Lyriost – Madentiraden

10.08.2014 um 11:00 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 24

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 24

„Wer immer diesen talentierten Chinesen unter Vertrag genommen hatte, konnte sich auf die Schultern klopfen.“ Man sieht hin und wieder, daß sich Männer gegenseitig auf die Schultern klopfen oder der eine dem andern. Aber daß einer diese Geste mit sich selbst durchspielt, ist mir bisher noch nicht untergekommen und wäre ebenso bizarr wie wie ein High-five-Solo.

„Doch auch die Welt der Dichter und Denker, der Bildhauer und Maler wurde mittlerweile vom schnöden Mammon regiert.“ „Imperat in toto regina pecunia mundo.“ Ein Zitat aus dem Lateinischen. Ist also wirklich nichts Neues. Das „mittlerweile“ ist  also eine falsche Einschätzung. Und Dichter und Denker sind der Gesellschaft heute meistens eher lästig, als daß man sich mit „Mammon“ um sie bemüht.

Chloe hat jedoch ganz andere Sorgen, denn es war „ihr nicht vergönnt, einen heißen Kerl für gewisse Stunden zu finden“. Am besten mal in einer Sauna vorbeischauen. Spaß beiseite, es plagen sie ein „kitzelndes Kribbeln im Unterleib“ und „feuchtwarme Schenkel“. Wenn das mal gutgeht. Die Autorin oder Chloe oder beide finden das Ganze „zum Mäusemelken“. Ich finde das zum Quarkbreittreten.

Morgen geht’s weiter mit Seite 25 und mit einem mit Boden bedeckten Boden.

09.08.2014 um 08:52 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 23

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 23

Auf dieser Seite passiert nicht allzu viel. Jemand „verdreht ironisch die Augen“. Das allgemeine Augenverdrehen ist gerade mächtig in Mode; sobald einer die Frechheit besitzt, anderer Meinung zu sein, geht die Dreherei los. Diese Unsitte beginnt bereits im Kindergarten und setzt sich fort bis in die Oberseminare der Universitäten und in den Bundestag. Dort wird jedoch nicht nur mit den Augen gedreht, sondern auch viel gejohlt. In den Parlamenten der Ukraine, der Türkei und einiger anderer Länder ist das Augenverdrehen nicht so sehr in Mode, dort gibt es statt dessen schnell mal was drauf – auf die Augen.

Aber ich schweife ab. Wie unterscheidet man banales Augenverdrehen von ironischem? Ich weiß es nicht und kann nur vermuten. Wahrscheinlich wird beim ironischen Augenverdrehen links und rechts der Augen Daumen und Zeigefinger placiert, auf keinen Fall jedoch der Mittelfinger.

Amber, Freundin von Chloe, wartet auf die Ankunft eines Bildhauers und äußert die „unverrückbare Meinung, dass jeder Mann, der seine Brötchen mit den Händen“ verdient, ein „wahrer Magier im Bett“ sei. Dabei bedenkt sie wohl nicht, daß dies nicht nur für Bildhauer gelten wird, sondern auch für Klärwerkstaucher, Müllsortierer, Fischverarbeiter …

Doch hier bewegt man sich im stylischen Rahmen einer Vernissage, und Chloe „nippte an ihrem Champagnerglas, während sie durch den gut gefüllten Ausstellungsraum flanierte“. Bei einer Ausstellungseröffnung im Gehen trinken. Für jemanden wie Chloe, der in der Öffentlichkeit stets stilsicher sein will, ist das nicht gerade eine Empfehlung und überdies nicht so ganz ungefährlich. Deshalb sieht man es wohl nur bei Betrunkenen.

Und was soll der „gut gefüllte Ausstellungsraum“ uns sagen? Ist er gut gefüllt mit Menschen oder mit Exponaten oder mit beidem? Und soll die gute Füllung ein Qualitätsmerkmal sein? Weniger ist meistens mehr.

Morgen geht’s weiter mit Seite 24 und Schulterklopfen.

08.08.2014 um 19:34 Uhr

Modebegriffe

von: Lyriost

Modebegriffe

In der US-amerikanischen Werbesprache wird neuerdings „delethalized“ verwendet im Sinne von „weniger tödlich“ machen, „enttödlichen“. Gemeint ist damit nicht eine Umrüstung von Feuerwaffen auf Styroporkugeln, sondern zum Beispiel die Ausstattung von Fahrzeugen mit nur schwer entzündlichen Materialien.

