Lyriost – Madentiraden

03.10.2010 um 18:06 Uhr

Schule des Schreibens

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Schule des Schreibens

"Lieben Sie gute Filme und Sie wollten schon immer mal ein interessantes Drehbuch dafür schreiben? Einmal nur die Handlung einer fiktiven Geschichte selbst beeinflussen? Das muss kein Traum mehr bleiben!

Der Markt bietet eine Menge schlechter Drehbuchvorlagen. Das liegt oft nicht am fehlenden Talent, sondern daran, dass den kreativen Köpfen die richtige Ausbildung dafür fehlt. Zeit dass sich daran etwas ändert! Vielleicht sind Sie ja ein unentdecktes Talent und wissen es nur noch nicht?

Entdecken Sie Ihre Talente als Drehbuchautor mit einem Fernstudium der „Schule des Schreiben“. In insgesamt 6 speziellen Schreibkursen, erlernen Sie ganz ohne den üblichen Zeitdruck die hohe Schule des anspruchsvollen Schreibens. Während Ihrer gesamten Studienzeit werden Sie persönlich von fachkompetenten Studienlehrern betreut.

Denken Sie an Ihre Zukunft und nutzen Sie Ihre Chance!"

Soweit die "Schule des Schreibens", die vorgibt, Menschen gegen nicht unerhebliche Gebühr das Schreiben beibringen zu können. Schauen wir uns den Text mal an.

Erster Absatz:

Ein "interessantes" Drehbuch? Gibt es ein abgegriffeneres Adjektiv als "interessant"? Sollte ein Drehbuch nicht besser spannend, professionell, phänomenal, phantastisch, toll, fesselnd oder vielleicht faszinierend sein? Jemand, der andern sprachlich etwas beibringen will, sollte nicht so flachbrüstige Wörter verwenden. Und wieso "einmal nur"? "Das muss kein Traum mehr bleiben." Schlechtes Deutsch durch und durch.

Zweiter Absatz:

"Der Markt bietet schlechte Drehbuchvorlagen"? Nein, auf dem Markt findet man sie, finden sie sich, oder dort werden sie angeboten. Daß "der Markt ... bietet", das liege nicht am fehlenden Talent, so heißt es. Gemeint ist, nicht der Mangel an Talent sei die Ursache, die schlechte Drehbücher zur Folge habe. Es fehle die richtige Ausbildung "dafür". Wofür denn nur? Nirgendwo findet sich eine sprachliche Wendung, an der man mit dem "dafür" andocken könnte. Worauf bezieht sich das "dafür"? Auf Köpfe, auf Talent oder schlechte Drehbücher? Ich weiß es nicht. Ganz schlecht.

Dritter Absatz:

Talententdeckung "als" Drehbuchautor und dann noch "mit" einem Studium. Wie soll ich das verstehen? Sollte ich Talent "zum" Drehbuchautor haben, dann werde ich das möglicherweise "durch" ein Studium herausfinden. Aber eher nicht durch eines bei der "Schule des Schreiben". Die "hohe Schule des anspruchsvollen Schreibens" kann man hier nicht "erlernen", aber auch woanders kann kein Schüler "eine Schule erlernen". Wohl aber das Setzen falscher Kommas wie hinter dem Wort "Schreibkursen". Und das Ignorieren von Genitivkennzeichnungen: „Schule des Schreiben“.

Mal ehrlich: Wer möchte so unprofessionell belehrt werden?

An anderer Stelle heißt es: "Schreiben ist ein Handwerk, das jeder erlenern kann." Erlenern. Ich finde, jeder, der andern das Schreiben beibringen möchte, sollte es zuvor selbst gelernt haben. Oder "gelenert".



schule-des-schreibens.de


drehbuchautor


27.08.2010 um 07:26 Uhr

Nährboden

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Nährboden

Monotheistische Religionen seien ein guter Nährboden für Haß und Fanatismus, so sagt man. Bei Licht betrachtet aber ist es wohl eher so, daß Haß und Fanatismus, stets auf der Suche nach Möglichkeiten, sich auszuleben, in solcherart Religionen ein ideales Betätigungsfeld finden. Der tatsächliche Nährboden für fanatisch geprägte destruktive Handlungen ist die menschliche Psyche, die zwischen Selbstzweifel und Größenwahn schwankt.  

