Lyriost – Madentiraden

20.04.2005 um 19:09 Uhr

Bumerang

von: Lyriost

Bumerang

Unlängst bekam ich eine lange Mail von einem, der mir und einem anderen mal auf den Schlips treten wollte, was ihm jedoch nicht gelang, weil er übersehen hatte, daß ich keinen Anpassungsstrick um den Hals trage, aber der selbst einen derart langen mit sich schleppte, daß ich nicht vorbeitreten konnte. Was ihm nun wieder gar nicht gefiel.

Trotz enervierend redundanter Diktion habe ich nicht verstanden, was er von mit wollte, nur eines: Mein Blog gefällt ihm nicht. Das ist sein gutes Recht, und er darf das gern auch öffentlich kundtun. Was ihm, wie er mir mitteilte, zu umständlich sei, wobei er mir gleich unterstellte, das liege in meiner Absicht. Tut mir leid, kann ich nur sagen, da irrst du dich gewaltig. Ich habe nicht bei Blogigo darauf hingewirkt, daß die Leser sich anmelden müssen, bevor sie kommentieren können, obwohl das so umständlich nun auch nicht ist, aber sei's drum: Ich freue mich über jeden Kommentar, und ich gehöre nicht zu denen – ich will hier keine Namen nennen –, die jeden Kommentar umgehend löschen, wenn er sich inhaltlich nicht mit ihrer eigenen Meinung deckt, oder die Kommentarfunktion ängstlich der Zensur unterwerfen, was ich bei längerer Abwesenheit allerdings nachvollziehen kann. Im Gegenteil: Man kann aus Kommentaren lernen. Immer.

Der Kommentar dieses Menschen kam also per Mail und bestand darin, daß er mir in Gänsefüßchen mitteilte, in der Schwerelosigkeit lasse sich trefflich luftleer philosophieren. Das war's. Nicht die Spur einer inhaltlichen Aussage.

Nun weiß ich aus dem Biologieunterricht, obwohl der schon lange zurückliegt, daß das Leben in der Schwerelosigkeit ziemlich schwierig ist und erst recht das Philosophieren, denke ich mal, was ich hier nicht näher zu erklären brauche, weil die meisten wissen werden, warum das so ist.

Vermutlich weiß der Schreiber der Mail das auch, aber er wollte wohl etwas anderes sagen, was ihm aber nicht gelungen ist. Also tue ich das jetzt für ihn. Ich denke, er wollte sagen, fernab der Realität lasse es sich gut philosophieren, weil der Bezug zur Realität das Philosophieren erschwert. Dazu kann ich nur sagen: Ich befinde mich mitten in der Realität – oder vielleicht am Rand, wer weiß das schon so genau. Der Schreiber der Schwerelosigkeit jedoch hat hier eine Aussage getroffen, die irreal ist. Mit Recht könnte ich jetzt sagen, es sei sinnlos, mit irrealen Aussagen anderen Realitätsferne zu unterstellen. Und das sage ich.

Da fällt mir ein Gedicht von Ringelnatz ein:

Bumerang

War einmal ein Bumerang
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf Bumerang.

Aber manchmal kommt der Bumerang dann doch noch zurück.

PS: Der andere hat sich übrigens weniger zurückhaltend ausgedrückt. Er sagte zu dem weltfremden Mail-Schreiber schlicht: "Dir haben sie wohl ins Gehirn geschissen." Möglich, aber wohl doch auch eher irreal.


Diesen Eintrag kommentieren