein Gefühl der Hohlheit), das sich beim Lesen wohl auf meinen Kopf übertragen hat, weshalb ich für heute Schluß mache.

Morgen geht’s weiter mit Seite 41 und dem „Wuchs seiner Gliedmaßen“.

23.08.2014 um 23:49 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 38

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 38

Auf dem Weg zum „Wohntempel“ ihrer Mutter geht Chloe auf einem Flur entlang. Dieser „war mit einem hellen Teppich ausgelegt und dämpfte die Geräusche ihrer Absätze“. Soso, der Flur dämpfte die Geräusche der Absätze. Was für Geräusche machen Absätze sonst, etwa im Schuhschrank? Tuscheln sie vielleicht oder schreien sie herum?

War es nicht vielmehr der Teppich, ob hell oder dunkel, der dafür sorgte, daß bei der Berührung der Absätze mit dem Boden nur gedämpfte Geräusche entstehen konnten statt lautes Klacken, das im Flur hätte widerhallen können?

Chloe lauscht an der Tür und vernimmt ein Kichern. „Gefolgt wurde dieser liebliche Ton von einem heiseren Männerlachen ...“ Kichern als „lieblicher Ton“, was man sonst weniger von einem Lachsack, als vielmehr zum Beispiel von einer Harfe oder einer Flöte kennt. Aber das liebliche Kichern soll wohl nur dem üblichen „heiseren Männerlachen“ kontrastieren, hier zur Abwechslung auch als „heiseres Raunen“ bezeichnet. Hauptsache, heiser.

Nun beginnt es bei Chloe gleich wieder zu kribbeln „in ihren unteren Regionen“, denn die heisere Raunerei kommt ihr bekannt vor. Mir auch, denn Männerlachen ist bei Vivian Hall fast immer rauh und heiser und kehlig. Ebenso natürlich das männliche Raunen und Sprechen und Flüstern und Wispern.

Chloe träumt schon jede Nacht von dem Urheber der rauhen Raunerei und meint, sie müsse sich „in absehbarer Zeit einen Psychiater zulegen“. Zulegen. Möglicherweise ist bald Sommerschlußverkauf, und sie legt sich eine neue Handtasche zu und ein neues Kostüm. Da kann sie doch gleich mal schauen, ob es Psychiater im Sonderangebot gibt. Ich selbst würde in einem solchen Fall allerdings eher dazu raten, einen Psychotherapeuten zu konsultieren.

Was gibt es noch auf der Seite? Etwa eine prachtvolle Formulierung wie „Besitzer des Landsitzes“ und eine eigentümliche Art zu klingeln: „Chloes Handfläche landete mit einem kräftigen Schlag auf dem Klingelknopf, um ihre … nutzlosen Gedanken zu beenden.“ Wenn's hilft.

Morgen geht’s weiter mit Seite 39 und „perlengleich schimmernder Haut“.

22.08.2014 um 21:29 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 37

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 37

Chloe fährt mit der U-Bahn. „Sie nutzte ungern ihren alten Mini, um ihre Mutter zu besuchen, denn es war schlichtweg unmöglich, einen Parkplatz in der Nähe zu ergattern. Also sparte sie sich die lästige Suche.“

Ungern“ kann nur bedeuten, daß sie hin und wieder doch den Mini nimmt. Aber wie das, wo es doch „schlichtweg unmöglich“ war, dort einen Parkplatz zu finden. Wenn es wirklich „schlichtweg unmöglich“ ist, wie blöd muß man da sein, wenn man trotzdem das Auto nimmt und überflüssigerweise sucht? Daß Chloe das hin und wieder tut, geht aus dem „ungern“ und aus der Bemerkung „sparte sie sich [diesmal?] die lästige Suche“ hervor. Wenn es nicht „schlichtweg unmöglich“ wäre, sondern „sehr schwierig“, ja dann könnte man das Suchen verstehen, das sie sich diesmal spart. Also wieder mal nur eine der häufigen Übertreibungen.

