Lyriost – Madentiraden

21.06.2015 um 12:36 Uhr

Spachwissen

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Spachwissen

Der DUDEN kennt sich mit der Spache aus. 

  

28.12.2014 um 20:42 Uhr

Verschwinden

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Verschwinden

Hier verschwinden Beiträge mitsamt Kommentaren. Bedenklich. 

29.04.2014 um 14:41 Uhr

Bitki

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Bitki

Die Sanktionen der EU gegen Rußland sollen ausgeweitet werden, um auf die russische Politik einzuwirken und sie dazu zu veranlassen, statt der eigenen Interessen die der US-Amerikaner zu vertreten. Mir fallen auf Anhieb mindestens fünfzig Länder ein, die wesentlich stärker sanktionsberechtigt wären, von Saudi-Arabien bis zu Pakistan. Und was ist mit den USA und ihren unverschämten Geheimdiensten? Kein Grund für Sanktionen?

Ich verweigere mich jedenfalls ausdrücklich den Sanktionen gegen Rußland, bete auch nicht für die ukrainischen Oligarchen und die dortigen rechtsradikalen Spinner und esse heute und morgen zu Mittag Bitki, ein leckeres russisches Gericht mit saurer Sahne. 

Bitki

17.10.2012 um 09:08 Uhr

Dumm nur

von: Lyriost   Kategorie: Statements   Stichwörter: Fußball, Nationalmannschaft

Dumm nur

Manchmal läuft etwas nicht so, wie es sollte, weil jemand am Ruder steht, der nicht bei der Sache ist. Dann kommt einer und sagt, die Dinge seien "aus dem Ufer gelaufen". Warum nicht gleich aus dem Schiff – oder dem Hemd?

Dumm nur, daß diejenigen, die sonst für solche Schwächen verantwortlich gemacht werden, diesmal gar nicht dabei waren. Was nun? Wird man einen Unschuldigen finden, dem man die Schuld aufbürden kann – oder gar einen Unbeteiligten –, oder wird es eine Kollektivstrafe ohne Ansehen der tatsächlichen Leistung geben? Eines von den dreien sicherlich.

18.01.2011 um 11:31 Uhr

Alternativlos

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Alternativlos

Bei der diesjährigen Wahl zum "Unwort" des Jahres war man alternativlos.

04.12.2010 um 11:35 Uhr

Jugendschutz

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Jugendschutz

Wie man hört, wird in Deutschland für Internetseiten der Jugendschutz neu geregelt. Deshalb weise ich – fürsorglich, wie ich bin – bereits jetzt darauf hin, daß mein Blog für Jugendliche aller Altersklassen nicht geeignet ist. Ausgenommen sind lediglich erfahrene Komasäufer, deren Zahl bekanntlich so dramatisch steigt, daß sich in absehbarer Zeit kaum noch Jugendliche im Internet aufhalten werden, weil sie anderweitig beschäftigt sind: mit Berauschung oder Entrauschung.

Spiegel
FAZ

30.08.2010 um 12:57 Uhr

Meinung sagen

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Meinung sagen

Mag sein, daß sich auch viel Unsinn in Sarrazins Thesen eingenistet hat, aber was von Sarrazins Kritikern zu hören ist, ist in vieler Hinsicht großer Humbug, wie etwa der absurde Rassismusverdacht, und das gilt ebenso für die Forderungen nach Berufsverbot.

In unserer Demokratie soll, wie mir scheint, jeder seine Meinung sagen dürfen, natürlich besonders dann, wenn er nicht weiß, worüber genau: außer Thilo Sarrazin. Das geht natürlich nicht. Doch die Thesen seines Buches müssen detailliert diskutiert werden. Nicht nur: Was ist falsch daran?, sondern auch: Was ist richtig?

15.03.2010 um 12:04 Uhr

Einfalt

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Einfalt und Vielfalt

Die Vielfalt kracht in Einfalt ein
und bricht der Einfalt fast ein Bein
die Einfalt schreit: Ich reiße dich
und beißt am Ende doch nur sich
ins leicht lädierte Bein hinein

Die Zeit

29.05.2008 um 09:54 Uhr

Gysi und kein Ende

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Gysi und kein Ende

War es nicht schon immer so
daß die Stotterer dem Redner
sein Talent neideten
kommt er ins Straucheln
durch das gestellte Bein
tönt der Weckruf
und die Hinterbänke
beginnen zu knarren
auch in die dicksten Hintern
kommt Bewegung
und die müdesten Schenkel
röten sich vom Schlag
der schmutzigen Hände
mit den Schmauchspuren
gewaschen in Unschuld zwar
doch so sauber und rein
wie die gewendeten Herzen:

