Lyriost – Madentiraden

29.06.2007 um 08:04 Uhr

Meinungsbildungsprozeß

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Meinungsbildungsprozeß

Wenn wir mit uns irritierenden Meinungen eines anderen konfrontiert werden, sollte es nicht in erster Linie darum gehen, ob diese oder unsere Meinung richtig ist oder falsch. Vielmehr ist der Sinn des Meinungsaustauschs, die Irritation durch die abweichende Meinung des anderen fruchtbar werden zu lassen, indem wir diese zum Anlaß nehmen, unsre eigene Meinung auf ihre Stichhaltigkeit hin zu überprüfen, denn jeder hat zu jedem Aspekt des Lebens und zu dessen sprachlicher Repräsentanz ganz persönliche Definitionen parat, die etwas zu tun haben mit den gängigen Vorstellungen davon, was dieses oder jenes sei, und jeder hat seine persönlichen Erfahrungen und philosophischen oder religiösen Strickmuster, nach denen er sich seine Meinung zusammenbastelt.

Sinn des Meinungsaustauschs sollte es sein, die eigene Meinung mit denen der anderen zu vergleichen und alle Meinungen, aber vor allem erst mal die eigene, immer wieder auf ihre Aktualität und Plausibilität zu überprüfen. Dabei ist die Meinung der anderen nichts weiter als eine weitere zu überprüfende Meinung.
Das ist Meinungsaustausch als Denkanstoßgeschehen.

Meinungsaustausch als Wettkampf kann nur in den Bereichen betrieben werden, wo absolute Gewißheit besteht. Und diese Bereiche sind um vieles kleiner, als wir wahrhaben wollen.

Meinungsbildung ist ein Prozeß, der niemals abgeschlossen ist, aber wir sind in aller Regel so fest durch unsere Begrifflichkeiten und Vorannahmen geprägt, daß wir gar nicht bemerken, wie sehr uns die dadurch generierten Meinungen, die wir meinen verteidigen zu müssen, am Nachdenken hindern.

Wenn wir nicht genau wissen, was Sache ist – und niemand weiß das in den meisten Fällen so ganz genau –, wie können wir da bestimmen, was richtig ist und was falsch?


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