Lyriost – Madentiraden

12.06.2007 um 08:12 Uhr

Über die Negativität kritischer Einwände

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

 

Über die Negativität kritischer Einwände

Ein farbenblinder Regisseur esoterischer Stummfilme schrieb auf einen meiner kritischen Einwände:

Du interpretierst kontinuierlich. Und du interpretierst natürlich gemäß deines Denkens. Was ich schreibe, wird nicht gelesen, du liest es schon auf deine eigene Weise. Und da du zweifelst, liest du nur Zweifelhaftes. Und da du negativ bist, liest du nur Negatives.


Meine Antwort.

Du weißt ja: Ich habe sehr viel Geduld, und wenn es nötig ist, wiederhole ich mich auch gern noch mal und noch mal.

1. "Du interpretierst kontinuierlich."

Alles, was du sagst, sind DEINE Interpretationen DEINER Wirklichkeit. Es gibt keinen hinreichenden Grund, mehr darin zu sehen als Interpretationen. Warum nun sollten diese Interpretationen von mir anders behandelt werden als meine eigenen Interpretationen oder diejenigen anderer Leute? Wenn ich sogar selbstkritisch genug bin, meine eigene Sicht der Dinge mit einer gewissen Vorsicht zu beäugen und auf Plausibilität abzuklopfen, warum sollte ich dann gerade bei dir, der so offensichtliche und objektivierbare Fehler produziert, eine Ausnahme machen, als wäre ich eine Mutter, die ihr Söhnchen trotz seiner Mängel über den grünen Klee lobt, weil eine Mutter das eben tut.

2. "Und du interpretierst natürlich gemäß deines Denkens."

Abgesehen davon, daß "gemäß" und der Genitiv sich von jeher nicht miteinander vertragen und deshalb nicht zusammen in einen Satz gesperrt werden sollten, hast du völlig recht: Ich interpretiere gemäß meinem Denken. Und du hast auch recht mit dem "natürlich". Wenn deine Weisheiten nur dann verstanden werden, wenn ich meinen Kopf abschraube, ihn durch einen andern ohne Urteilsfähigkeit und eigene Denkleistung ersetze, dann kann es mit deinen Weisheiten nicht weit her sein.

3. "Was ich schreibe, wird nicht gelesen, du liest es schon auf deine eigene Weise."

Was heißt das? Hier handelt es sich um eine sehr eigentümliche Logik. In dem Satz wird gesagt "nicht gelesen" und "du liest". Es werden zwei Aussagen gemacht, die einander widersprechen. Selbst Laotse mit seiner brillanten paradoxen Denkweise würde hier milde lächeln ob der vordergründigen Absicht, dem Wunsch nach Unterwerfung, der diesem Unsinn zugrunde liegt. Das ist nicht mal ein Taschenspielertrick.

4. "Und da du zweifelst, liest du nur Zweifelhaftes."

Das heißt also, du kannst schreiben, was immer du willst: etwa die Erde ist ein Fahrrad, und wenn einer seine Zweifel hat, daß diese Aussage richtig ist oder auch nur semantisch nachvollziehbar, dann nicht etwa, weil du Blödsinn erzählst, sondern weil sein Denken durch Zweifel vergiftet ist. Du machst es dir ganz schön leicht. Du erklärst, man solle sich erst mal einer Gehirwäsche unterziehen, bevor man die heiligen Hallen deiner Wortkunst betritt.

5. "Und da du negativ bist, liest du nur Negatives."

Das ist nun wirklich ein Taschenspielertrick. Oder sollte man besser sagen: die letzte Konsequenz aller gescheiterten Möchtegernimperatoren? Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.

Es ist so, als würde ein Regisseur von Schwarzweißfilmen, der behauptet, seine Filme seien die einzig farbigen, zu den zweifelnden Zuschauern im Kino sagen: Wenn ihr keine Farben seht, dann liegt das an eurer Wahrnehmung.

Taokino

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenwinter schreibt am 13.06.2007 um 20:17 Uhr:ihr seid schon ein lustiges paar, es lohnt sich immer wieder eure dialoge zu verfolgen.... ;-)
  2. zitierenLyriost schreibt am 13.06.2007 um 20:29 Uhr:... vor allem, wenn man bedenkt, daß es keine Dialoge sind. ;-)

Diesen Eintrag kommentieren