Lyriost – Madentiraden

26.04.2015 um 15:19 Uhr

Das Pferd als Kutscher

von: Lyriost

Das Pferd als Kutscher
 
„Das Erstaunliche am biologischen Gehirn ist, dass es seinen Besitzer, den umgebenden Körper, in der Welt jenseits des Gehirns mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit durch genau jene Welt steuert, die es eigentlich gar nicht kennt.“
 
„Wie wir heute wissen (können), ist das heutige Format des biologischen Gehirns und des zugehörigen biologischen Körpers nur eine Momentaufnahme.“
 
Die obigen Aussprüche sind dem Aufsatz „Der Traum vom künstlichen Geist“ von Gerd Doeben-Henisch entnommen und fielen mir wegen ihrer Widersprüchlichkeit auf.
 
Ohne jetzt auf die gängige Körper-Geist-Dualität einzugehen, muß ich doch sagen: Es mutet seltsam an, wenn der Körper einerseits als Besitzer des Gehirns („ … seinen Besitzer, den umgebenden Körper ...“) und andererseits als Anhang „… des zugehörigen biologischen Körpers“ bezeichnet wird. Ja, was denn nun? Das Gehirn sitzt im Sattel und steuert Doeben-Henisch zufolge den („zugehörigen“) Körper (das Pferd) durch die Welt? Welch eine absonderlich naive, geradezu mechanistische Denkweise. Und dann ist auch noch, ganz im Gegensatz zu aller Erfahrung, das Pferd der eigentliche Besitzer des Reiters.
 
Als wären nicht Körper und Gehirn eine Einheit, deren Route nicht vom Schädel und von den Füßen, von der Peitsche des Reiters oder den Beinen des Pferdes, sondern von unserem inneren Antrieb, von unserem Wollen, unseren Leidenschaften, unseren Trieben bestimmt wird. Man muß sich das so vorstellen, als säßen wir in einer Kutsche, auf dem Bock ein Kutscher, der nicht immer auf uns hört, und mit Pferden, die gern mal mit uns durchgehen.
 
Genau das, daß die Pferde mit ihm durchgehen, scheint Doeben-Henisch beim Schreiben passiert zu sein.
 
Kann vorkommen.

Telopolis 

 


Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSweetFreedom schreibt am 26.04.2015 um 21:47 Uhr:Hallo Ly,
    ich weiß schon, worauf er hinauswollte, aber warum, das ist mir schleierhaft. Das Gehirn ist doch das Gehirn, ist das Gehirn. Es ist eben nicht ein kleines Männlein, das alles selbst gesehen hat und nun den Mensch-Roboter steuert.
    Leider bin ich zwar keine Kreationistin (na, vielleicht irgendwie doch), aber mit der Evolution habe ich es auch nicht so und jeder, der mir über urzeitliche Entwicklungen was erzählt, darf dabei gerne erwähnen, daß er nur Theorien erörtert. Nee, das war so und so - aha und danke, das glaube ich leider so nicht.

    Ich weiß genau, was Du meintest. Diese Vorstellung der Trennung von Körper und Geist ist schon merkwürdig, aber dieser Autor hat sich noch weiter vergaloppiert.

    Ich finde es, nebenbei bemerkt, auch immer sehr hübsch, wenn wir vor dem Aufblähen der Sonne in ca. einer Milliarden Jahren Angst haben sollen... Nennt man das (trotzdem) Optimismus? ;-)
    Liebe Grüße!
    SweetFreedom
  2. zitierenLyriost schreibt am 27.04.2015 um 01:43 Uhr:Liebe SweetFreedom,

    du hast den langen Aufsatz also auch gelesen. Stecken ja immerhin ein paar anregende Gedanken und brauchbare Informationen drin. Daß du mit dem "Vergaloppieren" schön im Bild bleibst, fand ich so treffend wie amüsant.

    Liebe Grüße
  3. zitierenLyriost schreibt am 27.04.2015 um 01:51 Uhr:Ach so, ganz vergessen: Optimismus bedeutet in diesem Zusammenhang: Die Feuerwehr der Zukunft wird es in Zusammenarbeit mit den Physikern schon richten. Vielleicht stecken sie die Sonne in 800 Millionen Jahren in ein schwarzes Loch und stellen eine Wärmelampe auf dem Mond auf. Kriegen die hin. ;-)

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