ein jahr malaysia

29.11.2005 um 19:19 Uhr

Nach Hause

von: groepe

Stimmung: immernoch traurig
Musik: keine

Nach fast elf Monaten muss ich mich jetzt langsam an den Gedanken gewöhnen, bald wieder nach hause zu fahren. Nach all den Strapazen, Enttäuschungen, Niederlagen und vor allem auch Langeweile bleiben doch viele schöne Erfahrungen.
So viele Leute die ich kennen gelernt, so viele dinge mir angewöhnt und soviel lieb gewonnen. Bei allen Meinungsverschiedenheiten, die Menschen haben etwas. Ich kann nicht genau sagen was ich an ihnen mag, aber sie haben etwas, was die meisten Deutschen nicht haben. Ich kann es leider nicht in Worte fassen, aber wenn mir noch was einfällt schreib ich es sicher, denn das werde ich sicher am meisten vermissen.
Am Samstag musste ich mich von den meisten der anderen Austauschschüler verabschieden. Wir hatten AFS Farewell Dinner in Port Dickson. Als wir alle „Leaving on a jet plane“ singen sollten(zugegeben: es ist etwas schnulzig) wurde mir schlagartig bewusst, wie begrenzt meine Zeit hier doch ist und dass schon bald Zeit war sich von den Schülern, die inzwischen Freunde waren, der Gastfamilie, die schon wie eine richtige Familie für einen geworden ist, und von diesem Land im ganzen zu verabschieden. Es brauchte nur den Auslöser, nur so ein wenig mehr… und da war es, dieses Lied: alles brach in Tränen aus. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass es mich so mitnehmen würde, aber bis Heute(Mittwoch) ist mir das Herz noch schwer. Ich frag mich wie es am Flughafen werden soll…
Bis zu jenem Tag dachte ich, „alles klar, in zwei Wochen biste wieder zu Hause, bei deiner Familie, deinen Freunden, tust die dinge, die du immer gemacht hast, gehst zur Schule, Parties, alles wie üblich“.
Vielleicht hatte ich Recht und es wird alle wieder so. Vielleicht auch nicht. Aber etwas ist sicher anders: Ich werde mich immer auf den Tag freuen an dem ich hierher zurückkommen kann. Ich komme ins grübeln, auf welchem Weg. Traveln, FSJ, Auslandssemester…? Und dann wären da natürlich noch all die anderen Länder auf die ich neugierig bin. Ich glaube, inzwischen verstehe ich voll und ganz meine Schwester, die den Löwenanteil ihrer Freizeit mit Arbeiten verbracht hat um ihre große Reise zu machen. (Blog)
Bankraub ist wohl leider keine Option.

05.10.2005 um 14:42 Uhr

Ja, ich lebe noch

von: groepe

Musik: beatsteaks

Hat wieder lang genug gedauert und ich könnte mir jetzt ne Entschuldigung ausdenken warum, aber die schliche Wahrheit ist: Ich war zu faul(wieder einmal). Passiert ist jedenfalls genug um davon zu erzählen… Ich bin inzwischen umgezogen und wohne jetzt nicht mehr in Ipoh sondern in Lumut. Das liegt etwas westlich von Ipoh, an der Küste. Ich wohne jetzt bei einer Malayischen Familie. Seit heute ist Fastenmonat. Tagsüber wird nicht gekocht. Ich Versuche mich auch ein wenig am fasten. Aber trinken muss ich und nachmittags kann ich mich auch nicht beherrschen und esse etwas Kleines.


Meine neuen Freunde.
Sie strolchen immer ums Haus.




Pulau Redang(Redang Island)

Im April hatten wir einen Trip dorthin. Es soll angeblich zu den zehn schönsten Inseln der Welt gehören, und nachdem ich da war ist es nicht schwer zu glauben. Türkisblaues Wasser, weiße Strände, Palmen… Wir verbrachten unsere Zeit mit Schnorcheln und am Strand. Zwei Tage ließen sich wirklich gut damit auffüllen und wir waren alle traurig wieder zu gehen.




