Interview mit Elisabeth Kübler-Ross
Im folgenden die gekürzte Fassung eines Interviews, das der engagierte Journalist
und Autor Franz Alt mit Elisabeth Kübler-Ross anläßlich ihres 75. Geburtstags führte.
Franz Alt
Interview mit Elisabeth Kübler-Ross
Franz Alt: Frau Kübler-Ross, Sie haben immer wieder geschrieben, der Grund unseres Hierseins ist bedingungslose Liebe. Was ist das?
Elisabeth Kübler-Ross: Das gibt es auf dieser Welt gar nicht. Das gibt es nur auf der anderen Seite. Bedingungslose Liebe ist eine Haltung ohne Erwartung. Einfach bedingungslos. Es gibt kein anderes Wort dafür.
Franz Alt: Können Sie selbst bedingungslos lieben?
Elisabeth Kübler-Ross: Nur bestimmte Leute (lacht!) Nicht alle - genau das ist das Problem.
Franz Alt: Sie behaupten, eigene Nahtoderfahrungen zu haben. Wie sieht es denn im Jenseits aus?
Elisabeth Kübler-Ross: Ohne eigene Erfahrungen kann man sich das schwer vorstellen. Da gibt es keine Hoffnung, dass etwas so oder so sein wird. Da gibt es eben nur bedingungslose Liebe. Es ist dort schön, wunderbar und friedlich. Man hat keine Bedürfnisse - nicht einmal auf Zigaretten und Schweizer Schokolade. Sie wissen, was das für mich als Schweizerin heißt - (lacht).
Franz Alt: Sie bezeichnen sich als Schülerin der Sterbenden. Was haben Sie von Sterbenden am meisten gelernt? Sie haben ja Hunderte beim Sterben begleitet.
Elisabeth Kübler-Ross: Kleine Kinder, Sterbende und Geisteskranke sind die ehrlichsten Menschen.
Franz Alt
Interview mit Elisabeth Kübler-Ross

Franz Alt: Frau Kübler-Ross, Sie haben immer wieder geschrieben, der Grund unseres Hierseins ist bedingungslose Liebe. Was ist das?
Elisabeth Kübler-Ross: Das gibt es auf dieser Welt gar nicht. Das gibt es nur auf der anderen Seite. Bedingungslose Liebe ist eine Haltung ohne Erwartung. Einfach bedingungslos. Es gibt kein anderes Wort dafür.
Franz Alt: Können Sie selbst bedingungslos lieben?
Elisabeth Kübler-Ross: Nur bestimmte Leute (lacht!) Nicht alle - genau das ist das Problem.
Franz Alt: Sie behaupten, eigene Nahtoderfahrungen zu haben. Wie sieht es denn im Jenseits aus?
Elisabeth Kübler-Ross: Ohne eigene Erfahrungen kann man sich das schwer vorstellen. Da gibt es keine Hoffnung, dass etwas so oder so sein wird. Da gibt es eben nur bedingungslose Liebe. Es ist dort schön, wunderbar und friedlich. Man hat keine Bedürfnisse - nicht einmal auf Zigaretten und Schweizer Schokolade. Sie wissen, was das für mich als Schweizerin heißt - (lacht).
Franz Alt: Sie bezeichnen sich als Schülerin der Sterbenden. Was haben Sie von Sterbenden am meisten gelernt? Sie haben ja Hunderte beim Sterben begleitet.
Elisabeth Kübler-Ross: Kleine Kinder, Sterbende und Geisteskranke sind die ehrlichsten Menschen.
Diese drei Gruppen sagen immer die Wahrheit. Heuchelei und Unehrlichkeit ekeln mich an. Sterbende aber sind absolut ehrlich. Deshalb arbeite ich mit ihnen am liebsten.
Franz Alt: Eine Ihrer Botschaften heißt: Lasst uns das Sterben menschlicher gestalten. Was meinen Sie damit?
Elisabeth Kübler-Ross: Da gab es große Fortschritte in den letzten 30 - 40 Jahren. Damals hat man mit den Sterbenden gar nicht über das Sterben geredet. Man hat sie abgeschoben und nicht einmal ausreichend Schmerzmittel gegeben. Das ist heute anders und besser.
