Lyriost – Madentiraden

29.11.2011 um 23:55 Uhr

Das Hörrohr

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Guttenberg, Brille

Das Hörrohr

"Nanu, so ganz ohne Hörrohr, wie kommt denn das, Sie haben doch sonst immer so ein Hörmonstrum dabei?", fragte mich ein zur Hälfte italienischstämmiger deutscher Journalist, als wir uns in einem Budapester Hotel zu Palatschinken mit Marillenmarmelade trafen. "Eine nette pakistanische Ohrenärztin hat mir gesagt, daß ich auch ohne Hörgerät hervorragend hören könne", sagte ich. "Ich war verwundert, habe jedoch mein Hörrohr wenig später dem Ohnsorg-Theater geschenkt, und siehe da: Ich höre besser als je zuvor. Ist das nicht unglaublich? Nur zum Autofahren brauche ich noch ein ähnliches Rohr (leihe ich mir jetzt beim ADAC), denn ohne kann ich die Sendungen im Autoradio nicht verfolgen, weil ich nur ein Brummen höre." Giovanni, der Journalist, fand das glaublich, glaubwürdig. Unglaublich, fand ich.

 

Was ich am meisten vermisse bei der Diskussion um den fränkischen Halbmessias, das ist nicht die Antwort auf die Frage, ob Guttenberg ein Betrüger ist oder nur ein Dummkopf oder heimlicher Konsument psychotroper Substanzen, nein, ich wüßte gern, wie die Behauptung, zuletzt wieder von ZEIT-Giovanni, dieser Mann habe außergewöhnliches politisches Talent, begründet wird. Worin könnte dieses Talent bestehen? Es kann doch nicht allein dessen Überheblichkeit, die narzißtische Wahnhaftigkeit sein oder die schlechte Angewohnheit, die Hand in der Tasche zu lassen, wenn man mit jemandem spricht. Das alles findet man auch beim gewöhnlichen Eckensteher und Hinterbänkler. Oder ist es der morbide Charme der selbsternannten Eliten von vorgestern, der ihm aus allen Knopflöchern dampft? Ja, was ist es? Kann mich jemand aufklären? 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenRosalix schreibt am 30.11.2011 um 11:32 Uhr:Was mich nur verwundert ist, dass er in Amerika ohne Brille besser sieht als in Deutschland. Durch meine, ebenfalls einen Doktor innehabenden Schwägerin aus USA hatte ich einst erfahren, dass sie Brille trägt, um ernstgenommen zu werden. War auch nötig! Jetzt setzt Guttenberg aber die Brille drüben ab..was das wohl bedeuten mag?
  2. zitierenLyriost schreibt am 30.11.2011 um 14:00 Uhr:Er ist doch nun kein Doktor mehr, und da er nur Doktor werden wollte, um mehr zu scheinen, als er ist, das aber nicht geklappt hat, legt er, gewissermaßen aus kindlichem Trotz, jetzt wohl neuerdings, zumindest im PR-Bereich, zusätzlich die Brille ab – und vielleicht aber auch nur, um zu verhindern, daß es ein anderer für ihn tut.

    Auf allen USA-Fotos mit Guttenberg, die ich kenne, trägt er Sehrohre, lediglich aus Kanada und dem Londoner Hotel sind ungeschützte Augen überliefert. Es scheint also noch nicht aller Brillen Abend.
  3. zitierenAlcide schreibt am 05.12.2011 um 14:45 Uhr:Mir hat sich das oft zitierte Guttenberg-Charisma ehrlich gesagt auch noch nicht erschlossen. Auch inhaltlich alles mau bis nichtssagende Allgemeinplätze: es gibt in der Politik eben so ein paar Meister der staatstragenden Miene, der nachdenklichen Gebärde, des schweigenden Insich-Gehens und die Leute meinen doch tatsächlich, dass das schon Kompetenz ist... Steinbrück ist auch so einer...

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