Nummer 1…




…und Nummer 2


Seremban

Seremban ist eine Stadt im Negara Sembilan(mal. „neuntes Land“) südlich von Kuala Lumpur. Ich verbrachte dort zwei Wochen mit einer chinesischen Familie im Rahmen des Short Term Exchange. Mit der Familie kam ich gut zurrecht. Ich wohnte mit Mutter, Vater, Schwester, zwei Brüdern, Oma, Uroma und Indonesischer Maid. Ja, hier werden die alten nicht einfach ins Heim gesteckt.
Die Familie war sehr religiös und so musste ich sonntags mit in die Kirche und ins „Bible Camp“. Meine Gastmutter war Leiterin einer Sonntagsschule dort. Ich konnte nicht wirklich etwas damit anfangen. Ich verbrachte viel Zeit mit einer der Neuankömmlinge aus der Schweiz.
Erwähnenswert wäre Hari Merdeka(der Unabhängigkeits-Tag Malaysias). Am Vorabend feiert das ganze Land seine Freiheit mit Paraden und Konzerten. Es herrscht Volksfeststimmung und im Fernsehen laufen Spots, die rauskehren, wie toll es doch ist, dass wir uns alle gegenseitig respektieren, auch wenn wir unterschiedlich sind. Etwas geheuchelt, wie ich finde(siehe unten).



Feierlichkeiten am Vorabend.


Am eigentlichen Feiertag gibt es in Putrajaya(der Regierungsstadt) eine große Parade mit allem worauf sie stolz sind: Eliteschulen, Wagen von Universitäten, Polizei, Feuerwehr, Airforce, Army, usw…
Insgesamt marschierten etwas über 30.000 Menschen mit. Vor ein paar Jahren haben sie mal den Weltrekord für die längste Parade gebrochen. Es dauerte Stunden.


Parade mit…




…Universitäten




…und anderen Sachen…




…Nochmal.

Putrajaya macht immer einen etwas Leblosen Eindruck. Ein Metropole der Pompösen Architektur erbaut in den letzten 7(!) Jahren. Das Primeminister-Office erinnert eher an einen Palast.


Das Primeminister-Office in PJ

Wer meint die Amerikaner seien doch schon etwas zu patriotisch, der soll mal hierher kommen. Auch wenn man von den Chinesen und Indern immer viel Unmut über Malaysia hört, sind sie bei solchen Aktivitäten vorne mit dabei und schreien brav „Merdeka!“(mal. „Freiheit“) im Chor mit den anderen und singen die Nationalhymne. Wie hypnotisiert….


Die Hymne ertönt aus den Lautsprechern
und alles bleibt stehen





Sarawak

Der zweite Optional Trip mit AFS, im September. Sarawak ist ein Bundesstaat Malaysias und liegt auf der Insel Borneo. Es ist durch die Holzwirtschaft der reichste Staat, auch wenn dort insgesamt nur zwei bis drei Million Menschen leben und das, obwohl es fast so groß wie die ganze westmalayische Halbinsel ist. Die Menschen unterscheiden sich stark von denen auf der Halbinsel. Es gibt über 20 Ethnische Gruppen und die Prägung durch den Islam ist dort kaum noch zu spüren. Die größte Gruppe sind die Iban mit ca. 700.000. Sie sind zum Teil Christen oder in abgelegenen Regionen Animisten. Aber auch die Christen haben den Glauben an Geister etc nicht abgelegt. Traditionell leben sie in Longhouses. Das sind, wie der Name schon sagt, in die Länge gezogene Häuser, auf der einen Seite Privaträume, auf der anderen Seite ein großer Wohnraum. In diesen Häusern findet man meist einige Schädel, in Netzen aufgehängt. Bis in den zweiten Weltkrieg gab es dort noch die Kopfjagd. Es galt als ehre den Kopf eines Feindes zu erbeuten. Die Kolonialherren hatten es natürlich schnellstmöglich verboten, aber im Krieg gegen die Japaner wieder freigegeben. In Kuching(= mal. „Katze“), der Hauptstadt, sind die Einflüsse noch etwas Englischer als auf der Halbinsel. Ist wohl darauf zurückzuführen, dass es erst später unabhängig wurde. Der Reichtum ist nicht schwer zu sehen. Es ist deutlich gepflegter als in mancher westlichen Stadt. Allerdings sind die Leute hier noch mal entspannter als sie es in Malaysia sowieso schon sind.


