Peter in Japan

31.03.2005 um 16:22 Uhr

Welcomeparty

von: gizmo

Hallo daheim,

 

gestern war unsere Welcomeparty mit der Abteilung. Zudem galt sie einem neuen japanischen Mitarbeiter und als Abschiedsparty für Patchi – ein Inder der nach 4 Jahren zurück in die Heimat geht.

 

Es war wirklich lustig und interessant. Privat verhalten sich alle wirklich komplett anders, als im Geschäft – sie sind viel lockerer und lustiger.

 

Wir waren in einem Sashimi-Restaurant – das ist quasi Sushi nur ohne Reis – also roher Fisch pur. Davon gab es unterschiedliche Sorten. Es schmeckte von gut über interessant bis naja… Dazu mehr als Kommentar in der Bildergalerie.

 

Wir hatten das Restaurant für normalerweise nur 2h reserviert. Danach wird man rausgeworfen. Allerdings sahen sie es an diesem Abend nicht so eng und ließen uns 3 Stunden da (18:00 – 21:00). Danach wars leider schon wieder zu Ende. Keiner wollte mehr etwas unternehmen.

 

Während den ersten 2 Stunden war alles Bier inklusive – jeder versuchte also so viel wie möglich zu trinken, was schwierig war aus diesen „Probiergläschen“.

 

Jeder Neuling und auch Patchi musste natürlich eine kleine Rede halten. Ich baute zwar in meinem japanisch ein paar Fehler ein, was jedoch zur allgemeinen Belustigung beitrug.

 

Alles in allem war es ein sehr schöner Abend. Hoffentlich kommt es öfter zu privatem Kontakt zu den dann lockeren Japanern.

 

Hier die Bilder dazu.

 

Viele Grüße

Peter

28.03.2005 um 13:39 Uhr

Bericht vom 2. Wochende

von: gizmo

Konichi-wa,

leider hat es mich nun doch ziemlich erwischt - Gottseidank nur mit Erkältung. Aber richtig fit bin ich halt leider nicht. Ich hab halt nur eine dünne Lederjacke dabei. Einerseits wegen dem Gewicht und andererseits hatte ich es hier wärmer eingeschätzt. Im Sommer werd ich mir wahrscheinlich wünschen, es wäre nicht so heiß...

Wir haben am WE trotzdem noch viel unternommen und gesehen. Nachdem ich ja Freitag abends nicht mit nach Tokyo gegangen bin und daheim versucht habe, gesund zu werden, war Thorsten mit 2 anderen Praktikanten und Keisuke über Nacht unterwegs. Sie sind von Restaurant zu Bar und wieder zu Restaurant... gezogen. Für Insider: sie waren unter anderem auch in dem Gefängnisrestaurant bekannt aus der Japanfolge von "Pastewka in Japan", wo man in einer Zelle sitzt, manchmal Handschellen anbekommt und immer wieder Scream-artige Horrorgestalten vorbeispuken. Das muss ich mir auch mal ansehen - vielleicht auch an Pfingsten mit meinem Besuch ;-)

Jedenfalls sind sie dann über Nacht in den Bars geblieben (anscheinend keine Sperrstunde) und waren dann morgens um 7:00 zurück. Das hätte mich wahrscheinlich vollends zusammengeschlagen.

Samstags war dann auch eine kleine Planänderung. Ich bin zusammen mit Thorsten, Beat, Wolfgang (alles Praktikanten) und Asaya-san nach Akihabara (Electric City) in Tokyo gegangen. Das ist ein ganzes Stadtviertel voll mit Elektro- und Elektronikwaren, Computer, etc. War echt interessant und überwältigend von der Auswahl her. Es ist zwar preislich vergleichbar mit uns daheim, aber man hat eine Riesenauswahl egal von was. Z.B. Notebooks hat man nicht nur 10, sondern 50-60 verschiedene auf einem ganzen Stockwerk. Auch einen Modellbauladen habe ich gefunden. Die meisten RC-Autos sind ja aus Japan und hier dementsprechend günsig. Sie kosten meist nur die 1/2 bis 2/3 des deutschen Preises. Ich denke, da kann ich früher oder später mal nicht wiederstehen. Leider habe ich im Hinterkopf auch immer schon den Heimtransport solcher Sachen. Ich habe ja nur wenig Freikilos und verschicken ist ziemlich teuer. Mal schauen - ein Samuraischwert und ein japanischer Hausanzug soll ja irgendwann auch noch dazu kommen ;-)

Wir waren dort auch noch mittags Tempura essen in einer Art Schnellrestaurant. Das sind fritierte (mit etwas Teighülle) Meeresfrüchte oder Gemüse mit Sojasauce und Rettich als Dip und dazu natürlich Reis. War sehr lecker!