23.08.2010 um 09:24 Uhr

Schmerzverschiebung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Schmerzverschiebung

Eine merkwürdige Strategie der Vermeidung von Verlustgefühlen ist die aktive Inszenierung einer Verlustsituation. Wenn man ihn selber herbeiführt, ist der Verlust kein tatsächlicher und deshalb nicht oder weniger schmerzhaft, so glaubt man. Das ist natürlich ein Irrtum. Der Schmerz kommt nur sehr viel später.

22.08.2010 um 21:57 Uhr

Unbekümmerte Sensibilität?

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Unbekümmerte Sensibilität?

Jemand wünschte sich, sein Gegenüber möge gleichermaßen sensibel und unbekümmert in die Welt schauen. Gibt es so jemanden? frage ich mich.

Ein sensibler Mensch ist gemeinhin einer mit einem hochempfindlichen Sensorium, feinfühlig und demgemäß leicht erregbar, ein Mensch mit langen Antennen, wo andere nur grobe, halb sedierte Fühlwarzen haben. Solch ein Mensch wird besonders feinnervig sein und schon deshalb häufig verletzt oder mindestens verstimmt. Diese Wahrnehmungserfahrung, so darf man annehmen, wird im Laufe der Jahre aus ihm einen eher vorsichtigen Zeitgenossen gemacht haben, der ganz gewiß nicht mehr unbekümmert und so ohne weiteres auf Menschen und Dinge zugehen kann, haben diese ihm doch in der Vergangenheit gerade wegen seiner ausgeprägten Sensibilität so manche leidvolle Erfahrung verschafft.

Extravaganz mit Sensibilität gleichsetzend und Schlichtheit mit unbekümmertem Wesen, so könnte man einwenden, dieses beide sei jedoch durchaus kompatibel.

Mit Schlichtheit und Extravaganz aber ist es ganz anders, weil bei diesem Begriffspaar, das nicht für eine gefühlsbedingte Verhaltensweise steht, eine Haltung charakterisiert wird, die in hohem Maße von der Umgebung abhängig ist und sich häufig als deren Kontrapunkt versteht, so daß in einer extravaganten Gesellschaft Schlichtheit zur Extravaganz wird, während die Extravaganz in ihrer Einfallslosigkeit und mangelnden distinktiven Qualität schon wieder – zumindest ironisch – als eine Art Schlichtheit bezeichnet werden kann.

18.08.2010 um 08:54 Uhr

Zurechtgedreht

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Zurechtgedreht

Ein entfernter Bekannter war internetsüchtig, wie er mir vor kurzem bekannte, als ich ihn in einer Verfassung antraf, die dazu angetan war, ihm die ansonsten ein wenig blockierte Zunge zu lösen: Ein klein wenig durch Alkoholeinfluß beeinträchtigt, stolperte er durch die Landschaft und suchte erfolglos nach seiner Wohnung. Während ich ihn nach Hause geleitete, berichtete er, er sei sogar sexsüchtig gewesen, schlimm sei solch ein Zustand. Aufmerksame Freunde jedoch, die, mit denen er vorhin bowlen gewesen sei, hätten ihn gerettet und ihm professionelle Hilfe verschafft bei solch einem Psychofuzzi, und der hätte ihm das Hirn gekonnt zurechtgedreht: Nun sei er glücklich wie früher, schaue mit Genuß beinahe jede Serie im Fernsehen und sei auch wieder dreimal wöchentlich beim Bowlen.
Das Leben sei schön.

Die Zeit

13.08.2010 um 11:53 Uhr

Glauben und wissen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Glauben und wissen

Mit dem Bewußtsein ist es ganz ähnlich wie mit dem Glauben an eine göttliche Gestalt oder ein kosmisches Prinzip: Man weiß wenig bis nichts darüber, wie es funktioniert oder funktionieren könnte, und hat nicht die geringste Ahnung, was es tatsächlich IST, was sein Wesen ausmacht.

Das hindert einen Großteil der Menschen jedoch nicht daran, mit scharfem Messer das richtige vom falschen Bewußtsein oder den wahren Glauben vom Irrglauben zu trennen. Falsch und Richtig wissen sie beinahe so gut zu unterscheiden wie ein Veganer ein Ei vom andern.

