Lyriost – Madentiraden

09.08.2014 um 08:52 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 23

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 23

Auf dieser Seite passiert nicht allzu viel. Jemand „verdreht ironisch die Augen“. Das allgemeine Augenverdrehen ist gerade mächtig in Mode; sobald einer die Frechheit besitzt, anderer Meinung zu sein, geht die Dreherei los. Diese Unsitte beginnt bereits im Kindergarten und setzt sich fort bis in die Oberseminare der Universitäten und in den Bundestag. Dort wird jedoch nicht nur mit den Augen gedreht, sondern auch viel gejohlt. In den Parlamenten der Ukraine, der Türkei und einiger anderer Länder ist das Augenverdrehen nicht so sehr in Mode, dort gibt es statt dessen schnell mal was drauf – auf die Augen.

Aber ich schweife ab. Wie unterscheidet man banales Augenverdrehen von ironischem? Ich weiß es nicht und kann nur vermuten. Wahrscheinlich wird beim ironischen Augenverdrehen links und rechts der Augen Daumen und Zeigefinger placiert, auf keinen Fall jedoch der Mittelfinger.

Amber, Freundin von Chloe, wartet auf die Ankunft eines Bildhauers und äußert die „unverrückbare Meinung, dass jeder Mann, der seine Brötchen mit den Händen“ verdient, ein „wahrer Magier im Bett“ sei. Dabei bedenkt sie wohl nicht, daß dies nicht nur für Bildhauer gelten wird, sondern auch für Klärwerkstaucher, Müllsortierer, Fischverarbeiter …

Doch hier bewegt man sich im stylischen Rahmen einer Vernissage, und Chloe „nippte an ihrem Champagnerglas, während sie durch den gut gefüllten Ausstellungsraum flanierte“. Bei einer Ausstellungseröffnung im Gehen trinken. Für jemanden wie Chloe, der in der Öffentlichkeit stets stilsicher sein will, ist das nicht gerade eine Empfehlung und überdies nicht so ganz ungefährlich. Deshalb sieht man es wohl nur bei Betrunkenen.

Und was soll der „gut gefüllte Ausstellungsraum“ uns sagen? Ist er gut gefüllt mit Menschen oder mit Exponaten oder mit beidem? Und soll die gute Füllung ein Qualitätsmerkmal sein? Weniger ist meistens mehr.

Morgen geht’s weiter mit Seite 24 und Schulterklopfen.