Abends sind wir dann nach Shibuya (dort ist auch die berühmte Kreuzung in Tokyo mit vielen Hundert Leuten auf der Kreuzung bei einer Grünphase) - ein Ausgeh- und Vergnügungsviertel (Spielhallen). Hier waren wir abends in einem Isakaya essen - einer klassischen japanischen Restaurantform. Wie abends in Tokyo üblich musste man am Eingang eine Weile warten bis ein Platz frei wurde. Gleich dort am Eingang ist ein Riesengrill mit Hähnchenhälften und Fischen an der Decke hängend. Es geht sehr laut darin zu, da jeder Gast der kommt oder geht lautstark von jedem Angestellten begrüßt und verabschiedet wird. Zudem brüllt der Koch jedes fertige Gericht unüberhörbar ins Restaurant...

Jeder Tisch ist eine Art Abteil für sich - abgetrennt mit Reisstrohmatten und Holzjalousien. Man zieht zuvor die Schuhe im Gang aus und betritt sein Abteil, wobei dort die Sitzhöhe ebenerdig ist und die Beine unter dem Tisch im Boden verschwinden. Wenn man aufs Klo muss, findet man im Gang Schlappen (ca. Größe 40) die man dafür benutzen soll. Im Klo sollte man dann die Kanjis für Männlein und Weiblein lesen können - sie sind meist aber auch in blau bzw. rot aufgemalt. Cool war dort auch der Handfön: Es kommt warme Luft mit ziemlich hohem Druck raus, so dass man eigentlich die Hände von jeder Seite nur einmal drunter durchziehen muss - danach sind sie trocken.

Zurück zum Thema Essen: in solchen Restaurants ist es üblich, dass man verschiedene Dinge bestellt (Fisch, Hühnchen, Gemüse, Tofu ...) und man teilt es mit allen am Tisch. Dazu hat jeder ein kleines Schälchen und seine Stäbchen. Das ganze geht dann über 2-3 Etappen, da die einzelnen Gerichte meist nicht so groß sind. Am Ende bezahlt man zusammen und teilt den Betrag einfach gerecht unter den Anwesenden auf. Doch der Abend (trotz teurem Bier) war günstiger als erwartet. Das Essen selbst war wirklich sehr japanisch und teilweise gewöhnungsbedürftig. Als kostenlose Vorspeise konnte man etwas in einem kleinen Schälchen auswählen. Beat und Wolfgang schnappten sich (erfahren wie sie sind) kleine fritierte Teile, so dass für uns Unerfahrene nur noch die Auswahl zwischen sauer eingelegtem Rettich und scharfem rohem Tintenfisch blieb. Letzteren probierte ich - war geschmacklich gar nicht schlecht, nur ist roher Tintenfisch sehr sehr zäh. Vergleichbar mit einem zähen Steak einer alten Kuh. Auch die Speisen danach waren interessant. Hühnchenspieße bestanden z.B. aus wenig Fleisch, sondern hauptsächlich fettige schlabbrige Haut, Hühnerleber oder Herz (wie ich vermute, da es kleine Böppel mit sehr viel Biss waren). Der Fisch war immer sehr gut. Tofu ist hier sehr weich, fast wie Quark. Ebenfalls sehr gut waren unterschiedlich angebratene und gewürzte Reiskugeln. Um rechtzeitig mit einem der letzten (vollen) Züge heimzukommen, endete der abend bei Zeiten (gegen viertelzwölf).

Sonntags waren Thorsten und ich in Chinatown (Yokohama). Es soll eine der größten der Welt sein - so groß kam sie mir aber gar nicht vor.... Aber interessant war es trotzdem. Sie war zwar nicht so ursprünglich, wie die Chinatowns in Thailand (mit Hühnern, die frisch geschlachtet werden, lebenden Fischen in Eimern etc.), sondern eher typisch japanisch sauber und aufgeräumt: hauptsächlich Läden und Restaurants. Es scheint ein beliebtes Wochenendziel für viele Japaner zu sein. Die Gässchen waren randvoll. Auf dem Heimweg sind wir noch am Yokohama Stadium (Baseball) vorbei. Ich will dort auch mal in ein Spiel gehen. Die Yokohama Mannschaft ist anscheinend recht gut. Im Fußball ist Yokohama sogar japanischer Meister.

