Lyriost – Madentiraden

20.02.2007 um 09:39 Uhr

Erlöser

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Erlöser

Wer möchte nicht gern erlöst werden von Übel und Pein, von seiner als unangemessen empfundenen Umhüllung, wer hält sich nicht wenigstens hin und wieder für einen Prinzen in Froschgestalt?

Bedenkt man jedoch, daß die meisten Erlöser (und Erlöserinnen erst recht) mehr ihr eigenes Wohl im Auge haben als das der nach Erlösung gierenden Froschgemeinde, sollte man sich gut überlegen, ob man nach Erlösung ruft, um sie bittet, fleht, bettelt; denn Frösche landen wie im Märchen bisweilen an der Wand, und zwar ganz ohne die gewünschte und gedachte Metamorphose.

In aller Regel ist ein Erlöser ein Mensch, dem es vor allem darum geht, selbst erlöst zu werden, und sei es von seiner Armut oder dem Gedanken seiner Nichtsnutzig- und Nichtigkeit.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenQ10 schreibt am 20.02.2007 um 09:43 Uhr:die gefahr sich beim erlösen anderer selbst aufzulösen übersehen auch die meisten ;)
  2. zitierenLyriost schreibt am 20.02.2007 um 11:06 Uhr:Büffelgeborene haben dieses Jahr reichlich mit sich selbst zu tun, und da sie davon ausgehen, daß sie eh nichts geschenkt kriegen, eignen sie sich weder als Erlöser noch als Zu-Erlösende. ;-)
  3. zitierenZwischenweltler schreibt am 20.02.2007 um 12:23 Uhr:In der Verbindung zwischen Erlöser und Zuerlösendem sehe ich eine Symbiose, in der sich die Wirkrichtung durchaus auch einmal umkehren kann. Dann wird tatsächlich der Erlöser selbst erlöst. Ob dies jedoch immer als unterschwellig primäres Ziel im Kontext steht, sei mal dahingestellt.

    Wer schon selbst einmal als Frosch an der Wand gelandet ist, wird den Sinn einer solchen Symbiose vielleicht nicht gleich einsehen, aber auch ihm sei gesagt, daß dieses schmerzhaft klatschendes Aufschlagen durchaus den Schlüssel zur Selbsterlösung herauspressen kann. Der Zweck ist dann erfüllt - nicht gerade elegant, aber immerhin.
  4. zitierenLyriost schreibt am 20.02.2007 um 18:03 Uhr:@ Zwischenweltler Dein Wort in Froschwerfers Gehörgang. ;-)
    @zartgewebt Noch'n Büffel?
  5. zitierenJan schreibt am 21.02.2007 um 21:51 Uhr:Schöne Überlegungen zur kurzen Fahrt des Frosches an die Wand. Jetzt muss ich doch noch einmal nachschauen, was Iring Fetscher zum Froschkönig verfasst hat. Ist nämlich auch nicht schlecht. Vielleicht demnächst als Eintrag.

    Gruß
    Jan
  6. zitierenLyriost schreibt am 22.02.2007 um 07:59 Uhr:@ Jan Wie man die dramatis personae und die Situation auch deuten mag (und ich finde die psychoanalytische Deutung mit der sexuellen Initiation der Prinzessin am überzeugendsten), auf jeden Fall sehe ich den Frosch vor allem als Objekt des Vorganges, Mittel zum Zweck der Erlösung der Prinzessin aus ihrer kindlichen Gebundenheit. Das sollte sich jeder klarmachen, der meint, ein Frosch zu sein und der Erlösung durch eine Prinzessin zu bedürfen. Unter Umständen ist eine Existenz als Frosch gar nicht so übel. Wenn man Fliegen mag. Schöne Grüße ;-)
  7. zitierenZwischenweltler schreibt am 22.02.2007 um 08:15 Uhr:Die Pubertät im Märchen vollzieht sich also im kurzen Moment der Froscheserlösung?
    .. ach deshalb. Ich hab mich schon immer gefragt.. ;-)
  8. zitierenLyriost schreibt am 22.02.2007 um 08:38 Uhr:@ zwischenweltler Initiation ist ein Gipfelpunkt im Prozeß der Pubertät. Ohne diese Initiation führt Pubertät beim Mann in die Modellbaugruppe und bei der Frau in den Töpferkurs. ;-)

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