Lyriost – Madentiraden

19.01.2017 um 11:17 Uhr

Der innere Schmutz

von: Lyriost

Der innere Schmutz

Wie kommt es, daß mitten in Berlin ein Denkmal gebaut wurde, über das es von Anfang an viel Streit gab? Die Ursache dafür liegt in der gleichen braunvölkischen Nationalromantik, von der auch jene heute beseelt sind, die das Holocaust-Denkmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnen und deutlich machen, daß sie es hinter allem semantischen Mehrdeutigkeitsnebel als schändliches Denkmal betrachten. Schändlich aber ist nicht das Denkmal, sondern das Denken, das ursächlich zu diesem Denkmal geführt hat und auch heute zu nichts Gutem führen wird. Ohne dieses Denken hätte es die unfaßbare Judenvernichtung nicht gegeben. Ob einer solche Reden hält wie AfD-Höcke oder auf einem jüdischen Friedhof Grabsteine beschmiert, für mich ist beides Ausdruck der gleichen schmutzigen Gesinnung.  

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenAmanita schreibt am 29.01.2017 um 02:33 Uhr:Du hast Recht mit dem, was du über Denkmal und Gesinnung sagst.

    Aber welche Gesinnung ist es, die muslimischen Einwanderern erlaubt, Juden zu hassen und auf der Straße anzugreifen, sodass der Zentralrat der Juden bereits gewarnt hat?

    Ich war doch etwas überrascht, als die Warnung des Zentralrats hier in der Politik völlig ohne Folgen blieb, ja dass es nicht einmal den Versuch gab, das Thema medial aufzubereiten, Betroffene zu befragen, Politiker zu befragen, was sie zum Schutz der Juden unternehmen wollen und Ähnliches.

    So weit geht also das Mitgefühl mit den Nachfahren der im Holocaust Umgekommenen offenbar nicht, und der Wille, sie zu beschützen, erst recht nicht. Auch die Sympathie für Herrn Broder hält sich hier doch arg in Grenzen - er sieht die Politik der Regierenden allzu kritisch.

    Ich glaube, unser Problem in Deutschland ist ein sehr viel größeres als das mit einem kleinen Herrn Höcke und seiner kleinen Rede (bei der AfD hört ohnehin offiziell keiner zu, da die AfD ja nach offizieller Auffassung "nur dummes Zeug" redet), mit einer kleinen NPD und ein paar kriminellen Spinnern, die sich Reichsbürger nennen. Unser Problem ist, dass wir unsere Probleme allein über Sprache und Ausdrucksweise zu regeln versuchen.

    Es sind Machtkämpfe darüber im Gange, wer was sagen darf und zu welchen Gelegenheiten, welche Wörter benutzt werden dürfen - als handle es sich um eine Ansammlung von Werbern, die sich gegenseitig einen dicken Auftrag vor der Nase wegschnappen wollen. Wessen Claim trifft die meisten Kunden? Von wem wollen die Kunden mehr hören, bzw. von wem glaubt der potenzielle Auftraggeber, dass die Kunden mehr von ihm hören wollen?

    Und das bedeutet eben nur: Machtkämpfe. Wer hat das Sagen? Und nicht: Wie lösen wir ein Problem?


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