Chloe klagt über „mentales [also gedankliches] Unwohlsein“. Was ist denn das, fragt man sich. Eine Wohlbefindensstörung kenne ich bisher nur im körperlichen oder seelischen Sinne. Kann jemandem schlecht werden, weil es unter der Schädeldecke falschrum rumort? Ich weiß nicht so recht, ich habe jedoch meine Zweifel und denke, die Autorin ist sich nur mal wieder nicht bewußt darüber, was die Wörter bedeuten, die sie verwendet.

Chloe will nicht nur ihre Mutter besuchen, sondern auch deren neuen Freund, den sie für ihren kommenden Stiefvater hält und nun gar für sich ihren „zukünftigen Daddy“ nennt. Doch noch steckt sie im Aufzug „und lauschte dem typischen Gedudel, das in dezenter Lautstärke aus den … Lautsprechern schallte.“ Ach ja, dezentes Schallen.

Anerkannte Synonyme von schallen sind dröhnen und schrillen und Ähnliches. Auf jeden Fall ist Schallen alles andere als leise, nämlich per definitionem vor allem eines: sehr laut und ganz wenig dezent.

Morgen geht’s weiter mit Seite 38 und lieblichen Tönen.

22.08.2014 um 12:44 Uhr

Tirade 203 – Rauf und runter

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 203 – Rauf und runter

Bunte Gestirne
Wie im Lavalampenlicht
klettern die Bilder

zerschmilzt das ölige Wachs
deiner kleinen Geschichte

21.08.2014 um 18:16 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 35/36

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 35/36

Ryan ist nach wie vor ein „Mysterium“, obgleich Chloe ihn schon seit mindestens zwanzig Minuten kennen dürfte; deshalb fordert sie, die vor ein paar Minuten noch ganz kleinlaut war, ihn jetzt „herrisch“ auf: „Sag mir, wer du bist?“ … „Mehr kam nicht, nur diese eine Frage.“ Ja, im Text steht wirklich ein Fragezeichen, das den Imperativsatz zum Interrogativsatz machen soll. Warum, das bleibt ein Geheimnis der Autorin.

Ryans Geheimnis dagegen, vermutet Chloe auf außerordentlich dümmliche Art, könnte eine Familie sein: „Bist du etwa verheiratet und hast einen Stall voll Kinder?“ Aber es geht noch dümmlicher, nämlich alltagspseudophilosophisch: „Deinen Namen zu erfahren bedeutet keineswegs, dich zu kennen.“

Bei alldem ballte sie „ihre winzigen Hände zu wütenden Fäusten“. Ja, wenn Fäuste wütend werden, dann ist es vorbei mit dem logischen Denken. Gemeint ist sicher: Sie ballte ihre Hände wütend zu Fäusten. Das geht. Dann werden, übliche alberne Geste, wieder mal „die Haare nach hinten“ geworfen, und schon glaubt man, man könne jemanden beeindrucken: „Sie drängte sich an ihm vorbei und marschierte mit einer aufrecht stolzen Haltung auf die Türe zu, die selbst Napoleon zu Lebzeiten Respekt abgerungen hätte.“ Also nicht, wie der grammatikkundige Leser glauben könnte, die Türe, sondern tatsächlich die gekünstelte Haltung. Ich glaube nun aber, Napoleon hätte „zu Lebzeiten“ schallend gelacht. Inzwischen wird ihm das allerdings vergangen sein.

Seite 36 besteht aus fünfeinhalb Zeilen, und dort wird gedanklich mal kurz „vor den Altar“ getreten. Aber nicht in böser Absicht.

Morgen geht’s weiter mit Seite 37 und „mentalem Unwohlsein“.

20.08.2014 um 12:20 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 34

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 34

Chloe ist wieder (oder besser immer noch) sehr erregt und „glaubte, sich in ihre Bestandteile aufzulösen“. Ob das nun physikalisch (Atome machen sich selbständig) oder biochemisch (körpereigene Laugen und Säuren fließen ungeordnet ineinander und vermischen sich mit Basen*) gemeint ist, anatomisch (die Finger fallen ab und Zehen gehen fort*) oder eher allgemein biologisch (die Molekülstruktur löst sich auf*), das erfährt man leider nicht. Ich vermute, sie vertut sich in glaubensmäßiger Hinsicht und verwechselt einen gewissen Orientierungsverlust im Oberstübchen mit Auflösungserscheinungen.

