Lyriost – Madentiraden

20.03.2007 um 01:13 Uhr

Knirschende Reifen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Knirschende Reifen

In einem Buch las ich den schönen Satz: "Die Reifen knirschten auf dem kalten Kies der Auffahrt." Keine onomatopoetische Köstlichkeit, aber doch immerhin eine solide alliterative Wortfolge, die bei vielen Lesern den Geräuschezauberer im Kopf aus seinem Tiefschlaf aufzuwecken und ihn in Aktion treten zu lassen vermag.

Hört man jedoch genauer hin, dann ist da nicht nur ein Knirschen zu vernehmen, sondern auch das Quietschen der Hautschuppen der Autorin, die sich voller Freude die Hände reibt, weil ihr, wie sie glaubt, wieder mal eine glanzvolle Lautmalerei gelungen ist.

Die Sache hat nur einen kleinen Makel, denn was da so prächtig knirscht in der Stille der kühlen Nacht, das sind nicht die Reifen, ob sie nun kalt sind oder warm: Es ist der kalte Kies, der knirscht. Und das ist etwas, was der Kies in fast jedem Roman tut, wenn man ihn läßt. So wie die Reifen in Romanen und Filmen quietschen – ganz gleich ob der Untergrund das erlaubt oder nicht.

Reifen quietschen auch im Sand und im Schlamm, das sind wir gewohnt. Aber knirschen? Knirschende Reifen im Kies? Nicht mal im Traum.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenJan schreibt am 20.03.2007 um 18:11 Uhr:Andererseits, der Kies knirscht ja nicht von selbst. Es sind schon die Reifen, die das Knirschen auslösen. Was deiner Feststellung nichts nimmt: ungenau.

    "Die Reifen knirschten auf dem kalten Kies ..." - Also, wenn's knirscht, wo lassen wir jetzt die Reifen? Ich weiß es nicht!

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