Lyriost – Madentiraden

14.09.2015 um 15:44 Uhr

Feierei

von: Lyriost

Feierei

Bei einer Geburtstagsfeier feiern wir, weshalb auch immer, einen Geburtstag, bei einer Examensfeier das Bestehen eines Examens, bei jeder Art von Familienfeier (mit Abstrichen) die Familie, bei einer Karnevalsfeier den Karneval und bei einer Siegesfeier den Sieg. Am Feierabend sind wir froh, daß wir nicht mehr arbeiten müssen, und nicht jeder feiert, weil viele dann nur noch ihre Abendruhe genießen wollen. Es gibt die Silvesterfeier und viele andere Feiern. Was aber feiern wir bei einer Trauerfeier, unsere Trauer?

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSweetFreedom schreibt am 14.09.2015 um 16:06 Uhr:Gute Frage. Das gibt zu denken, Ly.
    Manche feiern ihre Trauer. Meins ist es nicht, ich kenne aber solche Leute - in der Familie und im Freundeskreis meiner Schwester.
    Manche sorgen auch lieber zu früh vor und stecken Leute in die Pflege, obwohl die da noch nicht hingehören.
    Ja ja, ich bleibe ganz ruhig und versuche, es irgendwie zu verarbeiten. Hier geht's ja auch nicht um mich.
    Ja, wenn eine(r) stirbt, kann man eigentlich nur traurig sein, wenn derjenige was verpaßt, was er noch erleben wollte oder wenn die Art des Todes schlimm war.
    Die Hinterbliebenen betrauern sich meist selbst und dann sind sie froh, daß es sie (noch) nicht getroffen hat...
    Liebe Grüße,
    S.F.
  2. zitierenzartgewebt schreibt am 15.09.2015 um 22:15 Uhr:Wir feiern Abschied, und wie es mit Abschieden nun mal so ist, in der Regel stimmen sie uns traurig.
  3. zitierenLyriost schreibt am 16.09.2015 um 00:07 Uhr:Aber weshalb, liebe zartgewebt, heißt dann die Trauerfeier nicht Abschiedsfeier und die Abschiedsfeier Trauerfeier?

    Liebe fröhliche Grüße an euch beide ...
  4. zitierenzartgewebt schreibt am 18.09.2015 um 20:35 Uhr:Wieso das so ist? Hmm …. ?

    Ich finde ja, beiden Feiern liegt der Abschied zugrunde, und doch ist da ein kleiner feiner Unterschied erkennbar, denn bei einer Abschiedsfeier, ist im Gegensatz zur Trauerfeier, der Anlass ja meist ein Erfreulicher, auch wenn bei der Abschiedsfeier ebenso Traurigkeit mit im Spiel ist, auch ist der zu Verabschiedende bei der Feier mitanwesend bzw. zugleich der Initiator, was man bei der Trauerfeier „so“, also im eigentlichen Sinne nicht behaupten kann.

    Was feierst du bei einer Trauerfeier, Lyriost?
  5. zitierenLyriost schreibt am 19.09.2015 um 01:05 Uhr:Ich, liebe zartgewebt, nehme an Trauerfeiern heute nicht mehr teil, sondern allenfalls an einem Begräbnis, und auch das zum Glück nur sehr selten. Das Drumherum bei Begräbnissen habe ich immer als abstoßend und verlogen empfunden. Manchmal ist aber auch der Anlaß der "Trauerfeier" ein erfreulicher, und oft ist ein Abschied mit dem Anwesenden viel schlimmer als ohne ihn – wenn auch nicht für immer jeden der Anwesenden. Genau wie beim Begräbnis.

    Bei allem ging es mir in erster Linie jedoch um die sprachliche Fragwürdigkeit des Begriffs "Trauerfeier", die Ambivalenz, die diesem Kompositum anhaftet.
  6. zitierenzartgewebt schreibt am 19.09.2015 um 13:42 Uhr:Das dachte ich mir, und ja, im Großen und Ganzen stimme ich dir da zu. Danke Dir. ;-)
  7. zitierensunnysightup schreibt am 24.11.2015 um 23:09 Uhr:Warum sollten wir denn nicht unsere Trauer feiern?
  8. zitierenLyriost schreibt am 25.11.2015 um 00:31 Uhr:Ich hatte gefragt: Was feiern wir bei einer Trauerfeier? Ich hatte nicht gesagt, man solle nicht feiern. Ich bin ohnehin nicht der Meinung, die Geburt wäre feierungswürdiger als der Tod. Ganz im Gegenteil.
  9. zitierensunnysightup schreibt am 25.11.2015 um 23:56 Uhr:Sehr spitzfindig :-) Du hattest von sprachlicher Fragwürdigkeit sowie Ambivalenz des Begriffs Trauerfeier gesprochen. Sehe ich beides nicht.

    Entschuldige, dass ich meine Antwort in einer rhetorischen Frage versteckt habe. Aber ich schiebe gerne noch eine konkrete Antwort hinterher: Bestenfalls unsere Trauer.
  10. zitierenLyriost schreibt am 26.11.2015 um 00:43 Uhr:Die Sprache hat ihre Merkwürdigkeiten. Man feiert ja auch krank, also die zeitweise Befreiung von der Arbeit. Aber nur dann, wenn es nicht gar so schlimm ist mit der eigenen Krankheit. Beim Tod feiert man wahrscheinlich die Befreiung aus dem Irrenhaus. Merkwürdigerweise aber nicht die eigene.

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