Lyriost – Madentiraden

04.12.2009 um 21:37 Uhr

Ein paar Worte zur Utopie

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Ein paar Worte zur Utopie

Der Mensch braucht Utopien, um sich darüber hinwegzutäuschen, wie er tatsächlich ist, und er braucht Utopien, um seine Bosheit zu rechtfertigen, die der eigentliche Antrieb ist, der ihn in Schwung bringt. Hat er eine Utopie, so macht er daraus eine Ideologie, deren es bedarf, um vorzutäuschen, man wolle eine Utopie verwirklichen. In Wirklichkeit strebt man nur nach Macht über die andern.

Man muß schon mit Hegel an die Vernunft der Geschichte glauben, um die Unvernuft der Geschichte zu übersehen, die man durch den Glauben an die Vernunft der Geschichte erst hervorgebracht und nach Kräften gefördert hat.

Die Utopie des Esels ist eine Gesellschaft, in der ein andrer seine Lasten trägt: Utop-ia.

Ein anzustrebender Zustand wäre einer, an dem keine Veranlassung mehr bestünde, utopische Vorstellungen zu entwickeln. Doch das ist – leider – Utopie.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZooStation schreibt am 04.12.2009 um 22:56 Uhr:Sehr schön. Was wäre das für ein Zustand? Lethargie??
  2. zitierenLyriost schreibt am 04.12.2009 um 23:31 Uhr:Nein, ganz im Gegenteil: Das wäre ein Zustand, der den Namen Zustand nicht mehr verdiente, ein Summen und Brummen zielloser und grenzenloser Kreativität. Die Voraussetzung zur Erschaffung eines neuen, im besten Sinne sinnlosen Universums.
  3. zitierenZooStation schreibt am 04.12.2009 um 23:37 Uhr:Dann suchst du nach dem Ideal-Zustand!?
  4. zitierenLyriost schreibt am 04.12.2009 um 23:52 Uhr:Ein Ideal, lieber ZooStation, ist ein Ideal und wird nie ein Zustand werden. Aber wie gesagt, das wäre eine brauchbare Utopie, wenn die Menschen nicht wären, wie die Menschen nun mal sind. Ich suche nicht nach etwas, das es nicht geben kann, ich bin doch nicht blöd. Mir scheint es nicht nützlich zu sein, nach etwas Bestimmtem zu suchen; ich finde gerade deshalb, was ich brauche, weil ich nicht suche. Wer zu genau weiß, was er finden will, übersieht beim Suchen zu vieles. ;-)
  5. zitierenUnbreakable schreibt am 05.12.2009 um 00:11 Uhr:Utopische Vorstellungen sind Visionen - und ohne kann Mensch nicht leben. Es ist eine Art Fluch (hex hex), dass der Mensch während er einen Schritt tut, schon den nächsten berechnen muss/will/kann/soll (ich kann mich hier nicht so festlegen). Diese Erbsünde aber auch! Einem jeden Menschen mit Visionen Boshaftigkeit zu unterstellen, halte ich aber für boshaft. ;o)

    Warum sagst du, ein anzustrebender Zustand "wäre" (...) statt "ist"?
  6. zitierenLyriost schreibt am 05.12.2009 um 22:37 Uhr:Ich sage "wäre", weil eine konjunktivische Aussage wie die oben das "wäre" verlangt. "Wenn nicht ... ist", das geht nicht, selbst wenn es zu gehen schiene. Aber es scheint nicht mal so, als ob es schiene. ;-)

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