Lyriost – Madentiraden

26.04.2018 um 23:47 Uhr

Schlechtes Gewissen und Unrechtsbewußtsein

von: Lyriost

Schlechtes Gewissen und Unrechtsbewußtsein

Schlechtes Gewissen ist ein Gefühl, das durch (vor allem, aber nicht nur) religiöse Erziehung in uns angelegt wird und bei Bedarf jederzeit angestoßen werden kann, um uns zu lenken und unser Handeln zu manipulieren. Der Manipulator muß nur wissen, wo sich der Knopf befindet, auf den zu drücken ist, wenn das Gefühl ausgelöst werden soll.

Nicht zu verwechseln mit dem Unrechtsbewußtsein, das entsteht, wenn wir das eigene Handeln reflektierend an unseren Wertvorstellungen messen und die Abweichung des einen vom anderen als Dissonanz erfahren, was zu der Einsicht führt, das wir möglicherweise etwas falsch machen. Einsicht ist im Gegensatz zum schlechten Gewissen kein Gefühl, schon gar kein von außen hervorgerufenes, sondern ein Produkt der Vernunft – unserer eigenen Vernunft. 

Sollte diese Dissonanzerfahrung schmerzlich sein, dann kommt zur Einsicht zwar auch ein Gefühl hinzu, das aber hat nichts mit schlechtem Gewissen zu tun, sondern es handelt sich dabei um die Folge des Bewußtwerdens unserer eigenen Fehlbarkeit. 

26.04.2018 um 21:18 Uhr

Sünden

von: Lyriost

Sünden

Die größten "Sünden", besser gesagt Verbrechen, haben zu jeder Zeit jene begangen, denen das Wort Sünde so sehr das Hirn verklebt hat, daß dieser Kampf- und Einschüchterungsbegriff wie ein Springteufel aus ihrem Mund flattert, sobald sie ihn öffnen, und wie schmutziger Schaum von ihren Lippen tropft. Und ich meine nicht nur die Inquisitoren und Hexenverfolger, sondern alle, die selbst heimlich in Saus und Braus leb(t)en, während sie den einfachen Leuten weismach(t)en, Bescheidenheit sei eine Tugend und ziere den Menschen, während Unbescheidenheit eine schlimme Sünde wäre. 

Gerade am Begriff Sünde sieht man sehr schön, wie Religion dazu benutzt wird, die Menschen kleinzuhalten. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb monotheistische Religion erfunden wurde.

25.04.2018 um 10:20 Uhr

Mehr als dumm?

von: Lyriost

Mehr als dumm?

Wenn ich in einem Buch oder einer Vorform eines Buches lese, etwas wäre mehr als berechtigt und jemand hätte mehr als recht, finde ich die Frage, ob der Autor mehr als dumm ist, zwar nicht mehr als berechtigt, jedoch nicht von der Hand zu weisen.

25.04.2018 um 09:29 Uhr

Griffige Formel?

von: Lyriost

Griffige Formel?

Vor ein paar Tagen las ich in einem angeblich druckreifen Manuskript eines Wirtschaftswissenschaftlers (den Namen darf ich leider nicht nennen): "Wir haben" dies kürzlich unter der "griffigen Formel 'Suffizienz als Business Case' zusammengefasst". Ich habe für so was eine viel griffigere Formel: Quatsch mit Soße.

21.04.2018 um 10:17 Uhr

Antisemitismen

von: Lyriost

Antisemitismen

Der antijüdische Haß in Teilen der deutschen Gesellschaft, der aus historischen Gründen nicht offen geäußert werden darf, verkleidet und diminutivisiert sich deshalb gern als antijüdisches Ressentimentchen und mischt sich unter die nicht antisemitischen Kritiker, die die Rechtmäßigkeit der israelischen Nahostpolitik in Frage stellen, was ja legitim und durchaus notwendig ist.

Da kommt es zupaß, wenn man so tun kann, als wäre der tatsächliche Antisemitismus eine Sache der Araber, ja allgemein der Muslime, obwohl deren Motiv für die Ablehnung von Juden hauptsächlich in der Politik der israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern wurzelt und nicht religiös oder rassistisch begründet ist. 

Wenn, wie kürzlich geschehen, ein durchgeknalltes arabisches Pubertätsopfer mit einem Gürtel auf einen vermeintlichen Juden eindrischt und Jude, Jude ruft, dann zeigt man mit allen Fingern auf ihn und versucht damit nicht zuletzt sich selbst vom Vorwurf des Antisemitismus oder des antisemitischen Ressentiments zu entlasten.

