Konichi-wa,
leider hat es mich nun doch ziemlich erwischt - Gottseidank nur mit Erkältung. Aber richtig fit bin ich halt leider nicht. Ich hab halt nur eine dünne Lederjacke dabei. Einerseits wegen dem Gewicht und andererseits hatte ich es hier wärmer eingeschätzt. Im Sommer werd ich mir wahrscheinlich wünschen, es wäre nicht so heiß...
Wir haben am WE trotzdem noch viel unternommen und gesehen. Nachdem ich ja Freitag abends nicht mit nach Tokyo gegangen bin und daheim versucht habe, gesund zu werden, war Thorsten mit 2 anderen Praktikanten und Keisuke über Nacht unterwegs. Sie sind von Restaurant zu Bar und wieder zu Restaurant... gezogen. Für Insider: sie waren unter anderem auch in dem Gefängnisrestaurant bekannt aus der Japanfolge von "Pastewka in Japan", wo man in einer Zelle sitzt, manchmal Handschellen anbekommt und immer wieder Scream-artige Horrorgestalten vorbeispuken. Das muss ich mir auch mal ansehen - vielleicht auch an Pfingsten mit meinem Besuch ;-)
Jedenfalls sind sie dann über Nacht in den Bars geblieben (anscheinend keine Sperrstunde) und waren dann morgens um 7:00 zurück. Das hätte mich wahrscheinlich vollends zusammengeschlagen.
Samstags war dann auch eine kleine Planänderung. Ich bin zusammen mit Thorsten, Beat, Wolfgang (alles Praktikanten) und Asaya-san nach Akihabara (Electric City) in Tokyo gegangen. Das ist ein ganzes Stadtviertel voll mit Elektro- und Elektronikwaren, Computer, etc. War echt interessant und überwältigend von der Auswahl her. Es ist zwar preislich vergleichbar mit uns daheim, aber man hat eine Riesenauswahl egal von was. Z.B. Notebooks hat man nicht nur 10, sondern 50-60 verschiedene auf einem ganzen Stockwerk. Auch einen Modellbauladen habe ich gefunden. Die meisten RC-Autos sind ja aus Japan und hier dementsprechend günsig. Sie kosten meist nur die 1/2 bis 2/3 des deutschen Preises. Ich denke, da kann ich früher oder später mal nicht wiederstehen. Leider habe ich im Hinterkopf auch immer schon den Heimtransport solcher Sachen. Ich habe ja nur wenig Freikilos und verschicken ist ziemlich teuer. Mal schauen - ein Samuraischwert und ein japanischer Hausanzug soll ja irgendwann auch noch dazu kommen ;-)
Wir waren dort auch noch mittags Tempura essen in einer Art Schnellrestaurant. Das sind fritierte (mit etwas Teighülle) Meeresfrüchte oder Gemüse mit Sojasauce und Rettich als Dip und dazu natürlich Reis. War sehr lecker!
Abends sind wir dann nach Shibuya (dort ist auch die berühmte Kreuzung in Tokyo mit vielen Hundert Leuten auf der Kreuzung bei einer Grünphase) - ein Ausgeh- und Vergnügungsviertel (Spielhallen). Hier waren wir abends in einem Isakaya essen - einer klassischen japanischen Restaurantform. Wie abends in Tokyo üblich musste man am Eingang eine Weile warten bis ein Platz frei wurde. Gleich dort am Eingang ist ein Riesengrill mit Hähnchenhälften und Fischen an der Decke hängend. Es geht sehr laut darin zu, da jeder Gast der kommt oder geht lautstark von jedem Angestellten begrüßt und verabschiedet wird. Zudem brüllt der Koch jedes fertige Gericht unüberhörbar ins Restaurant...
