always on the road

02.02.2006 um 21:12 Uhr

Konzertbesuch "Mighty Dwights"

Stimmung: total fett
Musik: Mighty Dwights

Auf eine Einladung vom Fachmagazin MusicMania hin konnte ich am letzten Sonntag an einem Konzert der Mighty Dwights teilnehmen. Als Rolf, Peggy und ich gegen 19:30 die Sporthalle an der Schäferkoppel betraten, spielte gerade noch die 3. Herren - ich glaube, es war Handball. Na ja, jedenfalls haben wir bei den Müttern, die immer Kuchen während des Spiels verkaufen erstmal 6 Hülsen gekauft und weggezischt. Danach ging's auch wieder. Nach dem Spiel - es muss so gegen 20:00 Uhr gewesen sein, hat uns eine Spielerin der B-Jugend gefragt, warum wir denn "diese lustigen Kutten" anhätten. Mensch Mädel, wohl noch nie was von den "Mighty Dwights" gehört, was? Offensichtlich nicht, denn sie und der Rest der Bagage kicherten uns total doof aus. Peggy holte eine Rundy Feiglinge und Sandkuchen. Der Hallenwart Herr Gielfeld gab dann endlich grünes Licht, nachdem die letzten Minderjährigen die Halle verlassen hatten. Unter Stroboskop- und Flutlicht und einem Höllensound betraten die Dwights dann endlich die Bildfläche. Der erste Song war ein echter Burner, eine temporeiche Variante von "Running Oyster" mit sehr viel Drive. Das war total geil. Jimmy "Nox" Becker gab Vollgas und zuckte orgiastisch über die Bühne. Danach gleich der nächste Up-Tempo Kracher, "Black Motor, Red Mother". Der neue Gitarrist Josie fügte sich gut in diese Glamnummer ein. Ein breites Soundspektrum breitete sich aus, eine typische Psychedelicarea fügte sich an.

Die Dwights legten mit "Pepperkoken v 1.0" und der gefühlvollen 3/4-Takt Ballade "From I.C.E. with love..." nach, die ersten BHs flugen. Peggy und Rolf kamen einer Einladung von Sven "X" Gunsche nach und stagedivten, dass die Sohle glühte. Das Publikum kochte vor Begeisterung und forderte "Like a Dog without a Bonejob (Grrrreeeen!)". Mit amtlichem Druck kamen die Dwights der Forderung nach und dimmelten drauf los - geil! Gielfeld musste bald los, deshalb hieß es Hose zu und ab nach Hause. Peggy und Rolf waren schon vorzeitig auf dem Mattenwagen verlustig gegangen, deshalb zog ich es vor mit dem Taxler nach Hause zu fahren. Rock'n'Roll!

14.12.2005 um 12:43 Uhr

Offener Brief an Holzner-Figalla

Lieber Prof. Dr. Holzner-Figalla,

ich habe, und ich weiss das sehr zu schätzen, lange nichts mehr von dem (andere sagen auch der) Problem (bzw. problembehafteten) Relativsatzverschachtelung in der teutschen, oder auch deutschen, Sprachen vernehmen lasse, die jedoch - und diesen Einschub möge man mir verzeihen, wie er auch schon in vergangener Zeit des öfteren verziehen wurde - nach wie vor eine gewisse Unbill bei Mitmenschen verursacht, die a) sich nicht auf Satzkonstrukte, die aus mehr als einem Subjekt, Prädikat und Objekt bestehen, b) einem andere Kulturkreise angehören, oder c) sowohl der Schnittmenge aus a und b angehören, oder d) keinen Sinn für Sprachkultur haben, obwohl es ihnen doch wohl längst in Fleisch, Blut und - in Abhängigkeit ihres Sexus - in Gonaden bzw. Ovarien übergegangen sein müsste.

