Lyriost – Madentiraden

04.04.2015 um 12:54 Uhr

Das Wahre

von: Lyriost

Das Wahre

Ebenso, wie es keine „wahre Religion“ gibt, gibt es auch kein „wahres Ich“, sondern immer nur eines, mit dem wir uns gerade identifizieren, weil identisch fühlen. Ein Ich ist nicht statisch, sondern in Bewegung. Da ist kein „wahres Ich“, das es zu verwirklichen gilt, sondern wir haben es nur mit unterschiedlichen Ich-Teilen zu tun, die wir zu einem immer neuen Ganzen zusammenzufassen uns bemühen (sollten). Wenn wir die Verantwortung für uns selbst übernehmen, sind wir mehr als unser Ich. Unser Ich ist dann das Orchester, wir sind die mit dem Taktstock. Viele von uns beschäftigen allerdings Gastdirigenten, meist aus Bequemlichkeit oder weil sie glauben, das müßte so sein.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenGast schreibt am 04.04.2015 um 13:27 Uhr:Gastdirigenten? Ein guter Vergleich, auch wenn der Umstand an sich traurig ist.
  2. zitierenLyriost schreibt am 04.04.2015 um 13:45 Uhr:Ja, das Zurücktreten des eigenen Selbst hinter dem ferngesteuerten Ich ist traurig, und wir sollten langsam mal mit der Trauerarbeit beginnen, um zu uns selbst zu kommen. Aber den meisten ist der Verlust nicht ... bewußt.
  3. zitierenmijoni schreibt am 04.04.2015 um 17:46 Uhr:Mhh, es ist nicht nur Bequemlichkeit, den Taktstock jemand anderen zu überlassen.
    Was ist mit der Verantwortung anderen gegenüber? Die Erwartung, die andere an jemanden stellen?

    Und ... es ist manchmal schmerzhaft und langwierig, das Orchester wieder zu übernehmen und zum richtigen Takt, der richtigen Musik spielen zu lassen.
  4. zitierenLyriost schreibt am 04.04.2015 um 18:18 Uhr:Liebe mijoni, du weißt schon, daß es mir hier nicht um das Zusammenspiel der Menschen geht, sondern um das innere Orchester des einzelnen, in dem idealerweise kein Fremder etwas zu suchen hat, oder? Wenn ich mein Inneres vom Über-Ich, von Traditionen, Erziehung, Common sense, sogenanntem gesundem Menschenverstand und irgendwelchen externen Autoritäten leiten lasse, dann übernehme ich nicht die Verantwortung für mich selbst; und wer für sich selbst nicht bereit und in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen, der kann das schon gar nicht für andere tun. Jeder sollte erst einmal für sich selbst das Richtige finden und die Verantwortung für sein eigenes Handeln tragen. Man sollte ohnehin auch nicht leichtfertig anderen Verantwortung abnehmen, denn das tut ihnen meistens nicht gut, und oft ist es auch anmaßend.
  5. zitierenmijoni schreibt am 04.04.2015 um 19:26 Uhr:Lieber Lyriost, sicher ist mir das klar, das in dem inneren Orchester kein Fremder mitzufunken hat -- aber es ist mitunter nicht so einfach, wie geschrieben oder gedacht ;) Und mich von allem loslösen, freimachen? Es gibt immer etwas, was "Mein Inneres" beeinflusst -- ob ich es nun will oder nicht.
    Die Frage ist, in wie weit ICH mich davon beschneiden lassen und den Takt wechsel.
    Und ich stimme dir gar nicht zu, wenn du sagst, das man keine Verantwortung für sich übernimmt, wenn man sich den Gegebenheiten beugt oder anpasst. Die Kunst besteht doch darin, die Balance zu halten.
    Dem letzten stimme ich voll und ganz zu. Aber es werden dir sicher auch schon Menschen begegnet sein, die gern ihre Verantwortung auf andere übertragen, oder nicht? Und es wird auch immer Menschen geben, die diese, aus welchen Motiven auch immer, übernehmen.
  6. zitierenLyriost schreibt am 04.04.2015 um 21:11 Uhr:Wie weit man sich lösen kann von äußeren Vorgaben, ist sicher von Mensch zu Mensch, von Charakter zu Charakter, verschieden, aber die Verantwortung auf einen anderen zu übertragen, das bedeutete für mich Selbstaufgabe und für den anderen die Möglichkeit, seine Verantwortung für sich selbst auf mich zu projizieren, was oft dazu führt, daß ein anderer besser zu wissen glaubt, was gut für mich ist. Das kann's nicht sein. Für beide.
  7. zitierenmijoni schreibt am 05.04.2015 um 06:02 Uhr:Wenn ich es vom Standpunkt aus sehe, der seine "Verantwortung" an jemanden abgibt, sehe ich darin reine Bequemlichkeit. Ist es doch herrlich angenehm, Mist zu verzapfen, die der andere dann wieder bereinigt.
    Und ja, sicher versucht der andere auch seine "Verantwortung" zu projizieren, ist er doch auch nur in seinem Muster gefangen.
    Recht hast du allemal, ES ist nicht gesund.

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