Lyriost – Madentiraden

30.03.2007 um 13:08 Uhr

Wenn im Duden Buchstaben spazierengehen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Wenn im Duden Buchstaben spazierengehen

Zum Stichwort erstere – letztere heißt es im neuesten Duden online (Richtiges und gutes Deutsch):

erstere – letztere: erstere und letztere – eigentlich Komparativbildungen zu erste und letzte – werden nicht mehr auf die durch eine Zahl ausgedrückte strenge Reihenfolge beliebig vieler Lebewesen oder Dinge bezogen, sondern auf das Näher- oder Fernerliegen zweier Lebewesen oder Dingen. Sie werden wie diese - jene oder der/die/das eine – der/die/das andere gebraucht: Sie besaß ein Haus in der Stadt und eins auf dem Lande. Ersteres/Jenes [Haus] hatte sie gekauft, letzteres/dieses [Haus] war ihr durch Erbschaft zugefallen. Nicht angemessen ist erstere - letztere, wenn von mehr als zwei Lebewesen oder Dinge die Rede ist. Also nicht: Charlotte, Maria und Hans gingen spazieren. Die Erstere war barhäuptig, der Letztere trug eine Pelzmütze. Auch setzt erstere – letztere eine gegensätzliche Betrachtungsweise voraus. Um Gemeinsamkeiten zu beschreiben, verwendet man beispielsweise beide oder die eine wie die andere.

Quelle: Duden – Richtiges und gutes Deutsch Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2007


Alles soweit fast richtig, nur muß es richtig richtig heißen: ... auf das Näher- oder Fernerliegen zweier Lebewesen oder Dinge. Zweier Dinge, nicht zweier Dingen.

Hier hat sich das "n" an einen Ort verirrt, wo es nichts zu suchen hat. Aber wie kommt es hierher? Ich nehme an, es hat sich unerlaubt entfernt und ist zu einem kleinen Spaziergang aufgebrochen, denn weiter unten im Text fehlt es: "... wenn von mehr als zwei Lebewesen oder Dinge die Rede ist." Natürlich sollte von zwei "Dingen" die Rede sein – und nicht von zwei "Dinge". Und wenn das "n" selbst nicht weiß, wo es sich aufzuhalten hat, dann muß man es ein wenig beraten.

Dafür gibt es die (kostenpflichtige) Duden-Sprachberatung, die auch kostenpflichtig ist, wenn ein Leser die Sprachberatung beraten möchte, weil er Fehler im Duden entdeckt hat.

Das Duden-Jahresabonnement kostet fast 100 Euro, und eine Möglichkeit, die Redaktion online auf Fehler hinzuweisen, ist nicht vorgesehen.

 

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenJan schreibt am 01.04.2007 um 21:31 Uhr:Einerseits überrascht dein Befund nicht, weil online-Texte sehr oft fehlerhaft sind, andererseits tut er's aber doch, weil es immerhin Duden-Texte sind, um die es hier geht.

    Vielleicht ein Brief an die Dudenredaktion, mit der Post?
  2. zitierenLyriost schreibt am 03.04.2007 um 07:36 Uhr:Liebe zartgewebt, wenn man zu sehr auf Gedrucktes vertraut, macht das Lesen tatsächlich dumm – oder jedenfalls mindestens nicht klüger. (Gruß)

    Lieber Jan, das betrifft in gleichem Maße die gedruckten Texte des Duden-Imperiums. (Noch ein Gruß)

    Briefe wurden schon geschrieben, es wurde telefoniert. Eine Zeitlang hatte ich, "weil Sie uns schon auf viele Fehler aufmerksam gemacht haben", als Sonderrecht die Mailadresse einer Mitarbeiterin der Sprachberatung. Als diese den Verlag verließ, bekam ich von der Redaktion die Mitteilung, ich solle mich in Zukunft, wie alle anderen, an das Telefon der Sprachberatung halten (fast zwei Euro Kosten pro Minute).

    Die wollen auch noch dafür bezahlt werden, wenn man ihnen ihre Fehler mitteilt. Ich bin doch nicht blöd.

    Stichwort hell

    hẹll [mhd. hel = glänzend; tönend, ahd. -hel (in Zus.) = tönend, verw. mit ↑Hall, urspr. nur auf akustische Sinneseindrücke bezogen]:

    ... die Fenster waren h. erleuchtet; ein h. erleuchteter Saal

    Stichwort hellerleuchtet

    hell|er|leuch|tet <Adj.>: hell beleuchtet: ein -er Saal.

