Lyriost – Madentiraden

25.09.2015 um 23:10 Uhr

Kirmes

von: Lyriost

Kirmes

Schneller die 
wilde Fahrt 
höher zum Himmel
hinauf
und tiefer der Fall
ganz wie gewohnt
nichts los bei den Losen
nur laute Stimmen
Lärm viel und Licht und
Leihglanz 
 
war einmal Ereignis
doch weggesinnt
das Staunen
der offene Mund
wenig noch
aus den 
verblaßten Zeiten
nur der Geruch 
gerösteter Mandeln
 
wie aus einer anderen
Welt

25.09.2015 um 21:55 Uhr

Die starke Frau

von: Lyriost

Die starke Frau

Kaum ist es durch gesellschaftliche Emanzipation gelungen, zumindest die sichtbaren Verehrer des starken Mannes zu einer Minderheit zu machen, muß man erleben, wie in jedem zweiten Artikel über Frauen die starke Frau als Idealbild der Frau darzustellen versucht wird, so als sei die sogenannte starke Frau der Gipfel der Emanzipation – selbst dann, wenn deren Qualität nur darin besteht, bei Windstärke eineinhalb nicht von der Straße zu fliegen. Der starke Mann und die starke Frau, reduktionistischer Quatsch und das eine als Qualitätsmerkmal so armselig und albern wie das andere. Zeichnen sich der starke Mann und die starke Frau doch vor allem dadurch aus, daß sie sich mühelos über die Interessen und Rechte anderer hinwegsetzen.

25.09.2015 um 12:54 Uhr

Betrug mit Wörtern

von: Lyriost

Betrug mit Wörtern

In bezug auf das vorsätzliche Betrügen bei den Abgaswerten, von dem wir gerade unterrichtet wurden, werden in der Presse Wörter benutzt wie: schwindeln, mogeln, anschwindeln, tricksen usw. Wenn jedoch eine Verkäuferin einen Pfandbon findet und einlöst, dann ist das, wenn man zum Beispiel einem Landesarbeitsgericht glauben darf, keine Schummelei, sondern Betrug. Eine verrückte, verlogene Welt.

16.09.2015 um 09:22 Uhr

Mit Blindheit geschlagen

von: Lyriost

Mit Blindheit geschlagen

Man hat alle Hände zu tun mit den vielen Flüchtlingen, vor allem aus Syrien. Dabei kann man sich nicht auch noch für die Ursachen des Problems interessieren. Aber solange man das nicht tut, wird sich die Lage verschärfen. Das ist so, als kümmerte man sich bei einem Wasserrohrbruch um die Verteilung des Wassers und Schuldzuschreibungen an Unbeteiligte, statt den Absperrhahn zuzudrehen. 

Telopolis

Mittel gekürzt

 


16.09.2015 um 00:02 Uhr

Empfindliche Wahrheit

von: Lyriost

Empfindliche Wahrheit

Die Wahrheit ist sehr empfindlich. Sobald man sie etwas genauer anschaut, flüchtet sie wie ein Frosch vor dem Storchenschnabel. 

14.09.2015 um 15:44 Uhr

Feierei

von: Lyriost

Feierei

Bei einer Geburtstagsfeier feiern wir, weshalb auch immer, einen Geburtstag, bei einer Examensfeier das Bestehen eines Examens, bei jeder Art von Familienfeier (mit Abstrichen) die Familie, bei einer Karnevalsfeier den Karneval und bei einer Siegesfeier den Sieg. Am Feierabend sind wir froh, daß wir nicht mehr arbeiten müssen, und nicht jeder feiert, weil viele dann nur noch ihre Abendruhe genießen wollen. Es gibt die Silvesterfeier und viele andere Feiern. Was aber feiern wir bei einer Trauerfeier, unsere Trauer?

12.09.2015 um 11:12 Uhr

Über Anhänglichkeit

von: Lyriost

Über Anhänglichkeit

Ausgerechnet der Grantler und Misanthrop Schopenhauer, wie man weiß nicht gerade der Erfahrenste, wenn es um die Beziehungen zwischen Menschen geht, besonders die innigen zwischen Mann und Frau, wußte zu sagen: „Freundschaft, Liebe und Anhänglichkeit der Menschen erwirbt man nur durch Freundschaft, Liebe und Anhänglichkeit an sie.“ So was von altbacken. Erwähnt man heute das Wort Anhänglichkeit, hebt ein großes Gelächter an, und alle pochen auf ihre angebliche Unabhängigkeit und ihre Individualität, die durch derart obsolete Untugenden wie Treue und übermäßige Zuwendung, sprich Anhänglichkeit, gefährdet seien, und geben gute Ratschläge, was bei Anhänglichkeit zu tun sei: soziokulturell, psychotherapeutisch und notfalls auch mit Mitteln aus der Apotheke. Allenfalls der Hund darf heute noch anhänglich sein, jedenfalls solange kein Tierpsychologe in der Nähe ist.

