Ich blieb den ganzen folgenden Tag und verbrachte ein sehr inniges
Wochendende mit Irmgard. Viel ist in den letzten Tagen passiert und ich
versuche, meine Gedanken wieder auf geordnete Bahnen zu bringen. Noch
immer hämmert mein Kopf und dieses fade Gefühl im Mund lässt sich trotz
Einnahme von Mundbertpastillen nicht eindämmen. Was war nur passiert?
Hier ein Versuch das Erlebte in Worte zu fassen...
Nachdem ich
Frau Sodautschik durch Handreichung eines kühlen Bieres von Ihrem
Hustenanfall befreien konnte, lud sie mich voller Dank auf ein Essen
beim nur wenige Schritte vom eigenen Gehöft liegenden Griechen Bacchus
ein. Da ich noch nichts gegessen hatte und die Arbeit auch warten
konnte, willigte ich ein. Frau Sodautschik entschuldigte sich und
verlies die Küche. Kurze Zeit darauf konnte ich deutliche
Erbrech-Geräusche aus dem nebenan gelegenen Bad vernehmen. Mangels
einer besseren Idee angelte ich mir ebenfalls ein Bier aus dem
Kühlschrank und lies den güldnen Nektar in mich hineinfließen. Nach der
dritten Flasche verspürte ich bereits einen leichten Glimmer hinter der
Stirn. Frau Sodautschik hatte offensichtlich das Bad verlassen und
intonierte laut lallend Lale Andersen.

Von
diesen neuen Tönen angezogen trank ich das vierte Stützbier rasch aus
und verlies die Küche. Im Flur wurde ich mit einem mir bis dahin
unbekannten Anblick Frau Sodautschiks konfontiert. Sie hatte sich des
eierschalenfarbenen Bademantels nebst der Vollplastik Badesandaletten
entledigt und sich stattdessen in eine Art Toga gewickelt, die mit
floralen Motiven übersättigt war. Die Verabeitungsqulität von Stoff und
Dekoration war durchweg als mangelhaft zu bezeichnen und wies eindeutig
auf eine von Frau Sodautschik selbst durchgeführte Fertigung hin.
Vermutlich wurde das Kleidungsstück unlängst im Rahmen eines
Volkshochschulkurses "Kreative Kleidungsgestaltung" hergestellt und von
Frau Sodautschik als besonders gelungen und deshalb nur zu besonderen
Angelegenheiten zu tragen erachtet. An den Füßen truf Frau
Sodutschik nun khakifarbene Espandrillos aus denen leise Sand rieselte,
als sie von einem Fuß auf den anderen wankte - ein Gruß an unbeschwerte
Tage an der Ostsee mit Bast-Badematte und Sonnenbrand in den
Achselhöhlen.
Irgendwie törnte mich das alles nicht an und ich
schlug vor, zum Griechen aufzubrechen. Frau S. musterte mich
phlegmatisch, rollte geheimnisvoll mit einem Auge und marschierte dann
schnurstracks auf die Haustür zu. Ich folgte ihr und trat in die
sengende Hitze hinaus, die diese Gegend nun schon seit mehreren Tagen
im Griff hatte. Wir gingen etwa 30 Meter schweigend nebeneinander her
bis wir vor dem in der Sonne flirrenden Schild der Gasstätte Bacchus
ankamen. Die Außenterasse war bis auf einen hechelden Hund unbesetzt.
Angesichts des trostlosen Anblicks, den diesem Flecken Erde zueigen
war, zogen wir es vor, im Inneren des Gasthofes Platz zu nehmen. Frau
Sodautschik lümmelte sich auf eine Doppelsitzbank eines 5er Tisches und
orderte einen doppelten Ouzo. Ich zog es vor, auf einem Stuhl Platz zu
nehmen, um im Notfall schnell und ohne Probleme das Etablissement
verlassen zu können. Außerdem prägte ich mir den Weg zum Notausgang
ein, falls der Haupteingang durch Einsturz des Daches oder andere
Katastrophen unpassierbar werden sollte.