Einige wenige trendbewußte Begriffshascher sind natürlich schon dabei, dieses Wort für den deutschen Sprachraum nutzbar zu machen, und reden inzwischen von „delethalisieren“; doch wenn man einen schwachsinnigen Begriff wie „delethalize“ eindeutschen will, muß man natürlich auf das „h“ verzichten, denn in der deutschen Medizinersprache wird als Fachbegriff für „tödlich“ das lateinische Wort „letal“ verwendet. Ohne „h“.

Besser jedoch ist es, nicht jeden US-amerikanischen Quatsch nachzumachen und statt dessen, wenn man von einer gewissen Neuerungssucht getrieben ist, der Letalisierung der deutschen Sprache entgegenzuwirken, indem man abgestorbene Schönheiten des Deutschen reanimiert.  

08.08.2014 um 09:44 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 22

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 22

Chloes Freundin Beth „war das, was manche wohl als Stalkerin bezeichnet hätten, ohne dass sie jedoch die ausufernden Dimensionen einer Kriminellen erreichte“. Kriminelle sind also nicht nur kriminell, sondern verfügen außerdem über „ausufernde Dimensionen“, was immer man sich darunter vorstellen mag, wenn man es sich vorstellen kann.

Diese Freundin nun läuft irgendeinem adeligen Nichtsnutz hinterher und läßt sich „nicht davon abbringen, ihn als zukünftigen Vater ihrer noch ungeborenen Kinder zu betrachten“. Ungeborene Kinder können, da bin ich sicher, keinen Vater haben, weder einen vergangenen noch einen gegenwärtigen, noch einen zukünftigen. Tut mir beinahe leid für die armen Kinder, auch wenn es sie nicht gibt.

Chloe durchsucht immer noch „ihre hübschen Dessous nach einem ganz speziellen Stück“. Also nicht mehr die Schubladen, die Kommode, den Schrank. „Ihre Blicke fahndeten zielgerichtet [so zielgerichtet, wie sie auf Seite 21 auf den Unterwäscheschrank zugelaufen war] nach einem absolut anbetungswürdigen Slip.“ (Lobet den Slip, den mächtigen König der Dessous.)

Was fällt einem nicht alles ein, wenn man etwas gegen „die beginnenden Spinnweben in den unteren Regionen“ des Körpers tun möchte. Da betet man sogar Slips an. Ob's hilft? Aber was soll der Ausdruck „beginnende Spinnweben“. Gemeint ist sicher beginnende Spinnwebenbildung im Schlüpfer. Was also tun? Ich würde erst mal die Spinne verscheuchen und dann ein Bad nehmen.

Morgen geht’s weiter mit Seite 23 und einem „Magier im Bett“.

07.08.2014 um 20:53 Uhr

Lustig

von: Lyriost

Lustig

FOCUS-ONLINE, bekannt für schöne Rechtschreibfehler, schreibt über die angeblich verbindliche neue Rechtschreibung unter der Titelzeile „Rechtschreibfehler adé!“ Dumm gelaufen, denn die Interjektion „ade“ wird nicht und wurde noch nie mit Akzent geschrieben.

 

Auch nicht schlecht:

FOCUS–ONLINE

07.08.2014 um 11:40 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 21

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 21

Chloe hat Besuch. Ihre Freundinnen „blätterten gelangweilt durch diverse Frauenzeitschriften“, wie es in Wirklichkeit wohl eher Männer tun würden, während die Autorin lang und breit Chloes Kleiderauswahl beschreibt. Höhepunkt: „Der fließende Stoff endete kurz über ihren Knien und wurde vorn von einer schlichten Schleife geziert.“

Barfüßig und lediglich mit einem winzigen Slip bekleidet, lief sie zielgerichtet auf ihren Unterwäscheschrank zu. Sobald sie die Kommode erreicht hatte ...“

Hier ergeben sich zusammenhängende Fragen. Erstens: Ist es sinnvoll, nicht „zielgerichtet“ auf einen Schrank zuzulaufen (wieso laufen und nicht gehen, ist das Zimmer so riesig?), indem man erst in die andere Richtung geht, dann vielleicht am Schrank vorbeischlendert und zur Abwechslung mal das Zimmer verläßt, wieder zurückkommt … Das erinnert doch sehr an einen Sketch von Rowan Atkinson oder Loriot.