Ich bin klein
mein Herz ist rein
der andre aber
ist ein Schwein

ZEIT

26.02.2008 um 07:34 Uhr

FAZ Reading Room

von: Lyriost   Kategorie: Statements

FAZ Reading Room

Solange es auf derartigen Spielwiesen nicht möglich ist, ohne den Zensorstift auszukommen, halte ich nicht viel davon. Eine wirkliche Debatte kann sich nicht entwickeln, wenn ich einen Beitrag schreibe und dann lange, lange darauf warten muß, daß irgendein Volontär sich erbarmt (oder auch nicht), ihn freizugeben. Es ist so wie Fernschach per Post.

Ich empfinde den Littell-Raum als ein statisches, lebloses Gebilde. Nehmen Sie sich ein Beispiel an ZEIT online. Dort gibt es tatsächlich lebendigen Meinungsaustausch. Und daß dort Regelverletzern durch NACHTRÄGLICHE redaktionelle Eingriffe entgegengetreten wird, empfinde ich nicht als Zensur. Bei der FAZ ist das leider anders, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß so mancher mißliebige Kommentar der Schere zum Opfer fällt. Auch die Begrenzung auf 1000 Zeichen finde ich problematisch. Oder ist man der Meinung, den sogenannten Experten könne man bei der graphischen Repräsentation ihrer gedanklichen Welt eine Raffung nicht zumuten, dem gemeinen Fußvolk jedoch ohne weiteres?

Grundsätzlich bin ich sehr dafür, wichtige oder wichtig erscheinende Publikationen an solch einem Ort wie dem Reading Room umfassend zu diskutieren, auf ein Scheinforum, das nur dazu dient, das Leseverhalten zu steuern, kann ich allerdings gut verzichten. Expertengestützte Lesartenvorgabe mit ausgewählten Kommentaren ist eine Verhöhnung der Leser.

Daß dieser Kommentar auch nach Tagen ebensowenig akzeptiert und freigeschaltet wurde wie meine wiederholte Frage, wer der Hilter sei, den man mit Stalin vergleicht, paßt bestens ins Bild. Seit über einer Woche sieht man im Reeding Room eine große, breite Überschrift, in der von einem Herrn Hilter (statt Hitler) die Rede ist. Nun frage ich mich: Was kann ich von einer Redaktion erwarten, die noch nicht einmal in der Lage ist, den Namen des Repräsentanten eines Systems richtig zu schreiben, über das sie sich wortreich äußert? Der Name des Redakteurs, Lorenz Jäger, immerhin, scheint richtig geschrieben zu sein.

25.01.2008 um 11:01 Uhr

Klettische Rechtschreibung

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Rechtschreibung

 


Klettische Rechtschreibung

Letztens fand ich in meiner Post einen Brief von Klett College. "Damit Ihr Kind mehr Erfolg in der Schule hat! – Perfekte Hilfe für bessere Noten". Nun hat meine Tochter auch ohne Klett Erfolg in der Schule, aber das können die bei Klett ja nicht wissen, denn so weit ist die Überwachungs-Verkabelung der Individuen glücklicherweise noch nicht gediehen.

Was die Klettianer jedoch wissen müßten: Wer "perfekte" Hilfe anbietet, sollte ein Mindestmaß an Professionalität walten lassen. Zwar wurde das Wort "perfekt" richtig geschrieben und nicht mit "ck", aber so einiges andere leider nicht.

Wie es scheint, ist bei Klett nicht bekannt, daß das "neue und besondere", unangetastet von jeder Rechtschreibreform, von jeher das "Neue und Besondere" ist. Glasklare Nomen werden selbstverständlich am Anfang mit einem Großbuchstaben versehen.

Auch gibt es in anständigen Texten nach wie vor keine Abkürzungen am Satzanfang, Gedankenstriche sind Gedankenstriche und keine Divise, vor Prozentzeichen findet sich immer ein Zwischenraum, und nicht nur manchmal, ok schreibt man in Deutschland o.k., vor sowie steht, außer bei Appositionen, kein Komma, eine "CD-Rom" gibt es nur als CD-ROM, außer vielleicht in Italien ...

"Für eine erfolgreiche Deutsch-Note ..." Erfolgreiche Note? Nein. Noten können nicht erfolgreich sein, sondern nur diejenigen, die eine gute Note bekommen. Jedenfalls manchmal.

