Lyriost – Madentiraden

08.07.2015 um 00:16 Uhr

Melancholie und Verzweiflung

von: Lyriost

Melancholie und Verzweiflung

Melancholie ist Medizin gegen die Verzweiflung. Nur hilft diese Medizin nicht immer, und dann schreibt man die Folgen häufig nicht der Situation zu, aus der sich die Verzweiflung entwickelt, sondern der Medizin. Die tiefe Niedergeschlagenheit ist keine Nebenwirkung der Melancholie, sondern selbst Melancholie ist bisweilen unzureichend, um das Bewußtsein der letztendlichen Elendigkeit allen Seins zu ertragen. 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenzartgewebt schreibt am 09.07.2015 um 21:44 Uhr:Man unterschätze nie die „haus“eigene Medizin, wie z.B. auch das Fieber, das vielerorts rigoros bekämpft wird, anstelle das Übel an der Wurzel zu packen.

    Dass sich aber die Melancholie jetzt so liebevoll um mein Wohlergehen kümmert, sich schützend um mich legt, wenn sich die Verweiflung lautstark zu Wort meldet, da habe ich ein wenig gestutzt, Lyriost, ein wenig gehadert mit dieser Äußerung, denn, wohl kenne ich die Melancholie, doch die Verzweiflung ist mir eigentlich fremd.

    Na ja, aber es ließ mir dann doch keine Ruhe, so nahm ich die Verzweiflung zur Hand, hob sie auf und wog sie hin und her, besah sie mir genauer. Tja, und was soll ich sagen, ich fand dann schon etwas, was stimmig war, nämlich so ein leichter Weltschmerz, der sich einstellt, wenn mich die Melancholie ereilt.
    Ein Schmerz über die Welt, die ich selber ja in ihrer Vielfalt, in ihrer Buntheit etc. als unglaublich bereichernd empfinde, so voller Freude und Liebe bin, und auch dankbar, was mir die Natur so alles offenbart, und dann mitansehen muss, dass andere „betriebs“blind sind, sie keine Achtsamkeit in sich tragen, mutwillige bzw. zum Teil auch unbewusste Zerstörung (Umwelt bzw. auch sich selbst) um sich greift. Wenn ich das Elend sehe, dieses Psychische, von mir sehr nahe liegenden Menschen, wo man selber nichts tun kann, da deren Wahrnehmung eine ganz andere ist, sie gefangen sind, in sich selbst, sie all das Leichte als unsagbar schwer empfinden und in mir dann alles hochkommt, weil es mich ja irgendwie mithineinzieht, dann komme ich ins Schleudern.
  2. zitierenLyriost schreibt am 09.07.2015 um 22:18 Uhr:Sehr schön und treffend beschrieben, liebe zartgewebt; das kann ich sehr gut nachempfinden, und was die Medikation betrifft, so denke ich, daß damit nicht auf einen Zustand reagiert wird, sondern das Medikament Melancholie in der Regel vorbeugend eingenommen würde, wenn das bewußt geschähe, doch es ist wohl so, daß Melancholie ähnlich wie die Verdrängung eine Art Jalousie ist, die unseren Augen den Blick auf das Grauen verstellt oder wie ein Vorhang wirkt, der ein wenig wie in der Platonischen Höhle die Schrecken zu Schatten macht – nur daß es hier ausschließlich um die finstere Seite der sogenannten Wahrheit geht.

    Wir sollten nie vergessen, daß all das Leichte nur von den Stärkeren als leicht empfunden wird und so mancher nicht ganz so Starke sich daran einen Bruch heben kann. Leicht und schwer sind nicht so sehr eine Frage des Empfindens, sondern mehr eine der emotionalen Muckis.

Diesen Eintrag kommentieren