Sobald sie die Kommode [ehemals Schrank] erreicht hatte ...“ Das bestätigt einerseits meine Vermutung, daß es sich um ein sehr großes Zimmer handeln könnte, andererseit auch das Gegenteil: Der Mittelpunkt der Szenerie ist geschrumpft, der Schrank wurde zur Kommode. Alles wohl doch ein wenig kleiner als gedacht.

Zu meinem Mißfallen wird der Raum nicht ausführlich beschrieben, wenngleich mich am Ende der Seite ein kleiner Farbklecks aufmuntern konnte, den sich das Zimmer jedoch teilen mußte: „Ihre babyblauen Augen starrten mit einem Ausdruck allergrößter Frustration auf die cremefarbene Zimmerdecke.“ Da wird sich die Zimmerdecke aber gewundert haben.

Morgen geht’s weiter mit Seite 22 und „beginnenden Spinnweben in unteren Regionen“.

06.08.2014 um 09:47 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 19/20

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 19/20

Das zweite Kapitelchen schließt mit Betrachtungen über „erforderliche“ männliche Erben, „um den Namen der Seymours [Ryans Familie] durch die nächsten Jahrzehnte zu tragen“. Da Ryan etwa dreißig Jahre alt ist, dürfte es wohl eher um die überübernächsten Jahrzehnte gehen. Es gibt noch einen älteren Bruder, der in puncto aktive Nachwuchsbeschaffung untätig ist und nicht über sein „Privatleben“ spricht. Ryan hat den Verdacht, etwas werde ihm gegenüber verheimlicht, „doch fehlende Beweise … ließen ihm keine Zeit“, sich mit diesem Verdacht zu befassen. Fehlende Beweise, also etwas, was nicht vorhanden ist, nimmt jemandem die Zeit, nach Beweisen zu suchen. Logisch.

Ebenso logisch wie: „… den ersten Punkt hatte er befolgt.“ Wie befolgt Ryan einen Punkt?

Der merkwürdige Bruder befolgt keine Punkte, er ist schließlich der Ältere und „fast so verknöchert wie die Gebeine ihrer verstorbenen Vorfahren, die in der Familiengruft vor sich hinstaubten“. Der meiste Staub in Gruften stammt wohl nicht von den Gebeinen, sondern dringt von außen durch die Ritzen. Wenn nicht konserviert, zerfallen aber auch Knochen mit der Zeit zu Staub, doch sie stauben nicht vor sich hin. „Verknöchert wie Gebeine“, die vor sich hin stauben, ist naturgemäß ein völlig abwegiges Bild, denn Verknöcherung bezeichnet nicht den Knochenzerfall, sondern im Gegenteil die Knochenbildung, die Umwandlung von Gewebe in Knochensubstanz, medizinisch Ossifikation.

Der andere Bruder betrachtet sein eigenes Spiegelbild, und der Ausdruck in seinen Augen gefällt ihm nicht: „In ihnen schimmerte sichtbare Frustration ...“ Solange sie nicht flimmert und funkelt, lodert und flackert, müssen wir uns wohl noch keine Sorgen machen.

Morgen geht's weiter mit Seite 21 und Langeweile.

05.08.2014 um 10:48 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 18

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 18

Auf Seite 18 wird es laut: „Wollüstiges Stöhnen und Keuchen sowie schmatzendes Fleisch waren die einzigen Geräusche, die durch die Wohnung hallten.“ Später wird die Behausung dann beschrieben als „Wohnlandschaft mit italienischen Designermöbeln“, die Wände voller Bilder, ein luxuriöser Wohntempel, wo schon der „helle“ Teppich im Flur die „Geräusche ihrer Absätze dämpfte“. Nun aber „hallt“ – unter anderem – das „schmatzende Fleisch“ durch die Wohnung, als wäre sie eine leere Baustelle. Tatsächlich „hallt“ in gut ausgestatteten, bewohnten Wohnungen wenig. Und schmatzendes Fleisch „hallt“ nirgendwo.

