Peter in Japan

18.08.2005 um 06:40 Uhr

Nach der Reise

von: gizmo

Hallo daheim,

ich melde mich nach einiger Abstinenz auch mal wieder. Dieses Mal hab ich allerdings eine handfeste Entschuldigung fuer meine lange Schreibpause. Letzten Sonntag vor 2 Wochen kam Corina mit ihren Eltern zu Besuch. In der ersten Woche zogen die 3 noch alleine durch Yokohama und Tokyo, da ich arbeiten musste. In der zweiten Woche hatte ich frei, so dass wir wieder eine 7-Tage-Railpass-Reise machten. Freitag frueh ging es los in Richtung Hiroshima, da dort am Samstag dem 60jaehrigen "Jubilaeum" des Atombombenabwurfs gedacht wurde. Wir nutzten die Moeglichkeit und schauten uns Freitags den Friedenspark samt Musseum etc. in Ruhe an. Uebernachten mussten wir im 100km entfernten Fukuyama, da wir leider keine Unterkunft mehr in Hiroshima bekamen. Dank Shinkansen ist das aber auch in 25 Minuten pro Fahrt machbar!
Samstag war dann wie gesagt die Gedenkfeier mit verschiedenen Ehrengaesten (Kaiserpaar, Kofi Anan,...) und diversen Veranstaltungen. Abends liessen sie noch eine endlos scheinende Reihe von bunten Lampions auf dem Fluss schwimmen in Gedenken an die insgesamt knapp 200.000 Opfer. Es war natuerlich ergreifend und man hoffte mit im Kollektiv fuer den Weltfrieden...
Am Tag darauf besichtigten wir die beruehmte Schreininsel Miyajima mit dem bekannten roten Toori im Meer. Hier trafen wir per Zufall schon zum 3. Mal Gerd (vom Musikverein) und seinen Sohn, die auch fuer die Friedensfeier nach Hiroshima kamen. Er wurde am Tag des Abwurfs vor 60 Jahren geboren. Wie klein die Welt doch ist...

Montags ging es dann weiter nach Kyoto, die fruehere japanische Hauptstadt ueber einen Zeitraum von 800 Jahren und daher auch heute noch das kulturelle Herz. Hier nutzten wir unsere Zeit vor allem fuer die Besichtigung von vielen alten Tempeln und Schreinen.

Mittwochs ging unsere Reise weiter nach Takayama - einem Bergstaedtchen in den japanischen Alpen. Dort war es sehr ruhig und schoen und wir konnten sogar in einer Art Tempel - betrieben von einem Moench und seiner Frau - uebernachten. Takayama ist auch beruehmt fuer seine Sakebrauereien, so dass wir schon morgens um 11:00 die erste Probe machten ;-)
Die Abende waehrend unserer Reise liessen wir haeufig mit ein bisschen Sake und Binokel ausklingen...

Die verbleibenden 2 Tage verbrachten wir in Yokohama und Tokyo (z.B. Rathaus von Tokyo), bis die beiden am Sonntag wieder abflogen.

Corina hingegen bleibt ja nun bei mir bis zu unserem gemeinsamen Heimflug am 4.9. Tagsueber gehe ich zwar arbeiten aber immerhini abends sehen wir uns. Das versuesst natuerlich diese letzten 3 Wochen ungemein.

Also dann sehen wir uns bald schon wieder - in bereits 2 1/2 Wochen um genau zu sein. Ich freue mich auch schon wieder auf die Heimat und natuerlich auf euch alle!

