Lyriost – Madentiraden

29.08.2014 um 12:02 Uhr

Heimliches Propagandaministerium?

von: Lyriost

Heimliches Propagandaministerium?

Wer die Berichterstattung in den deutschen Medien zum Ukraine-Konflikt aufmerksam und kritisch verfolgt, ist erstaunt darüber, wie von FAZ („Putins Krieg“) bis taz („Russen nehmen Grenzstadt ein“), ZEIT („Russische Invasion“) Focus sowieso („Hier marschieren russische Soldaten über die Grenze“) der Gleichtakt eingehalten wird, und das ganz ohne sichtbaren Taktgeber. Eine sich selbst reproduzierende Lügensymphonie. (Da erscheint ja die Stimme Russlands ausgewogener.) Und das ganz ohne einen Dirigenten im Propagandaministerium. Gibt es vielleicht längst wieder ein geheimes Ministerium dieser Art? Schwingt da ein Verehrer von Onkel Goebbels den Taktstock, der es den Russen mal so richtig zeigen will, oder ist es nur Onkel Sam, der aus der Ferne die Strippen zieht, weil er seine faktische Weltherrschaft nicht nur mit Rating-Agenturen zementieren kann?

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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZwischenweltler schreibt am 29.08.2014 um 13:00 Uhr:So ist das, wenn die kollektiven Schuldgefühle in kollektive Paranoia umschlagen. :-/
  2. zitierenLyriost schreibt am 29.08.2014 um 14:10 Uhr:Da ist was dran, das schwingt sicher mit, aber ich glaube, man kann das Ganze auch viel banaler betrachten: Bilderberger-Netzwerke, Mangel an sauberen Informationen und an Denkvermögen, ideologische Verkleisterung und die üblichen Abhängigkeiten von den Bossen. Außerdem ist man wohl im Fach Geschichte nur bis zum Ersten Weltkrieg gekommen, wenn man nicht schon bei Napoleon steckengeblieben ist, und hatte sowieso ne Fünf. Und die "ukrainische" Geschichte, die Geschichte Klein-Rußlands, wie es in einer Urkunde von dreizehnhundertnochwas bezeichnet wird, kennt man ohnehin ebensowenig, wie man etwas über den Wodkascherz Chruschtschows weiß. Die halbe Ukraine hat doch Verwandte in Rußland – nicht in den USA. Da leben nur ein paar.
  3. zitierenZwischenweltler schreibt am 29.08.2014 um 15:15 Uhr:Da stimme ich Dir vollkommen zu.
    Ein weitere Punkt dürfte sein, dass auch die Journalisten immer mehr unter Druck stehen. Da wird eben schnell mal vom Nachbarn abgeschrieben, immer in der Hoffnung, dass der sauber recherchiert hat. Vielleicht spielt da ja auch wachsende Faulheit mit rein. Berufsethos scheint jedenfalls am Aussterben zu sein.
  4. zitierensynchrono schreibt am 29.08.2014 um 16:43 Uhr:Ich glaube eher an die Variante der "beauftragten" Netzwerke, um nicht "gekaufte" sagen zu müssen, mit was auch immer gekauft. Die kontrollierte Einstimmung der Bevölkerung auf einen Krieg (psychologische Kriegsführung) gehörte schon immer zur Eskalationspolitik derjenigen, die bewusst Menschen töten lassen wollen, um ihre Ziele zu erreichen. Wer die Macht hat über die Medien hat eben auch die Macht über die Meinung. Und deren vielgerühmte Unabhängigkeit geht nur soweit, wie Menschen Geld mit ihr verdienen könnten...
  5. zitierenGrafKroete schreibt am 30.08.2014 um 12:22 Uhr:Der wievielte Jahrestag von Weltkrieg I war doch neulich? Wie war das seinerzeit mit der Berichtetstattung? Es ist doch immer die gleiche Interessenslage, wer lacht über wen warum und ganz wichtig, wie lange?
  6. zitierenLyriost schreibt am 30.08.2014 um 12:58 Uhr:Und zuletzt ist (fast) allen das Lachen vergangen.
  7. zitierenginablum schreibt am 31.08.2014 um 14:47 Uhr:Meine Herren, jetzt mal im Ernst - und ich oute mich hiermit als eine dieser Naivlinge, die sich von ZEIT und FAS gut informiert fühlen - ich habe zwei Fragen an euch:
    1) beschwert ihr euch über die Gleichschaltung und die damit einhergehende schnarchlangweilige Presselandschaft im allgemeinen? Oder
    2) GLAUBT ihr nicht, dass Putin ein übles Spiel in der Ukraine spielt? Oder scheint er euch glaubwürdiger als Obama?
    Ich stelle die Fragen ganz ernsthaft.

