Lyriost – Madentiraden

10.05.2010 um 18:09 Uhr

Ohne Taschenrechner

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Ohne Taschenrechner

Der Philosoph ist ein Wissenschaftler ohne Taschenrechner, der lächelt, wenn er das Wort "Wahrheit" hört, und "Unsinn" denkt, wenn einer vom "Sinn" spricht.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenindalo schreibt am 10.05.2010 um 18:27 Uhr:Interessant. Doch wie ist der Vergleich mit dem Taschenrechner gemeint?
  2. zitierensunnysightup schreibt am 10.05.2010 um 18:28 Uhr:Philosophen lächeln?
  3. zitierenindalo schreibt am 10.05.2010 um 18:33 Uhr:Aber klar!
  4. zitierenGretchen schreibt am 10.05.2010 um 19:18 Uhr:Die Frau lächelt, wenn einem Mann der Sinn für das Sinnliche so total fremd ist. Aber es gibt auch solche Typen, daß es besser wäre, daß ihnen jene Sinnlichkeit völlig fremd wäre. Ein Philosoph, der mit einer Frau nichts anzufangen weiß, ist also ein sinnloser Mensch - oder? ;-)


    Gruß an alle
    Gretchen
  5. zitierengrenzgaenger schreibt am 10.05.2010 um 22:05 Uhr:häh? grete, ich versteh den zusammenhang zwischen aussage a und b nicht, bzw. ich habe noch keinen gefunden. aber naja, warscheinlich denke ich nur nicht philosophisch genug.
  6. zitierenGretchen schreibt am 10.05.2010 um 22:43 Uhr:Liebe grenzgaenger(in) (?), vielleicht war ich in jenem Moment oben etwas zu sinnlich und Lyriost zu philopsophisch. Ich schrieb es, als ich meine sizilianische Tomatensuppe genüßlich verspeiste und einen gut aussehenden Mann in der letzten Ausgabe des Vouge-Magazins sah, das vor mir lag. Offenbar sind da verschiedene Infos quer gelaufen - auch beim Nachdenken. Bitte entschuldige.
  7. zitierenLyriost schreibt am 10.05.2010 um 23:27 Uhr:Ein Mann, der mit einer Frau nichts anzufangen weiß, ist ein armer Mensch, liebe Gretchen, und ein unsinnlicher Philosoph ist ein Gescheiterter. Vor allem dann, wenn er nicht lächelt und einem Taschenrechner die Sinnfrage stellt.

    Liebe Grüße an alle
    Lyriost
  8. zitierenzartgewebt schreibt am 11.05.2010 um 00:08 Uhr:Wäre ich ein Philosoph, so würde ich jetzt
    wahrscheinlich lächeln, doch ich lache …
    und das herzhaft :-)
  9. zitierengrenzgaenger schreibt am 11.05.2010 um 08:31 Uhr:ich auch, zartgewebt, obwohl ich so gar kein philosoph bin. zumindest keiner im 'herkömmlichen' sinne.

    liebe grete: ja, grenzgängerin, und auch bei deiner (weltlichen) erklärung musste ich herzhaft lachen. tomatensuppe und ein schöner mann, was will man mehr. dass man dabei nicht mehr so richtig logisch denken kann/will, kann ich absolut nachvollziehen. aber dennoch: du musst dich doch nicht dafür entschuldigen, dass ich keinen zusammenhang in deiner aussage gefunden habe. ich möchte nicht wissen, wie viel zusammenhangloses zeug ich so von mir gebe; würde ich mich für all das entschuldigen, wäre ich wahrscheinlich mit nichts anderem mehr beschäftigt.

    so. und nun zurück zu den naturwissenschaften. biochemie des immunsystems. sehr sehr spannend. ich wünsche euch allen einen schönen tag.
  10. zitierenLyriost schreibt am 11.05.2010 um 08:40 Uhr:... und ein zuverlässig werkelndes Immunsystem. Antikörper, seid bereit!
  11. zitierenameparia schreibt am 12.05.2010 um 18:23 Uhr:Nihil est in intellectu quod non prius fuerit in sensu.