Keine gute Note für Klett.

 

 

Anmerkung: Ich selbst schreibe natürlich, wie immer, nach den Regeln der traditionellen Orthographie.

09.11.2006 um 07:48 Uhr

Meinungsfreiheit

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit heißt nicht, daß man vor jede fremde Tür seinen Haufen setzen darf und darauf bestehen kann, daß niemand mit Schaufel und Besen zur olfaktorischen "Zensur" schreitet.

Aber im eigenen Wohnzimmer darf nach Herzenslust gefurzt werden. Und mehr. Das ist Meinungsfreiheit.

08.09.2006 um 08:39 Uhr

Spiritus sanctus profanus

von: Lyriost   Kategorie: Statements   Stichwörter: spirituell, gewöhnlich, profan, Esoterik

 

Spiritus sanctus profanus


Einer, den ich von Zeit zu Zeit auf Widersprüche, falsche Verallgemeinerungen und ärmlich plausible oder auch ganz und gar unsinnige Behauptungen in seinen Texten hinweise, schrieb mir Folgendes:


»Du kannst den anderen nicht verstehen, wenn du innerlich schon Worte hast, denn dann verbindet sich alles mit deinen Worten, mit deinem Denkprozeß, und dann ist es gefärbt. Intellektuelles Verstehen bedeutet: Wenn du liest, argumentierst du gleichzeitig schon dagegen. Ein ständiges Argumentieren geht vor sich. Ich schreibe etwas, du liest es, und ständig ist in dir schon ein Gegenargument präsent: Ob dies richtig oder falsch ist. Du vergleichst es mit deinen eigenen Konzepten, deiner eigenen Ideologie, deinem eigenen System. Wenn du also hier liest, vergleichst du ständig, ob ich deine Ideen bestätige oder nicht, ob ich dir entsprechend bin oder nicht; ob du mir etwas zugestehen kannst oder nicht, ob ich dich überzeuge oder nicht. Wie ist auf diese Weise ein Verstehen möglich? Du bist zu voll von dir selbst. Was auch immer du also verstanden hast, wird nicht das sein, was ich gemeint habe. Das kann es nicht sein – denn wenn das Denken voll ist mit seinen eigenen Ideen, gibt es ständig allem eine Färbung, was zu ihm kommt. Es versteht nicht, was gemeint ist, sondern, was es verstehen möchte. Es wählt aus, es läßt aus, es interpretiert, und erst dann dringt etwas nach innen – aber das hat dann schon eine völlig andere Form. Dies also ist intellektuelles Verstehen.

Im spirituellen Leben sind die Gesetze diametral entgegengesetzt zu dem, was sie in der gewöhnlichen profanen Welt sind.«




Mein Kommentar dazu:

Wenn du willst, daß ich dich verstehe, mußt du sagen, was du meinst. Wenn du aber sagst, was du meinst, dann ist das, wie alles, was einer sagt, falsifizierbar, weil es mehr oder weniger plausibel ist. Und Plausibilität ist der Maßstab für alles, was einer sagt.

Wenn du dich auf die intellektuelle Abbildung deiner Denk- und Fühlprozesse einläßt – und das tust du, indem du etwas schreibst – und die Öffentlichkeit darüber informierst – und das tust du, indem du etwas publizierst –, dann mußt du damit rechnen, daß das, was du schreibst, überprüft wird. Dummerweise trifft deine eigene Ideologie nun auf andere Ideologien und muß sich mit ihnen messen, ob dir das nun paßt oder nicht, denn das, was du schreibst, ist keine heilige Schrift, sondern nur ganz »profane« Repräsentation von subjektiven Gedanken und Gefühlen und natürlich auch der Ausfluß der Ideologie, die du dir selbst zur Grundlage deiner Lebensweise gemacht hast.

An deinen Texten bemerke ich vor allem das, was du mir unterstellst – und sicher zu Recht: idiographische Färbung. Der Unterschied zwischen uns beiden aber ist der, daß ich ganz bewußt perspektivisch denke und meine Farben ständig wechsle und mische, während du dich allenfalls für die Mischung der Grautöne zu begeistern scheinst.

»Du bist zu voll von dir selbst. Was auch immer du also verstanden hast, wird nicht das sein, was ich gemeint habe.«


Aber sicher. Nur erwarte ich von dir, daß du aufhörst mit den Simplifizierungen und Generalisierungen, wenn es um die andern geht, und etwas mehr Genauigkeit und Präzision bei der Formulierung deines Anliegens walten läßt. Denn nur dann sind andere bereit, auf das einzugehen, was du sagst. Aber du scheinst mir so voll zu sein mit dichotomischen Bildern, daß du die andern nur als Kulisse deiner eigenen, ideologisch generierten Traumwelt wahrnehmen kannst.