Wie man sich denken kann nach allem Geschmatze, dauerte es nicht lang, bis er „explodierte“, bis ihre – natürlich – „heiße Höhle … seinen zuckenden Schwanz molk, bis ihre engen Wände ihm alles abgezapft hatten, was er so großzügig aus seinem Körper strömen ließ“.

Schauen wir uns dieses Bild mal genauer an. Normalerweise sind es die Finger eines Melkers, mit denen gemolken wird, oder man macht es mit einem elektrischen Gerät. Hier aber haben wir eine Höhle, einen Hohlraum, in dem sich etwas oder jemand (zum Beispiel ein kleiner Virus oder Pilz) verstecken kann, eine Leere, die gefüllt wird mit etwas. Doch Raum ist stets passiv, er selbst kann nichts tun, sondern „erleidet“ fremdes Tun, in ihm kann etwas geschehen. Der Raum selbst kann nicht aktiv „melken“.

Unbewußt ist der Autorin das sicher klar; deshalb kommt sie uns nun mit „engen Wänden“, die zapfen. Eine Wand aber ist eine Wand, und noch eine Wand ist noch eine Wand, und selbst wenn sie eng beieinanderstehen, bleiben sie eng beieinanderstehende Wände und werden nicht zu engen Wänden, denn enge Wände gibt es nicht. Auch wenn die Autorin es gerne hätte: Auch Wände können nicht melken, nicht zapfen. Sie können nur umfallen oder zusammenbrechen oder etwas umschließen. Womit wir bei einer möglichen Ursache des Zapfvorgangs wären, wenn es hier ein Zapfen gäbe. Doch die Zapfmetapher ist in hohem Maße unpassend: Tatsächlich wird hier gar nicht gezapft, denn das ist nicht nötig. Alles fließt von selbst, weil der Herr es, wie die Autorin lautmalerisch schreibt, „großzügig aus seinem Körper strömen ließ“.

Morgen geht’s weiter mit Seite 19 und vor sich hin staubenden Vorfahren.

04.08.2014 um 20:49 Uhr

Sprachwarnung

von: Lyriost

Sprachwarnung

Zur Zeit haben wir es laufend mit Warnungen zu tun. Alle naselang Schlechtwetterwarnungen. Zuerst überall die zeternden Kassandra-Stimmen der Wetterberichter, dann das laute Krachen und Knallen, wenn Thor in seinem Wagen durch die Wolken brettert, und vor den Haustüren das Tuten der wehrhaften Verteidiger des Normalzustandes. Der Normalzustand, so finden wir, ist Ruhe und Ordnung, ein laues Lüftchen und Sonnenschein.

Für Roland Koch, ehemals Ministerpräsident in Hessen und Chef eines Baukonzerns, ist jetzt Ende Sonnenschein. Der Grund ist eine erneute Warnung. Keine Schlechtwetterwarnung, sondern in seinem Fall eine Gewinnwarnung. Der Normaldenkende fragt sich nun, wieso jemand Probleme mit einer Gewinnwarnung bekommen kann, denn im Gegensatz zum schlechten Wetter ist doch Gewinn etwas Gutes, und die Feuerwehr muß nicht ausrücken.

Das ist richtig, aber die Sprache der Finanzjongleure ist nicht so richtig die Sprache von Normaldenkenden, denn Gewinnwarnung heißt bei ihnen nicht Warnung vor Gewinn, sondern vor Verlusten beim Gewinn. Sie möchten nämlich bei den Gewinnen kein laues Lüftchen, sondern Blitz und Donner, daß es nur so kracht. Ist das nicht mehr zu erwarten, dann wird gewarnt – vorm Normalzustand moderater Gewinne.

Ich warne auch: vor den Worte- und Wörterverdrehern, vor denen, die die Sprache verhunzen. Sei es aus Dummheit oder mit Absicht.