    Der arme, unsinnliche Philosoph. Hat er aber nicht viel zu philosophieren *lach*.
  12. zitierenindalo schreibt am 12.05.2010 um 18:43 Uhr:Von wem stammt denn das Lateinische? Irgendnem Philosophen?
  13. zitierenameparia schreibt am 12.05.2010 um 18:49 Uhr:John Locke, wenn mich nicht alles täuscht..
  14. zitierenkja schreibt am 12.05.2010 um 18:58 Uhr:großartig
  15. zitierenLyriost schreibt am 12.05.2010 um 19:08 Uhr:"Der Intellekt ist das sekundäre Phänomen, der Organismus das Primäre, nämlich die unmittelbare Erscheinung des Willens; der Wille ist metaphysisch: der Intellekt ist, wie seine Objekte, bloße Erscheinung. Er ist Willensprodukt, Gehirnphänomen", sagt Schopenhauer. Ähnlich der abgefallene Schüler Nietzsche. Aber im Gegensatz zu Lockes Sensualismus, nach dem nichts im Intellekt sein kann, was nicht vorher in den Sinnen gewesen ist, ist Schopenhauer klar, daß es außer dem sinnlich Wahrnehmbaren auch noch Raum, Zeit und Kausalität gibt. Siehe "Die Welt als Wille und Vorstellung. Erstes Buch, Kapitel 2, Zur Lehre von der Verstandes-Erkenntnis".

    Begriffe ohne Anschauung sind zwar leer, aber bewußte Anschauung ohne Anschaungsmuster ist nicht möglich.
  16. zitierenameparia schreibt am 12.05.2010 um 19:11 Uhr:"Anschauungsmuster" in welchem Sinne? Dass man ein gewisses Vorverständnis braucht, um Dinge wahrnehmen zu können (und ist Anschauung und Wahrnehmung hier das Gleiche?)?


    Nach Peirce können wir nichts über die Wahrnehmung aussagen, sondern nur über die Wahrnehmungsurteile.
  17. zitierenLyriost schreibt am 12.05.2010 um 20:47 Uhr:Raum, Zeit und Kausalität als apriorische reine Anschauungsformen. Siehe Kants Transzendentalphilosophie in "Kritik der reinen Vernunft".

    Oder Schopenhauer: "Transzendentale Wahrheit", in "Die vierfache Wurzel des satzes vom zureichenden Grunde".

    "Die im Verstande und der reinen Sinnlichkeit liegenden Formen der anschauenden, empirischen Erkenntnis können, als Bedingungen der Möglichkeit aller Erfahrung, Grund eines Urteils sein, das alsdann ein synthetisches a priori ist. Da ein solches Urteil dennoch materiale Wahrheit hat; so ist diese eine transzendentale; weil das Urteil nicht bloß auf der Erfahrung, sondern auf den in uns gelegenen Bedingungen der ganzen Möglichkeit derselben beruht. Denn es ist durch eben Das bestimmt, wodurch die Erfahrung selbst bestimmt wird: nämlich entweder durch die a priori von uns angeschauten Formen des Raumes und der Zeit, oder durch das a priori uns bewußte Gesetz der Kausalität. Beispiele solcher Urteile sind Sätze wie: Zwei gerade Linien schließen keinen Raum ein. — Nichts geschieht ohne Ursache. — 3 x 7 = 21. — Materie kann weder entstehen noch vergehn. Eigentlich kann die ganze reine Mathematik, nicht weniger meine Tafel der Prädikabilia a priori, im 2. Bande der Welt a. W. und V., wie auch die meisten Sätze in Kants metaphys. Anfangsgr. d. Naturwissenschaft, als Beleg dieser Art der Wahrheit angeführt werden.