08.09.2015 um 10:12 Uhr

Kompetenz

von: Lyriost

Kompetenz

Um darüber zu entscheiden, wer kompetent ist und wer nicht, braucht es eine Menge Kompetenz. Sich selbst kann man (selbst-verständlich) von dieser Entscheidung ausnehmen, denn die eigene Kompetenz steht fraglos außer Frage, was man dem bejahenden Kopfnicken aller Gleichgesinnten entnehmen kann. 

08.09.2015 um 00:09 Uhr

Notwendiger Zufall

von: Lyriost

Notwendiger Zufall

Mit großer Zuverlässigkeit ist der Zufall notwendig unzuverlässig und verliert damit einiges von dem ihm zugeschriebenen Charakter der scheinbaren Regelabweichung, stellt sich damit also selbst ein wenig in Frage.

06.09.2015 um 23:23 Uhr

Haltet den Dieb

von: Lyriost

Haltet den Dieb

Ausgerechnet die USA, die durch den Einmarsch in den Irak und die Ausrüstung von Islamisten in Syrien die Region destabilisiert haben und damit hauptverantwortlich sind für die derzeitigen Flüchtlings„ströme“, warnen Russland vor einer verstärkten Unterstützung der syrischen Regierung. Dabei sind amerikanische Flugzeuge in der Gegend ein gewohntes Bild. Der Sender n-tv fabuliert sogar von einem „Einmarsch“ Russlands, was völlig aus der Luft gegriffen ist.

 

ntv 

06.09.2015 um 22:36 Uhr

Mund abputzen?

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Mund abputzen?

Bei Mißerfolgen, besonders im Fußball, wird geradezu inflationär der Spruch von Oliver Kahn gebraucht: Aufstehen, Mund abputzen (alternativ für die Feinfühligeren: abwischen), weitermachen. Besonders lustig ist das, wenn Löw so vor sich hin floskelt, während Oliver Kahn neben ihm steht. Ich höre mir das jetzt seit Jahren amüsiert an und frage mich ein ums andere Mal: Wieso eigentlich Mund abputzen? Wenn jemand hinfällt – und das ist doch die Metaphernbasis –, fällt er eher selten auf den Mund, weil die Nase so weit vorsteht und sich überall vordrängelt, gibt sie doch gern etwas Blut von sich, was man gerade bei Fußballspielen häufig sehen kann, wenn ein Spieler gegen den Ellenbogen eines andern fällt. Dann muß natürlich erst mal die Nase abgeputzt und mit pommes- oder tamponähnlichem Verschlußgerät versiegelt werden, damit es weitergehen kann. Aber der Mund? Leider hat bisher niemand unseren ehemaligen Nationaltorhüter danach gefragt. Vielleicht sind ja mit Mund abwischen auch nur die gemeint, die vor dem Scheitern große Töne gespuckt haben.

05.09.2015 um 23:22 Uhr

Tirade 224 – Windflucht

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 224 – Windflucht

So stark wie ein Baum
uns mit dem Sturm anlegen
so wollen wir sein

und an den Wurzeln zerren
zu fliegen dem Wind davon

03.09.2015 um 10:23 Uhr

Das Ei des Philosophen

von: Lyriost

Das Ei des Philosophen

Philosophische Theoriebildung: Der eine glaubt etwas, fegt dazu passende Theoreme zu einem Haufen zusammen und baut sich daraus seine Gedankenwelt, und der andere schaut sich die Gedankenwelten anderer an, destilliert daraus einen Haufen Theoreme und baut sich damit eine neue Theorie. Und keiner weiß, wer von den beiden angefangen hat und worin genau sie sich unterscheiden. Ist ja auch egal. 

01.09.2015 um 16:54 Uhr

Tirade 223 – Wieder ein Abschied

von: Lyriost

Tirade 223 – Wieder ein Abschied

Ich mochte ihn gern
er winkt noch aus der Ferne
nun ist er bald fort

der heiße Lärm gegangen
die Kugel rollt früh runter