bis dann
Auch viele Gruesse von Corina!
Euer Peter

28.07.2005 um 06:53 Uhr

Die unendliche Geschichte Teil 3-10

von: gizmo

Hallo ihr Lieben,

Nachdem wir zunächst Freitag nachmittag beim Praktikantentreffen im Headquarter von Bosch in Shibuya waren, dort ein paar Standardpräsentationen anhören durften und danach an einem Buffet verköstigt wurden, haben wir direkt im Anschluss unsere Pläne bezüglich der Besteigung des Fuji-san in die (harte) Realität umgesetzt. Thorsten und ich wollten vorher noch die Sache abblasen, da sie schlechtes wetter vorhersagten, doch die anderen meinten, so schlimm sehe das doch gar nicht aus.......
Thorsten, Sebastian, Wolfgang, Christian und ich fuhren um 19:50 mit dem Highwaybus nach Kawaguchiko an die 5. Bergstation am Fuji-san auf 2305m Höhe. Schon auf dem Weg dorthin bemerkt man an dem Druck auf den Ohren, dass man viele Höhenmeter zurücklegt. Schließlich sind wir ja in Yokohama Flachlandjapaner auf annähernd 0m Höhe...
Jedenfalls kamen wir dann um kurz nach 22Uhr an der Bergstation an und aklimatisierten uns bis halbelf in der Höhe. Das Wetter war erstaunlich gut zu dem Zeitpunkt (denn die Wettervorhersage brachte Schauer in der Nacht), was sich aber noch ändern sollte.
Ich habe mich mit einem Fuji-Wanderstock ausgerüstet (Holzstock mit japanischer Fahne und Glöckchen - man kann auf jeder Berghütte ein Brandzeichen draufmachen lassen) und los ging es.
Nach kurzer Zeit stieg der Weg steil an und es wurde immer mehr Geröll. Dabei war er noch breit genug, dass man gut zu dritt nebeneinander laufen konnte. Wir waren gut im Zeitplan (wir wollten ja um 4:30 oben sein zum Sonnenaufgang) und machten immer wieder kurze Pausen. Langsam wurde der Weg immer enger und verwandelte sich streckenweise in einen Kletterpfad (hochkraxeln auf allen vieren mit Kette/Seil nebendran zum festhalten). Das Wetter zog sich langsam zu... Es wurde nebelig, windig und immer kälter pro Höhenmeter, bis das unvermeidbare eintrat: es begann zu regnen! Dabei hatte es gerade mal 4°C und war sehr stürmisch. Wir waren zu der Zeit schon auf 3100m Höhe, wo die Luft merklich dünner wurde und jeder Schritt anstrengender. Leider waren wir nicht so Hightech-ausgerüstet, wie die Japaner (Goretex, Wanderschuhe...), sondern hatten normale Klamotten mit Jacke, 100Yen Regencape und Halbschuhe an. Das machte die Sache nicht unbedingt leichter. Der Pfad war mittlerweile sehr schmal, so dass es nur noch im Gänsemarsch voran ging.

Sei es durch den Regen (jeder zog sich entsprechend auf dem Pfad an und verursachte Stau) oder durch die vielen Leute, die sich von einem 3-spurigen Pfad auf einen 1-spurigen einreihte, es gab fortan nur noch Stau. Man sah eine Zickzack-reihe von Lichtern vor und hinter sich, die sich kaum bewegte. Die Sichtweite war mittlerweile auf ca. 20m gesunken und unsere Moral mit ihr. Es war saukalt und die klammen nassen Finger froren uns beinahe ab (vorher wollten wir nicht auf die Ratschläge mit den Handschuhen und Schal hören). Der Wind tat sein übriges. So wurde aus dem Trip eine Tortur, bei der jeder von uns an seine Grenzen stieß - sowohl körperlich (Höhe, Anstrengung, Nässe, Kälte) als auch psychisch (unglaublich genervt vom Schlange stehen, vom Regen und von der Gewissheit, oben keinen Sonnenaufgang zu haben). Umkehren war auch so gut wie unmöglich wegen der engen Beschaffenheit des Pfades. Also hieß es: ERTRAGEN!

Nachdem wir uns schon fast sicher waren, dass unser Weg nie mehr enden würde, kamen wir kurz nach 5Uhr früh endlich oben auf 3776m Höhe an. Wir verfluchten jeden einzelnen der zurückgelegten 1472 Höhenmeter! Bei vielen stellte sich schon 2h zuvor durch die Höhe Kopfweh und Unwohlsein ein - so auch bei mir. Oben ging es uns allen ziemlich dreckig: durchgefroren, nass und enttäuscht, da der Nebel und Regen eine Sicht von nur 10m zuließen. Wir sahen weder etwas vom Berg runter, noch in den Krater rein, also brachen wir wenige Minuten später (gegen 5:20) wieder auf. Der Weg bergab war auch nicht unbedingt ein Zuckerschlecken, sondern eine steile Serpentinenstrecke aus Geröll, so dass man pro Schritt dieselbe Distanz nocheinmal rutschte! Das ging ziemlich in die Knie, kann ich euch sagen. Zusätzlich moralraubend waren die Schilder unterwegs, die die Restdistanz zur Bergstation anzeigten: wir erreichten das Schild mit 5km, eine 3/4h später dann das Schild mit 4,5km usw... Der Weg schien kein Ende nehmen zu wollen, aber was bleibt uns anderes übrig, als wiederum: ERTRAGEN!