Kuching von oben

Zu dem eigentlichen Trip: Von KLIA gings mit air asia nach Kuching. Flugdauer: 1:51h. Von dort fuhren wir mit dem Bus weiter zu unserer ersten Unterkunft, ein Holzhaus halb am Strand, halb im Urwald. Als wir ankamen war es Mittag und wir machten uns Sorgen ob wir überhaupt ein Auge zubekommen könnten bei der Hitz. Nachts stellte es sich aber als durchaus erträglich raus. Den Tag verbrachten wir am Strand und mit einer Wanderung durch den Dschungel zu einem kleinen Wasserfall. Bei 100% Luftfeuchtigkeit und über 30° C kein Sonntagsspaziergang.


Der „Wasserfall“

Am nächsten Tag fuhren wir dann zurück nach Kuching zur unserer zweiten Unterkunft. Eine Art Hotel, sehr gemütlich eingerichtet und modern Ausgestattet. Die besten Toiletten, die ich in meinem ganzen Jahr gesehen habe. Auf dem Weg dorthin machten wir an dem „Cultural Village“ halt. Man konnte die traditionellen Häuser der Einheimischen besichtigen und einen Hauch von deren Lebensstil kennen lernen.


Longhouse von Innen

Am nächsten Tag besuchten wir eine Krokodilfarm. Die Fütterung hatten wir leider verpasst, also konnten wir nur große, faule Krokodile sehen. Es gab dort Fotos von Krokodilangriffen. Die Biester sind wohl ohne weiteres in der Lage einem ein Bein auszurupfen.


Faule Krokodile

Den Abend verbrachten wir in einer Karaokebar. Karaoke ist in Malaysia sehr beliebt. Am letzten Tag besichtigten wir auf dem Weg zum Flughafen noch eine Erdwarenfabrik.


Garnicht so einfach…

Zurück in KL nahm ich den Bus nach Hause.


Pangkor Island

Dort war ich letztes Wochenende. War ganz nett, aber es kann mit Redang einfach nicht mithalten. Schön war es trotzdem. Leider war das Wasser beim Schnorcheln etwas trübe und ich bin dann lieber paddeln gegangen. Das war auch gut und ich habe viele Seeotter gesehen.


Ich denke das war’s erstmal. Wenn mir noch was einfällt schreib ich’s (vielleicht) Gruß Peter

05.04.2005 um 12:38 Uhr

Hunger?

von: groepe

Den bekomme ich hier selten, eher bin ich glücklich hier nicht im Besitz einer Waage zu sein, denn langsam schlagen die Leckereien an. Das Essen ist hier recht fettig, aber vieles ist auch wirklich lecker. Allerdings, auch wenn ich kein großer Fleischesser bin, würde ich manchmal gerne wieder etwas Rind oder Schweinefleisch essen. Meine Gastfamilie isst kein Rind(sie sind Hindus) und, wie viele Inder hier, auch kein Schwein. Es gibt hier meistens Huhn oder Fisch, wobei ich bei Fisch natürlich von zu Hause sehr verwöhnt bin. Hin und wieder gibt es etwas Alternatives, wie Hammelfleisch, Lamm oder Seafood. Letzteres ist eher selten. Hammelfleisch mag ich nicht wirklich, Lamm ist schon mal ne gute Abwechslung, denn Huhn und Fisch sind langsam wirklich über und ich beschränke mich auf Reis mit Curry und lasse das Fleisch aus. In der Schule esse ich meistens Nasi Goreng mit einem Spiegelei als Beilage. Zur allgemeinen Information: Nasi Goreng heißt wörtlich übersetzt Reis gebraten, und was anderes ist es auch nicht, schmeckt aber nicht schlecht.
Eigentlich zu diesem Eintrag animiert hat mich allerdings etwas anderes: Ich hatte grade einige frittierte Bananen(zu malayisch: pisang goreng) und mir ist zum ersten Mal aufgefallen, dass ich etwas vermissen werde, wenn ich nicht mehr hier bin. Das ist hier nämlich wirklich genial: Es gibt an den Straßen und auf Märkten oft kleine Stände, wo frittierte Sachen, wie zum Beispiel Bananen, etwas aus Süßkartoffeln, Kokos oder Reis und Fischmehl verkauft werden. Letzteres wird nicht jeder mögen, ich taste mich auch nur langsam vorwärts was das angeht.

