Lyriost – Madentiraden

29.06.2015 um 22:41 Uhr

Akzeptanz

von: Lyriost

Akzeptanz

Allgemeine Akzeptanz ist die Medizin, die gern bei mangelndem Selbstbewußtsein verschrieben wird und die doch nur das Selbst unterdrückt. "Bei Risiken und Nebenwirkungen ..." Wer Akzeptanz sucht, ist immer nahe daran, sich selbst aufzugeben.

29.06.2015 um 22:26 Uhr

Böse Zungen

von: Lyriost

Böse Zungen

Böse Zungen lästern und lügen, suchen nach bösen Ohren, doch kann man sich ihrer, zur Not auch mit böser Zunge, erwehren. Doch wehe, wenn die böse Zunge zur für sie rechten Zeit stillehält. Manchmal steckt die tiefste Bosheit im Schweigen.

25.06.2015 um 19:56 Uhr

Angemessener Platz

von: Lyriost

Angemessener Platz

Der einzige angemessene Platz für eine Krawatte ist der Mülleimer.

22.06.2015 um 11:15 Uhr

Erdmann – Szenische Monodialoge 14

von: Lyriost   Kategorie: Jemand schrieb

Erdmann – Szenische Monodialoge 14

ERDMANN verknittert, verläßt das Schlafzimmer, geht zum PC und startet ihn, dann begibt er sich ins Bad.

Guten Morgen kleine
Fältchen seid ihr auch noch
alle da? Gut geschlafen?
Und nun wieder das tägliche
Geschrei nach Creme liebe Haut?
Creme gibt’s nicht höchstens
für die Hände weil sonst
manchmal Risse …
Was Falten angeht da bin ich
ganz unverkrampft leger
entspannt unverbissen 
locker locker und unbekümmert
Falten sind kein Makel sind
Signatur des Lebens
habe nie viel in der Sonne rumgelegen
und schon gar nicht im Solarium
auch keine Farbe aus der Tube
bin doch nicht blöd
wieviel Milliarden Umsatz weltweit
man glaubt es nicht allein
für Hautcreme locker 
über 110 Milliarden Dollar
nichts zu fressen aber Hautcreme

Apropos Lockerheit
da hält jemand andre für
verbissen will keine 
Namen nennen weil sie
nicht jeden Schiefsinn als
Gradsinn gelten lassen
man solle sich nicht
zu ernst nehmen
meint der ganz im Ernst
und das Leben auch nicht
hoffentlich ist derjenige
weder Chirurg noch Pilot
oder Optiker
also ich nehme mich schon
ernst denn tät ich das nicht
wer sonst
Eltern Lehrer Ausbilder
haben mich nicht ernst
genommen von Pfaffen ganz
zu schweigen immerhin
haben sie meinen
Reißverschluß nicht 
auf Funktionsfähigkeit
getestet aber meinen Hintern
auf Strapazierfähigkeit
unvergessen alle die 
nur sich selbst ernst nahmen
nicht ernst zu nehmen
dumme Leute

Ich höre man 
fahre gut damit sich
nicht ernst zu 
nehmen nicht allzu
vielleicht wenn man nicht
viel und noch
nicht lange fährt
aber woher weiß man ob
es nicht besser wäre
sich ernster zu nehmen
wenn man es nicht
tut?

Ich für mein Teil nehme
niemanden ernst der
sich nicht ernst
nimmt

Wozu auch?

Verläßt das Bad, hört ein Summen

Diese blöde Kiste.
Hat sich beim Runterfahren
gestern abend wieder aufgehängt
die ganze Nacht gelaufen
bei den Strompreisen
oder hab ich Trottel im Vorschlaf
nur wieder vergessen
das Ding auszuschalten?

Setzt sich kopfschüttelnd
an seinen Arbeitsplatz.

21.06.2015 um 12:36 Uhr

Spachwissen

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Spachwissen

Der DUDEN kennt sich mit der Spache aus. 

  

21.06.2015 um 11:56 Uhr

Kleidung und Wetter

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Kleidung und Wetter

Man sagt, es gäbe kein schlechtes Wetter, sondern nur unzweckmäßige Kleidung. Interessanterweise propagieren vor allem jene diese Meinung, deren Kleidung einen hohen Grad an Langweiligkeit aufweist und sich stark an den Normen der jeweiligen gesellschaftlichen Gruppe orientiert, der sie sich zugehörig fühlen. Das bedeutet Selbstbeschneidung von Individualität.

Ob etwas zweckmäßig ist oder nicht, hängt in erster Linie von den Zwecken ab, von denen jemand seine Handlungsweise leiten läßt. Wenn wir (neben der jeweiligen Peergroup) ausschließlich das Wetter darüber bestimmen lassen, wie wir uns kleiden, lassen wir uns völlig unnötig in unserer Autonomie beschränken, was in einer Zeit, in der jeder – ob nun in seiner Wohnung oder in seinem Fahrzeug – über ausreichend Heizmöglichkeiten verfügt und zumindest einen Schirm besitzt, völlig unnötig ist.

Es ist heute möglich, trotz widrigen Wetters einen individualisierten Kleidungsstil zu verwirklichen, der zum Ausdruck bringt, wie wir uns selber sehen, wie wir uns fühlen und welchen Teil unserer Persönlichkeit wir öffentlich werden lassen möchten.

Ob Kleidung zweckmäßig ist oder nicht, kann nur der entscheiden, der die Zwecke kennt, die die Kleidungswahl beeinflussen. Also im Idealfall jeder nur für sich selbst.