04.08.2014 um 12:26 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 17

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 17

Im Liebesspiel ist vieles möglich, denn so verschieden die Spielenden, so unterschiedlich deren Wünsche und Fähigkeiten, jenen entgegenzukommen. Da das nicht immer gelingt, gibt es allerlei Gerätschaften, besonders im SM-Bereich, sogenanntes Liebesspielzeug, um den jeweiligen Partner zusätzlich zu stimulieren. Doch oft sind solche Hilfen nicht nötig, wie hier bei Leanne und Ryan: „Er spürte ihre scharfen Zähne, die … elektrische Impulse durch seinen Körper jagten ...“ Also nicht nur scharf, sondern auch an eine Stromleitung angeschlossen.

Zum Glück liegen Spannung und Stromstärke hier offensichtlich im gesundheitlich tolerablen Bereich, denn die Impulse verstärkten sich noch, als Leanne seine „prallgeschwollenen Hodensäcke knetete“. Da ich im Pschyrembel, Stichwort Skrotum, nichts über derartige Mißbildungen der männlichen Genitalien gefunden habe, muß ich davon ausgehen, daß die Autorin nur wenig mit Männern zu tun und im Biologieunterricht nicht aufgepaßt hat, denn Männer haben bekanntlich, dem Konstrukteur sei's gedankt, nur einen Hodensack. Derartige anatomische Anomalien wie hier gibt es tatsächlich nicht – außer im Roman, im unzureichend recherchierten. Zusammen mit Sätzen wie diesen: „Sein Sperma kollidierte mit dem winzigen Zäpfchen in ihrem Rachen“, und: „Abrupt riss er seinen Penis aus dem Käfig ihres Mundes“ sorgt solche Formulierungskunst für wenig erotische Stimulation, aber für viel Heiterkeit.

Auch nicht schlecht: „Seine Stimme ähnelte einem Reibeisen.“ Wie klingt ein Reibeisen? Ich habe in der Küche nachgeschaut: Es hängt nur still da und schweigt beharrlich. Ja, ja ich weiß, Joe Cocker und Co., die berühmten Reibeisenstimmen. Man muß nicht alles abschreiben – und schon gar nicht ungeschickt paraphrasierend.

Um an die bisher nur heiße, inzwischen jedoch „glühende Weiblichkeit“ zu gelangen, zerreißt Ryan einfach die Schutzfolie, „dieses edle Wäschestück, das ein Vermögen gekostet hatte“. Ich weiß, London ist teuer, aber so teuer wohl auch wieder nicht, schon gar nicht für eine Immobilienmaklerin, deren „Terminkalender aus allen Nähten platzte“. Wenn ich daran denke, daß sogar ich mit meinem eher überschaubaren Einkommen vor Jahren regelmäßig Unterwäsche in den Galeries Lafayette gekauft habe, nicht gerade ein Ort für Schnäppchenjäger, finde ich die Bemerkung zum „Vermögen“ maßlos übertrieben, wie so vieles in diesem Buch. Hundert Euro sind kein Vermögen, jedenfalls nicht in Mitteleuropa.

Morgen geht’s weiter mit Seite 18 und „engen Wänden“.

04.08.2014 um 11:13 Uhr

Bleib bei dir

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Bleib bei dir

Geronnenes Rot
im Blauen lauernd Gefahr
schon färbt sich's Wasser

bleib stehn begib dich nicht fort
ins trügerische Wirbeln


KOMM!

03.08.2014 um 12:54 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 16

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 16

Das Adjektiv „heiß“, also das Wort für übermäßig warm, kommt im Buch übermäßig oft vor, mehrere hundert Mal, schätze ich. Auf der letzten Seite war es die „heiße Pussy“, auf der Seite davor „ihre heiße Höhle“; hier auf Seite 16 sind es ihre Zungenspitze, die sich „heiß anfühlte“, und ihr „heißer Atem“, den er „umgehend fühlte“. Irgendwann schlagen dann Flammen aus dem Allerwertesten, befürchte ich. Bei so einer heißen Frau. Man sollte deshalb wie beim Adventskranz immer einen Eimer Wasser in der Nähe stehen haben. Sicher ist sicher.

Solche Hitze, das weiß man, lockt gefährliche Schlangen an, da diese ektotherm sind und empfindliche Thermorezeptoren haben: „… während sein Schwanz zu einer fauchenden Kobra mutierte, die bei dieser Provokation stolz ihr Haupt erhob, um jeden Moment ihr tödliches Gift herauszuspritzen“. Da verwundert es doch, wenn wir zwei Absätze weiter erfahren, daß Ryan „atemlos“ zusah, „wie sie die Finger unter den elastischen Bund seines Slips klemmte“. Die Schlange ist also noch im Versteck, und wir haben es bisher nur mit leisem, bescheidenem Trockenfauchen zu tun.