Eine nicht mehr einzudämmende Welle an heißkalten Schauern überschwemmte sie von Kopf bis Fuß.“ Heißkalt? Fühlt sie diese Welle innen oder außen, ist sie heiß oder kalt, warm oder lauwarm – und warum nur eine einzige Welle, wo doch jede Menge Schauer ihr Unwesen treiben? Das sollte doch für mehrere Wellen reichen. Überhaupt: eine Welle von Schauern, eine Schauerwelle, was soll das sein, und wie könnte man eine Welle eindämmen? Lauter Fragen, die leider unbeantwortet bleiben.

Immerhin bekam sie trotz der Welle das „kleine Zäpfchen an seinem Reißverschluss zu fassen und wollte es nach unten ziehen“. Tatsächlich heißt das Ding am Reißverschluß Schieber oder Schlitten und hat einen kleinen Griff zum Ziehen oder zum Schieben, nicht etwa ein Zäpfchen. Ein Zäpfchen schiebt man zwar auch, vor allem bei Enddarmerkrankungen, aber man zieht es nicht.

Nachdem die „nicht mehr einzudämmende heißkalte“ Schauerwelle nun doch ohne Gewinne und Verluste irgendwie eingedämmt wurde, rollt die nächste Welle heran, diesmal eine heiße: Chloe „ging beinahe unter in der Welle heißer Scham, die sich über ihr aufbaute und sie dann unter sich begrub“.

Das ist zwar Blödsinn, aber im Gegensatz zur „Welle an heißkalten Schauern“ fast eindeutig. Eindeutig heiß, eindeutig von außen. Leider gibt es einen Widerspruch zwischen dem „beinahen“ Untergehen und dem „unter sich begrub“. Das ist nun ganz und gar nicht eindeutig. Wenn ich nur beinahe untergehe, werde ich nicht begraben, und umgekehrt ist klar: Wenn mich eine Welle begrub, dann bin ich nicht beinahe untergegangen.

Morgen geht’s weiter mit Seite 35 und „wütenden Fäusten“.

* Bitte nicht zur naturwissenschaftlichen Theoriebildung verwenden, weil diese scherzhafte Hypothese weder auf dem Papier noch im Labor einer ernsthaften Prüfung standhält.

19.08.2014 um 09:10 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 33

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 33

Der Mann, dessen Name für Chloe „ein Mysterium“ ist, von dem wir aber wissen, daß er Ryan heißt, robbt also nun „dicht an ihren Rücken“ heran. Chloe „fühlte heiße Muskeln“. Es könnte sein, daß sie durch den kühlen Stoff des Anzugs nicht nur die Hitze seines Körpers spürte, sondern gleichzeitig wahrnahm, daß es sich bei diesem Hitzeproduzenten nicht um einen Schlaffi, sondern um einen muskulösen Kerl handelte, aber das erscheint unserer Malerin schlecht durchdachter Bilder zu banal, also versucht sie zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: „heiße Muskeln“.

Nun machen sich Chloes Sinne, die die Aufgabe haben, sie über die Welt außerhalb ihrer selbst zu informieren, selbständig und werden zu Lebewesen, „die sich verzweifelt darum bemühten, noch mehr von diesem herrlichen Bouquet aus Mann und Aftershave zu erhaschen“. Weshalb Chloes Kopf dabei „kraftlos nach hinten“ fiel, erfahren wir nicht, aber möglicherweise können die Sinne so besser sinnen.

Und „ihr Mund öffnete sich wie die Knospe einer aufgehenden Orchidee“. Wer sich mit Orchideen auskennt, der weiß, daß diese etwas länger brauchen, um aufzugehen, als der Mund einer Frau. Allein deshalb erscheint mir der Vergleich doch sehr gewagt.

