Lyriost – Madentiraden

11.01.2012 um 14:57 Uhr

Hingucker

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Hingucker

Erstaunlich, wie der eine dem andern nach Papageienart nachplappert, ohne genau hinzugucken – oder vielmehr hinzuhören –, was er von sich gibt. So hat sich seit einiger Zeit der Begriff "Hingucker" wie Ambrosia verbreitet. Ob nun lange weibliche Beine, Schmuck, außergewöhnliche Schuhe oder ein futuristisches Autodesign: Allesamt wird das, was geradezu magnetisch Blicke auf sich zu ziehen, sie einzufangen scheint, neuerdings gern und oft als "Hingucker" apostrophiert, als wäre das nicht eher eine passende Bezeichnung etwa für jemanden, dem solcherart unpassende Wortverwendung aufstößt, weil er sie durch Hingucken wahrnimmt. So gesehen sind die, die den Begriff "Hingucker" im Sinne von Blickfang benutzen, Weggucker, Sprachspiegellose. Dort, wo die Rendezvous von Sprache und Logik beobachtet werden können, gibt es eine Menge Stolperdrähte – oder sollte ich sagen: Hinfaller –, die die allzu schlechten Seher und Blindläufer in die Horizontale zwingen. Nichtgucker und Weggucker werden hingefallert. 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZwischenweltler schreibt am 11.01.2012 um 15:34 Uhr:Oft haben ja solch zweifelhafte Modeworte ihren Ursprung in allzu steifen Übersetzungen aus dem Englischen (ich sage nur: "Sinn machen"). In diesem speziellen Fall dürfte der "eyecatcher" jedoch völlig schuldlos sein.
  2. zitierenwbidi schreibt am 11.01.2012 um 16:51 Uhr:Also bei "Hinfaller" musste ich nun doch sehr lachen! :o)

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