Lyriost – Madentiraden

25.11.2014 um 11:09 Uhr

Rechtschreibschmonzes

von: Lyriost

Rechtschreibschmonzes

Ein gewisser Peter Schmachthagen, ehemals leitender Redakteur, äußert sich regelmäßig dienstags im „Hamburger Abendblatt“ zum Thema Sprache. So auch heute über Rechtschreibung und den angeblichen „Unsinn“ der übertragenen Bedeutung. Ganz nebenbei wird auch noch ein bißchen Kulturkritik mitgeliefert: „Wenn zu meiner Zeit ein Lehrer zum Unterrichtsbeginn in die Klasse trat, durften wir nicht sitzen bleiben, sondern standen selbst als Oberprimaner auf, um ihn stehend zu begrüßen. Das geboten Respekt und Anstand.“ Ich selbst kann mich an ähnlich rituelles Aufstehen erinnern, aber auch daran, daß damals noch weniger Lehrer als heute den verordneten Respekt verdienten, der ihnen entgegengebracht werden mußte. Bei dem einen oder anderen hätte man sitzen bleiben sollen. Allerdings hätte eine solche Handlung mindestens zur Folge gehabt, daß man am Ende des Schuljahres nicht versetzt worden, sondern aus disziplinarischen Gründen sitzengeblieben wäre. Sitzenbleiben als Folge von sitzen bleiben. Zwei unterschiedliche Bedeutungen unterschiedlich geschrieben. Peter Schmachthagen findet es schwer zu unterscheiden, ob es sich beim Sitzenbleiben um ein „Wiederholen der Klasse“ oder ein Nichtaufstehen handelt, und deshalb ist er der Meinung, die Unterscheidung wäre „Unsinn“, und im Falle des nichtwörtlichen Gebrauchs „bekam das Sitzenbleiben eine übertragene Bedeutung“, Nein, „bekam“ es nicht. Hatte es. Schon immer.

Im weiteren phantasiert er, daß eine solche Regel, die festlegt, ob getrennt oder zusammengeschrieben wird, „ein Hindernis für die Verbreitung der deutschen Sprache“ war. Als spiele die rechte Schreibung bei der Verbreitung einer Sprache eine Rolle. Die meisten Analphabeten sprechen ihre eigene und manche Fremdsprache recht gut, und kein Migrant hat Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, weil er nicht weiß, wie er es schreibt, wenn er auf dem Flohmarkt auf seiner Ware sitzenbleibt.

Peter Schmachthagen selbst weiß allerdings nicht, daß man zusammenschreibt, wenn man gegen etwas anmosert, und schreibt „an mosert“, also getrennt.

Zum Schluß noch ein Satz, der deutlich macht, daß es bei Schmachthagen auch mit dem logischen Denken hapert: „... wenn wir den Kontext eines Satzes benötigen, um die Schreibweise des Verbs festzulegen, brauchen wir keine unterschiedliche Schreibweise, um den Sinn zu ergründen.“ Ja, schön, nur das eine "Wir" ist der Schreiber – und das andere "Wir" der Leser. Das sind nicht immer dieselben.

 

Hamburger Abendblatt

 

21.11.2014 um 10:46 Uhr

Kolumnenblabla über Büroblabla

von: Lyriost

Kolumnenblabla über Büroblabla

Johanna Bruckner schreibt in der Süddeutschen über informellen Dresscode im Büro:

„... Anschließend folgt dann bei Frisur wie Klamotte dasselbe Urteil: 'Mutig, gefällt mir!' Wobei sich der hintere Satzteil ausschließlich auf das voranstehende Adjektiv bezieht. Mutig will schließlich jeder sein, die perfekte Antwort also.“

Wenn das so wäre mit dem ausschließlichen Bezug, was soll dann das Komma hinter dem Adjektiv? Es müßte doch richtig heißen: Mutig gefällt mir. Also alles wieder mal nur zurechtgebogenes Blabla. 

SZ

 

20.11.2014 um 10:08 Uhr

Geld und Wasser

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Geld und Wasser

In der Presseschau im Radio war zu hören, der SPD falle es schwer, zu akzeptieren, daß auch in der Sozialpolitik „das Wasser nicht bergauf“ fließe. Soso, auch in der Sozialpolitik nicht. Da wollte mal wieder jemand mit einem bildhaften Vergleich glänzen, ohne sich das Bild vorher genauer anzuschauen. Und ohne nachzudenken, denn er selbst hat vermutlich seinen Morgenkaffee oder -tee nur deshalb trinken können, weil vorher das Wasser in der Leitung bergauf geflossen war; denn natürlich fließt Wasser bergauf, wenn nicht durch das physikalisch-chemische Phänomen der Kohäsion, dann angeregt durch Pumpen. So wie das meiste Geld bergauf in die gutgefüllten Speicher fließt statt bergab die leeren Kassen.   

19.11.2014 um 17:52 Uhr

Gefährliche Droge

von: Lyriost

Gefährliche Droge

Haschisch ist eine gefährliche Droge und darf nie, nie, nie legalisiert werden. Laßt uns darauf einen trinken.

SZ 

 

19.11.2014 um 09:14 Uhr

Meinungsfreiheit

von: Lyriost

Meinungsfreiheit

Merksatz des Propagandisten: Freiheit ist immer die Freiheit dessen, der so denkt wie ich.
 

16.11.2014 um 10:26 Uhr

Über Töten und Niederknien

von: Lyriost

Über Töten und Niederknien

Besonders in angloamerikanischen Büchern finden sich (allzu) häufig diese unsäglichen Übertreibungen wie „Er war zum Niederknien“ oder „Für solch ein Kleid würde sie töten“. Ein aufmerksames Lektorat streicht so etwas rigoros weg. Leider werden Texte heute oft gar nicht mehr oder nur flüchtig lektoriert.

05.11.2014 um 09:53 Uhr

Künstliche Aufregung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Erdogan, Böhmermann

Künstliche Aufregung

Neueste Erdogan-Posse: eine Karikatur in einem deutschen Schulbuch. Der deutsche Botschafter wurde ins türkische Außenministerium einbestellt. Die Karikatur sei „ein Spiegelbild des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit“ und „beleidige die in Deutschland lebenden Türken“, meint das türkische Außenministerium. Von „Hass und Islamophobie“ ist die Rede.

Ich habe mir die Karikatur angeschaut. Was ist dort zu sehen? Ein gut integrierter, perfekt bayerisch fluchender Türke und zwei Eingeborene, von denen einer an der Wasserpfeife hängt, während der andere sich mit dem Essen wohl etwas übernommen hat, weil er es nicht so scharf verträgt, wie er glaubt. Die Bayern wirken ein wenig deppert, der Türke zwar ein bißchen zu echauffiert, aber letztlich doch souverän. Von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit keine Spur. Rechts im Bild allerdings, und das wird der wahre Grund der Aufregung sein: ein zähnefletschender Hund in einer Hütte, auf der der Schriftzug „Erdogan“ zu lesen ist. Das erinnert an den Präsidenten Erdogan, das türkische HB-Männchen, wie man ihn kennt: immer ein wenig zu erhitzt, immer ein wenig zu bissig, immer ein wenig zu laut, immer ein wenig zu wenig souverän für einen Staatsmann.

Und immer viel zu schnell beleidigt.


FAZ