Jetzt setzt Ryan mit Hilfe seines stimmbildenden Apparates wieder ein paar Wörter in Bewegung, so daß „Chloes Schoß … verglühte“, wenn auch nur „förmlich“, Gott sei Dank, denn er wird ja sicher noch benötigt. Auch „das kleine Nervenbündel zwischen ihren Schenkeln trommelte wie verrückt, bis sie ein Stöhnen ausstieß, das er mit einem leidenschaftlichen Ächzen beantwortete“. Ein Nervenbündel, das trommelt. Ich hatte als Kind so ein kleines Stoffäffchen; wenn man das mit einem Schlüssel aufzog, dann begann es hopsend zu trommeln. Daran mußte ich denken, als ich das las. Aber das Frage-und-Antwort-Spiel von Stöhnen und Ächzen hat auch etwas Surreales.

Das muß auch Chloe nicht kaltgelassen haben, denn während sie „mühsam“ stöhnend spricht: „Nein, lass mich“, biß „sie sich so heftig auf die Lippen, daß sie ihr eigenes [wessen sonst?] Blut schmecken konnte“. Das ist echte Leidenschaft. Nun wird Chloe in „einen wohligen See aus Hitze getaucht“ – vielleicht ist es auch nur ein Teich oder ein Taufbecken. „Nicht mehr lange und die Frau in ihr würde wie ein Schmetterling erwachen, die seidigen Wände ihres Gefängnisses durchstoßen ...“ Tatsächlich ist es bei der Schmetterlingsmetamorphose so, daß die Puppe an vorgegebenen, gewissermaßen perforierten Stellen aufplatzt und der Falter sich mühsam nach außen zwängt. Nichts mit „seidigen Wänden“. Ich wußte allerdings nicht, daß Frauen zu den Lepidoptera gehören und daß deren Befreiung aus der Verpuppung nicht etwa in der Pubertät geschieht, sondern erst zehn, zwölf Jahre später.

Morgen geht’s weiter mit Seite 34 und „heißkalten Schauern“ und „heißer Scham“.

18.08.2014 um 08:59 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 32

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 32

Ryan „ignorierte das Brüllen seines Gewissens … Er folgte seinem Instinkt, der jede Vernunft überlagerte.“

Ohne jetzt allzu tief in die Psychoanalyse eindringen zu wollen, muß ich doch darauf hinweisen, daß wir es hier mit einem vollkommen fehlerhaften, absurden Menschenbild zu tun haben.

Tatsächlich ist es so, daß Instinkt und Triebe (in Freudscher Terminologie das Unbewußte) das Primäre, das Laute, das Brüllende sind. Das Ich mit seiner Vernunft als das Sekundäre versucht, das Triebhafte, den Instinkt zu überlagern, nicht etwa umgekehrt. Dabei ist das Gewissen (das Über-Ich) behilflich, und zwar eher leise säuselnd (du sollst doch nicht, das darfst du nicht, was sollen denn die Leute denken) und keinesfalls brüllend. Mit anderen Worten: Die Autorin hat wirklich keine Ahnung von dem, worüber sie schreibt.

Ihre Lippen bewegten sich lautlos.“ Normalerweise machen Lippen nicht nur in Stummfilmen keinen Krach, es sei denn, könnte man glauben, man öffnet sie zum Sprechen; doch selbst dann sind Lippen ganz still, um die Lautbildung nicht zu stören.

Ansonsten wird noch ein wenig heiser gewispert und das „schlechte Gewissen zum Teufel“ geschickt. Was soll denn ausgerechnet der Teufel mit dem schlechten Gewissen, fragt man sich.

Die Erregung, die sie schon seit Wochen plagte, steuerte ungebremst auf den finalen Höhepunkt zu, als er dicht an ihren Rücken heranrückte.“ Auf Seite 26, also in der gleichen Szene, etwa fünf Minuten erzählte Zeit zurück, war es noch die „ständig schwelende Erregung, die sie seit einigen Tagen nicht mehr loslassen wollte“. Wenn innerhalb von Minuten Tage zu Wochen anschwellen, muß man das Schlimmste befürchten, nämlich daß es wir es bald mit Monaten oder gar Jahren qualvoller Erregung zu tun haben werden.

