Lyriost – Madentiraden

28.05.2015 um 22:51 Uhr

Tirade 221 – Bis bald

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 221 – Bis bald

Bis bald in der Zeit
wenn keiner mehr Jahre zählt 
schon bald irgendwann

wenn die Sonne untergeht
die Sterne sich verblinken

26.05.2015 um 02:40 Uhr

Klugheit und Intelligenz

von: Lyriost

Klugheit und Intelligenz

Überschrift in der FAZ: „Künstliche Intelligenz –
Das klügste Hirn wird verlieren“ 

Stephen Hawking meint, „innerhalb von 100 Jahren werden Computer intelligenter sein als Menschen“.

Dazu kann ich nur sagen: „Es ist klug, Klugheit nicht mit Intelligenz, deren Definition hochumstritten ist, zu verwechseln und künstliche Intelligenz nicht mit der menschlichen. Computer können bereits heute besser Schach spielen als Menschen und schneller und exakter rechnen, und sie werden noch schneller und exakter werden. Aber nicht klug.

Dennoch werden Computer immer schneller und den kognitiven Fähigkeiten der meisten Menschen ähnlich werden, über mannigfaltige Arten von Intelligenz verfügen, aber trotzdem wie die meisten Menschen weit entfernt sein von Klugheit. Wie wenig klug der Großteil der Menschen ist, kann man, durchschnittliche Intelligenz vorausgesetzt, am Zustand der Welt ablesen.    

25.05.2015 um 09:37 Uhr

Wo der Arg wohnt

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Wo der Arg wohnt

Unehrliche Menschen sind oftmals arg mißtrauisch, wittern leicht hinter jeder Ecke den tückischen Hinterhalt und glauben, ständig auf der Hut sein zu müssen, weil viele andere etwas gegen sie im Schilde führten – wissen sie doch von sich selbst: Wo der Arg wohnt, ist auch Tücke.
 
Der ehrliche Mensch, von Hause aus ohne Arg, muß sich zum Argwohn zwingen.

24.05.2015 um 11:37 Uhr

Bewegtes Bild

von: Lyriost

Bewegtes Bild

All die Zweige
hüpfen und winken
schwankendes Flattern
der Wind und die Spatzen
neu und ungelenk
die Stimmen
hell wie der 
frisch geweißte Flieder
noch ungewelkt
selbst die Steine 
möchten springen
wie die Katze
im Gras

23.05.2015 um 08:56 Uhr

Wurzellos (für G.)

von: Lyriost

Wurzellos (für G.)

Ins Licht gezwungen
blinzelst du Keim
auf keimfreien Wegen
immer hart am Dornenrand
brummst lautarme Wörter
vor dich hin
tapsig trippelnd
wie ein Käfer auf
deinem Gang
in den Rachen der Nacht
in die Stille

21.05.2015 um 12:58 Uhr

Paradoxie

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Paradoxie
 
Laut dem aktuellen Drogenbericht der Bundesregierung sterben in Deutschland jährlich 74 000 Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum.
 
Deshalb ist Alkoholverkauf verboten, sollte man meinen. 
 
Trotz intensiver Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, einen Haschischtoten nachzuweisen.
 
Deshalb ist Haschischverkauf erlaubt, denkt man.
 
Aber nein, es ist andersrum: Haschischverkauf ist verboten und Alkoholverkauf erlaubt.
 
Das verstehe, wer will.

19.05.2015 um 23:32 Uhr

Nur ein Baum

von: Lyriost

19.05.2015 um 00:09 Uhr

Eigentlich unmöglich

von: Lyriost

Eigentlich unmöglich

Wenn man ihn zu sehr pflegt, macht der Konjunktiv möglicherweise viel Mögliches unmöglich. Im Grunde ist er ja auch gerade dazu da. Und dient gleichzeitig zur Verschleierung: Ich würde wollen, wenn ich wollen könnte, oder ich würde können, wenn ich können wollte? Und manchmal weiß man selbst nicht, ob man nun nicht will, nicht kann oder nicht wollen kann – und vor allem: warum eigentlich. Eigentlich ...

18.05.2015 um 22:00 Uhr

Tirade 220 – Zeitlose Feststellung

von: Lyriost

Tirade 220 – Zeitlose Feststellung

Geschundene Zeit
sie wird verscheucht vertrieben
verschwendet verbracht

verschleudert dumpf verbraten
selten bedachtsam genutzt

13.05.2015 um 00:17 Uhr

Tirade 219 – Kühle Konnexion

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 219 – Kühle Konnexion

Wenn schon nicht Blicke
bisweilen Laute tauschen
chiffriertes Lächeln

in den Wörtern eingesargt
gefrorene Gedanken

12.05.2015 um 14:21 Uhr

Keine Minne

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Keine Minne

Unter der Linde
an der Heide
waren wir nicht
gestern noch heut
ihr findet nichts
gebrochen nicht
Blumen noch Gras
vor dem Walde
in einem Tal
kein Tandaradei
stille schweigt
die Nachtigall

