Hallo,
Hab mich jetzt ja schon eine Weile nicht mehr gemeldet *schäm*, dafür schreib ich euch heute was Neues am 1. Mai! Hier ist zwar auch Tag der Arbeit, aber kein besonderer Feiertag. Von dem her werde ich nachher noch ein wenig nach Yokohama reingehen und mir ein bisschen was ansehen. Leider keine Leiterwagentour durchs Grüne :-( Ich hab mir schon überlegt, ob ich mir ein Bier kaufen soll und eine Runde durch einen Park laufen… ;-)
Jedenfalls war letzte Woche nicht viel los nach der Arbeit. Erst am Donnerstagabend bin ich hoch zu Keisuke (wohnt im gleichen Wohnheim). Oezcan (ein Praktikant) flog am Freitag zurück in die Heimat und wir gaben ihm noch eine Mini-privat-Abschiedsparty. Sven und Thorsten waren auch dabei, letzterer ging allerdings schon wieder früh, da er ja per Nachtbus weiter nach Kyoto nahm. Wir feierten noch feuchtfröhlich und Hildes Kirschschnaps kam sehr gut bei allen an!
Das wiederum erschwerte am nächsten Morgen das Aufstehen ungemein, aber wat mut, dat mut. Schließlich wollte ich ja mit Wolfgang zusammen zur japanischen Judo-Meisterschaft nach Tokyo. Wir wollten rechtzeitig da sein, um noch eine Karte und einen guten Platz zu bekommen. Das klappte auch alles gut und wir hatten quasi die besten Plätze der Billigkategorie. Es fand im Tokyo Budokan statt (dort sind auch öfter Konzerte und andere Kampfkunstveranstaltungen). Es war ganz interessant, auch wenn ich mehrmals dabei fast weggeknackt bin. Judo ist ja eigentlich nur eine Art japanisches Ringen, also nur Würfe und Haltegriffe. Ein Kampf geht maximal 6 Minuten und wenn einer richtig geworfen wird (dass er auf den Rücken fällt), hat der andere gewonnen: „Ippon“. Daher sind die Kämpfe teilweise sehr kurz bzw. bestehen aus 5 Minuten abtasten und dann einen blitzartigen Wurf und es ist aus! Was noch krass war: normal sind die Japaner ja im Durchschnitt sehr schmächtig und uns Europäern körperlich unterlegen. Ganz anders dort: fast alle Zuschauer waren Judokämpfer, die mit ihrem ganzen Dojo anrückten. Lauter Japaner im Arnold Schwarzenegger Format! War etwas beänstigend. Auch unter den Kämpfern befand sich nur einer mit 70kg (der letzte Olympiasieger), alle anderen waren zwischen 90 und 160kg! Was noch krasser war: jeder zweite von den Judo-Zuschauern hatte verkrüppelte Ohren. Die innere Form der Muscheln war nicht normal, sondern gefüllt mit narbigem Haut/Fleischgewebe. Dazu noch das Format eines Kleiderschranks, kurz gescherte Haare und eine finstere Miene… huiuiui! Heute habe ich Keisuke gefragt, ob die Ohren irgendwie als Strafe von der Yakusa auf heiße Herdplatten gehalten wurden o.ä. Aber es kommt anscheinend daher, dass die traditionellen Dojos auf Tatamimatten (Reisstroh) trainieren und die Kämpfer bei den Würfen oft auf die Seite (also auf die Ohren fallen). Dabei verletzten sie sich ihre Watscheln oft und mehrmals nacheinander, das dann über Jahre hinweg und fertig sind die Herman-Munster-Ohren!
Am Ende des 6-stündigen Turniers hat erneut der amtierende Meister gewonnen.
Danach fuhren wir noch nach Ginza (Nobelviertel), da dort im Apple-Computer-Shop eine Party anlässlich des neuen Betriebssystems gegeben wurde. Apple ist hier (wie in den USA) ungemein beliebter als bei uns, daher hatten noch viele andere dieselbe Idee wie wir. Zuerst schlappten wir Richtung Eingang, bis ein freundlicher Angestellter uns auf die Warteschlange verwies, deren Ende 5 Blocks weiter sei. Wir wollten uns selbst überzeugen, wo das Ende ist, gaben aber nach 500m entgeistert auf. Einfach so seitlich mit reinstellen ging auch schlecht, da an jeder Ausfahrt und Straße jeweils 2 Uniformierte die Schlange unterteilten und in Schach hielten. Also liefen wir parallel zur Schlange kurz vor dem Eingang und als die sich in Bewegung setzte, liefen wir (blöd durch die Gegend guckend) einfach mit rein ;-) Japaner sind viel zu höflich, um da was zu sagen oder sich aufzuregen, und wir umgingen so 2h Wartezeit…
Drinnen gabs dann gerade mal eine poplige LED-Lampe und ein Gewinnspiel. Ansonsten halt Produktpräsentationen und einen DJ. War trotzdem mal nicht schlecht und ich hab noch ein wenig Zubehör zu meinem IPod gekauft (bin seit letzter Woche stolzer Besitzer so eines MP3-Players mit 30GB und Fotofähigkeit). Hier in Japan rentiert es sich halt, da ich locker täglich mindestens 2h höre.
Am Samstag hab ich dann erst mal ausgeschlafen (wie heute auch) und bin danach nach Asakusa. Das ist der traditionellste Stadtteil Tokyos mit einigen alten Häusern (u.a. auch alte Samuraihäuser) und vielen Läden mit Schwertern, traditioneller Kleidung etc. Es war halt relativ voll und so war im Schrein auch eher Volksfeststimmung als Andächtigkeit (die ich sonst immer so genieße). Interessant wars allemal und ich fand endlich eine Yukata (eine Arte Bademantel) und einen japanischen Hausanzug in meiner Größe. Ein Schwert hab ich (noch) nicht gekauft, aber es gab eine beachtliche Auswahl dort! Nach ein paar gemütlichen Stunden dort und einem Mahl am Straßenrand (Thailand lässt grüßen), bin ich weiter nochmals nach Akihabara (Electric City). Ich hatte von einem Geschäftskollegen eine kleine Karte zu einem Hobby- und Modellbaushop dort bekommen. Und der war wirklich gut ausgestattet! Wieder mal typisch japanisch klein aber unendlich voll und effektiv bestückt. Da ich das früher oder später eh noch von hier mitnehmen wollte, sprang mir dort ein Mini-Z MR02 (Nissan 350Z) in die Hände und das Zubehör und andere Karosserien (Enzo, Supra, S2000) gleich hinterher ;-) Holger & Steve: macht euch also auf was gefasst, wenn ich zurück bin! Dann gibt’s Race-Action ohne Gnade ;-) Ist schon krass: die kosten hier grad die Hälfte wie in Deutschland!
Heute ist ich nun hier und beneide euch um euere Wanderung und euer Fest gestern und heute! Habt viel Spaß dabei!
Nachher werde ich noch mal nach Yokohama rein und ein wenig bummeln (u.a. die Expo-Karten für unsere Reise dorthin kaufen). Vielleicht schau ich mir auch noch einen Schrein oder Tempel an. Danach will ich nicht allzu spät zurück sein und mir noch Gulasch (nach Sauerbratenart) mit selbstgemachten Spätzle kochen! Mal sehen, ob ich das hinbekomme mit meiner einzelnen Herdplatte und ohne Ofen! Ich werde euch dann über den Genussgrad Bericht erstatten... Schließlich will ich hier ja auch ein wenig Feiertagsstimmung!
Wie immer hier noch die Bildergallerie dazu!
Als dann
Viel Spaß heute noch!
Euer Peter