Nach dieser üblen Odyssee erreichten wir gegen 8:30 wieder die Bergstation (wo wir den Bus mit Abfahrt um 11:00 gebucht hatten, da wir eigentlich auf dem Gipfel Zeit verbringen wollten). Dort siechten wir dahin, bemitleideten uns gegenseitig, schliefen eine Runde im Cafe mit dem Kopf auf der Tischplatte und realisierten, dass das wohl die härteste Nacht unseres Lebens war und wirklich ein Kampf: doitsu-gin (Deutscher) gegen Fuji-san, den irgendwie keiner richtig gewonnen hat. Sowohl wir hatten den Berg bezwungen, als auch er uns...
Aus so was lernt man, und zwar: nie wieder Bergsteigen bei schlechter Wettervorhersage und nur mit geeignetem Equipment.

Leider waren wir ja noch lange nicht daheim: Von 11:00 - 13:15 fuhr der Bus nach Tokyo, dann weiter mit der Bahn über Yokohama nach Gumyoji und am Ende kurz vor 15:00 endlich wieder im Wohnheim! Ich konnte dann nicht gleich schlafen, so dass ich noch ein wenig im Internet gesurft habe. Dann um 16:35 begann mal wieder alles zu rütteln: Erdbeben! Nur dieses Mal stärker als sonst. Es wollte vor allem gar nicht mehr aufhören! Mir kamen es mindestens wie 5min vor, es waren jedoch wohl nur eine! Es hat schon gehörig gewackelt! Im nachhinein erfuhr ich, dass es wohl das stärkste seit 13 Jahren in Tokyo und Umgebung war, wobei das Zentrum nördlich von Tokyo und damit ca. 50km von mir weg war. Es wurden insgesamt 16 Menschen leicht verletzt durch herunterfallende Gegenstände.

Das restliche Wochenende war ziemlich gelaufen, bis auf Sonntag, als ich zusammen mit Asaya dem Hondahändler einen Besuch abstattete. Wir wollten eigentlich einen Integra (RSX) Type-R probe fahren, dieser war jedoch an dem Tag ausgeliehen. Aber wir schauten uns die anderen Modelle an und beschlossen, Ende August nocheinmal zu gehen…

So, heute ist schon Donnerstag und am Sonntag kommt meine Süße endlich wieder! Ich freu mich schon…

Bezüglich Bilder: ich habe ein tolles Panoramafoto vom Fuji aus gemacht und ihr könnt alle per "Virtual Reality" dran teilhaben: stellt euch vor eine große weiße Wand und betrachtet sie konzentriert - was seht ihr? Nichts? Weiß? GENAU! Dann habt ihr unseren Ausblick vom Gipfel vor Augen und könnt ihn genießen ;-)
Ansonsten hab ich auch ein paar normale Bilder - jedoch nicht viele. Wo nichts ist, kann auch nichts werden, gell ;-)
Hier die Bildergallerie dazu!
Daher: keep in touch!

Bis dann
Euer (mittlerweile wieder vom Muskelkater und Knieschmerz erholte) Peter

19.07.2005 um 14:47 Uhr

Was bisher geschah...

von: gizmo

Hallo mal wieder,

Die Tage und Wochen verstreichen und mittlerweile sind es nur noch 7 1/2 Wochen für mich in Japan.
Die Wochenenden waren mal wieder erlebnisreich: vorletztes WE habe ich mit Wolfgang zusammen den Stadtteil Ginza (Tokyo) angeschaut. Dort haben wir u.a. den Sony Showroom besichtigt, wo man alle Neuigkeiten des Weltkonzerns ausprobieren kann. Mit dabei war auch mein zukünftiger Fernseher und Roboterhund Aibo (siehe Bildergallerie). Besonders letzterer war echt witzig, da er berührungssensitiv auf alles von außen reagiert - streicheln, Stöckchen werfen, ansprechen,... wie ein echter Hund.

Zudem waren wir im International Forum von Tokyo - ein sehr großer, moderner, interessanter Glas-/Metallkomplex mit angeschlossenem Konferenz- und Ausstellungszentrum. Dort war gerade auch eine Star Wars Ausstellung, die uns allerdings dann doch zu teuer war.