Wer heute übers Sterben sprechen möchte, findet garantiert ein Hospiz. Alles ist einfacher.
Franz Alt: Eine Ihrer Botschaften heißt: Lasst uns das Sterben menschlicher gestalten. Was meinen Sie damit?
Elisabeth Kübler-Ross: Da gab es große Fortschritte in den letzten 30 - 40 Jahren. Damals hat man mit den Sterbenden gar nicht über das Sterben geredet. Man hat sie abgeschoben und nicht einmal ausreichend Schmerzmittel gegeben. Das ist heute anders und besser.
Wer heute übers Sterben sprechen möchte, findet garantiert ein Hospiz. Alles ist einfacher.
Sie bekommen in jedem Hospital ausreichend Schmerzmittel ohne dabei doof zu werden. Sie können
in einem Hospiz oder auch zu Hause sterben. Endlich gibt es eine freie Wahl wie ich heute sterben will.
Franz Alt: Ein authentisches Leben ist die beste Voraussetzung für ein gutes Sterben, schreiben Sie.
Franz Alt: Ein authentisches Leben ist die beste Voraussetzung für ein gutes Sterben, schreiben Sie.
Was ist denn authentisches Leben und was ist gutes Sterben?
Elisabeth Kübler-Ross: Keine süße vordergründige Höflichkeit, sondern authentisch, so wie man es fühlt,
Elisabeth Kübler-Ross: Keine süße vordergründige Höflichkeit, sondern authentisch, so wie man es fühlt,
leben, ehrlich leben! Wer das tut, stirbt entsprechend. Sie sterben so wie Sie gelebt haben.
Ein Beispiel für Authentizität: Wenn ich hier in Europa gefragt werde, was ich vom USA-Präsidenten halte,
Ein Beispiel für Authentizität: Wenn ich hier in Europa gefragt werde, was ich vom USA-Präsidenten halte,
dann sage ich offen und ehrlich: Er ist ein Arschloch. Ein starkes Wort: Es ist aber eine authentische Aussage.
Franz Alt: Sie haben mir gesagt, der Tod ist kein Tod, sondern ein Übergang. Ein Übergang wohin?
Elisabeth Kübler-Ross: So ist es. Der Tod ist ein Übergang in ein anderes Leben. Den Körper lassen Sie zurück, aber das Bewusstsein bleibt und entwickelt sich weiter. Sie sehen alle Menschen wieder, denen Sie in diesem Leben nahestanden. Körperlich haben Sie keine Mühsale mehr. Drüben kann ich auf Berge klettern, tanzen und im Garten arbeiten - (lacht).
Franz Alt: Tod und Sterben sich noch immer tabuisiert. Warum ist das so?
Franz Alt: Sie haben mir gesagt, der Tod ist kein Tod, sondern ein Übergang. Ein Übergang wohin?
Elisabeth Kübler-Ross: So ist es. Der Tod ist ein Übergang in ein anderes Leben. Den Körper lassen Sie zurück, aber das Bewusstsein bleibt und entwickelt sich weiter. Sie sehen alle Menschen wieder, denen Sie in diesem Leben nahestanden. Körperlich haben Sie keine Mühsale mehr. Drüben kann ich auf Berge klettern, tanzen und im Garten arbeiten - (lacht).
Franz Alt: Tod und Sterben sich noch immer tabuisiert. Warum ist das so?
Das ist doch schon deshalb überraschend, weil es jeden betrifft.
Elisabeth Kübler-Ross: Da haben Sie recht. Das ist doch ein echter Blödsinn. Man wird so blöd erzogen.
Elisabeth Kübler-Ross: Da haben Sie recht. Das ist doch ein echter Blödsinn. Man wird so blöd erzogen.
Beim Tod werden noch die Kinder weggeschickt. Das ist einfach lächerlich. Aber es gibt Fortschritte in Richtung Ent-Tabuisierung.
Franz Alt: Was ist denn Ihre Hoffnung, wenn Sie an die Zukunft der Menschheit denken?
