Lyriost – Madentiraden

12.09.2015 um 11:12 Uhr

Über Anhänglichkeit

von: Lyriost

Über Anhänglichkeit

Ausgerechnet der Grantler und Misanthrop Schopenhauer, wie man weiß nicht gerade der Erfahrenste, wenn es um die Beziehungen zwischen Menschen geht, besonders die innigen zwischen Mann und Frau, wußte zu sagen: „Freundschaft, Liebe und Anhänglichkeit der Menschen erwirbt man nur durch Freundschaft, Liebe und Anhänglichkeit an sie.“ So was von altbacken. Erwähnt man heute das Wort Anhänglichkeit, hebt ein großes Gelächter an, und alle pochen auf ihre angebliche Unabhängigkeit und ihre Individualität, die durch derart obsolete Untugenden wie Treue und übermäßige Zuwendung, sprich Anhänglichkeit, gefährdet seien, und geben gute Ratschläge, was bei Anhänglichkeit zu tun sei: soziokulturell, psychotherapeutisch und notfalls auch mit Mitteln aus der Apotheke. Allenfalls der Hund darf heute noch anhänglich sein, jedenfalls solange kein Tierpsychologe in der Nähe ist.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenFrau_VonUndZu schreibt am 13.09.2015 um 12:18 Uhr:Vielleicht muss man Misanthrop sein, um das schätzen zu können, was andere im Überfluss zu haben meinen.

    Leider sind Begriffe wie Anhänglichkeit, Zuwendung oder Zuneigung heutzutage viel zu oft mit negativen Attributen belegt. In Zeiten der Selbstdarstellung und des Überflusses an Kontakten vielleicht sogar erklärbar, wenn auch nicht wirklich verständlich.
  2. zitierenLyriost schreibt am 14.09.2015 um 15:48 Uhr:Wenn man nach der Pubertät immer noch glaubt, cool zu sein wäre cool, entwickelt man sich zum emotionalen Analphabeten (zurück).

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