Immerhin erfahren wir, daß dichtes Heranrücken an den Rücken erregungsmäßig von großer Bedeutung ist, während es sprachlich betrachtet eher ärmlich wirkt. Da kritzelt der Deutschlehrer gern mal ein rotes A? (Ausdruck) an den Rand. Ein zweites Fragezeichen gilt dem „finalen Höhepunkt“, denn meistens ist der Höhepunkt einer Veranstaltung das Finale, vor allem dann, wenn das Spektakulum bereits seit Tagen oder gar Wochen seinem Höhepunkt entgegenschwillt.

Morgen geht’s weiter mit Seite 33 und dem „See aus Hitze“.

17.08.2014 um 14:25 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 31

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 31

Ryan ballte die Hände“ angesichts ihres Profils: Es zeigte [das Profil mit dem Zeigestock?] die zarte Linie ihres Kinns, die weiche Wange … lange Wimpern … zarte Haut … blasses Gesicht, sanfte Konturen … sahnige Haut.“ Da ballt er nun die Hände, der Ryan, nicht vor Wut, sondern angesichts dieser Häufung von Feinheitsattributen, weil ihn der Anblick verrückt macht. Wenn seine Hände feucht würden bei dem, was er sieht, das wäre vielleicht nachzuvollziehen, aber Fäusteballen?

Leise hüstelnd entstaubte er seine Stimmbänder.“ Wie das? Er hatte doch gerade noch verärgert gefragt: „Was machen Sie da?“ Und nun muß er die „Stimmbänder entstauben“? Das frage ich aus Gründen der Logik, nicht daß jemand glaubt, meine Kenntnisse der Anatomie wären derart rudimentär, daß ich Staub auf den Stimmlippen (umgangssprachlich Stimmbänder) für möglich hielte. Sicher ist jedenfalls: Es dauert eine Weile, liebe Autorin, bis etwas verstaubt, so daß es vor der nächsten Benutzung entstaubt werden müßte. Das gilt auch für metaphorischen Staub auf Stimmlippen.

Was ist noch erwähnenswert? Ach ja, diese logische Schlußfolgerung: „… Monument einer Freundschaft, die selbst über den Tod hinaus Bestand hatte, denn er würde Charlie [den Freund] nie vergessen.“ Das hat wohl eher etwas mit der Qualität des Gedächtnisses zu tun als mit Freundschaft. Wenn ich mit allen befreundet wäre, die ich nicht vergesse, obgleich sie tot sind, dann hätte ich einen immensen Freundeskreis. Und ist es nicht so, daß zu einer Freundschaft immer mindestens zwei gehören? Die „Freundschaft über den Tod hinaus“ ist tatsächlich nichts als pathetisches Gelaber.

Morgen geht’s weiter mit Seite 32 und dem „Brüllen seines Gewissens“.

16.08.2014 um 09:47 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 30

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 30

Man starrt sich an: „Ihr verhangener Blick klebte auf seinem, als sie auf einmal die Lippen teilte.“ Wie teilt man Lippen? Normalerweise muß man das nicht extra, denn die Lippen sind bereits von Natur aus in Oberlippe und Unterlippe geteilt, damit man sich mit dem Essen und Trinken nicht so schwertut. Es reicht vollkommen, den Mund zu öffnen.

Das tut Chloe, aber nicht zur Nahrungsaufnahme; vielmehr möchte sie den aufgeregten Herrn mit Zungenspielerei reizen: Das „vorwitzige kleine Ding schoss heraus und fuhr einmal quer über ihre Unterlippe“. Der Leser möge mal vor dem Spiegel nachvollziehen, wie so etwas aussieht. Allenfalls wenn nichts herausschießt, sondern alles gaaanz langsam, wie in Superzeitlupe, geschieht, sieht diese Anmache nicht total bescheuert aus.