Zudem waren wir noch im Yamahashowroom, wo ich viele Bilder von wunderschönen Musikinstrumenten schoss. Extra für meine Klarinetten-, Trompeten-, Saxophon- und Posaunenfreunde daheim :-)

Ein interessanter Kaffee-Ausblick bot sich dann aus dem 1. Stock des Doutour-Cafes direkt an der Hauptkreuzung in Ginza. Das ist interessanter als Fernsehen, wenn man dort oben erhaben über den ganzen Autos und wuselnden Fußgängern sitzt und beobachten kann...

Abends sind wir dann noch in die Premiere von Star Wars Episode 3 gegangen. Ja, ihr habt richtig gelesen, der Filmstart war in Japan erst jetzt vor 2 Wochen!

Letzte Woche Donnerstag war ich (auch mit Wolfgang) in Yokohama beim Baseballspiel: Yokohama Baystars gegen Hiroshima Toyo Carp. Es war unser ersten Baseballspiel und wir hatten wenig Erfahrung mit dem Regelwerk. Ich wusste nur die grundlegenden Dinge von meinem Schnuppertraining bei den MadDogs in Öhringen vor einigen Jahren. Daher war mir z.B. durchaus bewusst, dass sich so ein Spiel durchaus ziehen kann und so war es am Ende auch. Es ging 4:30h! Aber trotzdem wars interessant. Vor allem die tolle Athmosphäre im Stadion war faszinierend. Als wir uns in einer Inning-pause Fantrikots besorgten und gleich anzogen, waren die Japaner um uns rum hell begeistert von uns zwei Langnasen (Spitznamen von Europäern und Nordamerikanern). Sie beglückwünschten uns mit Händeschütteln und Schulterklopfen und freuten sich, dass Yokohama zwei neue Fans gewonnen hat! Unsere Nachbaring schenkte uns dann noch je ein Set Minibaseballschläger aus Plasik, um bei den Fangesängen zumindest mitklopfen zu können. Bei jedem Punkt freuten wir uns kollektiv und es wurde untereinander abgeklatscht (high-five)... Nach dem 2. Inning Verlängerung (es muss immer eine Entscheidung fallen) klappte sogar mit dem allerletzten Schlag ein spielentscheidender Homerun für Yokohama! Die Freude war groß und langanhaltend und trug zur schönen Gesamterfahrung bei. Witzig war nur, dass die Fangesänge organisiert wurden von "Animateuren" in den Gängen zwischen dem Puplikum. Diese waren alle gleich angezogen und hatten weiße Handschuhe, so dass man sie von weitem Klatschen sieht. Sie stimmten sich untereinander ab, welcher Fangesang wann kommt und zeigten die verbleibenden Strophen für die Fans mit den Fingern an. Als irgendwie sind sie auch beim feiern schön durchorganisiert und - geplant :-)

Nun am vergangenen WE bin ich Freitags zusammen mit Keisuke und Sven gleich nach der Arbeit eine halbe Stunde südlich zum Strand gefahren. Leider zog sich das Wetter immer mehr zu und bis wir dort waren, herrschte eine dicke Nebelsuppe. Nichtsdestotrotz setzten wir uns in den Sand und bestellten eine Pizza (Lieferung an den Strand) und genossen sie mit einem Bierchen. Als es dämmerte, wurde der Nebel immer dichter und stärker, so dass schon allein davon nass wurde (obwohl es nicht regnete). Wir ließen uns die Laune dennoch nicht verderben, wie die Bilder beweisen... Danach sind wir noch ne Stunde ins Karaoke, wo wir schmerzlich feststellen mussten, dass man immer vorher die Preise checken und nötigenfalls verhandeln sollte...

Samstag war dann das Wetter wieder klar und sonnig, so dass ich zusammen mit Sven und Wolfgang einen Strandtag einlegte. Nach einem erfrischenden Bad im kühlen Pazifik sind wir entlang der Küste zur Wohnung von Matthias (ein Diplomand) gelaufen um von dort aus weiterzufahren zu einem Feuerwerk in Kurihama. Dort war ein riesiger Menschenauflauf am Strand (das Feuerwerk war über dem Meer) mit vielen Ständen etc. Das Feuerwerk selbst ging ca. 1h mit kurzen Pausen für die darunter herfahrende Fähre und war wirklich schön gemacht... Auch diesen Abend ließen wir auf Wunsch von Wolfgang (der am Montag zurückfliegt) noch mit eine Stunde Karaoke ausklingen.