Das wars eigentlich auch schon wieder fürs WE. Diese Woche am Mittwoch ist unsere Willkommensparty von der Abteilung aus. Sie ist angesetzt von 18:00 - 20:00, danach müssen manche sogar zurück zur Arbeit, da sie noch eine Telekonferenz mit Abstatt haben. Schade, denn ursprünglich hätte die Party Freitags sein sollen. Sie ist gleichzeitig die Abschiedsparty für Patchi - einen Inder der seinerseits nach 4 Jahren in Japan zurück in die Heimat geht.

Hier die neue Bildergallerie von den beschriebenen Erlebnissen.

Als dann
Viele Grüße in die Heimat
Euer Peter

P.S. Rechts am Rand könnt ihr abstimmen...

25.03.2005 um 10:17 Uhr

Wochenendplanung - doch leider leicht kränklich...

von: gizmo

Hallo daheim,

ich habe noch eine nette kleine Geschichte für euch, was das Anstehen und die Regeln dazu betrifft. Als ich mit Thorsten auf dem Leuchtturm letzten Sonntag war, stellten wir uns in die Schlange zum Fahrstuhl um wieder runter zu fahren. Es gab 2 Fahrstühle doch leider passten wir als Einzigste nicht mehr in den einen rein. Wir waren also die ersten in der neuen Schlange. Als dann der 2. Fahrstuhl kam (auf der anderen Seite des Schachtes), holte uns der Fahrstuhleinweiser (mit weißen Handschuhen und Uniform) aus unserer Schlange heraus und führte uns an der Schlange fuer den 2. Fahrstuhl vorbei, so dass wir diesen als erste betreten durften. Für die Leute in der 2. Schlange war das völlig verständlich. Wir waren ja schließlich die, die schon am längsten auf die Abfahrt warteten. Keiner murrte oder meckerte...! Das ist halt Japan!

Mittlerweile habe ich schon mit einigen Japanern bei Bosch etwas mehr Kontakt. Asaya-san ja sowieso; Kitamura-san kommt aus der Stadt Atsugi - dort hat die Modellbaufirma Kyosho ihr Werk; Keisuke ist jung, flippig und aufgeschlossen - mit ihm wollen wir heute abend nach Tokyo reingehen und etwas feiern (dazu gleich mehr); dann gibts da noch Inami-san - er ist ein richtiger Autofreak. Er fährt selbst einen getunten Mazda RX-8 und betreibt RC-Modellbau. Mit ihm werde ich vielleicht im Mai auf den Fuji Speedway zu einem Rennen der japanischen Super GT Meisterschaft gehen.

Wie gesagt: heute abend wollten wir nach Tokyo reingehen und eine private Abschiedsfeier für Aleks machen - ein Praktikant, der nächsten Monat heim geht. Problematisch dabei ist nur, dass gegen halbeins kein Zug mehr runter nach Yokohama fährt. Das heißt, dass wir bis morgens um 5 bleiben werden. Keisuke meinte, dass sie meistens gegen später eine Karaokebox mieten (mit Sesseln) oder in ein Internetkaffee gehen (ebenfalls Sessel) und dort dann eine Runde schlafen. Beides ist erheblich günstiger, als irgendwo richtig zu übernachten...

Das Problem ist nur, dass ich mich heute gar nicht so gut fühle - ein bisschen kränklich. Thorsten hat es schon letzte Woche erwischt und bei ihm ist es gerade beim abklingen. Jetzt fängts bei mir an. Leider ist es eher schlechter als besser geworden jetzt gegen Abend. Also werde ich daheim bleiben und bis morgen hoffentlich überm Berg sein.

Es ist auch so, dass man in Japan keine Krankheitstage hat. D.h. wenn man zu krank ist, um zur Arbeit zu gehen, werden erst mal Überstunden abgebaut und danach der Urlaub. Also hoffe ich doch, dass es bei mir nicht wirklich ausbricht.

Am Samstag wollen wir nämlich mit Asaya-san gleich wieder nach Tokyo rein. Er hat sich angeboten uns einige typische japanische Plätze und Orte zu zeigen. Nicht nur die, die im Reiseführer stehen! Abends wollen wir dann zusammen das erste Sushi essen gehen. Da kostet ein Tellerchen zwischen 1,50 Euro und 6 Euro - nur ist alles auf Japanisch. Da sollte man das erste Mal besser einen Kenner dabei haben.