Ryan ist jedoch nicht anspruchsvoll, gehört zur leicht erregbaren Sorte Mann. Er hat inzwischen Atemprobleme, die durch seine außergewöhnlichen olfaktorischen Analysefähigkeiten verstärkt werden: „Die Luft war geschwängert mit dem Duft ihres Parfums. Blumiges [sic!] Jasmin in der Herznote, Bourbon-Vanille und Sandelholz im Abgang.“ Ich staune und frage mich, ob theoretisch Transplantationen von Caniden-Riechschleimhaut in die menschliche Nase möglich sind. Tahiti-Vanille und Guadeloupe-Vanille und verschiedene Arten von synthetischer Vanille von Bourbon-Vanille in einem Parfum unterscheiden, das kann nicht mal ein erfahrener Parfumeur in Grasse. Doch Supermann Ryan mit seiner Hundenase kann wahrscheinlich sogar sagen, ob es sich um Bio-Bourbon-Vanille handelt …

Apropos Nase: „Um ihre Nase herum glitzerten … Sommersprossen im Licht des Mondes.“ Die Laterne vor dem Fenster ist inzwischen wahrscheinlich schlafen gegangen, aber mal ehrlich, hat jemals jemand Sommersprossen im Mondlicht glitzern sehen?

Morgen geht’s weiter mit Seite 31 und Stimmbänderentstaubung.

15.08.2014 um 11:56 Uhr

Mitleid ist das schlimmste Motiv

von: Lyriost

Mitleid ist das schlimmste Motiv

Seine todkranke Frau, die leidet und nur noch kurz zu leben hat, aus Mitleid zu töten ist ein schweres Verbrechen und der deutschen Justiz acht Jahre Gefängnis wert. Jemanden so nebenbei im Vollrausch totzuprügeln („springt mit beiden Beinen auf seinem schmächtigen Brustkorb herum“), das ist dagegen ein minderschwerer Fall, und man kommt mit zweieinhalb bis drei Jahren Gefängnis davon.

Auch wenn ein 25jähriger Neonazi einen 19jährigen Ausländer ersticht, nicht aus Versehen, sondern mit fünf Messerstichen, dann ist das weniger schlimm und gibt sechs Jahre Haft.

Wenn ich eine solche Justiz als willkürlich und saudumm betrachte und eines Rechtsstaates unwürdig, möge man mir verzeihen: Entweder ist ein Teil der Richter bescheuert, oder die Gesetze sind es. Zumindest das zweite läßt sich ändern.

Gnadenschuss

Wodkarausch

Totschlag

15.08.2014 um 09:10 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 29

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 29

Sie „besaß“ neben „Jadeaugen“, weichen Händen und feinen Gesichtszügen „Lippen, die alles und nichts versprachen“. Was soll man sich darunter vorstellen? Richtig: alles und nichts. Während Ryan „mit rauer Stimme“ spricht, da seine „Härte pochte“ und „das Biest in seiner Hose brüllend danach verlangte, befreit zu werden“, sind ihre „unglaublich weich aussehenden Lippen [die oberen] süß, voll und so zart, dass selbst die samtigen Blätter einer Rose wie raue Baumrinden dagegen wirken mussten“.

Bei der Verwendung von Tropen, in diesem Fall der Hyperbel, sollte man darauf achten, nicht unmäßig zu übertreiben, obgleich auch die unmäßige Übertreibung der Übertreibung dann ihren Reiz haben kann, wenn sie humoristisch daherkommt, etwa: „Er war so klein, daß seine Fürze den Staub des Weges aufwirbelten, auf dem er ging.“ Von einem lateinamerikanischen Autor – aus dem Gedächtnis zitiert.

Aber Lippen, gegen die samtige Blätter wie Baumrinde wirken, das ist nur abgeschmackt.

Morgen geht’s weiter mit Seite 30 und „Sommersprossen im Licht des Mondes“.

