Lyriost – Madentiraden

02.05.2005 um 12:24 Uhr

Über emotionale Farbenblindheit

von: Lyriost

Über emotionale Farbenblindheit

Manchmal ist es so, daß Menschen, wenn sie einander nahekommen, sich selbst näherkommen, aber wenn sie Probleme mit ihrem Selbst haben und diese gewohnheitsmäßig mit scheinbarem Erfolg in den Ego-Bereich verdrängen, sich von dem andern, der als eine Art Katalysator wirkt, abwenden, weil sie Angst davor haben, sich dem Teil in sich selbst zuzuwenden, auf den es ankommt, dem Kern ihrer Persönlichkeit – dann wenden sie sich vom andern ab, um zu vermeiden, sich sich selbst zuzuwenden.

Und sie leben weiter ihr verhängnisvolles Muster, weil es ihnen bekannt und gewohnt ist. Und wenn es bei ihnen immer wieder mal mächtig knallt, verlagern sie die Ursache dafür in den jeweils andern. Vermeidung der Auseinandersetzung mit sich selbst durch Projektion von Konfliktursachen auf den andern.

Das ist so etwas wie eine gefühlsmäßige Achromatopsie. Solche Menschen sind blind für die problemauslösende Struktur in ihrem Innern. Darauf hingewiesen, neigen sie gewohnheitsmäßig dazu, dem andern Fehlsichtigkeit zu attestieren. Und wenn beim nächsten andern das gleiche passiert, wundern sie sich nur darüber, daß es so viele Fehlsichtige gibt.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenBernardo schreibt am 02.05.2005 um 21:39 Uhr:Ly, nimm zur Kenntnis, daß ich seit Stunden über den Text nachdenke. Punkt, momentan. Vielleicht nehm ich ihn mit in den Urlaub.
  2. zitierenOrgasmic_Rockstar schreibt am 02.05.2005 um 23:54 Uhr:Renne so lange mit dem Kopf gegen die Wand, immer und immer wieder, bis du die Tür gefunden hast.

    Manchmal ertappe ich mich dabei, so etwas wie Genugtuung zu empfinden, weil ich den Grund kenne, wieso so viele Menschen immerzu mit seelischen Platzwunden umher laufen, als wären sie blind...
  3. zitierenLyriost schreibt am 03.05.2005 um 00:22 Uhr:@ O R In diesem Fall muß ich dich enttäuschen: Auf den Grund würdest du hier nie kommen. So tief kann keiner tauchen. Höchstens mit Glocke und Seekarte. Aber die hast du nicht, weil dieses Meer fast allen unbekannt ist.
  4. zitierenBernardo schreibt am 03.05.2005 um 08:03 Uhr:@OR ( heißt nicht operations research ): dein Kommentar ist sehr interessant. Mich würde wirklich sehr bereichnern von dir zu wissen, warum \"so viele Menschen immerzu mit seelischen Platzwunden umher laufen\". Gibt es da aus deiner Erkenntnis eine \"Formel\", ein typisches Muster? Bitte sag es mir.
  5. zitierenLyriost schreibt am 03.05.2005 um 08:08 Uhr:Wenn OR es wüßte, hätte er es längst gesagt und würde nicht raunen.
  6. zitierenBernardo schreibt am 03.05.2005 um 09:04 Uhr:scio nescio, würde er sagen.
  7. zitierenLyriost schreibt am 03.05.2005 um 09:08 Uhr:Das sagte doch schon Sokrates, aber der hat es anders gemeint.
  8. zitierenBernardo schreibt am 03.05.2005 um 09:18 Uhr:bin ich Sokrates?
  9. zitierenLyriost schreibt am 03.05.2005 um 09:22 Uhr:möglich, aber nicht wahrscheinlich, doch vielleicht denkst du manchmal sokratisch
  10. zitierenLyriost schreibt am 03.05.2005 um 09:42 Uhr:Bernardo trinkt aber doch lieber Rotwein als Schierling.

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