Mit Keisuke hab ich auch schon über Kampfsport geredet. Er geht in ein Dojo südlich in Tokyo. Das Training dort ist aber leider sonntags. So wie er es erzählt hat, sind es lauter junge Männer, die danach meistens noch ein Bierchen zusammen trinken gehen. Also wie bei uns...

Ich wollte eigentlich mal in ein Dojo reinschnuppern, wo man richtig Karate oder Judo lernt, aber Keisukes Dojo ist eher ein Mix. Sie haben schon auch Technikübungen, machen aber auch viel Sparring. Zwar mit Kopfschutz, aber da setzt es richtig was! Ich hab schon Sorge, dass er so begeistert ist, damit er einen neuen Punchingball an mir hat... Irgendwann in den nächsten Wochen werde ich Sonntags mal mitgehen und hoffentlich NICHT grün und blau wieder zurückkommen...

Je nach Gesundheitszustang (ob ich überall mitgehe oder nicht), melde ich mich dann frühestens am Sonntag wieder.

Also viele Grüße heim!

Euer Peter

23.03.2005 um 14:21 Uhr

einige Kuriositäten

von: gizmo

Hallo zusammen,

da ich ja unter der Woche ja immer lang unterwegs bin (gestern bin ich wegen der Telefonkonferenz mit Abstatt sogar erst um Mitternacht ins Wohnheim gekommen), habe ich nicht viel Zeit etwas zu unternehmen und zu erleben. Daher dachte ich, ich schreibe mal einen Bericht über die vielen witzigen, skurrilen und schrillen Eigenheiten hier in Japan. Manche Dinge nehme ich selbst schon fast als normal, aber bei genauer Überlegung sind sie doch lustig und anders. Ich bzw. Thorsten haben viele davon fotografiert: Bildergallerie mit Kommentaren.

Mit Dabei sind auch einige „normale“ Fotos. Die ersten paar habe ich mit dem Handy gemacht – sie sind qualitativ etwas schlechter, aber hoffentlich noch erkennbar.

Etwas hab ich noch zu erzählen: Es regnet zur Zeit leider ziemlich oft bei uns. Heute z.B. den ganzen Tag. Ich bin auf dem Heimweg ziemlich nass geworden, trotz Schirm. Bisher hat es immer am Wochenende gehalten und das hoffen wir auch fürs nächste… 

Viel Spaß beim durchschauen
Euer Peter-san

21.03.2005 um 00:11 Uhr

Latest News...

von: gizmo

Hallo nochmal,

ich habe über Corina von dem Erdbeben in Südjapan gehört. Gespürt habe ich selber nicht oder zumindest bin ich am Sonntag morgen nicht davon aufgewacht. Das Zentrum des Bebens ist über 1000km von Yokohama entfernt. Also keine Sorge: es ist hier nichts passiert.

Viele Grüße
Peter

20.03.2005 um 15:18 Uhr

Am Wochenende viel erlebt (mit Bildern)

von: gizmo

Konban-wa daheim,

Endlich ist Wochenende und wir konnten mal was von Yokohama sehen. Samstag waren Thorsten und ich in der Umgebung des Landmark Towers (Minato mirai). Dort ist alles neu gemacht, die Straßen, die Hochhäuser und die Depaatos (EKZ). Der Landmark Tower selbst ist das größte Gebäude in Japan mit 296m Höhe und 70 Stockwerken. Er besitzt den schnellsten Aufzug der Welt mit maximal 45km/h Geschwindigkeit. Damit ist man in 40 Sekunden oben im 69. Stock, dem Besucherstockwerk Namens Sky Garden. Der Blick von dort oben ist wirklich atemberaubend. Man sieht bei guten Wetter (es war aber leider ein wenig diesig) bis zum Fuji-san. Die anderen Hochhäuser außenrum erscheinen einem wie Spielzeug und man sieht jeweils von oben auf die Hubschrauberlandeplätze der Dächer. In nördlicher Richtung konnte man gut die Skyline von Tokyo sehen. Doch der Überblick über Yokohama, den Hafen, das Stadion etc. war supertoll. Ihr seht es auf den Bildern.