    Ich glaube, wir werden von allen Seiten desinformiert. Da ich weder in der Ukraine noch im Irak noch sonstwo vor Ort bin, kann ich gar nichts mit Sicherheit annehmen. Außer, dass ich nicht die Wahrheit erfahre. Mir fällt schwer, irgendeinem Politiker lautere Motive zu unterstellen. Putin nun auch nicht. Obwohl mir mal eine russische Ärztin erläutert hat, weshalb Russen ihn förmlich für den Heilsbringer halten.
  8. zitierensynchrono schreibt am 31.08.2014 um 17:33 Uhr:Gina, ich versuche mich mal an der Beantwortung Deiner Fragen aus meiner Perspektive...
    1) Nein, ich beschwere mich nicht darüber. Ich stelle fest (bzw. bekräftige die Feststellung von Lyriost), dass es so ist. Und versuche dann, eine Begründung dafür zu geben, warum es so ist und wie es bewerkstelligt wird - kann ich natürlich auch nicht beweisen...
    ... oder, warum eigentlich oder und nicht und? Egal ;-)
    2) Ich bin der festen Überzeugung, dass Putin in der Ukraine ein Spiel spielt, genau wie jeder andere Politiker, der seine Interessen oder die seines Landes gefährdet sieht und der für die Durchsetzung seiner Interessen bereit ist, Menschen morden und ermorden zu lassen. Ob diese Spiele übel sind oder nicht, liegt immer im Auge des Betrachters.

    Aber ich glaube, um diese Bewertung ging es Lyriost gar nicht, sondern um den Hinweis, dass sich deutschen Medien dazu benutzen lassen, ein einseitiges Bild eines Konfliktes zu zeichnen, um in der Bevölkerung eine bestimmte Stimmung zu erzeugen... (Korrigere mich, Lyriost, wenn ich mich irre). Wenn man nämlich das einfließen lässt, was lt. Lyriost unterschlagen wird in der Berichterstattung

    Lyriost:... Mangel an sauberen Informationen und an Denkvermögen, ideologische Verkleisterung und die üblichen Abhängigkeiten von den Bossen. ... Und die "ukrainische" Geschichte, die Geschichte Klein-Rußlands, wie es in einer Urkunde von dreizehnhundertnochwas bezeichnet wird, kennt man ohnehin ebensowenig, wie man etwas über den Wodkascherz Chruschtschows weiß. Die halbe Ukraine hat doch Verwandte in Rußland – nicht in den USA. Da leben nur ein paar.


    ...dann kann man sich auch fragen, warum der bürgerlich friedliche Westen denn soviel Einfluss auf die Belange der Ukraine genommen hat, bis es zu diesem Konflikt kommen musste (wenn man, wie oben geschrieben, jedem Politiker die gleichen machtpolitischen Verhaltensweisen zubilligt) . Man schaue doch mal zurück, wie die USA ähnliche Situationen (Verschiebung der Machtverhältnisse durch demokratisch zustande gekommene Veränderungen) in Nicaragua oder Chile behandelt haben. Da ist Putin noch ein Waisenknabe gegen, auch wenn er genauso skrupelos agiert wie seine westlichen Pendants. Der Westen hat Putin mit seiner Politik in der Ukraine provoziert und dieser hat sich provozieren lassen. Und nun haben wir einen Krieg in Europa.

    Das ärgerliche ist nur, dass man sich in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft schon weiter wähnte, als dass sich die Massenmedien zu Propagandazwecken einspannen lassen. Die Mechanismen der Manipulation der Bevölkerung sind immer noch die gleichen wie vor dem ersten und zweiten Weltkrieg...

    Und warum viele (beileibe nicht alle) Russen den Putin vergöttern, ist wirklich ein gaaanz langes nächtliches Gespräch bei gutem Wodka wert :-)...
  9. zitierenginablum schreibt am 31.08.2014 um 20:59 Uhr:Danke, Synchrono. Wenn du mal wieder in Berlin bist, dann vertiefen wir das. Du bei Wodka, ich brauch nur sechs Mon Cherie und ich bin hackedicht ;-)

    Hm, es wird ja allerorten geschrieben, der Westen sei schuld an dem Konflikt, weil er die Ukraine anbinden will und Putin sich das nicht gefallen lassen kann, will, darf. Mir ist nicht klar, in welchen Hinterzimmern eine solche Anbindung vorangetrieben wurde.

