Lyriost – Madentiraden

10.11.2013 um 11:40 Uhr

Junge Leute von heute

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Junge Leute von heute

 

Die Welt hält den Atem an: Fräulein Yasmina Banaszczuk, alias Frau Dingens, ist mit reichlich Lärm und Abschiedsgetöse aus der SPD ausgetreten, nachdem sie wochenlang versucht hatte, „alte Krusten einzureißen“, „Dinge zu pionieren“ und die Partei auf den richtigen Weg zu bringen, ohne daß der Parteivorstand sie öffentlich dafür belobigt hätte. („All diese Zeit. Ohne Wertschätzung“, „nicht mal eine Mini-Erwähnung“.) „Dabei hatte sie in der Partei „so viele Schwachstellen aufgedeckt“. ("Ich habe letztes Jahr fünf Monate ... meiner Dissertation ... geopfert.")  Sie möchte gern „die fünf Monate zurück“haben, also etwa zwanzig Wochen, die sie „damit verschwendete“, sich „an der Partei und ihren Strukturen aufzureiben“. Sie „kann nicht mehr“, hat „die Schnauze voll“, ist „politisch ausgebrannt“, voller „Frust und Resignation und Verzweiflung“. Na schön, nicht jeder Sprung über Karrierehürden kann auf Anhieb gelingen, probiert man es halt bei einer andern Partei oder Vereinigung. Aber weshalb solch ein Theaterdonner, nicht nur auf ihrem Blog, sondern sogar in einer überregionalen Wochenzeitung?

Müssen denn gleich allüberall die Glocken geläutet werden?

Dabei ist der larmoyante Abschiedsbrief, den Frau Dingens in die Öffentlichkeit entlassen hat, solch ein Armutszeugnis, daß ein aufmerksamer Leser sich das Lachen nicht verkneifen mag angesichts eines solch hochgradigen Dilettantismus. So viel geballte Inkompetenz, gepaart mit einem derart vernebelten Blick auf die eigenen Fähigkeiten, ist auch in unserer intellektuell in die Verarmung treibenden Gesellschaft nicht die Regel.

Neben den fünfzehn, zwanzig Orthographie- und Zeichensetzungsfehlern, die ich nur der Vollständigkeit halber erwähnen möchte, die jedoch symptomatisch sind für die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, sind es die vielen unausgegorenen sprachlichen Bilder und Denkungenauigkeiten, die den Text mit dem hochtrabenden Titel „Abschied“ so lächerlich machen. Ein paar Beispiele: Frau Dingens tritt aus der Partei nicht wegen des „noch ausstehenden und wohl nie kommenden kritischen Auseinandersetzen (sic!)“ mit dem Wahlkampf aus, auch nicht wegen dem „Postengeschacher, dass (sic!) der Parteivorstand unbedingt durchsetzen will“.

Die Logik gibt hier vor: Etwas, das wohl nie kommt, ist nichts, also auch nichts, das Grund für oder gegen etwas sein könnte. Zum zweiten: Der Parteivorstand will bestimmt kein „Postengeschacher durchsetzen“, sondern einige streben Posten an, wie in jeder Partei, die Betrachterin aber sieht das von außen, weil selbst nicht erfolgreich beim Streben, als „Geschacher“ an. Sie sagt von sich selbst: „Ich forsche und promoviere über soziales Kapital, Netzwerke und Herkunftseffekte im Bereich des Karriereeinstiegs im Arbeitsmarkt.“ Wie man an ihrem XING-Eintrag sehen kann, scheint Karriere das Zentrum ihres Lebens zu sein. Sie selbst betreibt Karriereplanung. Was die andern machen, ist „Postengeschacher“. Auch in ihrem Abschiedsbriefchen wird sie mehrfach erwähnt: ihre „Diss“, auch daß sie „ein wissenschaftliches Papier“ „schrieb“. Ich dachte immer, man schreibt auf Papier. Aber nein: ein Papier. Sie engagierte sich auch „zu“ Demokratie, nicht dafür, rieb sich „intern und extern auf“. Hat sie Schmirgelpapier gegessen? Die „großen und kleinen Steine“, die ihr in den Weg gelegt wurden, was machte sie damit? „Ich steckte sie weg.“ Auch die großen? Wohin?