13.08.2010 um 11:25 Uhr

Falsches Bewußtsein

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Falsches Bewußtsein

Eine zentraler Terminus marxistischer Ideologiekritik ist das "falsche Bewußtsein", das notwendigerweise die Basis jeder den Überbau einer Gesellschaft bildenden Ideologie (außer der marxistischen natürlich) sei.

Kurz gesagt, liegt dem Reden vom "falschen Bewußtsein" zweierlei zugrunde: zum einen die Annahme, es gäbe so etwas wie objektive Realität, die nur haargenau widergespiegelt werden müsse, um ein wahrheitsgemäßes Bild zu bekommen (der Mensch als Reflexionsautomat). Außerdem der Anspruch, im Besitz der (einzig) passenden politischen Überzeugung zu sein, die wie ein Rosenstrauch aus dem richtigen Bewußtsein herauswächst.

Der Mensch mit dem falschen Bewußtsein ist also entweder ein Lügner, wie vor allem all jene, die vom kapitalistischen System profitieren, oder von Linsentrübung betroffen, wie alle anderen, die entweder nicht von diesem System profitieren oder sich einbilden, sie hätten einen Vorteil davon. Diese Einbildung entsteht dann, wenn der einzelne sich über seine tatsächlichen Interessen täuscht, also zum Beispiel lieber Volvo fährt als Trabi.

Da er das richtige Bewußtsein besitzt, weiß der marxistische Theoretiker jedoch über die Bedürfnisse der Mehrheit besser Bescheid als diese selbst. Auch deshalb war die DDR wie andere vergleichbare gesellschaftspolitische Experimente so überaus erfolgreich.

11.08.2010 um 20:46 Uhr

Leihmacht

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Leihmacht

Mit vereinten Hirnenkräften arbeiten die Neurowissenschaften an der Inthronisierung des Denklappens und wollen uns weismachen, das Gehirn sei von Natur aus zum Zepterträger erkoren. Aber von wem? Wer hat dem Hirn das Machtinsignium in die Hand gedrückt? (Und geflüstert: Hier, Kopp, halt mal kurz. Aber mach keinen Blödsinn damit.)

11.08.2010 um 20:12 Uhr

Philosophieren

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Philosophieren

Recht verstanden, ist Philosophie nicht etwa eine Lehre von den Erscheinungen, den sichtbaren Dingen, auch nicht irgendeine Art, naturwissenschaftliche Erkenntnisse in systematische Prokrustesbetten zu stopfen. Vielmehr ist Philosophie – oder besser das Philosophieren – eine Methode zur Gedankenerhellung, so etwas wie ein Klärwerk für die Massen naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Faulschlamms, die unsere Gehirne Tag für Tag erzeugen und absondern. Nicht zu vergessen natürlich die alltägliche psychologische Wahnproduktion. Es muß eine Instanz geben, die all die eigenen und fremden Gedanken in uns auf ihre Stichhaltigkeit prüft.

05.08.2010 um 15:02 Uhr

Ordnung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Ordnung

Es gibt viele Menschen, die den größten Teil des Tages damit beschäftigt sind, dafür zu sorgen, daß "alles seine Ordnung" hat, es jedoch völlig abwegig finden, auch nur einen winzigen Teil dieses Tages über Sinn und Charakter dieser Ordnung nachzudenken. Auch ich bin nicht ganz frei von dieser schlechten Angewohnheit, wenngleich bei meinen Bestrebungen die Ordnung der sprachlichen Zeichen im Vordergrund steht.

04.08.2010 um 23:53 Uhr

Multisystematrophie

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Multisystematrophie

Ja, das ist der Name einer äußerst unangenehmen, um nicht zu sagen üblen Erkrankung, die manchmal unter anderem auch die Merkfähigkeit beeinträchtigt, was als ein eher harmloser Nebenaspekt betrachtet werden muß.

Wie aber merke ich mir nun diesen Begriff, wenn ich ihn, aus welchen Gründen auch immer, nicht wieder vergessen möchte? Im Kopf ist das mit zunehmendem Alter auch für Nichtbetroffene schwierig, Zettel und Datenbanken sind unsicher (wie wiederfinden?). Also was tun?

