Lyriost – Madentiraden

20.10.2009 um 09:51 Uhr

Das Sterben der Geschichte

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Das Sterben der Geschichte

Mit Quelle "stirbt ein Teil deutscher Handelsgeschichte". So oder ähnlich ist in den Medien zu hören.

Die arme Geschichte. Die Zeiten werden immer härter: Erst sterben Menschen und Tiere – und nun auch die Geschichte? Was bleibt uns, wenn sogar die Geschichte stirbt? Doch keine Sorge, die Geschichte kann nicht sterben, denn alles, was vergeht, wird zur Geschichte, die Geschichte selbst aber ist das, was bleibt, wenn alles andere längst perdu ist.

Auch wenn die grauen Zellen sich dereinst allesamt verabschiedet haben werden, bleibt doch ihre Geschichte, die häufig eine Geschichte ihrer Fehlfunktionen ist, Fehlfunktionen, die abgelesen werden können an den verbalen Hervorbringungen der Zellenbesitzer.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenHApart1 schreibt am 20.10.2009 um 10:38 Uhr:weg ist sie und morgen schreiben wir die fortsetzung der geschichte unter anderen namen.
    des handels handlung händelt halt jemand anderes.
  2. zitierenGretchen schreibt am 20.10.2009 um 12:13 Uhr:Grüße Dich ganz lieb, Lyriost. Kam schon um acht Uhr mal hier vorbei, aber da war noch nischt.

    Die Geschichte, könnte man sie nicht als erstorbene Ereignisse, ausgehend von einem möglichen Anfang hin zu einem unbekannten zu vermutendem Ende, welche sich in Schichten niederschlägt, begreifen? Aber die Geschichte ohne ein Bewußtes, gibt es das überhaupt?

    Grüße
    von Gretchen
  3. zitierenLyriost schreibt am 20.10.2009 um 15:44 Uhr:Liebe Gretchen, die Geschichte als objektive Gesamtschau des sich in der Zeitlichkeit ereignet habenden und sich noch ereignenden Geschehens ist sowenig unabhängig vom wahrnehmenden Subjekt vorhanden wie das, was eine Kamera aufnimmt, die der letzte Mensch vor seinem Tod vergessen hat abzustellen. Kein Objekt ohne Subjekt, oder wie Berkeley sagt: Esse est percipi: Sein ist Wahrgenommen-Werden. Man kann Geschichte aber auch ergänzend mit Theodor Lessing als "Sinngebung des Sinnlosen" betrachten. Wer einwendet, wieviel Sinn doch in der Geschichte vorhanden sei, dem kann man nur entgegenhalten: Geschichte wird von siegreichen Lebenden geschrieben, aber "die Toten sind stumm".

    Gruß
    Ly
  4. zitierenHApart1 schreibt am 20.10.2009 um 15:55 Uhr:ist die wirkung von geschichte im jetzt sinnlos und die erinnerung an die toten im heute folgenlos? - ich glaube nicht.
  5. zitierenLyriost schreibt am 20.10.2009 um 16:25 Uhr:Das, HApart1, kommt darauf an, was du unter Sinn verstehst. Und die Wirkung von Geschichte, so sie denn eine Wirkung hat, ist nicht die Geschichte selbst, sondern nur Variation des Gleichen. Die Erinnerung an die Toten aber ist folgenlos. Besonders für die Toten. Der berühmte Spruch, jemand sei nicht tot, solange er nicht vergessen ist, ist nur ein Spruch, nichts weiter.
  6. zitierenGretchen schreibt am 20.10.2009 um 16:38 Uhr:Danke, Lyriost. Erklären kann ich es nicht, Deine Worte haben mein Herz erreicht.
    Theodor Lessings Schrift habe ich mit weinendem Auge gelesen .. seine Sprache der Realität desillusionierte mich .. ich erinnere mich an manches Schluchzen. .. ich fühlte zu ihm eine unerklärliche Nähe.

    Liebe Grüße
    Gretchen

Diesen Eintrag kommentieren