Elisabeth Kübler-Ross: Dass wir lernen, friedlich zu leben. Schwarze und Weiße und alle Religionen.
Franz Alt: Was ist denn Ihre Hoffnung, wenn Sie an die Zukunft der Menschheit denken?
Elisabeth Kübler-Ross: Dass wir lernen, friedlich zu leben. Schwarze und Weiße und alle Religionen.
Es ist doch ekelhaft und unchristlich, wenn sich in Irland noch immer Protestanten und Katholiken gegenseitig hassen und umbringen.
Franz Alt: Ihr großes Verdienst ist, Frau Kübler- Ross, dass Sie weltweit Tod und Sterben zum Thema gemacht
Franz Alt: Ihr großes Verdienst ist, Frau Kübler- Ross, dass Sie weltweit Tod und Sterben zum Thema gemacht
und enttabuisiert haben. Sind Sie zufrieden mit Ihrem Leben?
Elisabeth Kübler-Ross: Ja, ich kann mich nicht beklagen. Die Fortschritte kommen freilich viel zu langsam. Wenn ich das sehe, bin ich sofort wieder ungeduldig. Aber Sie wissen ja: Ich muss Geduld lernen, damit ich endlich in Ruhe sterben kann.
Franz Alt: Sie haben überhaupt keine Angst vor dem Tod?
Elisabeth Kübler-Ross: Nein, überhaupt nicht. Ich lernte schon als kleines Kind beim Tod eines Nachbarn,
Elisabeth Kübler-Ross: Ja, ich kann mich nicht beklagen. Die Fortschritte kommen freilich viel zu langsam. Wenn ich das sehe, bin ich sofort wieder ungeduldig. Aber Sie wissen ja: Ich muss Geduld lernen, damit ich endlich in Ruhe sterben kann.
Franz Alt: Sie haben überhaupt keine Angst vor dem Tod?
Elisabeth Kübler-Ross: Nein, überhaupt nicht. Ich lernte schon als kleines Kind beim Tod eines Nachbarn,
dass der Tod die natürlichste Sache der Welt ist. Der Mann war vom Baum gefallen. Dieser Nachbar hatte sich
von uns allen würdig verabschiedet - ohne jedes Theater ist er friedlich gestorben.
Franz Alt: Woher kommt die weitverbreitete Angst vor dem Sterben?
Elisabeth Kübler-Ross: Das ist hauptsächlich die falsche Erziehung. Wenn in Amerika ein Hund gestorben ist,
Franz Alt: Woher kommt die weitverbreitete Angst vor dem Sterben?
Elisabeth Kübler-Ross: Das ist hauptsächlich die falsche Erziehung. Wenn in Amerika ein Hund gestorben ist,
kaufen die Eltern oft und ganz rasch einen ähnlich aussehenden neuen Hund. Die Kinder sollen ja nichts merken.
Als ob diese Lüge helfen würde!
Das ist weniger Angst als vielmehr Dummheit und sie wissen ja, gegen Dummheit kämpften Götter selbst
Das ist weniger Angst als vielmehr Dummheit und sie wissen ja, gegen Dummheit kämpften Götter selbst
vergebens. Dieses deutsche Sprichwort habe ich nach 40 Jahren USA noch in Erinnerung. Ich freue mich,
Sie bald in den Po zwicken zu dürfen - (lacht sehr lange!).
Franz Alt: Ich bin gespannt, ob das klappt und bedanke mich herzlich bei Ihnen.
Das Interview führte Franz Alt mit Elisabeth Kübler-Ross am 16. Juli 2001 in Basel aus Anlass
Franz Alt: Ich bin gespannt, ob das klappt und bedanke mich herzlich bei Ihnen.
Das Interview führte Franz Alt mit Elisabeth Kübler-Ross am 16. Juli 2001 in Basel aus Anlass
ihres 75. Geburtstag, den sie mit ihren beiden Trillingsschwestern Eva und Erika feierte.
Quelle : Die Website von Franz Alt - - > http://www.sonnenseite.com/
Quelle : Die Website von Franz Alt - - > http://www.sonnenseite.com/

leo14