Danach sind wir in die 3 Queens Tower nebenan. Darin befindet sich ein berühmtes Schillerzitat an einer haushohen Tafel. Rundherum sind noch viel mehr Kaufhäuser. Ich glaube, die Japaner gehen entweder arbeiten oder einkaufen. Ein Kaufhaus am anderen…

Nach unserem Spaziergang durch den Marinepark mit altem Segelschiff und über die Vergnügungsinsel (künstlich aufgeschüttet in der Bucht) mit Vergnügungspark und natürlich Depaatos sind wir noch zu einem nahe liegenden Tempel. Leider war es schon dunkel, als wir dort waren. Es wird hier morgens zw. 4 und 5 hell, aber abends kurz nach sechs schon dunkel. Wir wollen auf jeden Fall noch mal bei Tag hin. Auch dort gab es wieder – wie überall – einen Getränkeautomaten. Manchmal stehen am Straßenrand oder in einer Seitengasse einfach 1 bis 10 Automaten nebeneinander (siehe Foto). Auf unserem Spaziergang begleitete und ein kleines Lasterchen mit einem Holzgrill hintendrauf, 2 Lampions auf dem Dach und einer laute Meditationsmusik aus Lautsprechern. Er hielt immer wieder an und verkauft etwas an die Anwohner – sah auf jeden Fall ganz lustig aus.

Abends sind wir dann wieder in Bahnhofsnähe und haben dort gegessen. Leider sind fast überall die Karten auf japanisch, so dass man sich mit den Bildern oder den Essensmodellen aus Wachs behilft. Geschmacklich war es wieder mal sehr interessant! Danach noch in eine Bar, wo es auch echt schön war. Nur zahlten wir pro Bier 6 Euro. Das ist hier Standard, sogar Wein und Sake ist billiger. Der Heimweg war etwas chaotisch: wir nahmen einen schnellen Zug, der jedoch eine Station zu weit fuhr. Von dort wollten wir mit dem langsamen eine wieder zurück, nur war es schon 3 nach Mitternacht – also fuhr keine mehr L so mussten wir uns ein Taxi nehmen, um zurück zum Wohnheim zu kommen. Die Türen der Taxis öffnen und schließen sich ja hier automatisch…

Heute waren wir noch mal in der Gegend. Dort im Yamashita Park und auf dem Leuchtturm (anscheinend der höchste der Welt mit über 100m). Die Aussicht bei Nacht über Yokohama war überwältigend. Auf dem Heimweg fanden wir ein Restaurant mit Wachsimitaten der Speisen im Schaufenster und Bilder in der Speisekarte. Das macht es einfacher für uns Analphabeten etwas zu bestellen. Letztendlich war es ein leckeres und umfangreiches Mahl für gerade mal 7,50Euro samt gratis Grüner Tee und ganz in der Nähe der Nobelhotels am Pier. Da soll noch einer sagen, Japan sei teuer.

Aber man sollte am Besten Bilder sprechen lassen. Die Kommentare zu den Bildern stehen jeweils links daneben! 

Sayounara
Peter-san

18.03.2005 um 17:03 Uhr

Endlich Wochenende

von: gizmo

Hallo,

es ist schon krass, wie anders hier alles ist. Die Schlösser und Türgriffe drehen sich andersrum, es herrscht Linksverkehr, Die Zeitungen sind rechts zusammengetackert und dadurch blättert man quasi „von hinten nach vorne“, man bietet vorher Kindern einen Platz im Zug an, bevor man es alten Leuten tut (die Kinder sind ja die Zukunft), usw…

Bei Bosch lebe ich mich auch langsam ein. Asaya-san (der mit der artistischen Balkonaktion) ist der Ingenieur, mit dem wir am engsten zusammenarbeiten. Mit ihm rede ich immer mehr auch über private Interessen. Zu Beginn war er sehr verschlossen und ruhig, aber nun taut er langsam auf. Vielleicht unternehmen wir bald etwas zusammen. Mit den restlichen Praktikanten und Mitarbeitern bei Bosch komme ich auch gut aus. Fachlich kommen Thorsten und ich momentan mit Riesenschritten voran. Wir haben heute schon das Ziel erreicht, was in einem Monat gesteckt war.

