Lyriost – Madentiraden

09.04.2012 um 09:55 Uhr

Prahlen

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen   Stichwörter: Märtyrer, Martyrium, Opfer

 

Prahlen

Man kann es nicht oft genug sagen, und es gibt leider manchen Anlaß zu dieser Aufforderung: Prahlt nicht mit euren Wunden.

08.04.2012 um 20:02 Uhr

Feuereifer

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen   Stichwörter: Autodafé, Kampagne, Kesseltreiben, Wahn

 

Feuereifer

Vor dem Feuer glüht der Eifer. 

08.04.2012 um 17:38 Uhr

Große Ruhe

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Große Ruhe

Nur wer das Leben überwunden hat, hat auch den Tod überwunden. Der Wiederauferstandene ist todgeweiht.

05.04.2012 um 19:07 Uhr

Ohne Groll

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Ohne Groll

Ressentiments sind stets zweischneidige Gebilde, und sie haben gleichermaßen das Potential zur Verletzung des andern wie auch zur Selbstverletzung, besonders dann, wenn es sich um Ressentiments gegenüber vermeintlichen Ressentiments anderer handelt.

Der Außenstehende kann nicht umhin, darüber zu lachen. Ohne Groll. 

 

Handelsblatt

22.03.2012 um 21:10 Uhr

Relevanzbedarf

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Relevanzbedarf

Die Häufigkeit des Wortes Relevanz in der Rede eines Wortklinglers ist der Bedeutung des Redners umgekehrt proportional. Je unwichtiger der Verwender ist oder sich fühlt, um so häufiger wird er dem Relevanten und der Relevanz verbal frönen und ihnen scheinbar seine Reverenz erweisen. Tatsächlich Relevantes wird den meisten jedoch ganz ohne Charakterisierung und Hierarchisierung als solches deutlich.

02.12.2011 um 11:09 Uhr

Selbst-Enttäuschung

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Selbst-Enttäuschung

In den meisten Fällen sind wir selbst verantwortlich für unsere Enttäuschungen: weil wir zugelassen haben, daß wir vorgeführt, getäuscht wurden – entweder von anderen, aber immer auch von uns selbst. Wenn wir das bemerken, sind wir sauer auf uns, und diese Selbst-Enttäuschung ist der schmerzhafteste Teil der Enttäuschung.

23.11.2011 um 15:40 Uhr

Eigenbrötler

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Eigenbrötler

Der wahre Eigenbrötler ist so kauzig, daß er die andern als brotlose Bäcker betrachtet und als brödelnde Fremdbrötler. Ich selbst sehe mich bisweilen eher als Eigenblödler.

08.11.2011 um 14:51 Uhr

Der Gegensatz des Optimismus

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Der Gegensatz des Optimismus

Viele glauben, der Gegensatz des reinen, unverfälschten Optimismus wäre der reine, unverfälschte Pessimismus. Das ist ganz falsch, vielmehr ist Realismus der Gegensatz, denn während der Realist sich nicht vorstellen mag, braucht und kann, in naher oder fernerer Zukunft, also noch in diesem Leben, zum Optimisten zu werden, muß der Pessimist solch eine Wendung für durchaus möglich halten.

03.11.2011 um 01:04 Uhr

Der Wille zur Verzweiflung

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Der Wille zur Verzweiflung

Zu jedem Sein-Wollen gehört Optimismus, auch dem Willen zur Verzweiflung ist die optimistische Vorstellung immanent, er könne irgendwas nützen.

30.10.2011 um 09:01 Uhr

Spielend reich werden

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Spielend reich werden

Unsoziale Marktwirtschaft ist ein einfaches Spiel, bei dem alle dem Geld nachjagen, wie beim Fußball dem Ball, und das länger dauert als ein Fußballspiel, mindestens bis zur nächsten Inflation. Und am Ende gewinnen immer die Banken.

13.10.2011 um 09:08 Uhr

Arm dran

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Arm dran

Wer nicht bemerkt, wie reich er ist, der ist arm dran.

20.07.2011 um 12:19 Uhr

Seine Rede sei fließend

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Seine Rede sei fließend

Über Kunst zu reden ist nicht überflüssig, aber ein Zeichen von Mangel im Überfluß.

25.05.2011 um 09:24 Uhr

Lärm und Genialität

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Lärm und Genialität

Wir leben in lärmreichen Zeiten, denn heute hält sich jeder Hund, der bellen kann, für ein Genie. Und daß er eines ist, sollen alle wissen.

25.05.2011 um 09:02 Uhr

Kluger Stolz

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Kluger Stolz

Wer stolz darauf ist, keinen Stolz zu haben, läuft ebenso Gefahr, ihn zu verlieren, wie derjenige, der auf seinem Stolz besteht. Kluger Stolz ist ein heimlicher.

11.05.2011 um 13:06 Uhr

Tugend als Last und Laster

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Tugend als Last und Laster

Bisweilen sieht man, daß ein allzu heftiges Streben nach Tugend, wenn es zur Gewohnheit, zum inneren Zwang wird, sich für den Betroffenen nicht nur zur Last wandeln kann, sondern einem Außenstehenden auch den Eindruck vermittelt, er habe es mit etwas zu tun, das dem Charakter eines Lasters nicht unähnlich zu sein scheine.
 

06.05.2011 um 08:54 Uhr

Kampfspiel

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Kampfspiel

Der Dialog zwischen Frage und Antwort ist weniger ein Spiel, sondern vielmehr ein Kampf, ein Kampfspiel.

29.04.2011 um 08:50 Uhr

Würmerfangen

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Würmerfangen

Der frühe Vogel fängt nichts, denn es ist noch keiner da.

12.04.2011 um 09:03 Uhr

Die Geburt des Humors

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Die Geburt des Humors

Aller Humor beginnt, wenn sich der Spaß einen seriöseren Namen verdienen will, damit, daß man sich morgens im Spiegel erblickt. Wer dabei ernst bleibt, der wird nur mit Mühe zu echtem Humor gelangen und sich meistenteils mit Blödelei über andere begnügen müssen.

07.04.2011 um 22:23 Uhr

Mut und Übermut

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Mut und Übermut

Der Übermütige hält kontrollierte Courage für mangelnden Mut, der Besonnene betrachtet Übermut als Flucht vor der eigenen Feigheit.

01.03.2011 um 07:54 Uhr

Scheitern

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Scheitern

Das Scheitern ist erst dann vollkommen, wenn man auch auch mit der Einsicht scheitert, gescheitert zu sein.