Lyriost – Madentiraden

04.07.2015 um 14:16 Uhr

Ganz ohne Buntstifte

von: Lyriost

Ganz ohne Buntstifte

Viel Beifall fand beim Parteitag der Alternative für Dämliche folgender Satz:

„Als rechts gilt heute, wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Ansicht ist, dass sich der Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen lässt.“ 

Darüber ein Foto einer ungeschminkten Frauke Petry im Jackett, die Haare nur unwesentlich länger als Bernd Lucke. Einen Fingerzeig über das Geschlecht der Petry kann man hier allenfalls dem Vornamen Frauke entnehmen. Aber AfD-Mitglieder würden sicher darauf verweisen, daß Frauke Petry doch einen Sticker im Ohr trägt, woran man unzweifelhaft „mit bloßem Auge“ erkennen könne, daß es sich bei ihr um eine Frau handle.  

Wie man, abgesehen von den klatschenden AfD-Mitgliedern, weiß, gehen Arbeitslose, Rentner, Erben mittelgroßer und großer Vermögen, Kranke, aber auch Schüler sehr häufig aus unterschiedlichen Gründen keiner geregelten Arbeit nach, und Politiker sind besonders in letzter Zeit überwiegend mit ungeregelten Nachtsitzungen beschäftigt. Die gelten nach der Logik des beklatschten Diktums schon mal alle also nicht als rechts – sollte man meinen. Hätte einen aber auch gewundert. Allerdings ist zu hören, daß gerade Arbeitslose und Rentner …

Nun sind Berufstätige ganz oft nicht in der Lage, ihre „Kinder pünktlich zur Schule“ zu schicken, weil die Kinder nämlich erst aufstehen, wenn die Eltern bereits unterwegs zur Arbeit sind oder die Eltern nach langen Nachtsitzungen ausschlafen müssen. Die können also auch nicht rechts sein, oder?

Wer, so fragt man sich, könnte also auf die Idee kommen, diese alle als rechts zu betrachten? Nicht mal der Erfinder dieses blödsinnigen Satzes, der so ausgiebig beklatscht wurde und mit dem versucht wird, eigene Vorurteile in andere hineinzuprojizieren. Aber es gibt ja noch die, die heimlich klatschen, wenn einer sagt, einen Menschen erkenne man daran, daß er weiß ist. Die gilt es für diese obszöne Partei zu gewinnen. Da ist man auf dem besten Weg.

Einen Dummkopf erkennt man jedenfalls daran, daß er beim Zeichnen eines bunten Bildes ganz ohne Buntstifte auskommt und ihm ein Bleistift reicht.


ntv

Telopolis

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZwischenweltler schreibt am 04.07.2015 um 15:04 Uhr:Ich dachte immer, einen Menschen würde man in erster Linie daran erkennen, dass er sein Hirn gebraucht.
    Aber offenbar ist das aus der Mode gekommen. :-/
  2. zitierenLyriost schreibt am 04.07.2015 um 16:15 Uhr:Ach, Zwischenweltler, so richtig modern war das doch nie ...

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