    Auch in Foucaults Diskursanalyse findet sich der Begriff eines "historischen Apriori", was zwar nicht dasselbe ist, sondern gewissermaßen ein "Quasi-Apriori", aber dennoch an die Kantsche Theorie anknüpft.
  18. zitierenLyriost schreibt am 12.05.2010 um 21:21 Uhr:Korr. 17: "Satzes", natürlich groß. Und Gänsefüßchen hinter "werden" – Zitat.
  19. zitierenameparia schreibt am 12.05.2010 um 23:00 Uhr:Danke, Lyriost, für deine Mühe!

    Aber ich versteh immer noch nicht, ob du mit "Anschauung" "Wahrnehmung" meinst. Entschuldige meine doofe Frage, sag bescheid, wenn es dich nervt. Es würde mich nur einfach sehr interessieren, weil ich mich mit der Abgrenzung beider Begriffe schwer tue.
  20. zitierenLyriost schreibt am 12.05.2010 um 23:26 Uhr:Mit "Anschauung" meine ich die Art und Weise, wie der Verstand aufgrund seiner a priori gegebenen Voraussetzungen – Raum-Zeit-, Ursache-Wirkung-Bewußtsein – das verarbeitet, was die Sinne an Material liefern. Die wahrgenommene empirische Realität ist dabei das Füllmaterial für die für sich selbst genommen abstrakte Anschauungsform, die ohne die sinnliche Wahrnehmung leer wäre, während das Wahrgenommene ohne die vorgegebene Struktur des Apperzeptionsgerätes Gehirn ein Haufen von chaotischen Signalen wäre. Erst im Kopf entsteht das strukturierte Bild. Anders gesagt: Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie unser Verstand sie abbildet. Unser Bild ist eine Koproduktion.

    Ich muß dazusagen, daß es natürlich in der Philosophie auch andere Auffassungen gibt. Nicht vergessen: Alles, was ich hier sage, ist meine subjektive Auffassung.
  21. zitierenameparia schreibt am 12.05.2010 um 23:36 Uhr:Also ist die Anschauung - nach deiner subjektiven Auffassung ;) - die Verarbeitung, praktisch das, was am Ende bei raus kommt. Und die Wahrnehmung ist der sinnliche Akt?

    Die Unterscheidung leuchtet mir ein, jetzt werden mir auch deine Kommentare davor etwas deutlicher. Danke :).
  22. zitierenLyriost schreibt am 13.05.2010 um 12:03 Uhr:Empirische Anschauungen sind durch Sinnesorgane gegeben, reine Anschauungen liegen vor jeder Erfahrung. Kant geht von den nichtempirischen Anschauungen Raum und Zeit aus. Er nennt sie "reine Formen der Anschauung“. (K.d.r.V.)

    Was das Subjektive betrifft, so hat es eine Doppelbedeutung. Philosophisch gesehen ist damit das nichtindividuelle Subjekt (der Erkenntnis) im Gegensatz zum Objekt (alle Realität) gemeint, im normalen Sprachgebrauch aber das Individuelle, das sich von anderem Individuellen unterscheidet.

    Der subjektive Anteil bei der Wahrnehmung ist also einerseits kollektiv subjektiv, insofern, als alle mit dem gleichen Sinnesapparat und gleichen Hirnstrukturen wahrnehmen, andererseit jedoch von Subjekt zu Subjekt verschieden, weil die Erfahrungshorizonte nicht übereinstimmen.

