Tirade 161 – Leibhaftig
Nicht abzuschütteln
von der Hand das Klebeband
wie das Leben vom Leben
so beginnen Karrieren
Selbstentleibers Leibgefühl
Verurteilenswert
Ich sage nur
was ich denke
sagte er
ich urteile nicht
ein wertendes Urteil
über die Form
seines Redens
und den Inhalt seiner
Gedanken
Wie mich das Internet veränderte
Seit ich das Internet kenne
über den Daumen zwanzig Jahre
lese ich
davor las ich
heute sehe ich Bilder
früher schaute ich Bilder an
ich reihe jetzt Wörter
zuvor reihte ich Buchstaben
heute lerne ich durch Wikipedia und so
einstmals informierte ich mich bei Brockhaus und Co.
jetzt kommuniziere ich
früher pflegte ich Kommunikation
Heute denke ich
gestern dachte ich
Es ist jetzt also
alles ganz viel besser
als früher
Und genauso
anders schlechter.
Gemeinsam
Wäre das nicht Glück
wenn wir uns immer liebten
Gefieder gesträubt
gegen den Wahnwitz der Welt
als wären wir entkommen ...
Epikurs Mahnung
Zählt Geld
lauft in Reihen
wer Trommler mag
nur zu
laßt die
Steine erbeben
wie im
siebentorigen Theben.
Das Ende ist Schrift
auf dem Sarkophag.
Im Blitzlicht beim
letzten Sekundenschlag
da werdet ihr
schaudernd verschweben
so narrt euch
der Tod mit
dem Leben.
Am Abend blinkt
in den Spiegeln
der Tag.
Und die ihre Sinne
mit Hämmern betäubt
die gaffen nun
stumpf in die
Leere der Nacht
mit zitternder Hand
und die Haare
gesträubt.
Und wehe
dem Wesen
das jetzt
erst erwacht
zu spät
sein Beginnen
die Hülle zerstäubt
sein Weg führt
zurück in die
ewige Schlacht.
Die Zeit
Tirade 156 – Gedanken entkleiden
Ins Volle schauen
der Sprache die Haut abziehn
Verhüllung entwirrn
die Gedanken entkleiden
ist wie Kartoffeln schälen
Krummholz
Beim roten Weine
kamen dem Philosophen
Gedanken kleine
faßt er in Worte große
Krummholz in Wörtersoße
Tirade 155 – Niederkunft
Gesicht berieselt
Kavalkaden von Schemen
Schwarzes Wehn im Schnee
wie krummgebogne Drähte
kringeln sich Wörter ums Wort
Letzte Worte
Er sagte
das ist mein letztes Wort
und schaute wüst und leer
sicher nicht sagte ich
und schüttelte den Kopf
du willst doch nicht sterben
schweige ruhig ein wenig
doch wenn du wieder reden wirst
wird vielleicht
keiner mehr zuhören