Lyriost – Madentiraden

04.05.2015 um 22:52 Uhr

Wünsche

von: Lyriost

Wünsche

Angeregt durch die adlige Kröte, die schrieb: „Ein gesunder Mensch hat tausend Wünsche, ein Kranker nur einen“, muß ich leider feststellen: Kann man so sagen, aber nicht unwidersprochen behaupten. 

Mit zunehmendem Alter hört man zu seinem Geburtstag neben allerlei Altbekanntem viel Pathetisches: „Ich wünsche dir vor allem Gesundheit. Mögest du ...“ Der eine schenkt dir, wenn du tatsächlich immer noch rauchst, eine Stange Zigaretten deiner Marke, der andere ne Flasche Wodka und der dritte, der mit etwas mehr Dispo-Kredit, einen Gleitschirm-Schnupperkurs. Dann trinken wir einige: auf die Gesundheit. Ach ja: Hals- und Beinbruch beim Paragliding.

Von Gesundheit wird viel geredet, das schon. Und wenn einer krank wird, also richtig krank, meine ich, nicht nur Schnupfen hat oder nen Tripper oder ein Furunkelchen am Allerwertesten, dann hat er auf den ersten Blick vor allem einen Wunsch: Er möchte gesund werden. Ja, klar. Aber weshalb? Wegen der vielen Wünsche, die er sich noch erfüllen möchte.

Weil er dann wieder richtig essen kann, noch mal nach Venedig oder Paris fliegen, vielleicht doch noch die große Kreuzfahrt. Er möchte die Enkel aufwachsen sehen, eventuell die zweite, dritte, vierte oder fünfte Liebe, die nächste Fußball-Weltmeisterschaft erleben oder daß Schalke Meister wird. Er möchte ... Ja, er möchte, er will so allerlei, genau wie die Gesunden. Möglicherweise sogar noch mehr, denn hat er sich das durch die Krankheit nicht verdient?

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenmijoni schreibt am 05.05.2015 um 05:11 Uhr:Eine Krankheit oder ein einschneidendes Erlebnis, das Menschen nochmal von der Schippe springen lässt, öffnet halt das Bewusstsein.
    Dinge, die uns sonst tagtäglich so ungemein wichtig vorkommen, werden unwichtig und klein, belanglos...
    Es geht dabei nicht immer um Wünsche, sondern eher darum, das man in solchen Situationen erkennt, wie falsch man gelebt hat und der Fokus rückt dahin, wo er eigentlich oft sein sollte -- auf die Dinge, die einem gut tun.
    Ja, mag sein, das meine Art mich auszudrücken wieder voll daneben ist und ja, meine Gedanken sind wieder schneller als meine Finger, ist mir aber egal ...
  2. zitierenLyriost schreibt am 05.05.2015 um 09:26 Uhr:Liebe mijoni, da ist gar nichts voll daneben bei deiner Art, dich auszudrücken, und auch das, was du sagst, ist soweit richtig. Nur mit dem "wie falsch man gelebt hat" kann ich mich nicht so recht anfreunden, denn wer entscheidet, was falsch und was richtig ist? Und darüber hinaus ist der Mensch, ob krank oder gesund, von Anfang an eine Art Wunsch Wunschgenerator, was zu so etwas wie Zivilisation führt, aber auch in der Selbstvernichtung enden kann – und wahrscheinlich wird.

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