31.03.2005 um 10:37 Uhr

...

von: groepe

Mittwochnachmittags hatten wir etwas zusätzlichen Matheunterricht. Ausnahmsweise war es mal einigermaßen still in der Schule, weil nachmittags im dritten Stock normalerweise kein Unterricht ist. Auf einmal wurde alles ganz ruhig und die Mathelehrerin legte den Stift weg, mit dem sie eben noch an der Tafel geschrieben hatte. Erst dann realisierte ich, dass der Muezzin in der nahe gelegenen Moschee zu singen begonnen hatte. Während der Gebete soll man einen Augenblick Pause machen, bei allem was man tut, war die Antwort auf die Frage an meinen Klassenkameraden.

Ich hab einige Bilder aus der Schule hochgeladen. Außerdem hab ich mich mal angefangen, die Bilder in der Galerie mit einem kurzen Kommentar zu versehen. Es werden in den nächsten Tagen wahrscheinlich noch einige dazu kommen. Wenn jemand die Bilder in voller Auflösung braucht, dann soll er einfach fragen. Hatte nur keine Lust jedes mal 2 mb hochzuladen anstelle von 100-200 kb.

21.03.2005 um 09:48 Uhr

Nach langer Zeit nun mal wieder ein Eintrag

von: groepe

Leider fehlte mir in letzter Zeit etwas die Motivation wieder etwas zu schreiben. Wenn ich sagen würde, ich habe zu wenig Zeit gehabt, wäre es eine glatte Lüge. Im Gegenteil: Ich hatte mehr Zeit als mit lieb war und Langeweile und Alltag nahmen überhand. Auf der anderen Seite ist auch in dieser etwas langweiligen Zeit die Welt nicht stehen geblieben. Wie dem auch sei, ich versuche in Zukunft etwas häufiger zu schreiben, kann aber auch nichts versprechen, schließlich bin ich ja nicht nur hergekommen um anderen davon zu erzählen .


Also wo anfangen?