Was du hier schreibst, ist ein ständiges Argumentieren von deinem ganz persönlichen, individuellen Standpunkt aus, und es macht ganz und gar keinen Sinn, anderen genau das vorzuwerfen, was du selber tust.

»Im spirituellen Leben sind die Gesetze diametral entgegengesetzt zu dem, was sie in der gewöhnlichen profanen Welt sind.«


Diesen Satz möchte ich mir zum Abschluß einmal kurz anschauen, damit du meine Denkweise etwas genauer kennenlernen kannst:

Was ist »spirituelles Leben«? Für mich ist das nur ein Spruch von Leuten, die ihr eigenes Leben auf einen Aspekt zu reduzieren versuchen. Aber es gibt nur mehr oder weniger Spiritualität im Leben, nicht »spirituelles Leben«. Ein spirituelles Leben ist kein »Leben«.

Im Grunde ist spirituelles Leben eine Contradictio in adjecto, aber so, wie du es gebrauchst, ein Epitheton ornans. Andere hängen sich andere Ketten um den Hals.

Welche »Gesetze«? Und wer hat sie erlassen? Und wie allgemeingültig sind sie?

»Diametral«? Das ist ein Lieblingsbegriff von Spätpubertierenden, die nicht begreifen wollen, daß sie in derselben Welt leben wie alle anderen. Weil diese Welt ihnen zu gewöhnlich ist. Und damit sind wir beim Schluß des Satzes:

»in der gewöhnlichen profanen Welt
«. Altes Priestergewäsch. Und dann auch noch pleonastisch. Ich gestehe dir ja gerne zu, daß diese Welt dich anekelt, mir geht es häufig auch nicht anders. Aber wir haben nur diese eine Welt. Und die »heiligen Bezirke«, auf die das Wort »profan« dichotomisierend rekurriert, sind selbstreferentiell und nichts anderes als der matte Abglanz uralter Priesterphantasien.

Es gibt in dem Film »Gandhi
« eine sehr schöne Szene, in der Gandhi seiner spirituell statusdünkelnden Frau deutlich zu machen versucht, daß es keine Schande ist, das eigene Klo selbst sauberzumachen. Für mich ist das eine Schlüsselszene.

Wenn du das hier liest, was ich schreibe, solltest du dir aber klarmachen, was grundsätzlich für alle gilt, die Profanen wie die Überprofanen: »Du vergleichst es mit deinen eigenen Konzepten, deiner eigenen Ideologie, deinem eigenen System. Wenn du also hier liest, vergleichst du ständig, ob ich deine Ideen bestätige oder nicht, ob ich dir entsprechend bin oder nicht; ob du mir etwas zugestehen kannst oder nicht, ob ich dich überzeuge oder nicht. Wie ist auf diese Weise ein Verstehen möglich? Du bist zu voll von dir selbst.«

Und du solltest nicht vergessen, daß aus deinem Hintern genauso unappetitliche, gewöhnliche, profane Krümel in die Welt entlassen werden wie aus jedem andern.

05.09.2006 um 09:44 Uhr

Von Tassen und Schränken

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Von Tassen und Schränken

In manchen Schränken befinden sich nur wenige Tassen. Das ist eher traurig. Doch am ulkigsten sind die leeren Schränke, durch die der Wind pfeift und an denen draußen dransteht: Achtung, Porzellan! Aber auch das ist eher traurig als komisch.

27.08.2006 um 09:05 Uhr

Sucht

von: Lyriost   Kategorie: Statements   Stichwörter: Abhängigkeit, Sudoku, Pubertät

 

Sucht

Es ist immer wieder erstaunlich, daß verändertes Freizeitverhalten besonders in der Pubertät, wenn es unerwünscht ist, von Leuten, die ihre eigenen Interessen mit denen der Jugendlichen verwechseln, schnell zur "Sucht" hochstilisiert wird.

Wenn ein Jugendlicher siebenmal die Woche exzessiv Schwimmtraining betreibt oder etwas Ähnliches, weil Eltern und Gesellschaft ihm eingeredet haben, er könne irgendwann mal Weltmeister werden und das sei etwas Tolles, dann gilt das als normales Verhalten, aber wenn er etwas anderes tut, das ihn interessiert, dann wird gern unheilschwanger von "Sucht" geredet.

