Lyriost – Madentiraden

19.08.2014 um 09:10 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 33

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 33

Der Mann, dessen Name für Chloe „ein Mysterium“ ist, von dem wir aber wissen, daß er Ryan heißt, robbt also nun „dicht an ihren Rücken“ heran. Chloe „fühlte heiße Muskeln“. Es könnte sein, daß sie durch den kühlen Stoff des Anzugs nicht nur die Hitze seines Körpers spürte, sondern gleichzeitig wahrnahm, daß es sich bei diesem Hitzeproduzenten nicht um einen Schlaffi, sondern um einen muskulösen Kerl handelte, aber das erscheint unserer Malerin schlecht durchdachter Bilder zu banal, also versucht sie zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: „heiße Muskeln“.

Nun machen sich Chloes Sinne, die die Aufgabe haben, sie über die Welt außerhalb ihrer selbst zu informieren, selbständig und werden zu Lebewesen, „die sich verzweifelt darum bemühten, noch mehr von diesem herrlichen Bouquet aus Mann und Aftershave zu erhaschen“. Weshalb Chloes Kopf dabei „kraftlos nach hinten“ fiel, erfahren wir nicht, aber möglicherweise können die Sinne so besser sinnen.

Und „ihr Mund öffnete sich wie die Knospe einer aufgehenden Orchidee“. Wer sich mit Orchideen auskennt, der weiß, daß diese etwas länger brauchen, um aufzugehen, als der Mund einer Frau. Allein deshalb erscheint mir der Vergleich doch sehr gewagt.

Jetzt setzt Ryan mit Hilfe seines stimmbildenden Apparates wieder ein paar Wörter in Bewegung, so daß „Chloes Schoß … verglühte“, wenn auch nur „förmlich“, Gott sei Dank, denn er wird ja sicher noch benötigt. Auch „das kleine Nervenbündel zwischen ihren Schenkeln trommelte wie verrückt, bis sie ein Stöhnen ausstieß, das er mit einem leidenschaftlichen Ächzen beantwortete“. Ein Nervenbündel, das trommelt. Ich hatte als Kind so ein kleines Stoffäffchen; wenn man das mit einem Schlüssel aufzog, dann begann es hopsend zu trommeln. Daran mußte ich denken, als ich das las. Aber das Frage-und-Antwort-Spiel von Stöhnen und Ächzen hat auch etwas Surreales.

Das muß auch Chloe nicht kaltgelassen haben, denn während sie „mühsam“ stöhnend spricht: „Nein, lass mich“, biß „sie sich so heftig auf die Lippen, daß sie ihr eigenes [wessen sonst?] Blut schmecken konnte“. Das ist echte Leidenschaft. Nun wird Chloe in „einen wohligen See aus Hitze getaucht“ – vielleicht ist es auch nur ein Teich oder ein Taufbecken. „Nicht mehr lange und die Frau in ihr würde wie ein Schmetterling erwachen, die seidigen Wände ihres Gefängnisses durchstoßen ...“ Tatsächlich ist es bei der Schmetterlingsmetamorphose so, daß die Puppe an vorgegebenen, gewissermaßen perforierten Stellen aufplatzt und der Falter sich mühsam nach außen zwängt. Nichts mit „seidigen Wänden“. Ich wußte allerdings nicht, daß Frauen zu den Lepidoptera gehören und daß deren Befreiung aus der Verpuppung nicht etwa in der Pubertät geschieht, sondern erst zehn, zwölf Jahre später.

Morgen geht’s weiter mit Seite 34 und „heißkalten Schauern“ und „heißer Scham“.