Am Sonntag bin ich zusammen mit Sven und 2 Japanern von Bosch zum Fuji Speedway gefahren (in deren Privatautos). Dort waren mehrere kleine Rennen mit wenigen Zuschauern, so dass man überall (z.B. in die Boxengasse und in jede Kurve der Strecke) hinlaufen konnte. War sehr interessant, wenn auch wieder mal schweißtreibend... Super fand ich auch das Driftrennen auf dem Parkplatz vor der Strecke. Dabei heizen sie mit turbogeladenen Hecktrieblern um einen kleinen Kurs und versuchen in jeder Kurve einen möglichst langen Drift hinzulegen. Der Gummiqualm und die fliegenden Reifenfetzen kann sich ja jeder vorstellen. Die meisten Autos waren schon ein wenig ramponiert, da so ein Rennen selten ohne Feind- oder Bandenberührung über die Bühne geht. War also mal wieder ein richtig schöner Auto- und Rennsonntag mit Benzin im Blut und Gummifetzen im Gesicht :-)))

Montag war dann wieder unerträglich schwül/heiß, so dass ich mich mit (dem bayrischen) Wolfgang in Yokohama erst gegen 17:00 getroffen habe. Wir sind dort durch Minato Mirai (rund um den Landmarktower) getigert, waren beim Autohändler, in Kaufhäusern, am Hafen in einem Park und im Sushirestaurant.

Zum Abschluss habe ich noch eine lustige Anekdote vom WE: Meine Pizzabestellung am Sonntagabend artete in eine Odysey aus... Nachdem der ursprüngliche Liefertermin um eine halbe Stunde überschritten war, telefonierte ich nochmals mit dem Pizzaservice. Leider gestaltete sich das mit wenig japanisch sehr schwierig (wie immer). Am Ende kam raus, dass der Bote meine Adresse nicht fand und schon ewig in meiner Wohngegend rumgurkte. Also bin ich (mit Handy bewaffnet) runter auf die Straße, um ihn abzufangen. Auch das funktioniert nicht, so dass ich ihn erst vorne an der Hauptstraße traf. Mitterweile 1h zu spät entschuldigte er sich 1000mal, kam mit zu meinem Wohnheim, fotografierte es (und die Adresse) mit seinem Handy und meinte, es komme in 10min eine neue Pizza, da die alte jetzt kalt sei. 10min später kam er mit seinem Kollegen auf einem 2. Roller angeheizt und brachten endlich das Ersehnte. Als Entschuldigung war noch eine Falsche Cola dabei und sowohl die neue Pizza als auch der Salat war am Ende gratis wegen der Umstände! Nach weiteren 1000mal Entschuldigen ihrerseits und Vergeben meinerseits zogen sie wieder von Dannen und versicherten, dass die Lieferung das nächste Mal klappt, da ich nun im Adresscomputer des Pizzaservice mit Telefonnr., Name, Adresse und Bild des Hauses aufgenommen sei... War mal wieder ne interessante aber langwierige Erfahrung in Japan :-)

Jetzt ist heute schon wieder Dienstag und Sonntag in einer Woche kommt meine Corina mit ihren Eltern zu Besuch - also nicht mehr lange! Bin mal gespannt, wie es ihnen dann in Japan gefällt... Aber ich denke gut!

Hier ist wie immmer der Link zur Bildergallerie (Geburtstag, Disneyland, Ginza, Baseball, Strand, Fuji Speedway)...

Also bis dann
Euer Peter

04.07.2005 um 10:33 Uhr

Geburtstagsparty

von: gizmo

Hallo,

Nun hat der Regen doch ziemlich die Oberhand beim Wetter errungen und es soll die ganze Woche durchgängig schiffen! Leider hat es meist trotzdem ca. 25Grad oder mehr und ist daher recht schwül, aber was solls...