Jeden Freitag arbeitet man bei Bosch nur bis 17:00 – man hört also „früher“ auf. So auch heute. Thorsten und ich fuhren gleich weiter an Gumyoji vorbei (da ist unser Wohnheim) zum Hauptbahnhof von Yokohama. Dort wollten wir ein wenig shoppen gehen und danach noch was trinken. Allerdings kann man dort nicht „ein wenig“ shoppen! Wir waren ja informiert durch den Reiseführer. Es hieß, dass man vom Bahnhof aus durch mehrere riesige Depaatos (Kaufhäuser) gehen kann, ohne auch einmal unter freien Himmel zu kommen. Und ich muss sagen, riesig ist untertrieben. Ich habe in Deutschland noch nie so etwas gesehen. Ein unendliches Labyrinth aus Gängen und Einkaufspassagen und zwischendrin gehen Rolltreppen hoch in die Kaufhäuser, die selbst wiederum 8-10stöckig sind und eine unendliche Auswahl an Waren haben. Besonders die Feinschmeckerabteilungen sind sehr interessant – was es dort alles gibt! Auch die Elektronikläden sind umfangreicher als bei uns. Sie haben zwar nur einen Bruchteil der Fläche wie in Deutschland, jedoch mehr Produkte auf engstem Raum. In einem hatte man z.B. die Auswahl aus mindestens 200 verschiedenen Computermäusen!

Nachdem wir nun überall rumgefragt haben (mit Händen, Füßen und japanenglisch) wegen einem Handy, haben wir heute endlich eine flüssig englisch sprechende Japanerin in einem Handyladen gefunden. Dadurch wurde einiges klarer – schließlich will man ja nicht einen unkündigbaren Vertrag aufgebrummt bekommen. Also schlossen wir ihn dort ab und haben das passende Hightech-Handy umsonst bekommen. Man hat zwar eine relativ hohe Grundgebühr, aber mehr als die Hälfte davon ist als Guthaben pro Monat vorhanden. Natürlich wollte ich dann auch gleich so ein Bändchen ans Handy (hat hier jeder mehrere), bekam aber nur gratis eins mit Werbung drauf. Normal hängen da Bärchen, Peace-zeichen, Lederbänder, Metallketten, Perlen oder sonstiges dran. Muss ich mir mal noch ein schönes holen…

Leider haben wir dort in Yokohama-City irgendwie keine normale Bar gefunden. Entweder waren es Patchinko-Hallen (Glücksspiel), Essensbars oder Clubs zu denen Normalos keinen Zutritt haben. Also suchten wir zurück in Gumyoji nach etwas. Dort fanden wir eine kleine schnucklige Bar ganz in der Nähe des Wohnheims. Es ist nur ein Tresen mit 8 Barhocker und ein kleiner Tisch im Eck mit Bank. Wir waren die einzigen Gaijins (Ausländer), aber wir wurden gleich mit allen anderen warm. Wir redeten meist englisch und brockenweise japanisch über Bier, Fußball (Beckenbauer und Kahn sind hier sehr bekannt), über die Sprachen und Gott und die Welt. War echt witzig. Der Barkeeper meinte, dass wir die ersten Gaijins in seiner Bar seien. Es war für die Japaner eine freudige Überraschung, als sie erfuhren, dass wir Deutsche sind (das steigert den Beliebtheitsgrad in Japan ungemein). Man fühlte sich jedenfalls richtig wohl und in die Gemeinschaft integriert. In Deutschland würde man Ausländer in der Stammkneipe wohl leider eher links liegen lassen…

So denn. Es ist schon 1:00 und ich bin langsam platt. Endlich ist Wochenende und ich kann mich erholen ;)

Sayounara
Peter-san

16.03.2005 um 13:20 Uhr

in Japan ist es einfach anders...

von: gizmo

Hallo daheim,

mittlerweile bin ich zwar schon ein paar Tage da, aber habe privat noch wenig erlebt. Ich denke, ich werde jeweils die Wochenenden ausnutzen, um herumzukommen. Ich gehe morgens um 8 aus dem Haus und abends um 20Uhr meist erst wieder heim…

Aber man will ja nicht jammern. Bei Bosch geht es sehr relaxt zu. Dort sieht man, wieso die Japaner im Schnitt am Ältesten weltweit werden: nur kein Stress! Alles geht langsamer als bei uns und doch sind sie so ein tüchtiges Völkchen. Sie kompensieren es einfach durch mehr Arbeitszeit und Perfektionismus!

