Lyriost – Madentiraden

04.08.2014 um 20:49 Uhr

Sprachwarnung

von: Lyriost

Sprachwarnung

Zur Zeit haben wir es laufend mit Warnungen zu tun. Alle naselang Schlechtwetterwarnungen. Zuerst überall die zeternden Kassandra-Stimmen der Wetterberichter, dann das laute Krachen und Knallen, wenn Thor in seinem Wagen durch die Wolken brettert, und vor den Haustüren das Tuten der wehrhaften Verteidiger des Normalzustandes. Der Normalzustand, so finden wir, ist Ruhe und Ordnung, ein laues Lüftchen und Sonnenschein.

Für Roland Koch, ehemals Ministerpräsident in Hessen und Chef eines Baukonzerns, ist jetzt Ende Sonnenschein. Der Grund ist eine erneute Warnung. Keine Schlechtwetterwarnung, sondern in seinem Fall eine Gewinnwarnung. Der Normaldenkende fragt sich nun, wieso jemand Probleme mit einer Gewinnwarnung bekommen kann, denn im Gegensatz zum schlechten Wetter ist doch Gewinn etwas Gutes, und die Feuerwehr muß nicht ausrücken.

Das ist richtig, aber die Sprache der Finanzjongleure ist nicht so richtig die Sprache von Normaldenkenden, denn Gewinnwarnung heißt bei ihnen nicht Warnung vor Gewinn, sondern vor Verlusten beim Gewinn. Sie möchten nämlich bei den Gewinnen kein laues Lüftchen, sondern Blitz und Donner, daß es nur so kracht. Ist das nicht mehr zu erwarten, dann wird gewarnt – vorm Normalzustand moderater Gewinne.

Ich warne auch: vor den Worte- und Wörterverdrehern, vor denen, die die Sprache verhunzen. Sei es aus Dummheit oder mit Absicht.

04.08.2014 um 12:26 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 17

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 17

Im Liebesspiel ist vieles möglich, denn so verschieden die Spielenden, so unterschiedlich deren Wünsche und Fähigkeiten, jenen entgegenzukommen. Da das nicht immer gelingt, gibt es allerlei Gerätschaften, besonders im SM-Bereich, sogenanntes Liebesspielzeug, um den jeweiligen Partner zusätzlich zu stimulieren. Doch oft sind solche Hilfen nicht nötig, wie hier bei Leanne und Ryan: „Er spürte ihre scharfen Zähne, die … elektrische Impulse durch seinen Körper jagten ...“ Also nicht nur scharf, sondern auch an eine Stromleitung angeschlossen.

Zum Glück liegen Spannung und Stromstärke hier offensichtlich im gesundheitlich tolerablen Bereich, denn die Impulse verstärkten sich noch, als Leanne seine „prallgeschwollenen Hodensäcke knetete“. Da ich im Pschyrembel, Stichwort Skrotum, nichts über derartige Mißbildungen der männlichen Genitalien gefunden habe, muß ich davon ausgehen, daß die Autorin nur wenig mit Männern zu tun und im Biologieunterricht nicht aufgepaßt hat, denn Männer haben bekanntlich, dem Konstrukteur sei's gedankt, nur einen Hodensack. Derartige anatomische Anomalien wie hier gibt es tatsächlich nicht – außer im Roman, im unzureichend recherchierten. Zusammen mit Sätzen wie diesen: „Sein Sperma kollidierte mit dem winzigen Zäpfchen in ihrem Rachen“, und: „Abrupt riss er seinen Penis aus dem Käfig ihres Mundes“ sorgt solche Formulierungskunst für wenig erotische Stimulation, aber für viel Heiterkeit.

Auch nicht schlecht: „Seine Stimme ähnelte einem Reibeisen.“ Wie klingt ein Reibeisen? Ich habe in der Küche nachgeschaut: Es hängt nur still da und schweigt beharrlich. Ja, ja ich weiß, Joe Cocker und Co., die berühmten Reibeisenstimmen. Man muß nicht alles abschreiben – und schon gar nicht ungeschickt paraphrasierend.

Um an die bisher nur heiße, inzwischen jedoch „glühende Weiblichkeit“ zu gelangen, zerreißt Ryan einfach die Schutzfolie, „dieses edle Wäschestück, das ein Vermögen gekostet hatte“. Ich weiß, London ist teuer, aber so teuer wohl auch wieder nicht, schon gar nicht für eine Immobilienmaklerin, deren „Terminkalender aus allen Nähten platzte“. Wenn ich daran denke, daß sogar ich mit meinem eher überschaubaren Einkommen vor Jahren regelmäßig Unterwäsche in den Galeries Lafayette gekauft habe, nicht gerade ein Ort für Schnäppchenjäger, finde ich die Bemerkung zum „Vermögen“ maßlos übertrieben, wie so vieles in diesem Buch. Hundert Euro sind kein Vermögen, jedenfalls nicht in Mitteleuropa.

Morgen geht’s weiter mit Seite 18 und „engen Wänden“.

04.08.2014 um 11:13 Uhr

Bleib bei dir

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Bleib bei dir

Geronnenes Rot
im Blauen lauernd Gefahr
schon färbt sich's Wasser

bleib stehn begib dich nicht fort
ins trügerische Wirbeln


KOMM!