    Also, ich habe da von Neuwahlen gelesen, der Vertreibung eines anscheinend diktatorisch agierenden Landesfürsten und ab da ging die Post ab. Putin annektierte die Krim, nannte es Befreiung und "heim ins Reich", seitdem Gemetzel und Massaker, kumuliert in den Flugzeugabschuss, bei dem Helfer nicht zu den Leichen gelassen wurden. Putin betet die Leier, dass wieder Vernunft und Augenmaß herrschen müssen, obgleich er mit der Annektierung erheblich dazu beigetragen hat, Unruhe zu stiften.

    Die sogenannten "Putin-Versteher" sagen, dass der Zerfall der Sowjetunion sein persönliches Trauma ist und er deshalb nicht anders handeln könne. Er fühle sich herabgesetzt und nicht respektvoll genug behandelt (was meiner Meinung auch daran liegen könnte, dass er sich so gerne mit nacktem Oberkörper bei Tierrettungs- oder erschießungsaktionen filmen lässt; da kann man ja nur drüber lachen, wenns nicht so traurig wäre). Soweit meine Interpretation dessen, was ich gelesen habe.

    Was ich nicht verstehe, ist, dass ihr euch so sicher seit, dass bewusst dieses Bild (was ja wohl erfolgreich zumindest in meinem Kopf verankert wurde) des schuldigen Aggressors Putins "gezeichnet" wird, obwohl es eurer Meinung ganz anders ist. Habt ihr andere Informationskanäle als ich?

    Ich bin nicht so bescheuert, dass ich die Amis für friedliebend halte. Vielmehr denke ich, dass allesamt Verbrecher sind. Durch die Bank. Ohne Ausnahme.
  10. zitierenLyriost schreibt am 01.09.2014 um 21:31 Uhr:Liebe Gina,

    ich finde, das sind ein paar Schlagworte und Ungenauigkeiten, auch Verkürzungen zuviel. "Das Gemetzel und Massaker" ging bereits auf dem Maidan los, und bis heute weiß keiner, wer dafür verantwortlich ist. Soll wohl auch besser keiner wissen. Genauso wie die Sache mit dem Fluzeug. Warum erfahren wir nicht, was die Auswertung des Flugschreibers ergeben hat, und warum wird da nicht konsequent nachgefragt? Wir wissen auch nicht, ob das in der Ukraine nun ein Volksaufstand des westlichen Teils oder ein gesteuerter Putsch war. Und mit Demokratie haben sie es in der Ukraine noch nie so richtig übertrieben. Neuwahlen in einem im Bürgerkrieg versinkenden Land, wie soll das gehen? Aus meiner Sicht haben wir dort nun einen Bürgerkrieg zwischen zwei Parteien, aber wahrgenommen wird nur eine der beiden Seiten: die dem Westen genehme. Die wird vom Westen unterstützt, und die andere, die Böse, von Rußland. Das darf nicht sein. Und die dem Westen genehme Seite wird in der Presse zitiert: Kiew sagt, Kiew meint, nach Angaben aus Kiew. Das ist mir zu einseitig.

    Gleichzeitig verstärkt die NATO ihr Engagement in der Region. Wenn man daran denkt, wie sehr die USA schon immer von dem harmlosen Kuba irritiert waren, kann man verstehen, daß sich in Rußland die Freude in Grenzen hält.

    " ... es wird ja allerorten geschrieben, der Westen sei schuld an dem Konflikt." Ja, wo denn?

    Und dann diese Putin-Dämonisierung: Wer versucht, zu einem objektiven Bild zu kommen und auch die Meinungen und Interessen der russischen Seite berücksichtigt, ein wenig historisch denkt und die Satanifizierung von Personen eher nicht sinnvoll findet, wird zum "Putin-Versteher" (welch ein blödes Schlagwort) degradiert, ob er den Typen mag oder nicht. Das ist mir alles zu einfach und oberflächlich. "Putin betet die Leier", die Wortwahl ist, selbst wenn es stimmt, ja nun alles andere als unvoreingenommen.

    Mir fällt auf, daß deine Interpretation dessen, was du gelesen hast, sich doch ein wenig mehr an Boulevard-Niveau orientiert und weniger historisch und geopolitisch fundiert ist. "Schuldiger Aggressor" ist Putin wahrscheinlich so sehr wie jeder andere der dort Beteiligten, aber es fehlt nach wie vor jeder Nachweis dafür, und "schuldig" gesprochen wird man normalerweise nicht aufgrund von Mutmaßungen. Natürlich gibt es auch andere Informationskanäle, nicht nur die Mainstreammedien, das ist doch klar. Zum Beispiel: http://www.nachdenkseiten.de/?p=20542
    Oder: http://www.heise.de/tp/artikel/41/41193/1.html

    Aber wer liest das schon?