Was hier noch eine große Rolle spielt ist Religion. Viele Menschen gehen ein oder mehrmals die Woche zur Moschee, Kirche oder zum Tempel, je nachdem welcher Religion sie angehören. Dementsprechend sieht man viele Religiöse Einrichtungen. Wenn es ruhig ist kann man die Muezzine aus drei verschiedenen Richtungen hören. Sie haben irgendwie etwas, diese Gesänge. Speziell wenn das Licht dämmerig ist, kommt eine merkwürdige Stimmung auf. Ich denke das ist etwas was man selbst erfahren muss. Ich kann die Stimmung auch schlecht beschreiben und natürlich wird es auch nicht jeder gleich empfinden. Gebetsräume für Muslime gibt es auch überall. Auch in Schulen und Autobahnraststätten. Ich selbst habe noch keine Moschee besucht und oft sind diese auch für Besucher geschlossen.
Dafür aber schon den einen oder anderen Tempel. Die gibt es hier in jeder Größe, jeder Lage und sind entweder Buddhistisch oder Hinduistisch. Buddhisten Tempel sind meist chinesisch und Hindu-Tempel indisch. Ich habe leider bisher nur einen Buddhistischen Tempel besucht. Ich sage „leider“ weil ich die Atmosphäre dort sehr genossen habe. Der Tempel ist recht einsam zwischen Dschungel und Obstplantagen(die hier auf den ersten Blick nicht unbedingt von Dschungel zu unterscheiden sind) und weit ab von jeglichem Straßenlärm an einem Berghang gelegen. Die ganze Anlage ist von gewaltiger Größe. Oben am Berghang wacht eine große Statue. Statuen gibt es übrigens viele dort. Einige sind wirklich malerisch. Ich habe mir dann die Mühe gemacht bis zu dieser großen Statue die Treppen hochzustratzen. Man vergießt viel Schweiß dabei, aber letztendlich lohnt es sich. Es herrschte tiefe Ruhe und man hat einen schönen Blick über die Gegend. Leider haben meine Gastgeschwister dafür keinen Sinn. Ich hoffe ich kann noch mal alleine dorthin gehen um das ganze etwas mehr zu genießen.
Was Hindus und Buddhisten ganz sicher gemeinsam haben ist, dass es bei beiden viel Räucherstäbchen und ähnliches gibt. In Buddhisten Tempeln gibt es das in vielen Variationen, die Hindus sind da anscheinend etwas bescheidener. Hindu Tempel gibt es sehr viele verschiedene. Das Spektrum reicht von kleinen, freistehenden Tempeln, die irgendwo zwischen Wohngebieten, Wohnblocks und Klärteichen(die gibt es übrigens zuhauf hier) liegen, bis zu gewaltigen Tempelanlagen, die tief bis in die Sandsteinhügel der Gegen reichen. Die Zeremonien der Hindus sind zumindest für den Durchschnitts-Europäer etwas gewöhnungsbedürftig. Im Gesamten geht das ganze eher laut von Statten. Gewöhnlich wird während der Zeremonien kontinuierlich eine Glocke angeschlagen und manchmal gibt es auch einige Musiker. Es handelt sich dann meist um einen oder mehrere Perkussionisten und einen Flötenspieler. Die Trommeln machen hier die Musik aus, die für unsere Ohren wohl zumeist etwas merkwürdig klingt. Allerdings findet man einiges auch in sehr modernen westlichen Musikrichtungen wie „Drum n’ Bass“ wieder, was für die meisten Menschen wohl auch etwas merkwürdig klingt. Es gibt außerdem noch eine Reihe von Verwandlungs-Zeremonien, in denen der Verwandelte den eigenen Verstand sozusagen schlafend stellt und ein Geist durch seinen Körper zu sprechen beginnt. Die Zeremonien laufen unterschiedlich ab: Bei einigen sind es nur einige Rituale und der Geist beginnt zu sprechen, andere trinke einige Liter Bier um den Menschen schlafen zu legen. Das ganze hat unterschiedliche Ziele. Einige sagen dann die Zukunft voraus und andere sollen nur beschwichtigt werden. Manchmal ist das ganze etwas unheimlich. In wieweit man nun daran glaubt bleibt jedem letztendlich selbst überlassen aber es gibt sogar Leute au Europa, die herkommen nur um sich von denen was erzählen zu lassen. In allen diesen Dingen bin ich kein Experte. Ich kann nur beschreiben was ich sehe. Wer sich eingehender mit der Religion und anderen Glauben befassen möchte, besorgt sich besser einige gute Bücher darüber.
Auch zuhause sind die Menschen was ihren Glauben betrifft nicht untätig. Meine Gastfamilie(Hindus) hat zum Beispiel auch einige kleinere Götterbilder an den Wänden und eine Art Schrein.


Der Schrein
(etwas überbelichtet damit man mehr sieht)
für originalgetreuere Belichtung in der Gallerie schauen


Manchmal läuft eines meiner Geschwister mit einer Art Schale auf der Lichterloh brennender Räucherkram liegt in der einen Hand und mit einer Glocke in der anderen durch das Haus. Oft wird dann auf einem Stein vor dem Haus auch etwas Rauchwerk angezündet. Das soll böse Geister vertreiben. Ich weiß allerdings nicht in wieweit diese Rituale mit der Religion verknüpft sind. Auch unsere Chinesische Nachbarin kann man beobachten, wie sie einige Räucherstäbchen in ein Gefäß vor dem Haus steckt und sich davor verneigt. Ich weis darüber allerdings kaum etwas. Noch…


