Lyriost – Madentiraden

08.12.2006 um 08:47 Uhr

Amok

Amok

Die Androhung von Amokläufen ist nicht die Folge von Computerspielen, sondern Zeichen der Unfähigkeit, angemessen mit den alltäglichen Demütigungen umzugehen, denn
in einer Gesellschaft, die den (bisweilen mühelosen) materiellen Erfolg apotheosiert und als alleinseligmachend feiert und ihn bis zum Überdruß medial vorführt, ohne darauf hinzuweisen, daß nicht jeder gleichermaßen daran teilhaben kann, wächst die Frustrationsintoleranz und damit die Neigung zu Allmachtsphantasien.

Erlebte Demütigung und Ohnmacht sind der Boden, auf dem Allmachtsphantasien wie Unkraut wachsen.

Doch nicht jede Allmachtsphantasie führt zwangsläufig zum Amok-Crash, weil pädagogische Regulative und damit verbundene Persönlichkeitsentwicklung solche Phantasien relativieren und domestizieren.

Pädagogischer Zynismus aber und Drehen an der Leistungsschraube sind ebenso ungeeignet zur Entschärfung der adoleszenten Phantasiebomben wie ein Verbot von Computerspielen, denn in den meisten Fällen sind derlei Spiele eher dazu geeignet, reale Eruptionen von Gewalt zu verhindern, als sie zu fördern.

Am wichtigsten ist es jedoch, daß Eltern gefährdeter Jugendlicher ihre Waffenschränke gut verschließen. Auch die emotionalen.

Und daß sie mit ihren Kindern reden.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenzartgewebt schreibt am 08.12.2006 um 09:00 Uhr:Ja, wie wahr! Nur „das Reden“ ist meist nichts anderes, als das Vortragen einer Anklageschrift........
  2. zitierenLyriost schreibt am 08.12.2006 um 09:45 Uhr:Daß so mancher reale Amokläufer sich am realen Waffenschrank des Vaters bedient hat, sagt ja einiges über die pädagogische Qualifikation mancher Leute aus. Mein realer Waffenschrank braucht keinen Schlüssel. Emotionale Defizite sind meistens Familienkrankheiten.

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