Der Zweck von Kleidung ist nämlich, wie banal, aber besonders von Langweilern gern vergessen, keineswegs nur Schutz vor Witterungseinflüssen. Die Kulturgeschichte ist auch eine Geschichte „unzweckmäßiger“ Kleidung. Und das ist schön. Kartoffelsäcke und Co. sind es weniger.

16.06.2015 um 20:49 Uhr

Zu kurz gedacht

von: Lyriost

Zu kurz gedacht

Paartherapeuten, zudem professorale, erst recht solche, die sich neumodisch als Coach bezeichnen, also weit entfernt sind von der Freudschen Couch, geben neben vielem Richtigen und Aufschlußreichen, wenn sie anläßlich einer Buchvorstellung interviewt werden und der Tag lang ist, auch allerlei Kraus-Diffuses, Undurchdachtes von sich.

Bei der FAZ war Ulrich Clement zu Gast, der sich zum einen beklagte, „der Sollwert“ werde „sehr hoch gefahren, was Sexualität alles hergeben soll an Leidenschaft, Besonderheit und Lebenserfüllung“, setzte dann jedoch paradoxerweise selbst noch eins drauf: „Wenn ich es mal pathetisch ausdrücke, ist Sexualität ein Tor zum Leben.“ So, und nun liegt der „Sollwert“ noch etwas höher. Aber kein Grund zur Selbstanklage? Doch das ist nicht der einzige Widerspruch:

Noch gerade hat Clement vollmundig erklärt, wichtig sei, sich „mit dem zu beschäftigen, was zu mir passt, was für mich stimmt. Die eigene Authentizität ist der Orientierungspunkt.“ Das gilt jedoch nicht für jeden, denn: „ … Spaß ist tatsächlich ein wunderbarer Aspekt von Sexualität. Aber wenn Sex nur Spaß macht, bleibt es flach. Tiefe kriegt die Sexualität erst, wenn sie auch andere Gefühle kennt, Trauer, Einsamkeit, Verlust.“ Wieso muß Sexualität Tiefe haben, und wozu die ganze Palette unangenehmer Gefühle; wer sagt das? Warum darf der Sex nicht flach sein? Steckt dahinter verborgen vielleicht eine romantische Version der alten Kirchenforderung, Sex dürfe nicht um des Spaßes willen getrieben werden, sondern sei dazu da, die Herde der geistlichen Schäferei zu vergrößern?

Und was, wenn sich einer, aus Gründen der „eigenen Authentizität“, die Tiefe, wenn er sie denn benötigt, woanders holt? Und außerdem: Weshalb soll Sexualität stets Tiefe bekommen, der gemeinsame Fernsehabend jedoch nicht immer – und auch nicht der Kneipenbesuch? Jeder kennt wohl Trauer, Einsamkeit und Verlust, aber was hat das primär mit Sexualität zu tun und vor allem die Sexualität mit diesen Gefühlen?

Viele Fragen, die in diesem Beitrag für die ältere Generation (dem Sex „wird das Erwachsensein nicht zugetraut“ – erwachsener Sex für erwachsene Leute) nicht gestellt und erst recht nicht beantwortet werden.

Immerhin durfte ich die große Weisheit lesen: „Nachdenken ist wichtiger; ohne nachzudenken, bringt Reden nichts.“ Wie wahr, Herr Coach-Professor, aber weshalb haben Sie das hier nicht beherzigt?

sex-der-nur-spass-ist-bleibt-flach

 

15.06.2015 um 22:56 Uhr

Tirade 222 – Sphärensprache

von: Lyriost

Tirade 222 – Sphärensprache

Es schimmert so fein
und leuchtet heraus hinein
wie dem Blinden die Sonne

die Stirne wärmt das Auge
so lächelt das Sein als Stein

06.06.2015 um 09:25 Uhr

Schein oder nicht Schein

von: Lyriost

Schein oder nicht Schein

„Anscheinend“ ist nicht das gleiche wie „scheinbar“, auch wenn es vielen so scheint. Und schon gar nicht dasselbe. Manche Dummheiten seien anscheinend nicht auszurotten, nicht einmal scheinbar, sagte er. Scheint so.

05.06.2015 um 23:39 Uhr

Verhemmnis

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Verhemmnis

Auf der Zunge der
Stau gewaschener Silben
Gedankenrosen bleich
am Verwelken

nah am Lippenrand
windige Wörter
verdunsten verdampfen 
zu Rauch ohne Feuer

wie Trockenbewölkung
verhängtes Hemmen

kein Hang
kein Verhängnis

05.06.2015 um 11:14 Uhr

Tränenreich

von: Lyriost

Tränenreich

Manche Frauenromane sind derart tränenreich, daß man schon froh ist, wenn mal eine Seite kommt, auf der es nur heißt: „Meine Lippen zitterten, aber ich wollte nicht schon wieder in Tränen ausbrechen.“

03.06.2015 um 15:53 Uhr

Nicht wahr

von: Lyriost

Nicht wahr

Nichts was nicht wäre
nicht Rose nicht Baum
nichts was nicht ist
nicht Baum noch Strauch
noch deren Idee
nicht sei
das Nichts
genichtet
ist was nicht nichtet
als wäre es nichts

aber ich schweife
ab

02.06.2015 um 17:01 Uhr

Eigenartiges Akronym

von: Lyriost

Eigenartiges Akronym

Sternendusche
oder
Nieselregen

immer
Abendfrösteln