Gerade sitze ich da und trinke mein ersten Gläschen Sake aus dem 7 Eleven (eine der vielen 24h Supermarktkette). Der Geschmack ist schwer zu beschreiben. Es soll ja so zw. 15 und 17% haben und das schmeckt man auch – fast ein bisschen so wie verdünnter Schnaps! Kaufen kann man es in Flaschen oder in Gläschen mit Deckel (ähnlich wie Marmeladegläser). Auf jeden Fall wird es nicht mein letzter sein ;-)

Das Leben und Einkaufen in Japan ist schon teuer, allerdings nicht alles. Essen in der Kantine kostet z.B. nur 1,50Euro. Eine 2l-Flasche günstiges Wasser jedoch auch! Und da man das Leitungswasser wegen des Chlorgeschmacks kaum trinken kann (ansonsten schon), bleibt einem nichts anderes übrig. Heute habe ich den Antrag für die Alien Registration (also Ausländerpass) gestellt. Zuvor habe ich beim Fotograf 4 Passfotos machen lassen für Sage und Schreibe 23Euro! Jegliche Elektronik und Computerzubehör ist jedoch wiederum günstiger. Die Handys, die es hier gibt, kommen in Deutschland frühestens in 2-3Jahren raus. Heute hab ich z.B. eins gesehen mit UMTS, 2Megapixel, optischen Zoom und 2 Riesenfarbdisplays.

Was ich auch krass finde: man kann ADSL mit bis zu 50MBit beantragen, wobei die maximale Geschwindigkeit nur von der Nähe zur Vermittlungsstelle abhängig ist! Preislich ist es allerdings wie bei uns.

Ansonsten hab ich jetzt auch Internetanschluss. Ist eine lustige Geschichte: Ein direkter japanischer Kollege – Asaya-san – wohnt auch hier im Wohnheim (ist nur für Boschler – jedoch von 30 Zimmern nur 4 europäische Praktikanten, der Rest Japaner) und hat ADSL (mit 2,5Mbit down und 1Mbit up). Mit ihm hab ich darüber geredet und er meinte, dass wir uns das teilen können (er und 3 Praktikanten). Gesagt, getan – nur wie das Kabel vom 3. Stock 15m weiter in den 2. Stock verlegen? Ganz einfach, dachte Asaya-san und warf das Kabel ein Stück voraus, kletterte dann mit Socken außen von Balkongeländer zu Balkongeländer und zog das Kabel weiter – im 3. Stock!!!! So oifach goht des!

So, genug für heute. Was bleibt noch zu sagen? Auff Rächtschaibfähler wirt nichd so gennau geachded, wär sie vinted, darv sie behalden ;-)

Sayounara
Peter-san

P.S. hier noch der Link zu Thorstens Japan-Seiten: http://www.i-build.de/japan/
und hier der link direkt zu meinem Weblog für Leute, bei denen es wegen den Cookies nicht klappt: http://www.blogigo.de/gizmo/

15.03.2005 um 23:51 Uhr

Ein paar Bilder hab ich schon

von: gizmo

Ein paar Bilder hab ich schon - Zuerst sind es Bilder aus dem Flugzeug über Sibirien, dann vom Flughafen nach Yokohama, dann das Wohnheim und mein Zimmer und dann auf dem Weg morgens zur Arbeit: Bildergallerie

15.03.2005 um 15:13 Uhr

etwas mehr zu berichten

von: gizmo

Konban-wa (Guten Abend),

Gestern war ja mein erster Abend bei Bosch in Yokosuka. Leider braucht man wirkich ca. eine Stunde für einen Weg. Zuerst läuft man 15min zum Bahnhof, dann fährt man 20min und danach noch mal 25min zu Fuß zum Werk. Wir waren gestern um 9:00 dort, jedoch fast die ersten in der Arbeit. Die meisten fangen hier gegen 10:00 an. Allerdings waren gestern abend um 19:00 als wir gegangen sind auch noch fast alle da. Der Tagesablauf ist hier also generell nach hinten verschoben. Gestern kamen wir also gegen 20:00 im Wohnheim an und haben dort gleich gegessen (Essen gibt’s auch erst von 20:00 – 22:30). Da bleibt abends nicht mehr viel Zeit und Energie, was zu unternehmen. Aber das wird sich mit der Zeit und mit verkraftetem Jet Lag auch noch verbessern. Gestern Nachmittag bin ich z.B. im Geschäft fast eingeschlafen. Es heißt, dass man pro Stunde Zeitverschiebung genau einen Tag zur Umstellung braucht.