Die Lösung ist ungeheuer simpel und paßt zu mir: Ich korrigiere einfach den zugehörigen Wikipedia-Artikel – irgendein Fehler findet sich in jedem Beitrag –, und schon kann ich über mein Beitragsprotokoll jederzeit eine Liste der Wörter und Namen abrufen, für die ich mich in der Vergangenheit interessiert habe.

04.08.2010 um 23:14 Uhr

Rauchverzicht

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Rauchverzicht

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte wissen, was die schwierigste Hürde ist, die er überwinden muß: Es ist der Glaube, der Glaube an das Gerede der guten Ratgeber, die behaupten, es sei schwierig, mit dem Rauchen aufzuhören, und erfordere enorme Willenskraft. So schlecht beraten, wird unser armer Raucher, der so gern Nichtraucher wäre, jedoch um seinen breiigen Willen weiß, verzagt schauen und geneigt sein, die Flinte, die er sicher bald ins Korn wird werfen müssen, gar nicht erst in die Hand zu nehmen. Dabei ist nichts leichter, als mit dem Rauchen aufzuhören. Es reicht vollkommen, zu glauben, daß Rauchen doof ist, und sich Tag für Tag mehr darüber zu freuen, daß man es nicht mehr muß.   

27.07.2010 um 09:50 Uhr

Divina providentia

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: EvaHerman, Vorsehung

Divina providentia

Beinahe jeder einfach gestrickte Anwärter auf den Schwachsinnigenorden, der in größeren Dimensionen zu denken versucht, als man angesichts seiner Hirnleistungsfähigkeit erwarten könnte, schwafelt bisweilen von "ganz anderen Mächten" (der Vorsehung, den höheren Mächten), die er in die Geschicke der Menschen eingreifen sieht. Das kennt man aus Hitlers "Mein Kampf", einem Prototyp wahnhaften theologischen Vorsehungsgeschwätzes.

Daß nun gerade, angesichts der Tragödie von Duisburg, jemand diese "Mächte" ins Gespräch bringt, läßt tief blicken, tief ins schlichte Gemüt mit seinem schlichten Denken. Als wäre Gott eine Figur, die menschliche Vorurteile und Abneigungen hegte. Ich glaube eher, daß Gott auch an Sex and Drugs and Rock 'n' Roll seinen Spaß hat. Aber ich kann mich vielleicht täuschen.

Eva Herman dagegen täuscht sich nicht nur vielleicht. Aber Eva Herman ist auch eine sehr einfache Frau.

 

 

DIE ZEIT

05.07.2010 um 22:42 Uhr

Staubecken

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Staubecken

Überall sammelt sich der Staub in Staubecken. Aber nicht in einem Staubecken. Da sammelt sich nur Schlamm.

30.06.2010 um 00:08 Uhr

Selbstinszeniertes Unglück

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Selbstinszeniertes Unglück

Wer nicht mitbekommt, wie wenig ein Mensch braucht, um glücklich zu sein, der ist auf dem besten Weg ins Unglück, wenn er nicht bereits mittendrin steckt. Schwere persönliche Schicksalsschläge werden in derartigen Fällen selbst für extremstes Mißbehagen nicht benötigt, nicht mal leichte. Es reicht eine kleine, nicht als solche empfundene Wahrnehmungsstörung oder eine Gefühlsschwankung vor einem soliden Hintergrund unrealistischer Erwartungen. Wenn dann noch die ebenso tiefe wie falsche Überzeugung hinzukommt, jemand schulde uns was, komme seinen Verpflichtungen jedoch nicht nach, ist das Unglück perfekt. 

17.05.2010 um 00:26 Uhr

Schüler und Lehrer

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Schüler und Lehrer

Wenn ein Schüler die Art der Lehrer so sehr stört, daß er diese als lehrerhaft bezeichnet, dann muß man davon ausgehen, daß der Schüler noch sehr schülerhaft ist. Ein fortgeschrittener Schüler wird dem Lehrer dort, wo es ihm nötig erscheint, auf sachliche Art entgegentreten. Tut er das nicht, haftet der Schülerstatus auch dann noch an ihm, wenn er die Schule längst verlassen hat, und er wird es schwer haben, von Erfahreneren Rat anzunehmen.

13.05.2010 um 14:54 Uhr

Problemlösung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Problemlösung

Wir haben im allgemeinen weniger Probleme, Probleme zu finden, als sie zu lösen. Nicht selten besteht die Lösung eines Problems jedoch darin, zu erkennen, daß das Problem entweder keines ist oder Folge einer falschen Anschauung.