Aber nun wird es schnell gefährlich: „Ein glitzernder Lusttropfen trat aus dem schmalen Spalt … der sofort ihrer herausschießenden Zunge zum Opfer fiel.“ Schon vergessen: „tödliches Gift“. Ich habe mich heute nicht getraut weiterzulesen.

Morgen geht’s weiter mit Seite 17 und „Hodensäcken“.

02.08.2014 um 09:39 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 15

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 15

Ihre natürlich „zarten“ Hände machten alles mögliche, „ohne sich dem Mittelpunkt seines Unterleibs zu nähern“, bevor sie „eine Handfläche auf seine Vorderseite legte“.

Mal abgesehen von den zarten Händen, klingt das für mich eher nach Autopsiebericht als nach Erotik. Aber der scheinbar Hingeschiedene lebt – und wie –, denn: Hastig fuhren seine Finger an die Schnalle seines Gürtels, um sich davon zu befreien. Davon oder von ihr oder ihm? Vom Gürtel oder von der Schnalle? Im nächsten Satz wird es dann verspätet mitgeteilt: „Er wünschte … seine Hose loszuwerden.“ Aha, also die Hose. Sein Wunsch ist ihr Befehl: „... lass mich das erledigen.“ Wie aufregend. Und schon schweifen seine Gedanken vogelperspektivisch suchend über die Erdkugel: „Es gab einfach keine Frau auf diesem Planeten, die ihr auch nur annähernd das Wasser reichen konnte.“

Doch noch bevor er sich in diesen Sphären verlor, „riss ihn das … leise Geräusch des Reißverschlusses aus seinen Gedanken“. Dieses Geräusch – ich habe es mit mehreren verschiedenen Hosen ausprobiert – ist wirklich sehr leise, kein „surren“der Ton, der „erotisch war“, wie die Autorin findet, sondern eher ein banales Schnarren; folglich erscheint die Gedankentiefe unseres Helden begrenzt: Er läßt sich sehr leicht ablenken.

„… willst du in meiner heißen Pussy kommen“, fragt Chloes Mutti nun, und Ryan schluckt schwer, weil „sie so nuttig sprach“, „schmutzige Wörter“. Ich finde, so klingt eher eine schwäbische Hausfrau, wenn sie einen Trollinger zu viel getrunken hat. Nuttig geht anders. Zum Thema nuttige Sprache empfehle ich potentiellen Erotikautoren Ernest Bornemann. Sex im Volksmund. Der obszöne Wortschatz der Deutschen.

Morgen geht’s weiter mit Seite 16 und „heißem Atem“.

01.08.2014 um 12:17 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 14

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 14

Ein wollüstiges Brummen löste sich aus seiner Kehle, und er hörte sie sinnlich lachen.“

Hätte er einfach wollüstig gebrummt, jeder hätte es verstanden, aber so? Man fragt sich, wie lange wohl das Brummen in der Kehle wie in einem allzu engen Schornstein festgesteckt hat, bevor es sich löste. Und hat es vorher gezappelt und gezerrt? Und dann noch: Worin unterscheidet sich „sinnliches“ Lachen von normalem oder gar von nichtsinnlichem?

Ryan knurrte rau ...“ Das kann man verstehen, nach dieser sicherlich heftigen Strampelei des Brummens sind garantiert empfindliche Schleimhäute in der Kehle etwas angefressen, was den Ton verdunkeln dürfte.

Aber Leanne wirft einen „heißen Blick über die Schulter hinweg“, der Ryan „fast in die Knie“ zwingt, und er versinkt „unwiederbringlich in ihren blauen Augen“. Unwiederbringlich. Der geht nur einmal, der kommt nie wieder. So wie ein Schlüsselbund, der in ein Gully fällt.

So ähnlich drängt Ryan nun in ihre „heiße Höhle“, obwohl er gehörig Angst hat, „von ihr zerquetscht zu werden“. Todesmutig.

Morgen geht’s weiter mit Seite 15 und hastigen Fingern.