"Was Recht ist muß Recht bleiben."
Unsere Bewohner hatten Angst. "Der Fisch kann nur vom Kopf her stinken." hat eine türkische Mitarbeiterin mal gesagt. Für diese Wohngruppe traf der Satz zu. Die Leitung bestimmte die Atmosphäre, war Maßstab für das, was im Umgang mit den Klienten erlaubt war. Sie fühlte sich in ihrem Job dekradiert, ihrem Verhalten nach zu urteilen.
Sehr bald war ich ihr ein Dorn im Auge. Sie machte auf einer Dienstbesprechung zum Beispiel meine Arbeitsleistung zum Thema, ohne mich vorher darüber informiert zu haben. Einige wenige Mitarbeiter waren eingeweiht und unterstützten sie. "Das war ja wie bei einer Inquisition." kommentierte ein Kollege im Anschluß.
Zwei Monate nach Anstellungsbeginn kam es zum Endpunkt der Auseinandersetzungen. Sie spielte mich in einem Gespräch mit der Einrichtungsleitung an die Wand. Nach meinen ersten Beiträgen war mir klar, bei diesem Gespräch verloren zu haben. Alles was ich sagte wurde gegen mich verwandt. Die Wohngruppenleitung hatte Ihren Vorgesetzten "auf mich vorbereitet".
Ich war "am Ende der Fahnenstange". Wieder in der Wohngruppe heulte ich erst einmal wie ein Schloßhund. Mit aufgerissenen Augen hörten sich die mir zugewandten Kollegen meinen Bericht an.
"Was Recht ist muß Recht bleiben."
kommentierte einer der beiden. "Ich werde mit dem Heimleiter telefonieren, ihm unsere Sicht der Dinge schildern."
Von da an wendete sich das Blatt.
Die Heimleitung wollte nun eine Stellungsnahme von allen Mitarbeitern der Wohngruppe.
Kollegen, die zum Zeitpunkt der Befragung im Urlaub gewesen wären, baten von sich aus um einen Alternativtermin.
Letztendlich mußte ich denn doch zum Ende der Probezeit gehen. Nach meiner Interpretation hatte die Heimleitung nicht genug A... in der Hose, um sich aus der Konfliktsituation gedanklich zu lösen. Mich gehen zu lassen war in seinen Augen wohl der einfachste Weg Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen.
An einem meiner letzten Arbeitstage beteuerte mir eine Kollegin, wie leid ihr die Entwicklung rund um meine Person täte. Ich bedankte mich daraufhin für ihren Einsatz. Jemandem hinter verschlossener Tür beizupflichten können die meisten.
Sich offen mich einzusetzen ist "ein anderer Schnack".
P.S Die Wohngruppenleitung ist letztendlich drei Wochen vor meinem Ausscheiden in Rente gegangen.