Bevor wir einen Sachverhalt zum Problem erklären, sollten wir unsere Sicht auf diesen überprüfen. Wenn unser Problem zum Beispiel darin zu bestehen scheint, zuwenig Geld zu haben, kann es durchaus sein, daß wir tatsächlich nicht zuwenig Geld haben, sondern nur falsche Vorstellungen darüber, wieviel Geld wir brauchen, um zufrieden zu sein.

Mir scheint, wir haben hauptsächlich deshalb zuwenig Geld, weil wir zuviel über Geld nachdenken.

12.05.2010 um 07:59 Uhr

Auferstehung und Wiedergeburt

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Auferstehung und Wiedergeburt

Buddhisten können wiedergeboren werden, wenn sie Pech haben, Christen nur dann, wenn sie Glück haben. Das nennt man allerdings nicht Wiedergeburt, sondern Auferstehung. Wer jedoch schon mal ein bißchen tot war, empfindet Auferstehung bestimmt als Wiedergeburt.

06.05.2010 um 08:20 Uhr

Finanzkapitalismus

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Finanzkapitalismus

Beim Neoliberalismus geht es darum, die Wirtschaft so weit wie möglich durch Finanzwirtschaft zu ersetzen. An Realwirtschaft benötigt wird langfristig eigentlich nur noch die Bauwirtschaft, um immer größere Geldverbrennungsanlagen (offiziell Anlagen zur Fernwärmeerzeugung, damit wir alle es schön warm haben in unsern Hütten) zu errichten, und Fahrzeugbauer, bei denen die Transportfahrzeuge hergestellt werden, mit denen das viele Geld am Tage öffentlichkeitswirksam in die Verbrennungsanlagen geschafft, dort im stillen gegen Spielgeld ausgetauscht wird, das man mit großem Hallo in die Öfen schippt, während fleißige stille Helfer nachts, wenn alle schlafen, das richtige Geld mit unbekanntem Ziel wieder hinausschaffen.

Der Staat, den Neoliberale angeblich so sehr schmähen, hat bei ihnen in Wirklichkeit ein so hohes Ansehen, daß sie ihn inzwischen mehr und mehr für sich reklamieren, denn sie haben erkannt, daß ohne den Staat, der ihnen bereitwillig hilft, wo er kann, der regelmäßige Fluß des Geldes in die Verbrennungsöfen genannten Geldtransformatoren nicht immer gewährleistet ist, und so haben die Neoliberalen dem Staat den Auftrag gegeben, für Nachschub zu sorgen. Der Staat fühlt sich durch diesen Auftrag so sehr geschmeichelt, daß er die Geldbeschaffungsmaßnahmen für den Finanzkapitalismus zur alternativlosen Priorität erklärt hat.

Die Schornsteine müssen rauchen. Damit wir alle es warm haben. Ist doch einleuchtend, nicht?

03.05.2010 um 17:09 Uhr

Vom Intellektuellen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Vom Intellektuellen

Der Intellektuelle ist das Feindbild, das manche einfach denkenden Menschen brauchen, um für sich eine plausible Erklärung dafür zu finden, daß sie selbst trotz besonderer Denkbegabung weniger differenziert denken: Da der normal und gesund denkende Mensch auf keinen Fall intellektuell wirken will, weil er Intellektuelle ja nun mal nicht mag, fährt er seine ausgeprägten geistigen Fähigkeiten mit viel Mühe mutwillig herunter, denn er möchte bei seinesgleichen und bei der morgendlichen Spiegelprobe nicht als Intellektueller dastehen und am Ende womöglich sich selbst in den Suizid treiben müssen.

Aber es gibt den Intellektuellen nicht nur als Feindbild, sondern tatsächlich auch in Form von Menschen, die sich selbst als Intellektuelle bezeichnen. Das sind die, bei denen es zum Philosophen nicht so recht hat reichen wollen. Darunter leiden diese Intellektuellen unbewußt oft ebensosehr wie die Obengenannten darunter, daß sie keine Intellektuellen mögen dürfen, weil sie, wenn auch nur unter Intellektuellen, im stillen selbst gerne als solche gelten möchten.