Gedanken, die die Welt nicht braucht

27.01.2005 um 19:57 Uhr

Studiengebühren - NEIN DANKE!

von: Graefin

Gestern also nun die Entscheidung der Karlsruher Richter über das Thema Studiengebühren. Die Entscheidung liegt nun bei den Ländern, Glück für diejenigen, die nicht in einem Unionsregierten Bundesland leben....Danke Niedersachsen für unsere derzeitige Landesregierung.

Ich finde es klasse, dass mein 1. Fach schon gar nicht mehr existiert an unserer Uni. Vor einem Semester wurde der Studiengang Soziologie Magister abgeschafft, Dozenten gehen und keine neuen rücken nach. Ebenso in Englisch. Dort werden vakante Stellen erstmal nicht neu besetzt. Als wenn diese Zustände (da gibt es noch viele weitere Dinge in Hannover!) nicht schon genug wären, sollen jetzt auch noch die Studiengebühren kommen.  Ich finde es an sich schon schlimm genug, dass an der Bildung von vorne bis hinten nur gekürzt wird. Das fängt schon beim Kindergarten an. Und Elite Unis schafft man nicht mit Mittelkürzung. Ach ja, Elite Unis. Das ist eh eine Sache für sich...eine dumme Idee ist das.

MIch betreffen die erstmal angesetzten 500€ zum Glück nicht mehr, aber viele andere schon. 500€ sind eine Menge! Ich brauche im Monat 600€ um Miete, Essen, Bücher, Kleidung und Rechnungen zu bezahlen. Wenn meine Eltern noch 500€ mehr zahlen müssten, würden sie sich bedanken (Bafög bekomme ich nämlich nicht, schöne Bürokratie). Von März bis Novemeber gehe ich außerdem arbeiten, so dass meine Eltern nur noch die Miete zahlen.

Und dann der Kommentar von Goppel: Die Studenten sollten doch auf Dinge im Wert von 100€ pro Monat verzichten. Oder 2 Nachhilfestunden geben. Häh? Für eine Nachhilfestunde 50€??? Dafür muß ich 5 Stunden arbeiten!
Für mich würden 100€ weniger heißen: kein ESSEN! Oder eben keine neue Kleidung mehr kaufen, oder keine Rechnungen bezahlen, oder kein Kino mehr, kein Cafe, keine Kneipenbesuche, von den letzteren DIngen mache ich eh selten etwas,
Ich möchte diesen Minister mal sehen, wenn er auf 100€ im MOnat verzichten sollte. Von den 300€ die ich im Monat neben der Miete habe, bleibt am Ende GAR NICHTS übrig. Vor allem kann auch nicht jeder Student zu Hause wohnen bleiben! Man sucht sich ja seinen Studienplatz nicht danach aus, ob man nahe an "zu Hause" wohnt.

Dann noch das Thema arbeiten neben dem Studium: Ich habe das Glück einen Wochenendjob zu haben. Aber wer 2-3 Tage in der Woche arbeiten muß, weil die Eltern eben nicht alles zahlen können, hat schonmal mehr Streß seinen Studienplan zusammenzustellen und ihn auch zu bewältigen. Vor allem überschneidet sich das Angebot, wenn man 2 Fächer studiert, oftmals. An zwei Tagen der Woche ist einfach alles, was man belegen muß/möchte, an den anderen Tagen ist gar nichts oder es fällt genau in das Seminar von dem anderen Fach.

Studiengebühren können ja auch von Vorteil sein. Sie sollen ja komplett in die Lehre fließen. Ich bezweifle allerdings ob man als Student da von Anfang an etwas von merkt. An den Unis ist in letzter Zeit viel kaputtgekürzt worden und mit den neuen Geldern wird sicher nicht sofort etwas passieren. Aber als Student geht man dann sicher anders mit überfüllten Hörsälen und Mangel an Platz um. Nur ob es was bringt sich gegen Uni interne Mißstände zu wehren wenn man die Gebühren letztendlich zahlt? Wird man dann plötzlich erhört, denken die Profs und die "Oberen" dann plötzlich anders?

Nun gut, ich habe genügend darüber gemeckert. Zum Schluß noch: "Alle in Europa haben aber Studiengebühre und die kommen damit auch klar." Schön, sind wir "alle"? Haben die anderen europäischen Staaten vielleicht auch andere Bildungssysteme und sind sie es vielleicht mit der Uni auch anders angegangen von vornherein?




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