    Einmal getrennt, an anderer Stelle zusammen. Und keines verweist auf das andere, so daß man nicht beide Schreibweisen als Varianten und damit als korrekt betrachten darf.

    Beides Duden, Deutsches Universalwörterbuch.
  3. zitierenzartgewebt schreibt am 03.04.2007 um 13:43 Uhr:..."Liebe zartgewebt, wenn man zu sehr auf Gedrucktes vertraut, macht das Lesen tatsächlich dumm – oder jedenfalls mindestens nicht klüger. (Gruß)"...

    Ja eben!
    Darum auch meine „versteckte“ Warnung, doch Vorsicht walten zu lassen, wenn man MEIN Bloghaus betritt. Frau trägt ja schließlich Verantwortung ihren Gästen gegenüber ;-)
    Wäre mir sehr peinlich, wenn diese zu Hauff über „Entlaufenes“ stolpern würden ...

    Grüße Dich
    zartgewebt
  4. zitierenLyriost schreibt am 03.04.2007 um 16:17 Uhr:2. hoch schäsubd;t|zen, hoch|schät|zen

    Quelle: Duden - Die deutsche Rechtschreibung
  5. zitierenLyriost schreibt am 03.04.2007 um 17:06 Uhr:"Das hängt davon ab, ob das Wetter gut ist. Oft wird die Konjunktion weil gewählt, weil sie das kausale Verhältnis deutlicher zum Ausdruck bringt als es mit dem neutralen dass der Fall ist: Dieser Schritt wird dadurch notwendig, dass/weil sich die Verhältnisse grundlegend geändert haben."

    Hinter "bringt" fehlt das Komma.

    "In dem letzten Beispielsatz passt es nicht, aber in dem folgenden Satz von St. Zweig ist ..."

    Stefan Zweig wurde vom Duden heiliggesprochen. Glückwunsch.

    Quelle: Duden - Richtiges und gutes Deutsch Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2007

    Solches läßt sich, wenn man sich Zeit nimmt, vermutlich beliebig fortsetzen.
  6. zitierenzartgewebt schreibt am 03.04.2007 um 17:15 Uhr:Das ist aber ein spaßiges Buch, der DUDEN!
    Da kann sich das TELEFONBUCH aber eine Scheibe abschneiden – jawohl!
    Um die Telefonnummern ob ihrer Richtigkeit zu überprüfen, bedarf es nämlich nicht nur eines überaus hohen Bankkontos, sonder auch um eine große Portion Redegewandtheit.
    Und bei der Meldung: „Kein Anschluß unter dieser Nummer“, stößt man gar auf eine schier unüberwindbare Mauer...

    Sag Lyriost, könnten wir nicht die Bücher tauschen?
  7. zitierenzartgewebt schreibt am 03.04.2007 um 17:20 Uhr:Ops!

    Jetzt ist mir ein "n" entfleucht! Wo mag es bloß sein....
  8. zitierenLyriost schreibt am 03.04.2007 um 17:29 Uhr:hiern
  9. zitierenLyriost schreibt am 03.04.2007 um 17:30 Uhr:Noch ein Nachschlag:

    "Dies gilt insbesondere dann, wenn beide Subjektteile oder ein Subjektteil im Plural steht."

    Aha: Beide Subjektteile "steht" im Plural. Ich stehen im Verwunderung.



    Quelle: Duden - Richtiges und gutes Deutsch Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2007, Stichwort Kongruenz.
  10. zitierenzartgewebt schreibt am 03.04.2007 um 18:05 Uhr:Danke Lyriost!
    Du bist sehr aufmerksam.
    Nur hast du das „h“ ein wenig verniedlicht und dem „n“ ein überflüssiges „e“ aufgehalst. "i" und "r" gehen in Ordnung.
  11. zitierenJan schreibt am 03.04.2007 um 18:21 Uhr:"Dies gilt insbesondere dann, wenn beide Subjektteile oder ein Subjektteil im Plural steht." - Das glaub' ich jetzt nicht, dass du das im/beim Duden gefunden hast!

    Deine Probleme mit der Dudenredaktion, mit dem Unternehmen DUDEN. Die Schwerfälligkeit von Betrieben und Unternehmen. Ihre Behäbigkeit. Und die Lebensphilosophie mancher Erdenbürger: "Mach alles, nur eines niemals: einen Fehler eingestehen!"

    Vielleicht hat es damit zu tun?

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