Als Vorschlag, diesen Umstand zu entschärfen, der über Kurz oder Lang - bei diesen beiden Wörtern ist mir nie ganz klar, ob sie gross oder klein geschrieben werden, genauso wenig wie ich weiss ob das gross mit scharfen s bzw. eszet (nicht die Schnitten, sondern die Letter ß) bzw. weiss mit dito, oder nicht - doch ich schweife ab. Als Vorschlag also entlehne ich die Metapher des Klammerns aus der Mathematik, mit der man die Präzedenz von arithmetischen Vorgängen steuern kann, und wende sie auf die unsere, deutsche Sprache an. Als Beispiel soll dieses kleine Fragment meines aktuellen Werkes "Von der Schanknutte zur Wanderhure - die Evolution des weiblichen Berufsbildes zu Zeiten Erwins des Haarigen" dienen, das ab dem 24.12. hoffentlich unter jedem Baume liegt (Seite 43ff.):

"[...] Johanna kroch (nach wie vor mit nur mit dem Fetzen Stoff bedeckt) an dem sabbernden Hund vorbei und vermied direkten Blickkontakt mit Reimer (der (wie auch schon am Vortag (und in den Tagen davor)) immer noch stark mürbe aussah) [...]"

In diesem Sinne,
Dr. Smegma-Konifere

05.12.2005 um 20:56 Uhr

Weiche Ziele

"Ich reite weiche Ziele - das habe ich immer schon getan. Es ist sozusagen mein Steckenpferd, ungeachtet der Tatsache, dass dies als ein drittklassiger Wortwitz aufgefasst werden könnte". LaRousse lächelte und blickte erwartungsvoll zu seinem Kunden auf. Edmund nickte salbungsvoll und kratze sich am Nackenschorf, der fast gänzlich abgetrocknet war. Nur ein kleines bisschen Feuchtigkeit wurde von seinen runzeligen Fingerkuppen ertastet. Ahh, herrlich. Endlich wieder trocken.

LaRousse knöpfte sich die Hose zu und summte "Gimme Gimme Gimme (A Man after Midnight)", allerdings so schlecht, dass Edmund es kaum wiedererkannte. Mit einer fast unmerklich langsamen Handbewegung schüttelte er die letzten Hautpartikel von seinen krummen Fingern - Möwenfedern gleich segelten sie langsam zu Boden und verbanden sich auf dem verwarzten Teppich mit den mannigfaltigsten Elementen, die ihr dunkles Dasein in dieser untersten Raumebene fristeten.

"Ich mache mir nichts aus weißen Leinwänden. Mein Ziel ist die Unterwerfung meines Gegenüber. Willen und Knochen - beides muss gebrochen werden" führte LaRousse seine Sichtweise fort. Edmund musste mal groß, aber das konnte warten. Es war spät. Das Sonnenlicht drang nur träge durch die graumelierten Fensterscheiben.

An den Stellen, an denene das Licht vergleichsweise leichtes Spiel gehabt hätte, in das Haus einzudringen, waren großflächige WindowColor Figuren angebracht. Ein fürchterlicher Reigen spießbürgerlichen Kleinmuts, finsterste Gesellen im Teddybär- und Diddl-Look, ein Strauß tumber Herrlichkeit, eine Geisterbahn ganz besonderer Art - Ja! Gewissermaßen ein Spiegelbild LaRousse'scher Unsäglichkeit. Edmund musterte LaRousse, den alten Kämpen aus der 10b. Er hatte sich sehr zu seinem Nachteil verändert.

Ungerührt der Situation fuhr LaRousse mit seinem Vortrag fort: "WindowColor ist die einzige Kunstform, in der ich mich vollkommen frei bewegen kann." - er taumelte auf Edmund zu: "Edmund, gib Dir einen Ruck! Auch Du kannst monatlich bis zu 10.000 Euro nebenbei verdienen! Ich habe alle Unterlagen hier", mit schweissnassen Fingern händigte LaRousse Edmund eine total verwichste Mappe mit grauenhaft fotografierten Damen mittleren Alters aus und fuhr, ohne mit der Wimper zu zucken, mit seinem Sermon fort: "gegen eine geringe Bearbeitungsgebühr wirst auch Du in den illustren Kreis der WindowColor Berater aufgenommen!". Edmund wusste nicht weiter und sprang schreiend über Tisch, Bank und diverse Stühle richtig Haustür, dem Sonnenuntergang entgegen.