    Schöne Grüße
    Lyriost
  11. zitierenAlcide schreibt am 01.09.2014 um 22:48 Uhr:Den Konflikt in der Ukraine zu beurteilen fällt mir in der Tat auch schwer. Insbesondere, die eigentlich einzig wichtige Frage: was wollen die Menschen in der Ostukraine? Denn darauf sollte es hinauslaufen: ein Referendum mit Zugeständnissen an die jeweilige Minderheit (Sprache, Rechtsicherheit etc.)...
    Eine andere Frage ist wie die sog. Leitmedien über den Konflikt berichten. Und hier ist die Einseitigkeit der Darstellung derart auffällig, dass es auf mich phasenweise wie Satire wirkt. Das hat nichts mehr mit Journalismus zu tun, da lassen sich Leitmedien vor den Karren einer bestimmten Agenda spannen.... (allen voran der Spiegel, aber auch Zeit und Welt).... Anders erklärt sich mir diese Form der Dämonisierung Putins und Russlands nicht...
  12. zitierenLyriost schreibt am 02.09.2014 um 09:27 Uhr:Lieber Alcide, du hast etwas sehr Wichtiges gesagt, was aber sonst kaum jemanden im Westen zu interessieren scheint: "Was wollen die Menschen in der Ostukraine?" Viel ist vom Völkerrecht die Rede, aber die Völker scheinen dabei eher Abstrakta zu sein ...

    PS für alle: Ich habe den Beitrag oben noch um ein paar, wie ich finde, brauchbare Links ergänzt.
  13. zitierenginablum schreibt am 02.09.2014 um 19:23 Uhr:Danke für die Links, ich werde lesen.
  14. zitierenginablum schreibt am 02.09.2014 um 19:36 Uhr:Und auch danke für deine ausführliche Antwort.
    Definitiv hast du recht, wenn du feststellst, dass ich weder eine fundierte historische noch geopolitische Interpretation der Dinge biete. Gleichwohl habe ich versucht eine kurze Zusammenfassung dessen zu geben, was ich aus dem herausgelesen habe, was ich gelesen habe; quasi habe ich unterstellt, was man mir verkaufen wollte. Ich habe nicht meine eigene Meinung dargelegt, Bsp. Der Schuldige aggressor putin - den habe nicht ich schuldig gemacht, sondern die Presse.
    Bin ein bissel vergnatzt, dass ich mich quasi "hilfesuchend" in eure/deine Hände begeben habe, auf der Suche nach Informationen, die eben nicht in der Tagespresse stehen und dann wirfst du mir genau das vor, dass ich nämlich doch sehr uninformiert bin (Boulevard Niveau) DAS genau war doch meine Intention, mal genauer nachzufragen, worüber ihr eigentlich sprecht.
  15. zitierenginablum schreibt am 02.09.2014 um 21:57 Uhr:Sehr interessante Berichte in deiner Linksammlung.
  16. zitierenLyriost schreibt am 02.09.2014 um 22:49 Uhr:Liebe Gina,

    ich freue mich, daß ich dir ein wenig helfen konnte. Der Vorwurf des Boulevard-Niveaus ist aber nicht an dich gerichtet, sondern an ZEIT, FAZ, WELT etc. Du darfst dir höchstens vorwerfen, ein wenig zu leichtgläubig (gewesen) zu sein. ;-)
  17. zitierenGrafKroete schreibt am 03.09.2014 um 19:31 Uhr:Viele Worte, einfacher Sachverhalt........ ein Blick auf die Landkarte genügt vollkommen um zu wissen welches Lied hierzulande gesungen wird, ob wir wollen oder nicht *g*
  18. zitierensynchrono schreibt am 05.09.2014 um 07:35 Uhr:
    http://m.welt.de/vermischtes/article131925396/Der-Philosoph-schimpft-auf-die-Knalltuete-von-der-Nat o.html

    Vielmehr gab der ehemalige Nato-General Harald Kujat seiner Ratlosigkeit Ausdruck: "Ich habe noch keinen Beweis gesehen, dass Russlanid mit regulären Streitkräften in den Konflikt interveniert hat." Er fügte etwas an, das hierzulande selten in dieser Deutlichkeit zu hören ist: "Natürlich müssen wir vorsichtig sein mit dem, was Russland sagt. Aber wir müssen genauso vorsichtig sein mit dem, was die Ukraine sagt. Und leider Gottes müssen wir auch vorsichtig sein mit dem, was der Westen sagt."

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