14.08.2014 um 08:14 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 28

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 28

Wer kennt das nicht: quietschende Schuhe? Meistens findet sich diese Geräuschentwicklung bei Turnschuhen auf PVC-Böden. Hier jedoch sind wir nicht in einem Krankenhaus oder in einer Kantine, wo solche Böden üblich sind, sondern in einem altehrwürdigen Herrenhaus mit Parkett und Teppichen, und der Herr, mit dem wir es hier zu tun haben, muß bestimmt nicht aus Kostengründen mit Gummisohlen vorliebnehmen. Außerdem heißt es: „Seine Schuhe verursachten ein dumpfes Geräusch bei jedem Auftreten.“ Das paßt so gar nicht zu: „… die Sohlen quietschten leise.“

Die Schmetterlinge im Bauch“ quietschen nicht, aber sie „nahmen die Ausmaße der nationalen Streitkräfte an“. Blöd, nicht. Was soll man dazu sonst sagen? Hätte nicht die britische Luftwaffe genügt? Was nun bringt diese Schmetterlinge in ungeordnete Bewegung? Dieser „Adonis [kein Jüngling, sondern dreißig plus] gehörte zu den Männern, die lässig auf einem feurigen Hengst saßen und mit einer Marlboro im Mundwinkel dem Sonnenuntergang entgegenritten“. Als hätte man (das gab’s nicht mal im Reklamefernsehen) jemals einen Kerl auf einem Pferd mit einer Kippe im Gesicht gesehen. Beim Reiten raucht man nicht. Bei jeder Art von Reiten, denn das würde die Pferde irritieren und käme nicht gut an. Daß bei solchen Klischees einer anderen Frau als der Autorin „Hitze hochkriechen“ könnte, halte ich für sehr wenig wahrscheinlich. Es sei denn … aber nein.

Auch schön: „Der Kerl zerstückelte ihr Selbstbewusstsein gerade in hauchdünne Scheibchen.“

Wie bei der Betrachtung des Wortbestandteils „stück“ auffällt, geht es beim Zerstückeln nicht etwa um fein säuberlich hauchdünn geschnittenen Parmaschinken, sondern vielmehr um grobe Brocken, die aus etwas herausgerissen werden. Das hat die Autorin bei der Analogiebildung wohl nicht bedacht.

Morgen geht’s weiter mit Seite 29 und „alles und nichts“.

13.08.2014 um 08:54 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 27

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 27

Er hat erst zwei Sätze gesagt, natürlich „rau“ und „kratzig“, und schon setzt „ein verräterisches Klopfen in ihrer Mitte ein“ – vielleicht ist dort eine Tür, von der wir bisher noch nichts gehört haben – „und wurde stetig heftiger, lauter. Ihr Körper schrie nach ihm. Lieber Himmel ...“ Also wenn ich das richtig verstehe, klopft einer immer heftiger von innen an eine Tür (nur wer?), und ein anderer, größerer, schreit, ein dritter, noch größerer solle reinkommen, aber nur zum Teil. Habe ich das richtig verstanden?

Nach einigem Durcheinander müht sich Chloe, „den alkoholgeschwängerten Nebel, in dem sich ihr gesunder Menschenverstand verirrt hatte, wieder halbwegs zu klären“. Der Mann lacht (was ich verstehen kann) „heiser“ (was zu „rau“ und „kratzig“ passen soll und was er im Buch noch gefühlte fünfzigmal tun wird). Ja, manchmal ist der „gesunde Menschenverstand“ selbst der Nebel, und da findet man nicht so leicht hinaus. Klären kann man Nebel sowieso nicht, weder den richtigen noch den metaphorischen, vor allem dann nicht, wenn im Nebel ein „gutturaler Laut … sich nun den Weg in die Freiheit bannte [gemeint ist sicher bahnte]“, der vorher „tief in seiner Kehle“ geruht hatte. So funktioniert wohl die Lautbildung unter Einfluß des gesunden Menschenverstandes im Nebel.

Morgen geht’s weiter mit Seite 28 und quietschenden Sohlen.

