Lyriost – Madentiraden

19.04.2005 um 19:25 Uhr

Fahnen im Staub

von: Lyriost

Fahnen im Staub

Gesplittert das Eis
gebrochene Nächte
ein Zug auf dem Gleis
das Gurgeln der Schächte.

Die Wege sind kalt
so kalt wie die Fahnen
zerschlissen und alt
die Wegzeichen mahnen.

Sie sprechen von Sonnen
verglüht und verlassen
die Wasser geronnen
verharzt alle Gassen.

Die Tage sind leer
geöffnet die Schächte
und rings um dich her
Gelichter der Nächte.

Wenn Morgen aufgraut
wohin sollst du gehen
kein atmender Laut
es ist längst geschehen:

Die Träume sind fort
die Häuser verlassen
kein atmender Ort
nur klebrige Gassen.

Schon immer verlassen
vorbei sind die Träume
du träumtest die Massen
nur schwankende Bäume.

Die Erde ist leer
verlebt und verlassen
und rings um dich her
die Fahnen, die Gassen.

Und gehst du auch fort
du kommst immer wieder
und schwankst wie das Wort
und zuckst wie die Lider.
                              
Ein Zug auf dem Gleis
es gibt kein Entrinnen
die Fahne nicht weiß
es gab kein Beginnen.

Die Tage nicht blau
die Nächte verlassen.
Das Meer nicht mal grau
nur Kot in den Gassen.

Und Wärme gespürt
die Liebe getrunken
von Sinnen verführt
in Sinnen ertrunken.

Die Wege sind kalt
so kalt wie die Fahnen
auf Harsch und Basalt
ziehst du deine Bahnen.

Dein Fleisch ist so leer
verbrannt die Gedanken
nur dumpfe Begehr
nur haltloses Wanken.

Du wanderst umher
und spielst mit Vernichtern
treibst Maskenverkehr
mit leeren Gesichtern.

Bist selbst doch nur Staub
aus Stäuben geboren
verwelkst wie das Laub
genauso verloren.

Umhäuteter Schutt
Jahrzehnte gehärtet
im Traum noch Perlmutt
hoch überbewertet.

So wert wie der Stein
dem einst du das Kissen
tagaus und tagein
der Abstand ist Wissen.                         

Gedenke der Tat
das ist deine Strafe
auf surrendem Rad
gedenke und schlafe.

Trag ab alle Schuld
und handle vermessen
mit Geist und Geduld
die Zukunft vergessen.

Wird sein kalter Rauch
und Asche der Väter
kein Baum mehr kein Strauch
kein Grab für die Täter.


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