22.09.2005 um 20:22 Uhr

Flatulenzia Propan

Perry war sich sicher - der Vertrag war wasserdicht. Es fehlte nur noch die Unterschrift, aber das war reine Formsache. Nach stundenlangen, zähen Verhandlungen - die Perry nur durch regelmäßiges nachpegeln seines mittel Bier und Jubi herbeigeführten Glimmerzustandes überstanden hat - war es jetzt endlich soweit. Er hatte die Bande weichgekocht. Die zwei Herren waren nicht einfach zu beeindrucken gewesen, da hat es schon einiger Anekdoten aus seiner langjährigen Tätigkeit als Fleischbeschicker bei der CMA bedarft. Die Dame hingegen (Dame - pah, sie war blutjung und roch nach Oilyly bzw. Hubba-Bubba-Parfüm, da hilft auch der Abschluß aus Göttingen nix) hat er schnell auf seine Seite ziehen können. Offensichtlich wirkt sein leicht zerlotterter Zustand am Ende einer Arbeitswoche wunder.

Perry hatte sich nochmals verdrückt, als absehbar war, dass alles im Lot ist. Nun wankte er beschwingt zurück aus der Teeküche und checkte nochmals seinen Scheitel. "Euch habe ich im Sack! Yeah!" munterte Perry sich auf und begab sich zurück zu den drei Möchtegernmanagern. Sie standen draußen auf der Dachterasse und rauchten eine Anstandszigarette. Peryy trat hinaus und ging auf die Gruppe zu. Er war noch ca. 4 Meter von ihnen entfernt, als sich ein unglaublich starker Druck auf dem Enddarm bemerkbar machte. Rächten sich jetzt die zwei Kannen Kaffee (schwarz) und die 4-5 Mettbrötchen, die er während des Monstermeetings verdrückt hat? Egal - Perry vertraute voll auf seine Instikte und lies ca. 3 Meter vor der versammelten Truppe einen "Kriecher" fahren, einen lautlose Darmwind, der es jedoch in sich hatte. Perry ging ruhig weiter und hoffte, dass sich der extrem fiese und verfaulte Geruch schnell verflüchtigen würde - jetzt nur keinen Fehler machen.

Unglücklicherweise verspürte Perry in genau diesem Moment einen leichten aber stetigen Rückenwind - der unerhörte Darmwind breitete sich von hinten wie eine fahle Wolke um ihn aus und hatte ihm fest im Griff. Die drei blickten erwartungsvoll zu Perry, die Braut lächelte geheimnisvoll. Perry ging wie in Trance weiter - immer noch stank es zum Himmel und aus seiner Hose diffundierte weiter die böse Überraschung. Als Perry bei den drei ankam, verzog keiner eine Miene, doch die heimelige Stimmung von vorhin war vorbei. Die nächsten Minuten vergingen wie in Zeitlupe und der Gestank verflog nur sehr sehr langsam. Das Atmen fiel schwer. Gerade als Perry das Wort ergreifen wollte drehte sich das Mädel zu ihm hin und erbrach sich über seine Anzugshose.