12.08.2014 um 09:05 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 26

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 26

Im Raum steht eine Statue. „Das Laternenlicht von außen erhellte die bleichen Konturen der Figur.“ Bei einer Skulptur nennt man die Linie, die sie von ihrer Umgebung abgrenzt, Kontur. Die Wahrnehmung dieser Kontur ist abhängig vom Standort des Betrachters und den Lichtverhältnissen im Raum. Die Abgrenzung kann scharf – also klar – sein oder unscharf – verwischt. Konturen können nicht erhellt werden, weil sie nicht dem Objekt angehören. Wenn das Licht aus ist, gibt es keine „bleichen“ Konturen, sondern nur klare, haptisch zu erfassende. Die Kontur ist dann jedoch nichts anderes als die Begrenzungslinie des Objektes gegenüber der Hand.

Chloe tritt „neugierig näher heran … bis sie zum Stillstand kam“. Etwa so wie ein Fahrzeug, das man ausrollen läßt, nachdem man den Motor abgestellt hat.

Nun wird von „schwelender Erregung“ und „Hitze“ berichtet, und dann hört Chloe hinter sich eine Männerstimme. Sie dreht sich um und sieht nur „Umrisse eines hochgewachsenen Männerkörpers“. Chloe stottert ein bißchen rum, und der Fremde sagt nichts weiter und bleibt, wo er ist. Die Autorin schreibt: „Seine Identität blieb weiterhin ein Mysterium ...“ Man kann Frau Hall nicht nachsagen, sie hätte keine Neigung zu übertreiben und kein Faible für das unpassende Wort.

Morgen geht’s weiter mit Seite 27 und „gesundem Menschenverstand“.

11.08.2014 um 10:47 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 25

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 25

Chloe findet sich „mutterseelenallein“ nicht in einem dunklen Wald wieder, sondern in einem langen Flur. „Der Boden war mit einem weinroten Teppichboden bedeckt ...“ Woraus der Boden unter dem Boden besteht, erfährt man leider nicht. Vielleicht aber ist der Boden unter dem Boden gar kein richtiger Boden, sondern nur ein weiterer Teppichboden, unter Umständen in Grün. Und so weiter bis in Bodenlose.

Eine Ahnengalerie hing auf der rechten Seite [wenn man es genau nimmt, hingen dort mehrere Bilder, die zusammen eine Galerie bildeten, denn eine Galerie hängt nicht] … Chloe war beeindruckt, als sie die in Öl verewigten Adeligen … betrachtete, die mit starren Augen hochnäsig auf sie hinuntersahen, und fühlte eine gewisse Demut …“ Die sonst so vorlaute Chloe zeigt angesichts des versammelten arroganten Adelspacks nicht den Stinkefinger, sondern ist demütig und beeindruckt. Das erstaunt den Leser.

Und so erstaunlich geht es weiter: „Eine verschlossene Tür versperrte den Weg …“ Chloe drückt die Klinke herunter und findet sich in einem dunklen Raum wieder. Er wurde vom einfallenden Licht des Mondes und einer direkt vor dem Fenster stehenden Laterne … ausreichend erhellt.“ Wer kennt das nicht: „Dunkel war's, der Mond schien helle, als ein Wagen blitzeschnelle ...“ Also eine verschlossene Tür, die offen ist, und ein ausreichend erhellter dunkler Raum. Was es nicht alles gibt. „Träge drehte sie sich um die eigene Achse und erkundete die visuellen Eigenheiten ihrer Umgebung.“ Gemeint ist: Vorsichtig sah sie sich um. Es gibt nur nicht allzuviel zu sehen, denn: „Sämtliche Möbel waren mit weißen Tüchern verhängt, um sie gegen den lästigen Staub zu schützen.“ Die Möbel sollen also bei Laune gehalten werden?

Kann sein, aber vermutlich möchte eher der Staubwischer sich vor ständigem lästigem Staubwischen schützen.

Morgen geht’s weiter mit Seite 26 und „bleichen Konturen“.