Jeder Tisch ist eine Art Abteil für sich - abgetrennt mit Reisstrohmatten und Holzjalousien. Man zieht zuvor die Schuhe im Gang aus und betritt sein Abteil, wobei dort die Sitzhöhe ebenerdig ist und die Beine unter dem Tisch im Boden verschwinden. Wenn man aufs Klo muss, findet man im Gang Schlappen (ca. Größe 40) die man dafür benutzen soll. Im Klo sollte man dann die Kanjis für Männlein und Weiblein lesen können - sie sind meist aber auch in blau bzw. rot aufgemalt. Cool war dort auch der Handfön: Es kommt warme Luft mit ziemlich hohem Druck raus, so dass man eigentlich die Hände von jeder Seite nur einmal drunter durchziehen muss - danach sind sie trocken.
Zurück zum Thema Essen: in solchen Restaurants ist es üblich, dass man verschiedene Dinge bestellt (Fisch, Hühnchen, Gemüse, Tofu ...) und man teilt es mit allen am Tisch. Dazu hat jeder ein kleines Schälchen und seine Stäbchen. Das ganze geht dann über 2-3 Etappen, da die einzelnen Gerichte meist nicht so groß sind. Am Ende bezahlt man zusammen und teilt den Betrag einfach gerecht unter den Anwesenden auf. Doch der Abend (trotz teurem Bier) war günstiger als erwartet. Das Essen selbst war wirklich sehr japanisch und teilweise gewöhnungsbedürftig. Als kostenlose Vorspeise konnte man etwas in einem kleinen Schälchen auswählen. Beat und Wolfgang schnappten sich (erfahren wie sie sind) kleine fritierte Teile, so dass für uns Unerfahrene nur noch die Auswahl zwischen sauer eingelegtem Rettich und scharfem rohem Tintenfisch blieb. Letzteren probierte ich - war geschmacklich gar nicht schlecht, nur ist roher Tintenfisch sehr sehr zäh. Vergleichbar mit einem zähen Steak einer alten Kuh. Auch die Speisen danach waren interessant. Hühnchenspieße bestanden z.B. aus wenig Fleisch, sondern hauptsächlich fettige schlabbrige Haut, Hühnerleber oder Herz (wie ich vermute, da es kleine Böppel mit sehr viel Biss waren). Der Fisch war immer sehr gut. Tofu ist hier sehr weich, fast wie Quark. Ebenfalls sehr gut waren unterschiedlich angebratene und gewürzte Reiskugeln. Um rechtzeitig mit einem der letzten (vollen) Züge heimzukommen, endete der abend bei Zeiten (gegen viertelzwölf).
Sonntags waren Thorsten und ich in Chinatown (Yokohama). Es soll eine der größten der Welt sein - so groß kam sie mir aber gar nicht vor.... Aber interessant war es trotzdem. Sie war zwar nicht so ursprünglich, wie die Chinatowns in Thailand (mit Hühnern, die frisch geschlachtet werden, lebenden Fischen in Eimern etc.), sondern eher typisch japanisch sauber und aufgeräumt: hauptsächlich Läden und Restaurants. Es scheint ein beliebtes Wochenendziel für viele Japaner zu sein. Die Gässchen waren randvoll. Auf dem Heimweg sind wir noch am Yokohama Stadium (Baseball) vorbei. Ich will dort auch mal in ein Spiel gehen. Die Yokohama Mannschaft ist anscheinend recht gut. Im Fußball ist Yokohama sogar japanischer Meister.
Das wars eigentlich auch schon wieder fürs WE. Diese Woche am Mittwoch ist unsere Willkommensparty von der Abteilung aus. Sie ist angesetzt von 18:00 - 20:00, danach müssen manche sogar zurück zur Arbeit, da sie noch eine Telekonferenz mit Abstatt haben. Schade, denn ursprünglich hätte die Party Freitags sein sollen. Sie ist gleichzeitig die Abschiedsparty für Patchi - einen Inder der seinerseits nach 4 Jahren in Japan zurück in die Heimat geht.
Hier die neue Bildergallerie von den beschriebenen Erlebnissen.
Als dann
Viele Grüße in die Heimat
Euer Peter
P.S. Rechts am Rand könnt ihr abstimmen...