30.08.2005 um 21:43 Uhr

Sieben Wochen

Seit sieben Wochen hing Edmund nun schon in diesem elenden Kaff fest. Sieben Wochen voller Schmerz, sieben Wochen voller Angst und bohrender Ungewissheit. Seit Mund war trocken, der Schädel brummte wie eine frisierte Harley auf dem Highway to Hell. Nur langsam schaffte Edmund es, die verklebten Augenlieder zu öffnen, um einen Blick auf seinen Timex Quartz zu werfen - diese Uhr war das einzige, was ihn davon abhielt, komplett abzuschnallen und einfach loszulassen.
Die Uhr. Ein Wunder, das dieses Zeugnis eines besseren Lebens ihm noch geblieben war (eines weit entfernten Lebens, meldete sich die Stimme im Ohr zu Wort) - aber er versteckte sie ja Abend für Abend wieder dort, wo SIE nie nachschauen würde. Die Uhr. Ute, die geckenhafte Gespielin des Alten, hatte sie im nach seinem erfolgreichen Vertragsabschluß mit der Hille AG geschenkt. Ihre flötenhafte Stimme klingt ihm noch im Ohr: "Edmund, als Zeichen unserer Anerkennung möchten wir Ihnen diese Uhr überreichen. Sie wissen ja: Zeit ist Geld." - joviales Gelächter des Seniorchefs, danach dann Schnappes für die ganze Belegschaft und dann mit dem oberen Management über den Kiez und ab in den Puff, "mal richtig abmelken". Diese elende Bande.
Doch die Uhr konnte nichts dafür, sie tickte unnachgiebig vor sich hin. Tick, tick, tick - ein beruhigender Ton. Es verlieh seinem unwirtlichen Quartier etwas Majestätisches, etwas Ewiges. Wegen dieses Chronographen wollte Edmund sogar mal einen Taucherurlaub auf den Fidschis buchen. Nur weil das Teil mit einem Taucherring, oder wie das verdammte Ding heißt, ausgestattet ist. Als ob das was geändert hätte.
Er brauchte etwa 2 Minuten, bis er seine trüben Augen auf das Ziffernblatt fixieren konnte. Es war viertel nach - also Zeit, sich etwas zu ordnen. Heute stand viel auf dem Programm...

Er musste zum Bäcker, 8 Schrippen und ein Mischbrot (und Kakao im Tetrapak, nicht zu kalt). Die Kleinen müssen heute zum Glück erst zur zweiten Stunde hin, aber mit Laura muss er noch zu Frau Dr. Bathmann - Hannes hatte ihr gestern Kiesel in die Ohren gesteckt Frau Dr. war gestern nicht mehr zu erreichen. Um 11 dann Kaffeeklatsch mit den Damen von der Gemeinde. Die Danksagung an die Gürtlers muss auch noch gedichtet werden - sie hatten Alfons doch so schön betreut, als es IHR nicht gut ging. Um 12:30 dann schnell die Miracoli aufsetzen und nach dem Essen die Mädels zum Reitclub fahren (vorher Reifendruck beim Wagen prüfen, hinten links schwimmt es etwas). Klo putzen wäre eigentlich auch angebracht, aber dann wird's eng mit dem Zeitplan für das Aufarbeiten der verfluchten Makramee-Eulen.

Edmund wickelte sich aus seiner Toga und riss die Lilalaunebär Vorhänge auf - auf Nachbars Hundezwinger blitzte noch der Morgentau und aus Ronnys aufgemotzten Wartburg quoll schallend das Thälmannlied. Was für ein Leben als Hausmann in der sächsischen Provinz.

18.07.2005 um 21:30 Uhr

Suzukakia

Kurz nachdem Frau Sodautschik ihre Order abgesetzt hatte, erschien der Patron des Hauses. Wortlos entfernte er durch Einsatz eines mit Frittierfett getränkten Lappens die Speise- und Tropfspuren von unserem Tisch, die offensichtlich noch von den letzten Gästen herrührten und knallte uns die abgegriffelten Plastikhefter, in die lieblos die Speisekarte getackert war. Zwar hatte man sich die Mühe gemacht, die einzelnen Seiten durch Klarsichthüllen vor vorzeitigem Aufweichen zu bewahren, allerdings war das Lesen der Speisekarte durch die in mehreren Schichten aufgedampften Fett-, Soßen- und Speichelspuren ein schwieriges Unterfangen. An der Speisekarte haftete genug genetisches Material, um einen ganzen Jahrgang  Gerichtsmediziner für mehrere Monate zu beschäftigen.



Mit lautem Gefluche kündigte sich unterdessen die Rückkehr des Gastwirtes an. Er nestelte an seiner fleckigen Schürze und zückte einen Notizblock hervor, um unsere Bestellungen aufzunehmen. Als ich ihn freundlich anblickte, verengten sich seine Augen zu schmalen Sehschlitzen. Seine Mundwinkel verhärteten sich und sämtliche Knöchel traten hervor. Offensichtlich war man hier auf Streit aus. Ich ignorierte diesen Umstand vorerst und entschied mich für das Gericht B43, Suzukakia ("kleine Hacksteak mit Kritharaki, Zaziki, Pommes und verschiedene Salat"), während Frau Sodautschik den Klassiker A2, Gyrosteller, bestellte. Dazu eine Flasche Retsina und 2 doppelte Ouzo. Der Grieche knurrte etwas unverständliches und feuerte eine Stafette Blitze aus seinen Augenschlitzen auf mich ab. Dann verschwand er mit Riesenschritten in den Katakomben der Küche. Was hatte ich diesem Menschen bloß getan? Ich war verwirrt.