Letzten Mittwoch habe ich ja nun endgültig mein Viertel Jahrhundert an Lebensjahren überschritten und gehöre somit langsam zum alten Eisen... So was nennt man anscheinend Quarterlife Crises, aber ehrlich gesagt, ist davon bei mir nichts zu spüren - bin fit wie eh und je ;-)
Jedenfalls haben wir hier schön gefeiert am Mittwoch abend - wir waren zu zwölft in Yokohama in einem Izakaya essen. Lustigerweise waren links und rechts von uns auch große Tische mit jeweils Gruppen mit jungen Japanern. Die haben richtig Party gemacht da drin, so dass eine Art "Fußballstadionathomsphäre" aufkam! Wir ließen uns auch anstecken und so gröhlte beim Geburtstagsständchen das ganze Restaurant mit, stand auf, schwenkte die Gläser, vergoss einiges davon in die Kehle oder auch daneben... War sehr witzig und es wurde auf Video festgehalten! Zwischendrin wurden Fußballgesänge angestimmt oder einfach auf japanoenglisch mit dem halben Lokal geredet. Die armen Kellner haben verzweifelte zurückhaltende Versuche unternommen, etwas Ruhe in den Sauhaufen zu bringen, scheiterten aufgrund der höflichen Zurückhaltung jedoch kläglich ;-) Ich schätze, wie waren froh, als wir aufbrachen ins Karaoke *ggg*
Dort waren wir dann nur noch "unter uns" und haben 2 1/2 Stunden wie immer alles gegeben. Kurz nach Mitternacht brachen wir dann Richtung Wohnheim auf, da am nächsten Morgen die Arbeit wieder rief. Es war ein sehr schöner Abend und ich freue mich darauf, mit euch daheim nach meiner Rückkehr wieder den Einstand zu feiern bzw. den Geburtstag nachzufeiern! Und 3mal dürft ihr raten: es gibt dann natürlich auch Karaoke daheim!!!! Also freut euch schon mal drauf!

Freitags war ich mit Wolfgang und Sven dann in "War of the Worlds" - also "Krieg der Welten" - dem neuen Film von Steven Spielberg. Ist ein absoluten gigantischer Film und sehr zu empfehlen!!
Samstag war ich mit Thorsten und mehreren anderen in einem Biergarten in Shibuya auf dem Dach eines 9stöckigen Hauses. War auch gut, vor allem waren die 3l-Bierfässchen zum Selberzapfen auf dem Tisch ganz cool!
Gestern (Sonntag) wurde ich dann zu einem Ausflug mit unbestimmtem Ziel eingeladen. Es war das Geburtstagsgeschenk von den anderen Praktikanten. Wir fuhren nach Tokyo und darüber hinaus... Um letztendlich in Chiba zu landen - und was gibt es dort? Das Tokyo Disneyresort! Also wurde ich für einen Tag ins Disneyland eingeladen! Es war eine tolle Überraschung und hat mich riesig gefreut! Wir verbrachten den ganzen Tag dort und fuhren die guten Attraktionen mehrmals. Es war ein schöner Tag im Disneyland und ein tolles Überraschungsgeschenk. Da Tokyo so groß ist,  besteht das Disneyresort aus 2 Parks - Disneyland und Disneysea, die jeweils ca. gleich groß sind. Disneyland war schön und bunt mit vielen Paraden und Disneyfiguren und speziell für Kinder aber auch für Erwachsene gut, das Disneysea soll hingegen noch mehr für Erwachsene konzipiert sein. Mit nachgestellten Themenlandschaften etc. Von dem her freue ich mich auch schon auf einen Besuch im Disneysea im August zusammen mit Corina.

Die Arbeitswoche hat heute mal wieder begonnen und geht auch wieder schnell rum... Nun sind es nur noch 4 Wochen, bis Corina mit ihren Eltern zu Besuch kommen, worauf ich mich sehr freue!

Also dann, machts gut daheim!
Bis in 9 Wochen!

Ciao
Euer Peter

27.06.2005 um 07:29 Uhr

Neues aus Nippon

von: gizmo

Hallo,

ich melde mich auch mal wieder ;-)
Offiziell sind wir zwar schon längst mitten in der Regenzeit, der Namensgeber hält sich aber ziemlich in Grenzen. Es regnet vielleicht 2-3 Tage pro Woche und die restliche Zeit ist es beinahe unerträglich warm und schwül. Sobald man sich tagsüber draußen aufhält, beginnt man zu schwitzen… Das ist vor allem morgens auf dem Weg zur Arbeit nervig, da man schon durchnässt im Geschäft ankommt. Ich werde nun ab und zu vom Bahnhof zu Bosch den Bus nehmen, der ist wenigstens klimatisiert. Zudem bin ich dazu übergegangen, mit kurzen Hosen und Sandalen zur Arbeit zu gehen und mich dort dann entsprechend umzuziehen (lange Hosen sind leider Pflicht im Büro).