18.04.2018 um 08:43 Uhr

Nicht ohne Anlaß

von: Lyriost

Nicht ohne Anlaß 

TIRED with all these, for restful death I cry: 
As to behold desert a beggar born, 
And needy nothing trimmed in jollity, 
And purest faith unhappily forsworn, 
And gilded honor shamefully misplaced, 
And maiden virtue rudely strumpeted, 
And right perfection wrongfully disgraced, 
And strength by limping sway disabled, 
And art made tongue-tied by authority, 
And folly, doctor-like, controlling skill, 
And simple truth miscalled simplicity, 
And captive good attending captain ill.

Tired with all these, from these would I be gone, 
Save that, to die, I leave my love alone.

William Shakespeare

Sonett 66 - Nachdichtung 

Dies müdgesehen, möcht im Tod ich ruhn: 
Wie sich Verdienst mit Bettelgroschen quält 
Und taube Nuß da stelzt in goldnen Schuhn 
Und treuem Glauben wird Verrat vermählt

Und Gaunerhemd mit Kreuz am Band geschmückt 
Und junge Tugend schwärzt der alte Sumpf 
Und wahre Größe gilt als weltentrückt 
Und Kraft erlahmt im Impotenztriumph

Und Kunstgewalt von Machtverstand entmachtet 
Und edler Geist ist Spielzeug schlauer Narren 
Und Wahrheit wird als Bonhomie verachtet 
Und Sklavin Güte zieht der Bosheit Karren.

Von alldem müde, möcht ich heut noch fort –
Ließ ich nicht dich allein an diesem Ort.

17.04.2018 um 09:43 Uhr

Anregung

von: Lyriost

Anregung

Sollte die Bundesregierung sich nicht viel stärker dafür einsetzen, daß in Syrien wieder mehr auf anständige Weise getötet wird, etwa mit speziell zu diesem Zweck konzipierten Präzisionsinstrumenten, am besten von Heckler und Koch oder Rheinmetall, statt mit Billigkram aus der Chemieindustrie?

Und auch im Bereich der Geheimdienste sollte wieder mehr auf traditionelle Problemlösungsstrategien mit Hilfe von Küchenmessern oder Erntemaschinen übergegangen werden, denn angeblich extrem tödliche Gifte scheinen ja, wie wir im Fall Skripal sehen, nicht besonders zuverlässig zu wirken, wenn das Haltbarkeitsdatum allzu deutlich überschritten ist oder in Heimarbeit schlampig zusammengerührte Nachahmungspräparate verwendet werden. 

16.04.2018 um 09:42 Uhr

Unsinnige Sinnerei

von: Lyriost

Unsinnige Sinnerei

Sinn ist eine Erfindung des Menschen, um die Fragwürdigkeit und das Rätsel seiner Existenz vergessen zu machen. Funktioniert nicht. Selbst dann nicht, wenn man fragt, welchen Sinn Sinn habe. Man gerät nämlich in einen infiniten logischen Regreß, aus dem es keinen Ausweg gibt. Die Frage nach dem Sinn ist ebenso unsinnig wie die Frage, was unsinnig ist.

12.04.2018 um 16:10 Uhr

Parodistenparodie

von: Lyriost

Parodistenparodie
 
Besonders schön finde ich die Sorte von Parodien, bei denen man nur über den Parodisten, nicht jedoch über den oder die Parodierten lacht.

09.04.2018 um 20:25 Uhr

Hirnabschalter

von: Lyriost

Hirnabschalter

Wer sich seiner Sache allzu sicher ist, verliert die Fähigkeit, frei zu denken. Das gilt vor allem für Verfechter jeder Art von Dogmatismus. Dogmatismus, ob nun religiöser, politischer, wissenschaftlicher oder philosophischer, wirkt wie ein Hirnabschalter.  

06.04.2018 um 12:25 Uhr

Transsubstantiation

von: Lyriost

Transsubstantiation

Noch im scheinbar aufgeklärten 21. Jahrhundert gibt es Menschen, die ernsthaft darüber streiten, ob Gottgläubige unterschiedlicher christlicher Konfessionen gemeinsam an einem Akt der Anthropophagie teilnehmen dürfen, weil die einen diesen Vorgang als symbolischen ansehen, während die anderen tatsächlich Fleischgeschmack im Mund verspüren.

Ich frage mich bei dem allen: Was halten katholische Vegetarier von der Idee der Transsubstantiation? 

Vielleicht sollte man Köttbullar reichen, um das Geschmackserlebnis für alle gleichermaßen realistisch zu gestalten. 

Christliche Vegetarier (und Veganer) müßten dann allerdings leider zu Hause bleiben – nicht nur die protestantischen.

05.04.2018 um 14:19 Uhr

Denken denken

von: Lyriost

Denken denken

Jede Formvorgabe und jede Erwartungshandlung beim Denken ist von Übel, weil der Denkprozeß durch solche Prämissen unnötig behindert und verwässert, wenn nicht gar verhindert wird