Frau Sodautschik hatte derweil Kontakt mit den drei Herren vom Nebentisch aufgenommen und becherte was das Zeug hielt. Wie sich herausstellte, waren die Herrschaften eine Wandergruppe aus Bad Bevensen die sich "auf der Durchreise" befanden und offensichtlich gerade die gemeinsame Kegelkasse auf den Kopf hauten. Ich hatte den Eindruck, langsam die Kontrolle über den Verlauf des Abends zu verlieren. Außerdem verspürte ich starken Harndrang. Ich erhob mich langsam und verlies gemessenen Schrittes die Szenerie in Richtung Herrentoilette.


17.07.2005 um 22:19 Uhr

Bacchus

Ich blieb den ganzen folgenden Tag und verbrachte ein sehr inniges Wochendende mit Irmgard. Viel ist in den letzten Tagen passiert und ich versuche, meine Gedanken wieder auf geordnete Bahnen zu bringen. Noch immer hämmert mein Kopf und dieses fade Gefühl im Mund lässt sich trotz Einnahme von Mundbertpastillen nicht eindämmen. Was war nur passiert? Hier ein Versuch das Erlebte in Worte zu fassen...

Nachdem ich Frau Sodautschik durch Handreichung eines kühlen Bieres von Ihrem Hustenanfall befreien konnte, lud sie mich voller Dank auf ein Essen beim nur wenige Schritte vom eigenen Gehöft liegenden Griechen Bacchus ein. Da ich noch nichts gegessen hatte und die Arbeit auch warten konnte, willigte ich ein. Frau Sodautschik entschuldigte sich und verlies die Küche. Kurze Zeit darauf konnte ich deutliche Erbrech-Geräusche aus dem nebenan gelegenen Bad vernehmen. Mangels einer besseren Idee angelte ich mir ebenfalls ein Bier aus dem Kühlschrank und lies den güldnen Nektar in mich hineinfließen. Nach der dritten Flasche verspürte ich bereits einen leichten Glimmer hinter der Stirn. Frau Sodautschik hatte offensichtlich das Bad verlassen und intonierte laut lallend Lale Andersen.



Von diesen neuen Tönen angezogen trank ich das vierte Stützbier rasch aus und verlies die Küche. Im Flur wurde ich mit einem mir bis dahin unbekannten Anblick Frau Sodautschiks konfontiert. Sie hatte sich des eierschalenfarbenen Bademantels nebst der Vollplastik Badesandaletten entledigt und sich stattdessen in eine Art Toga gewickelt, die mit floralen Motiven übersättigt war. Die Verabeitungsqulität von Stoff und Dekoration war durchweg als mangelhaft zu bezeichnen und wies eindeutig auf eine von Frau Sodautschik selbst durchgeführte Fertigung hin. Vermutlich wurde das Kleidungsstück unlängst im Rahmen eines Volkshochschulkurses "Kreative Kleidungsgestaltung" hergestellt und von Frau Sodautschik als besonders gelungen und deshalb nur zu besonderen Angelegenheiten zu tragen erachtet.  An den Füßen truf Frau Sodutschik nun khakifarbene Espandrillos aus denen leise Sand rieselte, als sie von einem Fuß auf den anderen wankte - ein Gruß an unbeschwerte Tage an der Ostsee mit Bast-Badematte und Sonnenbrand in den Achselhöhlen.