Am Wochenende vor einer Woche waren wir mexikanisch essen in Yokohama. Das Restaurant war im 28. Stock und von daher mussten wir leider über 1h auf einen Tisch warten. Selbst schuld, wenn man nicht reserviert…
Samstag sind wir dann nach Tokyo ausgegangen, um im Ausgehstadtteil Roppongi durchzumachen und in einer Sportsbar Fußball zu schauen (u.a. Deutschland - Tunesien). Leider fanden wir nur ein sehr teures Pub, das zu allem Übel (entgegen den Versprechungen auf dem Schild am Eingang) um 3:00 schloss. So mussten wir nach dem Deutschlandspiel von Dannen ziehen und haben nichts mehr gefunden, um das zweite Match anzusehen. Also machten wir noch einen Abstecher zum McDonalds und in eine andere Bar für 1 Bier, bis wir um 4:30 ein Taxi nach Shibuya nahmen (von dort geht der erste Zug um 5:00).

Am nun vergangenen Wochenende war ich Freitags das erste Mal in Japan im Kino. Wir sind zu dritt (Wolfgang, Sebastian (ein neuer Praktikant) und ich) von der Yokohama Station Richtung Landmark Tower gelaufen. Dort ist alles sehr geräumig gestaltet mit großen "Einkaufs-Siedlungen", Restaurants und eben Kinos. Wir waren in "Batman begins" - englischsprachig und ein guter Film! Hier in Japan laufen (wie fast überall auf der Welt) die meisten Filme in Originalsprache mit japanischem Untertitel. So sind auch wir Analphabeten in der Lage einen Film zu schauen ;-) Seit ich hier bin, habe ich nur englische Filme geschaut, bis auf eine Ausnahme vor kurzem - ein deutsch synchronisierter Hollywood Film. Dabei fiel mir plötzlich auf, wie komisch das ist, die Synchronisation zu sehen. Bisher habe ich das nie beachtet, doch jetzt finde ich, dass auch in Deutschland die Filme schlecht synchronisiert sind. Ihr kennt das vielleicht, wenn man einen bekannten Film auf einer anderen Sprache synchronisiert sieht (französisch oder spanisch). Da lacht man sich halbtot, wie lustig das aussieht, wenn die Laute nicht zu den Mundbewegungen passen… Fast so gings mir jetzt mit deutsch.
Samstags bin ich dann zeitig nach Akihabara mit ein paar anderen Praktikanten gefahren. Direkt im Anschluss haben wir dann in Ginza den Abschied für Wolfgang (Lenders) in der Bierhalle von der Sapporo Brauerei gefeiert. Dort hatten wir 2h ein Menü mit nomihodai und Dank guter Connections zum Manager der Bierhalle durften wir noch etwas länger bleiben und trinken ;-)
Danach bewegte sich die ganze Gesellschaft (über 20 Leute) weiter nach Shibuya ins Karaoke. Unterwegs haben sich ein paar verabschiedet bzw. sind verloren gegangen. Also waren wir noch ca. 14 Leute verteilt in 2 Karaokezimmern. Witzigerweise war das ganze sehr billig, dank den Japanern, die wir dabei hatten. Sie haben einen guten Preis vereinbart. Das leidige Zugproblem bedingt, dass es wieder 5:15 wurde, bis wir zum Bahnhof aufgebrochen sind, ich dann noch ein paar Telefonate führte und letztendlich erst im Laufe des Sonntag morgens ins Bett kam.

Dieses mal habe ich nach dem Durchmachen nicht den Fehler begangen, lang auszuschlafen und bin nach 4h wieder aufgestanden. So war ich gestern abend sehr müde und konnte gut bis heute früh schlafen. Letztes WE nach der Fußballnacht war das schlechter, da ich Sonntags bis 15:00 geschlafen hatte und abends dann nicht mehr einschlafen konnte.

So viel für heute von mir aus dem schwülwarmen Japan. Mushi-atsui desu!

Sayounara
Euer Peter

P.S. Auf japanisch schreibt man mich übrigens so: ペーター アモン