11.05.2015 um 21:36 Uhr

Tirade 218 – Keine Nachricht

von: Lyriost

Tirade 218 – Keine Nachricht

Im Abenddämmer
tanzen die Fledermäuse
ganz für mich allein

Botschafter der Dunkelheit
als brächten sie mir Kunde

10.05.2015 um 11:00 Uhr

Suche nach Glück

von: Lyriost

Suche nach Glück

Wenn einer sich auf die Suche nach Glück machte, sich strebend dem Ort zu nähern versuchte, an dem er das Glück vermutete, so dachte ich, sollte der schon ein wenig unzufrieden sein mit seinem Leben, denn beim Glücksuchen lauerte, wie ich früher öfter erfahren hatte, so manche Gefahr – mochte das vermeintliche Glück auch winken und weisen –, und es war durchaus nicht unwahrscheinlich, daß bei dieser Unternehmung am Ende nicht das Glück lächelte, sondern aus einer ordentlichen relativen Zufriedenheit eine absolute Unzufriedenheit geworden war, wenn nicht gar aus Zufriedenheit Unglück. 

So dachte ich, setzte mich an den Wegrand und lauschte dem lärmenden Treiben der Welt.

09.05.2015 um 21:16 Uhr

Gesänge

von: Lyriost

Gesänge

Amseln singen Abend
ich sing Wortverschnitt 
Stille untergrabend
wünschte du sängst mit

09.05.2015 um 09:54 Uhr

Schöne Aussichten

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Schöne Aussichten

Was wir morgen
alles tun werden
wenn wenn
wenn wir erst
erwachsen sind
in oder auf Rente
oder nicht
mehr krank
mit der Schule
fertig oder beinahe gesund
wenn wenn
wenn die Kinder
groß sind
wenn wir 
mehr verdienen
im Lotto 
gewonnen haben
das Wetter besser ist
wenn wenn
das Studium
die Ausbildung
wenn wenn
wir Zeit haben
wenn 
wir tot sind
dann

07.05.2015 um 21:54 Uhr

Tirade 217 – Erwachen

von: Lyriost

Tirade 217 – Erwachen

Reib aus den Augen
den Puder dunkler Träume
den Staub der Mahre

entknote deine Haare
und pflanze Eibenbäume

07.05.2015 um 12:54 Uhr

Eins nach dem anderen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Eins nach dem anderen

Bevor wir uns mit der Frage nach dem Sinn des Lebens befassen, sollten wir erst mal nach dem Sinn des Sinns fragen: Was ist der Sinn von Sinn?  Im Ergebnis dessen – falls wir zu einem Ergebnis kommen oder auch gerade nicht – wird die erste, die Ausgangsfrage, möglicherweise unbedeutend oder doch zumindest zweitrangig, denn wir haben genug damit zu tun, über den zugrundeliegenden circulus vitiosus nachzudenken, der beim ernsthaften Nachdenken über den Sinn von Sinn mehr und mehr das Blickfeld ausfüllt. Wir geraten da in einen hübschen infiniten Regreß und verlieren uns schnell in labyrinthischer Gedankenzirkulation.

06.05.2015 um 12:15 Uhr

Die Sonn-, ja die Sonne

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Die Sonn-, ja die Sonne

Nicht ruhte ich nächtens
schloß keines meiner Augen
trotz ruhigen Bluts
und glatter Sorgenfalten
ein Lächeln auf den Lippen
wärmte noch der 
vergangene Tag
der kostbare
nur der Zorn schlief fest
wie der Wind in den Zweigen
unter dem fetten Mond
umringt von Wolken
wartend auf den 
Tag und das Erscheinen
der Sonne

06.05.2015 um 00:58 Uhr

Wandel (für S.)

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Wandel (für S.)

Gestern noch fehlte
mir wenig fast
nichts
nicht einmal du
heute schon
besitze ich wenig
fast nichts
wenn deine 
Stimme verklingt
für eine Weile
kurz oder lang
morgen werde ich
mich freuen auf
übermorgen vielleicht
später

05.05.2015 um 16:21 Uhr

Die sinkende Bevölkerung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Die sinkende Bevölkerung

„Deutschlands Bevölkerung sinkt“, ist auf tagesschau.de zu lesen. Das verwundert mich. Schiffe sinken gelegentlich, das ist bekannt, aber nicht die Bevölkerung. Es sei denn, sie befindet sich an Bord dieser Schiffe. In diesem Fall sinkt sie mit, jedenfalls dann, wenn zuwenig Westen vorhanden sind und sie nicht schwimmen kann, die Bevölkerung.

Vielleicht ist das Ganze nur ein sogenannter Druckfehler, denn gemeint ist möglicherweise: „Deutschlands Bevölkerung singt.“ Doch weshalb sollte die Bevölkerung singen? Etwa wegen des angeblichen Abbaus von „aufgestautem Nachholbedarf“ im selben Beitrag? Bedarfsstau ist ja witzig als Denkpirouette, aber wie soll man sich das vorstellen? Tatsächlich ist es doch so, daß durch einen Stau der bedürftigen und unbefriedigten Interessenten ein Nachholbedarf entsteht. Das ist aber nicht dasselbe wie „aufgestauter Nachholbedarf“.

Am besten wäre, wenn der Schreiber versänke, vor Scham im Boden (was jedoch nicht geht, weil der Boden zu hart ist), wegen seiner offensichtlichen Unfähigkeit, durch bewußtes Denken zu klaren Formulierungen zu gelangen.