Rächerstäbchen der Nachbarin

Nicht-Muslime dürfen übrigens ihre Religion frei wählen. Auch kommt es vor, dass Chinesen und Inder heiraten. Allerdings ist es seltener, dass ein(e) InderIn oder ChinesIn eine(n) MalayIn heiratet, weil die Malayischen Väter in der Hinsicht doch recht streng sind.
Hier heiraten die Leute auch deutlich früher als in Deutschland und haben auch früher Kinder. Man sieht oft wirklich junge Familien, was man in Deutschland gar nicht (mehr) gewohnt ist.
Über meine Gastfamilie hab ich bisher noch nicht viel berichtet. Ich möchte mich auch in Zukunft nicht über jedes Detail diesbezüglich auslassen. Ich meine, wer wäre denn schon gern Gegenstand eines öffentlich zugänglichen Berichtes ohne überhaupt zu wissen was eigentlich berichtet wird? Also nur ganz kurz: Meine Gasteltern stammen aus Südindien, sind Tamilen und Hindus. Sie haben vier Kinder zwischen drei und elf Jahren. Außerdem lebt noch die Oma mit im Haus. Sie sind nicht übermäßig religiös, wollen aber viele Religiöse Traditionen nicht auch nicht brechen. Interessant fand ich das Statement meines Gastvaters gegenüber meinen Geschwistern: An erster Stelle sollst du deine Eltern zufrieden stellen, dann deinen Lehrer und wenn du die beiden Dinge erfüllt hast kannst du zu Gott beten. Respekt gegenüber dem Alter hat hier einen hohen Stellenwert. Man spricht Ältere auch normalerweise nicht mir Namen an sondern mit Titel, also eine ältere Frau zum Beispiel mit Pati, was soviel heißt wie Großmutter. Das ist bei den Malayen nicht soviel anders, auch wenn sie natürlich andere ausdrücke dafür haben. Die Erziehungsmethoden sind hier nicht in allen Familien so modern wie sie es in Deutschland häufig sind.


In letzter Zeit…

Die letzte Woche hatten wir Ferien. Heute hätte ich eigentlich zur Schule gehen sollen, aber mein Gastvater hat uns allen geraten besser zu Hause zu bleiben, weil für heute bis zu 42° angesagt sind. Wie dem auch sei. Jedenfalls hab ich jetzt Zeit etwas zu schreiben.
Die Ferien blieben natürlich nicht ganz ungenutzt. Das erste Wochenende war ich mit Familie in KL und Genting. Genting ist ein Ort in den Bergen. Es herrschen angenehme Temperaturen, ähnlich wie bei uns im Frühsommer. Der Ort besteht hauptsächlich aus einigen Kasinos und daran Hotels, die wohl eher für Spieler als für andere Besucher gedacht sind. Es gibt dort allerdings einen Freizeitpark, in dem wir waren. Inzwischen soll es wohl auch mehr Familientaugliche Hotelzimmer geben. Der Park war ganz nett, aber natürlich war es auch anstrengend mit vier Kindern, die jedes Mal eine halbe Stunde brauchten um sich zu entscheiden, wo sie denn nun als nächstes hin wollten.
Kl war eher unspektakulär. Wir hatten auch wenig Zeit und haben eigentlich nicht viel mehr gemacht als nach KLCC zu fahren und einmal in das Shopping Center in den Petronas Towers zu gehen. Danach ging es zurück nach Ipoh. Was vielleicht noch zu erwähnen ist: Ich hatte Gelegenheit schwimmen zu gehen, was wirklich fein war.
Am Mittwoch war ich dann noch einmal in KL. Diesmal allerdings, weil AFS gefragt hat ob ich Zeit hätte für ein Interview für einen „Young Reporters Workshop“. Das interview war recht unspektakulär. Mit mir waren noch ein Returnee(jemand der ein Jahr in den USA war) und ein AFS Mitarbeiter da. Es kamen einfache Fragen wie „wie kommst du mit dem Wetter klar“ und „wie schmeckt dir das Essen hier“. Ich hatte aber Gelegenheit mal Malayische Reisebusse kennen zu lernen. Man hat wirklich außerordentlich viel Beinfreiheit und relativ bequeme Sitze. Allerdings sind die Stoßdämpfer nicht immer so gut. Das wird dann aber auch von Bus zu Bus unterschiedlich sein. Seitdem habe ich nicht mehr viel unternommen. Ich versuche meine Zeit irgendwie zuhause rumzukriegen zumal wir im Augenblick die wärmsten Tage des Jahres haben und davon abgeraten wird lange Zeit draußen zu verbringen. Naja, grade hat es angefangen zu Regnen und es wird etwas kühler. Genug für Heute!

Liebe Grüße Peter