Irgendwie törnte mich das alles nicht an und ich schlug vor, zum Griechen aufzubrechen. Frau S. musterte mich phlegmatisch, rollte geheimnisvoll mit einem Auge und marschierte dann schnurstracks auf die Haustür zu. Ich folgte ihr und trat in die sengende Hitze hinaus, die diese Gegend nun schon seit mehreren Tagen im Griff hatte. Wir gingen etwa 30 Meter schweigend nebeneinander her bis wir vor dem in der Sonne flirrenden Schild der Gasstätte Bacchus ankamen. Die Außenterasse war bis auf einen hechelden Hund unbesetzt. Angesichts des trostlosen Anblicks, den diesem Flecken Erde zueigen war, zogen wir es vor, im Inneren des Gasthofes Platz zu nehmen. Frau Sodautschik lümmelte sich auf eine Doppelsitzbank eines 5er Tisches und orderte einen doppelten Ouzo. Ich zog es vor, auf einem Stuhl Platz zu nehmen, um im Notfall schnell und ohne Probleme das Etablissement verlassen zu können. Außerdem prägte ich mir den Weg zum Notausgang ein, falls der Haupteingang durch Einsturz des Daches oder andere Katastrophen unpassierbar werden sollte.

14.07.2005 um 22:42 Uhr

Sodautschiks Küche

Frau Sodautschik bat mich mit aller ihr noch verbliebenden Würde hinein und wir schritten andächtig durch die Eingangshalle. Durch die nikotingelben Vorhänge perlte träge das Sonnenlicht. Wir bewegten uns langsam und ohne große Eile in Richtung Küche, so dass ich genügend Zeit hatte, mir die schlecht rasierten Waden von Frau Sodautschik anzusehen. In der Küche roch es bestialisch nach angebrannter Milch und ausgelaufenem Fleischsud. Mit einer gönnerhaften Bewegung räumte Frau Sodautschik die leeren Flaschen (4 Bier und 1 Nordhäuser Doppelkorn 0,7l) vom Tisch und bat mir einen einfachen Stuhl zum Sitzen an. Sie selber drapierte sich auf einem Melkschemel.

Im Hintergrund dudelte ein Song von Andrea Berg. Ein Hund bellte. Frau Sodautschik holte tief Luft und verschluckte sich an einem Hauchetropfen. Um die Situation nicht eskalieren zu lassen öffnete ich meinen Aktenkoffer und legte die diversen Papiere, Offerten und vierfarbigen Prospekte zu drei übersichtlichen Stapeln auf dem klebrigen Küchentisch zurecht. Nach ca. zwei Minuten hatte sich Frau Sodautschik jedoch in einen solchen Hustenanfall gehustet, dass ihre ohnehin schon leicht ins rötlich neigende Gesichtsfarbe langsam ins karminrote ging und ich ernste Bedenken hatte, ob mein Vorgehen der Situation angemessen ist. Ich entschloss, mehr auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

13.07.2005 um 23:19 Uhr

Der Fall Sodautschik

Es war ca. 11:28 als ich die Loggia von Sodautschiks betrat. Sofort stieg in mir eine dunkle Ahnung auf: heute wird es besonders schwer werden. Ich öffnete die von jahrezehntelanger Witterung und schlechter Kunsstoffpflege mürbe und riefig gewordene Fliegengitterschutzverkleidung aus dem Hause Tesa und klopfte gegen die rustikale Holztür, die den Eingangsbereich zu Sodautschiks geheiligte Hallen markierte.

Etwa um 11:29 öffnete Frau Sodautschik die Tür und kurz darauf ihren Mund - der saure Atem der mir entgegenschlug, deutete auf ein ausgewachsenes Sodbrennen durch massiven Alkoholkonsum zu früher Tageszeit hin, so dass ich Schwierigkeiten hatte, mein freundlich süffisantes Lächeln aufrecht zu erhalten. Frau Sodautschik wirke derangiert aber in der Substanz nicht unerotisch. Sie schloss den Mund wieder um sich zu vergewissern, dass der halbzerkaute Zigarillo (Dannemann) noch an der trockenen Unterlippe haftete. Sie musterte mich mit blutunterlaufenen Augen.

Mit einem leichten Hüsteln übertünchte ich diesen heimeligen Moment und schob mit sanfter aber steter Bewegung meinen Fuß zwischen Tür und Rahmen  - ein erster Anfang war gemacht.