Gestern gab es noch nicht wirklich viel zu tun bei der Arbeit, heute hingegen begann die Einführung zusammen mit Thorsten. War auch aber auch nicht sooo stressig ;-)

Vom Essen her gibt es im Wohnheim günstig Frühstück (jedoch nur japanisches mit Reis, Ei, Rettich und rohem Weiskohl) und Abendessen (was japanisch, aber wirklich gut ist!). Mittags bei Bosch gibt es auch eine Kantine, die aber jede Woche das gleiche haben soll. Bisher ist es aber dort durchaus passabel und gar nicht schlecht – auch japanisch und ausschließlich mit Stäbchen.

An die Autofreacks: euch würdet die Augen rausfallen wegen der Nissan Skynes. Bosch ist direkt gegenüber vom Nissanwerk und ich seh täglich etliche davon. Ist ungefähr so, wie man in Neckarsulm Audi TTs sieht. In Deutschland hab ich noch nie einen von den >=280PS Monstern gesehen. Hier soll es getunte Versionen davon geben mit ca. 1000PS, die theoretisch über 400km/h fahren. Aber es soll bisher noch keiner den Mut dazu gehabt haben.

Was gibt es noch zu sagen? Bisher nicht so viel, da ich entweder geschlafen, ausgepackt oder geschafft habe. 

Und noch eins: für alle mit Problemen beim kommentieren: im Internet Explorer geht Cookies aktzeptieren so:
über „Extras“ -> Internetoptionenen -> Registerkarte „Datenschutz“ -> Knopf „Erweitert“ -> da den Haken oben reinmachen und dann bei beiden Optionen unten „Annehmen“ auswählen.

Sayounara (Auf Wiedersehen)
Peter

13.03.2005 um 13:04 Uhr

Erste Meldung aus dem Reich der aufgehenden Sonne

von: gizmo

Hallo ihr doitsugins (=Deutschländer ;-)),

bin gut angekommen und richte mich gerade im Wohnheim ein. Nur bin ich ziemlich fertig, da ich während dem Flug nur 1,5h geschlafen habe. Ansonsten hat alles geklappt. Der Zollbeamte in Japan wunderte sich zwar, wie man mit 23kg Gepäck 6 Monate in Japan verbringen will, ließ mich aber dann doch passieren ;-)

Da ich momentan leider noch kein eigenes Internet habe, werden die ersten Bilder noch ein paar Tage auf sich warten lassen müssen.

Ansonsten habe ich noch nicht viel gesehen. Das meiste vom Bus aus auf dem Weg nach Yokohama - da lautet der erste Eindruck: alles sehr ordentlich und sauber. Die Autobahn ist blitzeblank und jedes Auto ist gewaschen. Aprospos Autos: Ein Paradies für Japancar-Fans wie mich! schon in den ersten eineinhalb Stunden habe ich unzählich Skylines, RX8, RX7, 350Z und sogar einen del sol gesehen. Also brauch sich mein Mäuschen keine Sorgen wegen den Japanerinnen machen. Ich habe mich hier schon verliebt: und zwar in die ganzen Japansportwagen und die getunten Reiskocher, denen man hier überall begegnet. ;-)

Soweit für heute. Ich räume jetzt noch aus und lege mich ein wenig hin nach meiner (fast) durchgemachten Nacht.

Viel Spaß daheim
Konban-wa - ich geh jetzt gleich wieder schlafen...
Euer Peter

11.03.2005 um 08:16 Uhr

Fast Startklar

von: gizmo

Hallo Zusammen,
 
heute ist mein letzter Tag in Good old Germany! Ich muss nur noch die letzten Vorbereitungen treffen und mein Gepäck "verschlanken", da 23kg für ein halbes Jahr nicht gerade viel ist! Aber anscheinend ist es in Japan gar nicht so unmöglich, Kleidung und Schuhe für 2m-Männer zu bekommen...
 
Jedenfalls hoffe ich auf eure zahlreichen Besuche auf meiner Website und reges Interesse an den Berichten, die ich hier veröffentlichen werde.
 
Ich stecke im Raumanzug, Helm ist auf, bin angeschnallt, Ohren sind angelegt und warte auf den Countdown. Ich werde euch alle während dieser Zeit vermissen - besonders mein Mäusle - aber es ist ja gewiss, dass es nicht für immer ist. Bis in absehbarer Zeit live bzw. demnächst online sehen wir uns.
 
So verbleibe ich mit vielen Grüßen
Euer Peter