Lyriost – Madentiraden

13.12.2012 um 23:41 Uhr

Fragile Intelligenz

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Fragile Intelligenz

Wenn ein "Bürger" (den Begriff und auch das, was man mit ihm verbinden kann, gibt es erst fünf Jahrhunderte später) aus der Zeit um 1000 v. Chr., also vor Entstehung der Mythen Hesiods und Homers und natürlich noch vor den Anfängen der Polis Jahrhunderte später, ganz zu schweigen von den Vorsokratikern viel, viel später und der nachfolgenden klassischen Philosophie, wenn also ein solcher, sagen wir mal durchschnittlicher Zeitgenosse unter uns erscheinen würde, vorausgesetzt, er hätte Zeit und wäre nicht mit ständigem Schlachtenschlagen, Feldarbeit, Geldeintreiben und dergleichen beschäftigt, dann würde er zu den hellsten und geistig lebendigsten Kollegen und Wegbegleitern gehören. Wohlgemerkt, nicht jemand aus der intellektuellen Elite der damaligen Zeit, sondern ein durchschnittlicher "Bürger", also jemand, den es damals mangels Polis in der vorgestellten Art und Weise noch nicht gab. Auf diese besondere Klarsichtigkeit wettet der Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree, Professor an der Stanford-Universität, und behauptet in völliger Unkenntnis der Kultur- und Geistesgeschichte, sinngemäß grob zusammengefaßt, die Qalität der Gene habe abgenommen, und deshalb würden die Leute dümmer und mutierten, satirisch gesagt, immer weiter in Richtung des pflanzlichen Bereichs. Warum nur, fragt man sich, haben die Menschen auch früher und ganz früher bereits das getan, was sie am besten können: nämlich dummes Zeug anstellen und damit zu einem Großteil die Weltgeschichte vergiften?

Wie es scheint, besteht die Gefahr der Genmutation besonders bei Naturwissenschaftlern, die sich nicht um Fakten jenseits ihrer engen Fachgrenzen scheren und mit erschreckend simplen kultur- und geistesgeschichtlichen Bildern in ihren Köpfen jonglieren, die viel mit Höhlenmalerei zu tun haben, jedoch wenig mit Wissenschaftlichkeit.

Auf die Bedeutung des genetischen Teils der Argumentation mag ich nicht im einzelnen eingehen, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß das Ergebnis bei solch einer haarsträubenden Einleitung Hand und Fuß haben kann, und bei jemandem, der die Anzahl der Gene mit etwas korrelieren läßt, das er Intelligenz nennt, die mit "clear-sighted view of important issues" zu tun habe, zweifle ich, ob der Zeitaufwand einer weiteren Auseinandersetzung mit dessen evolutionsbiologischen Thesen sich für mich lohnt. Wer mag, kann selbst schauen.

Our Fragile Intellect

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLullaby schreibt am 14.12.2012 um 00:12 Uhr:Jetzt schieben sie's auf die Gene. Der hat wohl zu viel Fernsehen geschaut :°
  2. zitierenLyriost schreibt am 14.12.2012 um 00:22 Uhr:... war zu nah am Gerät. ;-)
  3. zitierenPhil_Sophie schreibt am 14.12.2012 um 07:04 Uhr:ene gene muh und wissenschaftler bist du
  4. zitierenZwischenweltler schreibt am 14.12.2012 um 09:07 Uhr:Es ist schon erstaunlich, welche Heerscharen von Wissenschaftlern sich mit der Genforschung befassen. Doch wenn man sich in der (populären) Presse so umschaut, liest man kaum etwas über die Erforschung der memischen, also der geistigen Vererbung.
    Es heißt zwar immer, die Gedanken sind frei, doch im Grunde sind wir in weiten Bereichen unseres Denkens Gefangene unseres geistigen Erbes.
    Und wer weiß, vielleicht gab es ja 1000 v.Chr. tatsächlich größere Menschengruppen, die in ihrem Denken freier und ungebundener waren als der Durchschnitt heutzutage. Vielleicht aber waren die großen Philosophen der Antike auch nur geistige Ausnahmetalente. Wer wollte das heute noch berurteilen? Und wer bestimmt eigentlich, was Intelligenz ist? Reicht es dazu aus, zu testen, wer wie schnell bestimmte geometrische Figuren kombinieren kann? Ich habe da so meine Zweifel.

  5. zitierenPhil_Sophie schreibt am 14.12.2012 um 09:25 Uhr:Also ich erinnere mich sehr genau an die Worte meines Profs: "Intelligenz beginnt mit der Lernfähigkeit!"
  6. zitierenLyriost schreibt am 14.12.2012 um 09:40 Uhr:Mit der Intelligenz ist es wie mit den Gliederfüßern im brasilianischen Urwald: Es werden immer wieder neue, bisher unbekannte Arten entdeckt.

  7. zitierenPhil_Sophie schreibt am 14.12.2012 um 10:13 Uhr:Wozu brauchen wir noch Computer bei so viel Intelligenz ? Eine Protokooperation würde ein geballtes Wissen unermesslichen Ausmasses darstellen. Hach, ich liebe Symbiose, lasst uns zusammen()schmelzen wie heisse Schokolade zu einer Pralinée. Welch süsse Intelligenz.
  8. zitierenZwischenweltler schreibt am 14.12.2012 um 10:46 Uhr:Früher oder später wird ohnehin das Internet unsere Intelligenz repräsentieren, weil nur dieses nahezu uneingeschränkt lernfähig ist.
    Wir Menschen wären dann nur noch verteilte und dumme Sensoren, die an dieses synthetische Großhirn angeschlossen sind.
    Ob das erstrebenswert ist, muss nicht diskutiert werden, denn offenbar ist das bereits beschlossene Sache der Evolution.

    Da verkrieche ich mich doch lieber in die Scheinwelt meiner ganz privaten Illusionen und lasse die Evolution an mir vorbeiziehen. ;-)
  9. zitierensnu aus spröngs schreibt am 08.06.2013 um 15:48 Uhr:du hast die haare schön
    du hast die haare schön
    du hast die haare wunderschön

    bist du an engel gwehn
    bist du an engel gwehn
    bist du an rauschgoldengel gewehn???


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