Lyriost – Madentiraden

27.08.2010 um 07:26 Uhr

Nährboden

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Nährboden

Monotheistische Religionen seien ein guter Nährboden für Haß und Fanatismus, so sagt man. Bei Licht betrachtet aber ist es wohl eher so, daß Haß und Fanatismus, stets auf der Suche nach Möglichkeiten, sich auszuleben, in solcherart Religionen ein ideales Betätigungsfeld finden. Der tatsächliche Nährboden für fanatisch geprägte destruktive Handlungen ist die menschliche Psyche, die zwischen Selbstzweifel und Größenwahn schwankt.  

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenmockingbird schreibt am 27.08.2010 um 08:31 Uhr:Das seh ich genauso. Die Religion wird wieder einmal als Deckmantel benutzt.
    Liebe Grüße
  2. zitierenAquarius schreibt am 27.08.2010 um 18:27 Uhr:Religon war schon immer eine gute Tarnung für Fanatiker. Wobei ich den Begriff Religion durchaus auch etwas ausgedehnter betrachten würde. Beispiel dafür gibt es ja zuhauf!
  3. zitierenRosalix schreibt am 05.09.2010 um 23:40 Uhr:Religion ist nicht gleich Spiritualität. Religion deucht mir meistens dokmatisch. Dogma birgt Gewalt gegen anders denkende.
    Andersdenkende=Andere Menschen. Jeder Mensch ist anders und denkt anders. So entsteht eine Machtlücke, in der die Denkvorschrift gerne einspringt...
  4. zitierenSettembrini schreibt am 17.09.2010 um 18:03 Uhr:Also ich bin schon der Meinung, daß Religionen, und ganz besonders die montheistischen, schon von sich aus ein Nährboden für Fanatismus sind. Typischerweise treten sie mit dem Anspruch auf, die absolute Wahrheit zu verkünden, und wer diese Lehre annimmt, dem werden himmlische Wonnen nach dem Tod versprochen, allen anderen wird eine Bestrafung angekündigt, die typischerweise aus ewiger Folter besteht. Besonders ausgeprägt ist das im Christentum und im Islam, man muß nur mal in die Bibel (habe ich komplett gelesen) und den Koran (habe ich zu einem Drittel gelesen) reinschauen, um zu sehen, was ich meine - im Koran etwa ist es mühsam, eine Seite zu finden, auf der nicht davon gesprochen wird, daß die Ungläubigen "ewig im Feuer verweilen" werden.
    Diesen Anspruch auf absolute Wahrheit haben die Religionen für mich übrigens mit manchen politischen Ideologien gemeinsam, der Kommunismus ist für mich ein gutes Beispiel. Die kommunistische Lehre ist eigentlich eine Religion, nur ohne Gott; aber auch die marxistische Lehre hat ihren "eschatologischen" Teil und sagt die vermeintlich feststehende zukünftige Entwicklung voraus (Verelendungshypothese etc.) - wie ein prophetisches Buch in einer Heiligen Schrift. Natürlich sind die verkündeten Inhalte und Werte dieser absoluten Lehren jeweils sehr verschieden, doch der Absolutheitsanspruch ist eine Gemeinsamkeit. Religionen sind ihrem Wesen nach totalitär.
    Freilich gibt es mitunter Entwicklungen, in denen solche absoluten Lehren gezähmt werden: das Christentum ist, nicht zuletzt durch die Aufklärung und in einem jahrhundertelangen Säkularisierungsprozeß weitgehend gezähmt worden, allerdings gibt es immer noch manche Fundamentalisten, besonders in den U.S.A., und ich halte diese Leute für extrem gefährlich.
    Auch die marxistische Lehre hat sich in verschiedenen Richtungen entwickelt: die gemäßtigte führte schließlich zur Sozialdemokratie, die sich - alles um allem - um die soziale und demokratische Entwicklung in Europa sehr verdient gemacht hat, während die radikalen Strömungen zu den furchtbaren Exzessen des Stalinismus oder Maoismus führten.
    Solche absoluten Lehren sind also prinzipiell gefährlich, selbst wenn ihre Inhalte (das "Programm", das sie verfolgen) durchaus von Wert sein mögen. Ludwig Feuerbach hat dies in seinem Hauptwerk "Das Wesen des Christentums" gut herausgearbeitet: von der christlichen Ethik hielt er nämlich sehr viel, machte aber auch deutlich, daß der ausschließende Charakter des Glaubens die Ethik dann recht gründlich verdirbt, weil der Nicht-Christ dann von allen Regeln wie Nächstenliebe etc. mehr oder weniger deutlich ausgenommen wird. Keine ganz einfache Lektüre, aber sehr zu empfehlen.
  5. zitierenLyriost schreibt am 03.10.2010 um 18:18 Uhr:Lieber Settembrini,

    ich gebe dir natürlich vollkommen recht, was den Charakter dieser Lehren betrifft, nur wenn es um die menschliche Natur geht, da möchte ich darauf hinweisen, daß diese sich Lehren schmiedet, die zu ihrem Fanatismusbedürfnis passen. Die Frage ist doch, was war zuerst, die Henne oder das Ei? Gruß Naphta

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