Für einen Menschen mit einer besonderen Neigung zu irgendeiner Beschäftigung kann alles zur "Sucht" werden, und so kann es dazu kommen, daß jemand nächtelang Doom spielt, obwohl (oder weil?) der Rest der Familie im Sudoku-Fieber deliriert.

27.08.2006 um 08:45 Uhr

Vom Leben in der "realen Welt"

von: Lyriost   Kategorie: Statements   Stichwörter: Wirklichkeit, Meinung

 

Vom Leben in der "realen Welt"

Die Klage, jemand habe den Bezug zur Wirklichkeit verloren, ist meist nichts anderes als der Vorwurf, dieser teile weder unsere Meinung noch unsere Interessen und erfülle deshalb nicht unsere Erwartungen. Eine solche Klage ist Ausdruck von naiver Realitätsferne, denn warum sollte jemand unsere Realität dauerhaft als die seine mißverstehen?

25.08.2006 um 12:58 Uhr

Dropping knowledge

von: Lyriost   Kategorie: Statements   Stichwörter: Wissen, Mensch, meinen, fragen

 

Dropping knowledge

In Kürze werden Meinungen zu Fragen wie der, ob der Mensch einen freien Willen hat, zu Fragen also, über die die Philosophen bereits seit der Antike kontrovers diskutieren – und neuerdings auch die Neurowissenschaftler –, bei einer Veranstaltung mit Eventcharakter von "weltweit anerkannten Persönlichkeiten" an einem runden Tisch geäußert und medial aufbereitet.

Das ist eine lobenswerte Initiative und wird sicher den ein oder anderen zum Nachdenken darüber anregen, ob es sinnvoll ist, seine Lebenszeit überwiegend mit Zeittotschlagen zu verbringen. Wir werden viele Meinungen kennenlernen, aber neue, originelle Antworten auf all die drängenden Fragen sind eher nicht zu erwarten.

Doch: Wer nicht fragt, bleibt dumm. Wer fragt, aber leider meistens ebenso, denn Fragen zu wesentlichen Unklarheiten produzieren von jeher mehr neue Fragen als neue Antworten.

Wir hätten den Apfel besser am Baum hängenlassen.

Hintergrund

Dropping knowledge

14.08.2006 um 08:12 Uhr

Der Fall Grass

von: Lyriost   Kategorie: Statements   Stichwörter: Grass, SS, Bart, Instanz

Der Fall Grass

Obgleich ich ihn als Schriftsteller schätze, habe ich Günter Grass als Persönlichkeit nie sonderlich gemocht. Eher möchte ich von einer persönlichen Abneigung sprechen, nicht zuletzt auch wegen der walrössischen Oberlippenbehaarung.

Und als moralische Instanz? Das müssen andere beurteilen, die an moralische Instanzen glauben, als wüßten sie nichts von der tief eingeschriebenen Amoralität und Zerrissenheit eines jeden Menschen. Als könnte nicht jeder im besten Falle sich selbst die einzige moralische Instanz sein.

Insofern halte ich das Getue vieler Intellektueller, allen voran Rolf Hochhuth, das zur moralischen Diskreditierung von Grass führen soll, für eine Aktion von Neidern und Mißgünstigen, die alte Rechnungen zu begleichen haben und nur wieder eine Gelegenheit sehen, um auf sich selbst aufmerksam zu machen.

Einen dummen Jungen zum "SS-Mann" hochzustilisieren, das zeugt nicht gerade von Einsicht in die damaligen Verhältnisse und noch weniger von psychologischem Verstand. Da hat wohl so mancher seine eigene Adoleszenzperiode mit all ihren Merkwürdigkeiten vergessen oder verdrängt.

Das ganze Gerede ist ebenso lächerlich und überflüssig wie der Schnurrbart von Grass. Vielleicht sollte Grass sich von seinem Unternasenpelz trennen, damit dann in jeder Hinsicht gesagt werden kann: Der Bart ist ab.

Aber der Grass hängt an seinem Bart. Und das ist das einzige, was ich ihm vorwerfe.

Viele werden sich demnächst mit mannigfaltigen Nomen-est-omen-Spielereien vergnügen. Doch dafür, daß einer Grass heißt, kann er noch weniger als für die Tatsache, daß er als Jüngelchen Mitglied der SS war.

Auf jeden Fall ist es stets besser, man nimmt sich den Bart ab, bevor's ein andrer tut.