    Schöne Grüße
  23. zitierenLyriost schreibt am 13.05.2010 um 12:18 Uhr:Liebe ameparia, das Wichtige dabei ist, daß Raum, Zeit und Kausalität nicht objektiv empirisch sind, sondern subjektive Voraussetzungen, um sensorische Wahrnehmung zu strukturieren. Wenn wir von diesen Kategorien sprechen, müssen wir uns klarmachen, daß sie nicht Bestandteile eines objektiv und unabhängig von aller Erfahrung Seienden sind, sondern apriorischer Bestandteil unserer Erfahrung. Wir bilden selber den Raum und die Zeit mit ihren Beziehungen, in denen wir leben, in unserm Kopf, außerhalb gibt es die genaue Entsprechung für solche Kategorien nur so lange, wie ein Kopf da ist, der sie strukturierend konstituiert.
  24. zitierenameparia schreibt am 13.05.2010 um 12:26 Uhr:Danke, abermals, für deine Mühe. Aber das muss ich jetzt erstmal sortieren und versuchen, zu verstehen ;).
  25. zitierenShadoweyes schreibt am 13.05.2010 um 13:27 Uhr:Naja...und wenn man eien Taschenrechner nimmt....kommt 42 dabei raus...! Ich entschärfe hier mal die hochphilosphischen Ergüsse nach der Kausalität und er objektiven und subjektiven Wahrnehmung.
    Ganz klar, alles was du siehst, summiert sich in dir mit dem,was du eh schon in dir trägst. Ob Erfahrung oder Gefühle dazu....es ergibt sich meiner Meinung nach nur eine subjektive Wahrnehmung. Etwas, worüber man sich demnahc hervoragend streiten kann. Deine Wahrheit ist nicht meine.....Da die Objektivität in der Wahrnehmung nicht wahrgenommen wird, sondern nur das, was man auf seine Art und Weise aufnimmt....Ach du je..das kann man noch unendlich weiterführen....
  26. zitierengrenzgaenger schreibt am 13.05.2010 um 13:59 Uhr:"...daß Raum, Zeit und Kausalität nicht objektiv empirisch sind, sondern subjektive Voraussetzungen um sensorische Wahrnehmung zu strukturieren"

    ...ich sehe es so: ...daß Raum, Zeit und Kausalität objektiv empirische Voraussetzungen sind, um subjektive sensorische Wahrnehmung zu strukturieren. aber da kann man ja jetzt auch wieder anfangen zu diskutieren, inwiefern etwas durch die menschen erfasstes/ erfassbares überhaupt objektiv sein kann. es gibt subjektive objektivität - die objektivität jedes einzelnen menschen - aber funktioniert das auch andersherum? kann es objektive subjektivität geben?

    das sind schon wahnsinnig spannende fragen. aber auch ein faß ohne boden. denn an irgendeinem punkt beißt sich die katze immer in den schwanz.
  27. zitierenLyriost schreibt am 13.05.2010 um 15:08 Uhr:Liebe grenzgängerin: Da ist kein Raum – außer als Anschauungsform in deinem Kopf. Aber selbst wenn es anders wäre, könntest du nichts davon wissen, denn die Wahrnehmung muß ja durch deinen Kopf hindurch, um dir bewußt zu werden. Und im Kopf wird alles ... verfälscht, verhunzt und verdorben, kontaminiert. Empirisch gegeben ist nur das Rauschen des Seins, das du in dir spürst. Sonst nichts.
  28. zitierengrenzgaenger schreibt am 13.05.2010 um 19:46 Uhr:wenn ich genau darüber nachdenke, dann ist das ein gedanke, der mir angst macht: außerhalb meines kopfes, meiner wahrnehmung existiert nichts. das erschüttert mein bedürfnis nach sicherheit in seinen grundfesten, verunsichert mich und verstärkt mein eh vorhandenenes gefühl der haltlosigkeit.
  29. zitierenLyriost schreibt am 13.05.2010 um 21:10 Uhr:Liebe grenzgängerin, wenn nichts außerhalb des Kopfes existierte, was ja mit dem, was ich oben ausgeführt habe, nicht gesagt ist, dann brauchte es auch keinen Halt, denn Halt braucht man nur in einem ausgedehnten Raum. Wirkliche Sicherheit kann man ohnehin nur in sich sebst finden. Was uns von äußerer Sicherheit erzählt wird, sind nur Märchen.

Diesen Eintrag kommentieren