Sie kennt die Lebensrealitäten „mindestens so gut“ wie Sigmar Gabriel, der, an den sich der Brief zu wenden scheint: „Lieber Sigmar ...“ Mindestens. Also wahrscheinlich eigentlich besser, nicht wahr? Begründung: „Einige meiner besten Freundinnen kaufen am Monatsanfang den Kühlschrank voll, weil sie danach kein Geld mehr haben.“ Was soll das heißen? Sind die Freundinnen so dumm, Lebensmittel für den ganzen Monat zu kaufen, von denen dann mindestens die Hälfte verdirbt, oder handelt es sich um Kosmetika? Oder können die Freundinnen nicht mit Geld umgehen? Oder was? Ich bin ratlos.

Sigmar Gabriel also als Adressat. Oder doch nicht? An anderer Stelle heißt es: „Glaubt mir, ich habe mehr Ahnung ...“ Plural, also doch nicht der liebe Sigmar? Woanders dann: „Ihr wisst, wer ihr seid.“

Das sind nur einige Beispiele von Ungereimtheiten und sollte genügen, deutlich zu machen, daß der Anspruch, in der SPD schon in der Schnupperphase den Vorredner spielen zu können, durch keinerlei Kompetenz gedeckt ist. Das Gerede über ein „System von Parteivorsitzenden, die sich von jungen Frauen bedroht fühlen“, ist ebenso albern wie der gönnerhafte Pluralis majestatis „Wollen wir mal nicht päpstlicher als der Papst sein“. So viel sprachliche und gedankliche Inkompetenz macht niemandem Angst, es sei denn um den eigenen Kopf beim Schütteln.


Frau Dingens

 

Korrekturbedarf

Nachtrag

Forever alone Party auf der Überholspur


"Sollen sie mich als emotional verbuchen, als hysterisch, als heulend, ich werde weiter ruhig und klug meine Dinge angehen und sie überholen, während sie sich einen auf ihr Gedisse fappen. Unterschätzt mich ruhig. Das kommt mir entgegen."

Was Frau Dingens selbst tut, wird hier auf  andere projiziert – und das mit einer narzißtischen Hybris, die ihresgleichen sucht. Ungestörte Selbstüberhöhung bei abgeschalteter Kommentarfunktion. Lustig.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenginablum schreibt am 10.11.2013 um 16:59 Uhr:Ich hab' mich eben schlapp gelacht! Danke dafür ;-)
  2. zitierenPelegrina schreibt am 11.11.2013 um 13:41 Uhr:Sehr schön. :-)

    Aber laut Duden darf man sich aufreiben ("seine Kräfte völlig verbrauchen"), nein?

    Und die Kommentare hat sie in ihrem Blog deaktiviert. Feige Nuß!
  3. zitierenLyriost schreibt am 11.11.2013 um 19:06 Uhr:Klar darf man sich aufreiben. Aber "intern und extern"? Welch ein Geschwafel. Warum nicht gleich exorbitant universell? ;-)
  4. zitierenPelegrina schreibt am 12.11.2013 um 09:18 Uhr:Hübsch: Sich exorbitant universell intern und extern aufreiben.
    Da soll noch mal einer kommen, der einen drauf legt. :-)
  5. zitierenginablum schreibt am 13.11.2013 um 21:16 Uhr:Man könnt' sich noch superkalifragilistischexpiallegetisch intern und extern aufreiben.
  6. zitierenPelegrina schreibt am 14.11.2013 um 09:42 Uhr:
    Pelegrina:Da soll noch mal einer kommen, der einen drauf legt. :-)



    Mist. ;-)
  7. zitierenLyriost schreibt am 14.11.2013 um 10:09 Uhr:Besser man legt was drunter, sonst reibt es sich noch durch den Fußboden.

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