Peter in Japan

25.04.2005 um 15:06 Uhr

Fuji-san

von: gizmo

Hallo Daheim,

wie schon vorher angekündigt, waren wir am Fuji-san übers Wochenende. Samstag früh sind wir von unserer Bahnstation um 6:10 los und waren dann ca. gegen 10:00 dort. Wir waren in einem kleineren Ort nördlich des Fuji-san mitten in einer 5-Seen-Ebene. Da das ganze Gebiet um den Fuji-san herum relativ flach, jedoch auf 700m Höhe liegt, ragt er mit seinen 3770m ziemlich imposant heraus. Von den kleineren Hügeln außenrum hatte man eine Superaussicht auf den ruhenden Vulkan und um diese Jahreszeit hat man glücklicherweise meist wenige Wolken und es ist kaum diesig. Nur ist es natürlich etwas kühler, als hier unten in Yokohama (vor allem nachts hatte es 0°C).

Dort wohnt eine deutsche Bekannte (Susanne) von Thorsten und betreibt mit ihrem Freund zusammen eine Art Ökokaffee (namens Solarcafe) mit Übernachtungsmöglichkeit. Da sie dort auch ein paar Katzen, Hunde und Schafe haben, entschieden wir uns jedoch für ein Ryokan (traditionelle japanische Pension) von einer Freundin von Susanne im Nachbarort. Samstag vormittags erkundeten wir den beschaulichen Ort Kawaguchiko direkt an einem der Seen und fuhren mit der Seilbahn auf ein kleines Bergchen, um den Fuji noch besser zu sehen. Runter sind wir dann wieder zu Fuß und fuhren dann mit dem Buss weiter zu einem alten berühmten Schrein. Da diese Schreine meist in einem Wäldchen erbaut sind, herrscht dort himmlische Ruhe und man kann sich gut vom sonstigen Trubel in Japan erholen. Zudem haben die Arrangements aus Holztoren, Steinsäulen, alten Bäumen und shintoistischen Skulpturen eine relaxende Aura. Also hielten wir uns auch dort eine Zeit lang auf, bevor wir schon wieder zurück mussten, um noch rechtzeitig zum Bus zu kommen. Da die Zeit dann doch zu knapp wurde, fuhren wir mit dem Taxi zum Bussbahnhof, anstatt mit dem Bimmelbahn.

Als wir dann am späten Nachmittag das Solarcafe erreichten, labten wir uns an selbstgebackenem Schwarz-/Vollkornbrot und Butter. Ist schon krass, wie man so einfache Dinge vermissen kann im Land der Chinaspätzle (= Reis). Vor dem eigentlichen Abendessen haben wir ein Onsen besucht (traditionell japanisches heißes Bad, häufig mit vulkanisch erhitztem Quellwasser). Ich war schon sehr gespannt darauf, da ich zuvor noch nie im Onsen war. Es war wirklich sehr gut gemacht und schön hergerichtet. Nach dem bezahlen bekommt man gratis 2 Handtücher (ein sehr kleines zum Waschen und ein größeres zum Abtrocknen), zieht sich um bzw. aus und geht ins Bad. Dort wäscht man sich zuerst mit Hilfe des kleinen Handtuchs sitzend auf Schemeln oder wahlweise Grantiblöcken - Duschgel und Shampoo stehen auch bereit. Dieser Badebereich ist übrigens nach Geschlechtern getrennt, bevor da falsche Vermutungen aufgestellt werden. ;-)

Das Onsen selbst besteht dann aus mehreren Räumen bwz. es gibt auch im Freien Becken. Alle haben unterschiedliche Temperaturen, so dass für jeden etwas passendes dabei ist. Es geht von "kochend heiß" über angenehme Badewannentemperatur bis zu arschkalt. Auch Saunakabinen und ähnliches sind vorhanden. So probiert man alles mal durch und weiß dadurch schon bald, wo es einem gefällt (vor allem von der Temperatur her). Das kleine Handtuch legt man dabei normal zusammengelegt auf den Kopf bzw. wir haben es als Stirnband rumgebunden. Es darf auf keinen Fall das klare und reine Wasser des Onsen berühren, da es ja durch die vorherige Wäsche "verunreinigt" ist.

Alles in Allem war es sehr entspannend und man fühlt sich danach richtig erholt (und nicht fertig und erschlagen, wie ich es wegen der Hitze erwartet hätte). Ich denke, ich werde jetzt öfter mal in ein Onsen gehen...

Danach wurden wir freundlicherweise abgeholt von Jake (Freund von Susanne) und wurden im Solarcafe mit Pizza und Bier verköstigt. Gegen 23:30 wurden wir von der Ryokanbesitzerin im Minivan abgeholt und bezogen unser Quartier. Es bestand aus 2 Zimmer à 8 Tatamimatten (1 Tatamimatte = 180cm*90cm - das ist hier die Maßeinheit bei Zimmern) mit einer Schiebetüre dazwischen. So hatten wir einen großen "Schlafsaal" zu acht. Die Nacht war relativ kurz und kalt, da Ryokans nicht wirklich isoliert sind und die einzige Heizung über Nacht aus einer Heizlampe unter dem Tischchen in der Mitte besteht.  In 700m Höhe wird es auch jetzt noch Nachts empfindlich kalt.

Daher bin ich mit Jana und Florian schon vor dem Frühstück raus zum See und habe dort schöne Fotos in der Früh' geschossen. Nach dem Frühstück gings mit der ganzen Truppe auf Wanderschaft zu den verschiedenen Höhlen in der Umgebung: bat cave, ice cave und wind/lava cave. Leider gab es in ersterer keine Fledemäuse, sie waren aber dennoch alle sehr interessant. Die Engstellen zwischendurch erinnerten stark an unsere "Indiana Jones Höhlenexpedition" in Thailand auf Koh Lanta (Insider wissen Bescheid). Zumindest gab es in der ice cave ein paar schöne Eiszapfen, ja fast Skulpturen!

Nach einer weiteren Stärkung im Solarcafe fuhren wir zurück ins Städtchen und suchten uns einen Platz am Seeufer. Leider war es Sonntags nicht mehr ganz so warm, wir verbrannten uns aber trotzdem alle leichte den Pelz ;-)

Gegen 19:00 war die Abfahrt aus der Natur zurück Richtung Metropole Tokyo. So erreichten wir sehr erschöpft, aber mir vielen neuen tollen Eindrücken unser Wohnheim gegen 22:30.

Hier die zugehörige Bildergallerie vom Fuji-san und Umgebung.

Ach ja: rechts in der Weblog-Navigation unter dem Kalender gibt es jetzt alle Bildergallerien in einer Übersicht.

Bis zum nächsten Mal
Euer Peter